S.Heinel

Schwarz

15.05.2010 | 19:24

Facebook und Privatsphäre: f8-Update

Mitte April führte Facebook nicht nur seinen „Gefällt mir“ („Recommend“)-Button für Dritte eine, auch die Einstellungen zur Privatsphäre wurden erneut überarbeitet. Opt-Out ist das Modell, mit dem Daten jetzt  behandelt werden. Opt-out heißt nichts anderes als dass Daten der Benutzer standardmäßig von Facebook als öffentlich zugänglich behandelt werden. Der Nutzer wird erst über manuelle Einstellungen wieder Herr über seine Privatheit. Und doch kann man längst nicht mehr verhindern, dass private Daten veröffentlicht werden. Opt-out wird der neue Standard in Social Networks und er ist es in fast allen Bereichen von Facebook heute schon.

Matt McKeon hat in seinem Blog die Evolution der Privatsphäre bei Facebook grafisch festgehalten. Dabei ist das was dort gezeigt wird keine Evolution sondern eher eine Extinktion.

Es braucht kein großes Interpretationsgeschick um diesen Verlauf deuten zu können. Je blauer, desto öffentlicher die Standardeinstellungen.

Die Rücknahme dieser Öffentlichkeit privater Daten ist allerdings ein Buch mit sieben Siegeln. Da klingt es schon fast nach Hohn, wenn Zuckerberg als einen der Themenschwerpunkte „Vereinfachung“ herausstellt. Vereinfachung ja, aber nur für die weitere Personalisierung öffentlicher Profile. Bei den Einstellungen muss man sich schon durch einige dutzend Menüpunkte und mehrfach so vielen „Mehr dazu“-Links  klicken, um überhaupt zu verstehen, was jede Einstellung in ihrer Gesamtheit für das Profil bewirkt.

Nicht verwunderlich also wenn ein Leitfaden zur Privatsphäre in Facebook 30 Seiten dick ist. Thomas Hutter hat einen solchen als Whitepaper auf seinem Blog veröffentlicht

Nicht verwunderlich, dass viele User schon nach den ersten paar Klicks keine Lust mehr haben, sich damit zu beschäftigen. Schließlich wartet bei Farmville die Ernte.

Eine Grafik der New York Times macht die Komplexität noch offensichtlicher:

 

Ein Video  von https://www.datenschutz-ist-buergerrecht.de/ scheint da noch die einfachste Variante. 12 Minuten lang wird erklärt, wie man sich auf Facebook „privatisiert“.

 

 Außerdem wird am Ende des Videos noch auf einige interessante Facebook-Gruppen hingewiesen, die sich mit der Privatsphäre in Facebook auseinandersetzen:

Private Privacy – NOW – Protestgruppe gegen die Datenschutzbestimmungen und Privatsphären-Handhabung von Facebook.

Facebook Site Governance – informiert über die Änderungen der Privatsphären-Einstllungen. 

Zum Abschluss noch der Hinweis, dass auch Southpark das Thema Facebook auf seine eigene Weise behandelt hat

 

Über weitere Links zum Thema Datenschutz und Privatsphäre in Facebook würde ich mich freuen.

//
 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
Alien59 schrieb am 16.05.2010 um 06:14
Danke für den Artikel. Ich selbst bin nicht bei Facebook, weil ich meine Privatsphäre SEHR schätze - hatte aber überlegt, ob hier nicht die Vorteile die Nachteile überwiegen könnten. Wenn ich das aber alles so lese, macht es mir die Entscheidung leicht, meine Meinung nicht zu ändern.
Mich gruselts.
S.Heinel schrieb am 16.05.2010 um 21:28
Die Gruselei beginnt eigentlich erst da, wo wir uns bewusst oder unbewusst Entscheidungen abnehmen lassen. Bei Facebook heißt das zum Beispiel, dass ich nicht gezwungen bin irgendwelche intimen Sachen zu veröffentlichen. Zum Beispiel mag es ja lustig für die Freunde sein, die Partybilder des letzten Wochenendes hochzuladen und zur Verfügung zu stellen, wenn ich aber die Befürchtung hege, dass darunter auch Bilder sind die mich nicht gut aussehen lassen - gegenüber der Schwiegermama oder zukünftigen Arbeitgebern zum Beispiel - dann lasse ich die Bilder eben offline.

Ich hab seit 2 Jahren ein Facebook-Profil und ich habe es mir damals vor Allem angelegt um meine Reisebekanntschaften aus Ozeanien einfach pflegen zu können. Mit der Zeit sind ehemalige Schul- und Jugendfreunde dazugekommen. Mittlerweile nutze ich es zusätzlich noch um auf meine Blogs, die ich ja auch privat veröffentliche, aufmerksam zu machen.

Wer sich natürlich fünftausend Apps und Spiele herunterlädt und tatsächlich so wie in der Southparkserie hineingesaugt wird, (I don't want to get sucked in) der hat halt nicht kapiert, dass Facebook zwar ein Social Network ist, aber nicht aus sozialem Interesse, sondern aus rein kapitalistischen Gründen.

Für mich überwiegen nach wie vor die Vorteile.
Alien59 schrieb am 17.05.2010 um 06:05
Danke - ich sammele noch Ansichten ;-) - das mit der Reklame für blog ist ein gutes Argument.
merdeister schrieb am 17.05.2010 um 08:45
Bei Wired.com gab es auch einen guten Artikel
S.Heinel schrieb am 17.05.2010 um 09:18
S.Heinel
Schreiben gegen die Ohnmacht, gegen geistige Übelkeit, gegen politische Verlogenheit. Schreiben für mehr Wahrheit in der Politik.
Ort:
Stuttgart
Mitglied seit:
2 Jahre 25 Wochen
Zuletzt aktiv:
15.07.2011
Status:
Blogger
Aktivität:
Beiträge: 21
Kommentare: 211
Logbuch
12:50
antares56 hat gerade einen Kommentar geschrieben.
12:50
Querdenker hat gerade einen Kommentar geschrieben.
12:49
Querdenker hat gerade einen Kommentar geschrieben.
12:40
niclas quinten hat gerade einen Blogbeitrag erstellt.
12:35
blog1 hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG