russoso

Blog von russoso

25.09.2010 | 15:12

Beherrscht uns der schöne Schein?

 

Was treibt den Bodybuilder an, sich und seinen Körper offensichtlichen Gefahren auszusetzen? Er überwindet natürliche Grenzen, steigert seine Leistung. Was steckt dahinter? Flüchtet er damit aus einem trostlosen Dasein, das ihn täglich quält? Täuscht er sich durch den Körperwahn etwas vor?

Machen etwa Kinder glücklicher? Jahr für Jahr lassen sich zehntausende Frauen allein in Deutschland künstlich befruchten. Für ein designtes Kind im Stil der Prenzlauerberg Muttis? Und welche Rollen nehmen bei alldem die Medien ein, die in Zeitschriften die traumhaftesten Wunder prophezeien und uns in Hochglanz das Perfekte vorsetzen? Sie begleiten uns rund um die Uhr über den Bildschirm und spannen uns für ihren Imperativ des schönen Scheins ein. Sind wir wirklich so stark, um dem Höhepunkt, dem Streben nach Perfektion auch mal zu widerstehen? Oder beherrscht uns bereits die medial vermittelte Illusion?

 Das sind die Fragen, mit denen sich Eleonora Frolov beschäftigt. In der zehnteiligen Kunstfotografieserie nähert sich die junge deutsch-russische Künstlerin, nicht zuletzt mit einem Augenzwinkern, visuell den unterschiedlichsten Höhepunkten an. Durch Ironie und Mehrdeutigkeit entsteht eine Spannung, die eine Antwort nach den gestellten Fragen verlangt. Alle Höhepunkte sind anders, je nachdem, wie man sie betrachtet. Für den Fußballfan ist ein grandioses Tor das Höchste der Gefühle. Für eine Frau ist es ein Diamant von drei Karat... Manchmal begibt man sich zu schnell in eine Welt aus Stereotypen und Klischees, wenn man die Bilder betrachtet. Sie erinnern aber stark an die Tricks der Werbung – einen visuellen Reiz oder einen Widererkennungseffekt herzustellen, um die größte Reichweite zu erreichen.

 Die Fotos könnten eine Aufklärungskampagne gegen orgiastische Werbeversprechen sein. Künstliche Befruchtung, Beeinflussung der Menschen durch Medien, Konsum- und Diätenwahn werden von der Künstlerin manchmal verspielt, manchmal auffallend direkt thematisiert. Die Kombination aus Bild und Text antwortet mit einer Überraschung auf die Frage, um welchen Höhepunkt es sich handelt… Im Bild „Künstlicher Höhepunkt“ spielt Eleonora Frolov mit den Fakten aus der Statistik: 60.000 Mütter wurden im Jahr 2007 künstlich befruchtet, 200 Millionen Euro Umsatz macht die Befruchtungsindustrie, 107.136 Euro kostet ein Kind bis zur Volljährigkeit, 76 Prozent aller Mütter geben ihren Beruf auf, 51 Prozent der Bundesbürger sind überzeugt: „Nur Kinder machen glücklich!“. Auf dem Bild ist eine Anreihung von Spritzen, die in Richtung einer Schüssel (vermutlich Spermien und Eizelle) ausgerichtet sind. Oder ein „Vorgetäuschter Höhepunkt“ – ein korpulenter Mann, der versucht sich glücklich zu (fr-)essen. Jedes Plakat ist ein Rätsel.

 Die Ausstellung ist in einer ehemaligen Nervenklinik zu sehen – ein spezifischer und sehr passender Ort für die Thematik. 

"Vorgetäuschter Höhepunkt", Eleonora Frolov

 
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Querdenker hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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niclas quinten hat gerade einen Blogbeitrag erstellt.
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