S.Heinel

Schwarz

10.12.2009 | 23:26

Klimaschutz praktisch: Gedankencollagen (I)

Weiße Flächen

Das Eis an Nord- und Südpol, sowohl auch der Gletscher schmilzt und welche Studie man auch befragt, irgendwann prognostizieren alle einen Totalverlust. Abgesehen davon, dass dadurch der Meeresspiegel steigt, der Salzgehalt sich möglicherweise ändert und tausend andere Dinge passieren, verschwindet auch viel weiße Fläche.

Weiße Fläche - also Eis in unserem Fall - bedeutet aber eine größere Reflexion und eine geringere Absorption von Wärme. Da dort wo vorher das Eis war dann Wasser wäre, würde sich die Erde zusätzlich zu allen anderen Dingen auch durch das fehlende Eis noch schneller Erwärmen.

(Grundlage: Kirchhoffsches Strahlungsgesetz. Beispiel: Weiße Häuser in warmen Ländern  )

Wenn man also diese weiße Fläche die uns verlorengeht "künstlich" ersetzen könnte, hätte man wenigsten diesen Teil der Erderwärmung aufgehalten. Die naheliegendste Idee wäre dabei in Zukunft egal wo auf der Erde, Häuser grundsätzlich weiß zu tünchen und die Dächer weiß zu decken.

Meine Frage an Architekten und Städteplaner unsere Breiten wäre, ob denn irgendetwas dagegen spricht?

 

Schwierigkeiten bei den Prognosen - Rückkopplung 

Eigentlich sollte man meinen, dass sich Wissenschaftler nach über 40 Jahren intensiver Auseinandersetzung mit Klima und Modellierung einig sein sollten in welche Richtung es geht. Doch die Lager bestehen nach wie vor und Vertreter der Erderwärmung liefern sich heiße Schlachten mit denen, die alles als Humbug abstreiten. 

Ich will ehrlich sein, ich habe Respekt für beide Seiten. Denn selbst wenn heute niemand mehr die tatsächliche Erderwärmung leugnen kann, so sind doch - oft überspitzt formulierte - Gegenstimmen gut und weisen diejenigen, die zu euphorisch auf ihre Klimavorhersagen pochen in die Schranken der wissenschaftlichen Auseinandersetzung. Ein Beispiel:

Es sollte klar sein, dass wenn sich die Erdatmosphäre tatsächlich erwärmt und sich die Klimazonierung tatsächlich verschieben sollte, es durchaus möglich ist, dass die gewaltigen Permafrostböden der sibirischen Tundra zu tauen beginnen. Lagerstätten von gefrorenem Methan (25x so wirksam wie CO2) und gefrorenem CO2 und anderer Treibhausgase könnten dann sehr viel schneller freigesetzt werden als es jetzt der Fall ist.

Fall I:

Eine positive Rückkopplung wäre der naheliegendste Schluss. Methan und CO2 gelangen in die Atmoshpäre, dadurch wird die Erwärmung beschleunigt, was zu einem schnelleren Auftauen der Permafrostböden führt und der Kreislauf schließt sich

 

Fall II:

Allerdings gibt es Indizien, dass aus dem vollständig gefrorenen Permafrostboden genauso viel Methan entweicht wie aus angetautem Permafrostboden. Dies würde aber bedeuten, dass obwohl der Boden auftaut, sich die Menge freigesetzten Methans nicht ändert, also keine negative Rückkopplung.

Originalartikel:  

"Large tundra methane burst during onset of freezing" - Nature Dez 2008

Zusammenfassung auf SPIEGEL online:

Auch bei Frost entweicht Methan


Fall III:

Nach Physikalischen Theorien von Rayleigh und Mie streuen Teilchen die größer als die Wellenlänge des Lichts sind, das gesamte Spektrum des Lichts. Teilchen die größer als die Wellenlänge des Lichts sind, sind unter Anderen Nebel und Wassertröpfchen in den Wolken. (Daher sind Wolken oft weiß)

Wenn also der Permafrostboden auftaut wird auch jede Menge Wasser verdampfen, dass sich in der Atmosphäre in Form von Wolken wieder findet. Würde es aber mehr Woken geben, könnte mehr Sonnenstrahlung gestreut werden. Das hieße wiederrum, dass weniger Wärmestrahlung auf der Erde ankommt und dadurch die Erwärmung abfedert, stagniert oder gar umkehrt.

 

Wenn also in den nächsten Wochen weiter von Erderwärmung, 2 Grad-Zielen und Reduzierung des anthropogenen CO2-Ausstoßes geredet wird, sollte man sich immer vor Augen führen, dass hier sehr komplexe Kreisläufe mit etlichen bekannten und noch unbekannten Rückkopplungseffekten in sehr einfachen Phrasen beschrieben werden.

Diese Vereinfachung komplexer Vorgänge in der Natur ist durchaus sinnvoll - da sie uns Laien sonst durchaus schnell überfordern würden. Nicht umsonst rechnen heute die stärksten Computer an den aktuellen Klimamodellen. Die Frage, ob man gerade die ganze Wahrheit gehört hat, sollte man sich aber durchaus oft kritisch stellen.

 

 
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