Rosa Sconto

Time Well Wasted

20.11.2011 | 12:29

Guns & Gold kennt keine Krise, Re-Privatisierung ist profitabel

Nachdem wir demokratisch gesinnten Leute froh sind einen ungewählten "Technokraten" ohne grosse Probleme in Italien installiert haben, können wir jetzt in Ruhe schon im November über Weihnachtsmärkte schlendern und die wunderschönen Waren aus Plastik bestaunen. Die Italiener kommen mit einem nicht gewählten "Technokraten" als Regierungschef schon klar. Hauptsche sie kommen nicht und fragen nach mehr Schuldenhilfe. Aber bis jetzt benehmen die sich ja auch gut, die demonstrieren nicht wie die Griechen und freuen sich das sie ihren Kappo los sind. 

Natürlich geht nicht alles in unserem Europa so undemokratisch zu wie in Italien. Die Spanier, mit 20 % Arbeitslosikeit, sollen heute, am 20. November, ruhig erst einmal ihren eigenen Sparhenker wählen. Wenn nicht alle Experten total falsch liegen, wird der konserative Mariano Rajoy mit seiner PP gewinnen, weil die Spanier in ihrem ungetrübten Glauben an den freien Markt dem Team von  Sozialisten um Zapatero die Schuld geben, nicht genug gegen die Rezession getan zu haben. 

Wie sehr konserative Kräfte in Europa an Boden gewinnen und auf Kosten der Bevölkerung Banken retten, will ich an folgendem Beispiel aus London zeigen. Dort brannten vor 3 Monaten ganze Strassen und Einkaufsparadiese, als wäre ein vollkommen betrunkener Guy Fawkes [1] durch die Strassen gezogen. Natürlich ging es nicht um Schulden, sondern um einen versehentlich von der Polizei erschossen Mann, auch noch mit Migrationshintergrund obendrein. Nein, die Streichungen der konserativen Cameron Regierung bei fast allen sozialen Institutionen waren natürlich nicht die Ursache. 

Die sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen in England, die vor allem bei der Bevölkerung mit Migrationshintergrund wächst, kann ihre Forderungen nicht einmal konkret formulieren. So erfahren viele von ihnen den Integrationsprozess nach dem Prinzip "Friss Vogel oder spirb" oder "beggars can not be choosers", wie die Engländer sagen. Ganz im Klima der weltweiten Sicherheits-Obsession wurde mittels einer medial gut inszenierten Hetzjagd auf Demonstranten gezielt Angst vor der Staatsmacht erzeugt. Nun ist davon auszugehen, das es niemals wieder zu derartigen "Entgleisungen" kommt und es herrscht wieder Ruhe und Eintracht auf der Insel.

So ruhig ist es geworden das als am 17 November 2011 das britische Finanz-Ministerium bekannt gab, Virgin Money [2] würde Northern Rock [3] kaufen. Es wurden gar nicht erst viele Fragen gestellt. Virgin Money gehört zur Virgin Group [4], einem britischen Venture-Capital-Konglomerat, das von dem Business-Tycoon Richard Branson gegründet wurde der seine ersten Taler mit dem Verkauf von Schallplatten machte. Die Bank Northern Rock wurde in Februar 2008 von englischen Steuerzahlern im Rahmen einer "Rettungsaktion" gekauft. Sie wurde dann 2010 in zwei Banken aufgegliedert; in eine überlebensfähige Bank und eine "Bad-Bank" die Northern Rock Asset Management [5] heisst. Virgin Money kaufte natürlich die Cremeschnitte zu einem Preis, der unter den "Rettungs-Kosten" lag. 

Schwarmdenken und Angst sind scheinbar ein ideales Rezept Profite zu generieren.

Die Bank Northern Rock galt bis 2008 als die achtgrößte Bank Großbritanniens und war im FTSE 100 Index gelistet. Durch Spekulationen auf den Kreditmärkten (US-Subprime-Finanzkrise) brach die Bank 2007 zusmmen. Ihre Aktien verloren in wenigen Tagen 90% ihres Wertes. Ab dem 14. September wurden die Warteschangen von nervösen Sparern vor den Bankschalltern immer länger, weil der bevorstehende Zusammenbruch unabwendbar erschien. Selbst nachdem die Regierung Garantiezusagen gemacht hatte, mussten am 17. September die Schalteröffnungszeiten verlängert werden, um dem Ansturm verängstigter Sparer gerecht zu werden, denn die Garantie-Erklärung der Regierung konnte die verängstigten Sparer nicht beruhigen.

Schon 2007 wurde niemals die Frage diskutiert ob nicht vielleicht die Kriege (Irak Afghanistan et c), die auf Kredit geführt werden, die wahre Ursache der Krise seien und so endete das Fiasko von Northern Rock einfach in der Verstaatlichung der Bank. Englands Kriegkosten waren so astronomisch das niemand Staub aufwirbeln wollte. Tausende verloren ihre Altersvorsorge. Viele Menschen warten heute noch auf die Einlösung der Zusagen der Regierung. Mit viel Glück werden denen nun vielleicht etwas Entschädigungen aus dem Verkaufserlös zuteil werden. Vielleicht. Wie gesagt, die Unruhen in London waren kein Ausdruck allgemeiner Unzufriedenheit, sondern nur eine Ausnahme von ein paar Kriminellen. Und diese Unzufriedenheit hatte natürich auch nichts mit der Verscheierung von Pleiten und Entlassungen zu tun. Ausserdem, das mit der Krise und dem Euro ist ja auch viel, viel schlimmer. In England wird Ged gedruckt. Vor 2 Wochen kam eine neue Anordnung dafür von der Regierung an die Bank of Engand [6].

Weil Ebbe in der Staatskasse ist gab nun, am 17. November 2011, das britische Finanzministerium den Verkauf von Northern Rock für 873.000.000 Euro an Virgin Money bekannt. Natürlich stellte sich da sofort die Frage ob das Risiko bestünde, das wenn die Bank of England unter Preis verkaufen würde, tätet sie dies nur, weil sie weis das noch mehr Probleme anstehen? Zu erfahren war nur das ales in Ordnung sei.

Die Virgin Group ist, entgegen ihrem sorgfältig gepflegten PR Image, als private Käuferin nicht so meschugge ein Risiko einzugehen. Die "Übernahme" soll nun bis Januar 2012 abgeschlossen werden. Als Trost für die Steuerzahler:  ihnen bleibt  wenigstens noch der Bereich "Northern Rock Asset Management" durch den britischen Staat erhalten. Deren Schuden Volumen soll über einen längeren Zeitraum "abgewickelt" werden, - all die im vergangenen Jahr getätigten riskoreichen Wertpapier- und Kredit-"Geschäfte" wurden zuvor säuberlich abgespalten. Nun ist die Northern Rock mit ihrem neuen Namen "Virgin Bank" wieder eine freie, private Mitspielerin im freien Markt und wird dann bald als Virgin Bank zurück an die Börse gehen. 

Gibt es ein besseres Beispiel dafür das Geld nur noch Manöver-Masse der Macht ist? Wie kann Virgin Money eine Bank zu einem Schnäppchenpreis kaufen, nachdem die vom britischen Steuerzahler 2008 warm gebettet wurde? Erklärungen sind bisher nicht wirkich erfolgt, nur vordergründige, ähnlich wie bei der Ernennung von Mario Monti zum italienischen Staatschef durch die EU. Viele Fragen werden vom Strom der dumpfen Boulevard-Nachrichten fortgespült und bleiben dann in dem Schlamm von Experten Chats stecken bei denen die Mehrheit der Bevölkerung nicht versteht um was es geht, und die Experten zum Teil auch nicht.


Sicher ist schon jetzt das nach den heutigen Wahen in Spanien ein nächstes Fass aufgenacht werden wird in dessen Schatten die kleinen Heuschrecken die Rudimente staatlicher Versicherungen Italiens ausplündern können. Die grossen Heuschrechen haben sich längst von Europa abgesetzt und sich seit vergangener Woche auf Japan konzentriert, weil sie nicht wissen was sie mit all ihren Gewinnen aus ihren Guns & Gold Bonds sonst tun sollen. Europa ist für die grossen Heuschrecken waidwund geschossen. Da sind keine grossen Profite mehr zu machen.

[1] de.wikipedia.org/wiki/Guy_Fawkes
[2] www.virginmoney.com/
[3] www.northernrock.co.uk/
[4] www.virgin.com/ ;;;
[6] www.n-ram.co.uk/
[5] www.bankofengland.co.uk/

 
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Kommentare
I.D.A. Liszt schrieb am 20.11.2011 um 14:31
Die eingesetzten Expertenregierungen werden sicherlich in den nächsten Jahren noch zunehmen. Ganz demokratisch eingesetzt, natürlich.

In etwa wie bei uns all diese Kommissionen, die die gewählten Politiker natürlich nur beraten!!!

Das ist vermutlich die Post-Post-Demokratie.

Und hierzu: Wie kann Virgin Money eine Bank zu einem Schnäppchenpreis kaufen, nachdem die vom britischen Steuerzahler 2008 warm gebettet wurde? ziehe ich eine Parallele: Wie konnte vor zwei Jahren die Commerzbank eine marode Dresdner Bank kaufen, nachdem sie gerade zuvor noch vom Staat stabilisiert werden mußte?

Wahrlich, wir gehen großen Zeiten entgegen.
Rosa Sconto schrieb am 20.11.2011 um 15:55
@ IDA
wir werden nicht gehen, wir werden wohl fliegen wenn es nach Richard Bronson geht. Vollkommen schwerelos und losgelöst. Mit Virgin Galactic


Hollywood von der Realität rechts überholt...
blog1 schrieb am 20.11.2011 um 17:15
Die Vorgehensweise bei der Übernahme der Northern Rock durch die Virgin Money könnte als Blaupause für die HRE in Deutschland dienen, die ja europaweit das Pfandbriefgeschäft kontrolliert. Hier wurde auch die Bad Bank FMS Wertmanagement (putziger Name) von der HRE abgespalten, bei der erst vor kurzem gut 55 Milliarden Euro durch einen Buchungsfehler wieder „aufgetaucht“ sind.

Es wird aber noch etwas Zeit vergehen, bis die Reprivatisierung der HRE über die Bühne gehen kann. Steinbrück ist dann entweder wieder Finanzminister in der großen Koalition oder gar Kanzler je nach Mehrheitsverhältnissen und alles ist wieder im „Lot“.
Rosa Sconto schrieb am 20.11.2011 um 18:40
@ blog1
Was ist los? Wo ist Ihre subtile Ironie? Es geht doch noch gar nicht ans Eingemachte ;-), warten wir doch einmal auf den Wahlausgang in Spanien heute Abend und welcher Gang morgen eingelegt wird. Wenn dann nächste Woche "die Santander und all die anderen Immobillien Banken " dort unter den Ranking Hammer geraten. Da wird's dann eng mit dem Traum vom Rentnerhäuschen im sonnigen Süden.

Die Übernahme von Northern Rock durch Virgin nach Abschluss beinhaltet:
• 75 Northern Rock Filialen
• 1.000.000 Million Kunden
• c. £ 14 Mrd. Hypothek Buch
• c. £ 16 Mrd. private Einlagengeschäft;
• c.2, 100 Mitarbeiter.

und all das ist ein Klacks: was Virgin auch noch so nebenbei macht wenn nicht gerade Banken günstig zu haben sind. Das erinnert mich an den Film die Maske wenn ich RB sehe.
Der had auch so einen funny PR Gag: "With whom are you screwing" Kann ich nur sagen "Screw it Let's do it, he practisees what he is preaching, amazing!

www.virgin.com/company
blog1 schrieb am 21.11.2011 um 01:15
Gemach, gemach. ich kann doch nicht bei einem so ernst zu nehmenden Blog mit Satire kommen.

Also in Italien haben Sie den Ersatz-Duce Berlusconi und sein Wachsfigurenkabinett zum Teufel gejagt und durch eine so genannte Expertenregierung ersetzt. In Griechenland laufen ähnliche Entwicklungen. In England hat der Premier Cameron einen Kater in 10 Downing Street angeschafft, um der Mäuseplage Herr zu werden. Der Kater scheint aber ein völliger Versager zu sein. Wenn der Premier noch nicht einmal weiß, dass Katzen wesentlich bessere Mäusejager sind als ihre männlichen Artgenossen, ist doch England nicht mehr zu helfen.

Ja und in Spanien ist jetzt die konservative PP unter dem neuen Ministerpräsidenten Rajoy an der Macht und kann wohl allein regieren. Was man so hört, will er natürlich sparen und den Unternehmern den „roten“ Teppich auslegen, indem er sein Sparpaket dadurch untermauert, dass er bei dieser Zielgruppe die Steuern senken will. Tja, klingt doch logisch. Das Ziel von Deutschland, Mallorca als 17. Bundesland übernehmen zu können, rückt näher.

Und da regen Sie sich über eine Bank auf, die etwas unterpreisig abgegeben werden wird.

In der 20-iger Jahren gab bis zur Weltwirtschaftskrise einen richtigen Boom in Deutschland. Berlin war der kulturelle Mittelpunkt Europas. Es wurde Charleston getanzt und das politische Kabarett hatte Hochkonjunktur. Die Nazis hatten sich zwar schon formiert aber noch nicht etabliert. Dann kam die Weltwirtschaftskrise und das Blatt wendete sich. Natürlich liegt es mir fern, irgendwelche Vergleiche ziehen zu wollen.
Warum auch?
claudia schrieb am 21.11.2011 um 06:21
>>Was man so hört, will er natürlich sparen und den Unternehmern den „roten“ Teppich auslegen, indem er sein Sparpaket dadurch untermauert, dass er bei dieser Zielgruppe die Steuern senken will. Tja, klingt doch logisch.<<
Und vor allem: Es hat sich doch bewährt. Oder ist der Reichtum, seit so verfahren wird, nicht in einer explosiven Weise gewachsen, wie seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr? Aber ohne das Risiko, in der nächsten Konjunkturdelle hoppeldipoppel pleite zu gehen und mit ein paar beiseitegelegten Mäuschen wieder von vorne anfangen zu müssen?
Der Erfolg rechtfertigt jedes "immer weiter so!"

Und was wollen die linken Kritiker denn schon vorbringen? Das "Allgemeinwohl"? Was soll denn das sein? Man muss diese Leute nur mal genauer anschauen: Lauter Habenichtse. Nicht mal ein müdes Milliärdchen auf Kante. Kein Wunder, dass die nichts von Wirtschaft verstehen und ausser Sozialneid nichts zuwege bringen...
claudia schrieb am 21.11.2011 um 06:35
Ach ja, noch was:
>>Die Nazis hatten sich zwar schon formiert aber noch nicht etabliert. Dann kam die Weltwirtschaftskrise und das Blatt wendete sich. Natürlich liegt es mir fern, irgendwelche Vergleiche ziehen zu wollen.<<
Neinnein, Vergleiche sind natürlich unangebracht. Wir haben ja heute keinen Reichspräsidenten, der die Faschos zur staatstragenden Partei ernennt.
Der "Verfassungsschutz" macht das heute janz elejant und unauffällig. Auch wenn es mal eine Panne gibt, die Richtung wird eingehalten. Dafür sorgt schon der Dienstherr dieses Dienstes.
blog1 schrieb am 21.11.2011 um 13:00
@claudia

Der Wahlerfolg der konservativen "Besitzstandswahrer" in Spanien sollte uns nachdenklich stimmen.
Umfragen zufolge sind 70% der Deutschen mit dem Regierungskurs von Merkel zufrieden.

Den Linken in Deutschland gelingt es nicht, ihre Themen in der Breite der Bevölkerung zu positionieren, wohl auch deshalb, weil sie sich untereinander nicht einig sind. Auch eine Parallele zur Weimarer Republik.

Die Mainstream-Medien betreiben "Volksverdummung", weil in der Bevölkerung die Entpolitisierung durch unser Bildungssystem erste Früchte trägt.

Zum Thema "Verstrickung des Verfassungsschutzes mit den Neonazis" wird überhaupt nichts passieren, außer ein paar Placebos. Das NPD-Verbot ist seinerzeit wegen der Spitzeltätigkeit von V-Leuten des Verfassungsschutzes gescheitert. Der Verfassungsschutz operiert ja nur in Deutschland selbst, um angeblich Deutschland vor Verfassungsfeinden zu schützen. Darüber hinaus gibt es noch den BND und den MAD, die sich um das "Ausland" kümmern. Seit Jahren wird gefordert, die Dienste zu einer Behörde zusammen zu legen. Beim Verfassungsschutz drängt sich der Verdacht auf, dass sich diese Leute selbst ihre Aufträge verschaffen, indem sie sich an Straftaten beteiligen. die sie dann später mit "aufklären" dürfen. So etwas nennt man dann vorausschauende Arbeitsbeschaffung.
Rosa Sconto schrieb am 21.11.2011 um 22:39
Der Wahlausgang bestättigt leider ein ganz, ganz zynisches Vorurteil: Jedes Volk verdient die Regierung das es sich selbst gewählt hat Ich beginne zu akzeptieren das Wahlpficht zur Demokratie gehört wenn Wähler überhaupt noch reflektierte Entscheidungen treffen wollen. Leider wird Wahlpflicht erst eingeführt wie der Mindestlohn, - zu spät.
tlacuache schrieb am 21.11.2011 um 05:38
blog1 schrieb am 21.11.2011 um 01:15

Sehr schoener Kommentar, richtig, aber Mäuseplage?
Eher die Rattenfaenger von Hameln.

--------------
Rosa Skonto:
Zu spanischen Ablegern:
Lieber Hubschrauberfallobstumsatzkunden
als 10 Millionen Kleinanleger die nix mehr haben
;-)
blog1 schrieb am 21.11.2011 um 13:03
Kann Cameron Flöte spielen oder pfeift er schon aus dem letzten Loch?
Rosa Sconto schrieb am 21.11.2011 um 22:40
Kann der überhaupt etwas, - ausser das was ihm diktiert wird was er tun soll?
Rob Kenius schrieb am 15.12.2011 um 16:28
Rosa,
das ist Post-Demokratie. Lies mal ein wenig in meinem Blog kritlit.de
wir haben die gleichen Themen und Ansichten. Ich drücke das aber viel kürzer aus und benutze die Rechtschreibe-Korrektur von Open Office...
Rosa Sconto
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