Ich kann jedes Wort von Conrad Menzel unterschreiben. Zugleich vermisse ich konkrete Vorschläge, an denen sich eine Diskussion entzünden könnte. Was wäre mit einem Verbot, Einschaltquoten zu erheben? Was wäre mit einer strukturellen Trennung von Werbung und Programm: Inhalte, auch der kommerziellen Sender, würden von unabhängigen (externen) Redaktionen gestaltet, Medienkonzerne dürften lediglich die Werbung vermarkten und an der Technik verdienen. Was wäre mit einer Einbeziehung unabhängiger Internet-Fernsehmacher in die Gebührenfinanzierung, beispielsweise über ein öffentlich-rechtliches Videoportal? Journalisten sollten häufiger konkrete Fragen stellen, Lösungswege vorschlagen, Maßnahmen fordern. Dann fiele den Bürgern auch eine Beteiligung leichter, anstatt nur über die GEZ-Gebühr zu schimpfen.
Einen "Linksruck" sehe ich auch nirgends. In den CDU-Regierungszeiten vor Schröder konnten jedenfalls alle Beschäftigten in Deutschland von ihrer Arbeit leben. Die Sozialdemokraten Schröder und Steinbrück haben sie den modernen Sklavenhaltern ausgeliefert. Wenn Merkel nun (vielleicht) die alte Regel wieder herstellt, dass ein Mensch von seiner Arbeit leben können muss, ist das zutiefst konservativ. Ansonsten teile ich die Wahrnehmung von Piawanegawa, dass sich die deutsche Gesellschaft stetig nach rechts bewegt. Die einzige Partei, die noch klassische sozialdemokratische Positionen vertritt, wird heutzutage vom Verfassungschutz beobachtet.
Man kann das auch alles etwas einfacher ausdrücken: Der Sozialstaat war die Versicherung der Wohlhabenden, nicht aus ihren Villen und Palästen geholt und womöglich Schlimmeres zu werden. Nachdem man in den vergangenen Jahrzehnten mehr und mehr die Prämien für diese Versicherung schuldig blieb, ist nun auch der Versicherungsschutz löchrig geworden. Das haben inzwischen sogar Konservative wie Charles Moore und Frank Schirrmacher erkannt.
Ich weiß in dieser Sache zu wenig, um mir ein Urteil bilden zu können. Mir fällt nur auf, wo Daniel Domscheit-Berg ist, ist Krach und Streit. Dass er offenbar Dokumente "mitgenommen" hat, die Wikileaks anvertraut waren, fördert sein Ansehen auch nicht gerade. Wenn ich etwas zu veröffentlichen hätte, ich würde es zu Wikileaks geben.
Warum sie an Barack Obama hassen, was wir lieben. 2012 steht in den USA im Zeichen des Präsidentschaftswahlkampfs und auch Europa schaut gespannt zu. Christoph von Marschall erklärt die unterschiedlichen politischen Kulturen dies- und jenseits des Atlantiks und entlarvt typische Vorurteile auf beiden Seiten
>> mehr