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Eishockey
Wildes Gestochere an der Bande dann rutscht das kleine Spielgerät über die blaue Linie und ist aus der Gefahrenzone. Jetzt hält es niemand mehr auf den Sitzen. sechs schweizer Spieler drehen ab, einer jagt dem Puck hinterher, als er ihn erreicht sind es noch 5 Sekunden auf der Uhr, die deutschen Fans zählen sich der Sensation entgegen. Vier. Die Schweizer starten einen letzten Angriffsversuch. Drei. Euphorie schwingt mit. Zwei. Auch die Auswechselspieler sind aufgesprungen und drängen sich an der Klapptür. Eins. Jubel brandet auf. Die Sirene dröhnt. Schluss; aus; vorbei. Deutschland besiegt die Schweiz in einem packenden Viertelfinale. Trainer umarmen sich, die Spieler hüpfen in einem großen Pulk und feiern. Ordner haben bereits den Teppich auf dem Eis ausgerollt, auf dem in wenigen Sekunden die herausragenden Spieler dieser Partie geehrt werden sollen.
Doch dann kommt Unruhe auf, der Hauptschiedsrichter hat sich an der Bande mit den Verantwortlichen für die Zeit unterhalten. Gemeinsam sind sie zu dem Schluss gekommen, dass das Spiel zu früh beendet wurde, eine Sekunde zu früh. Als Fußballfan denkt man sich, dass das ein Witz sein muss. Im Fußball werden nach Gutdünken des Schiedsrichters aus drei Minuten Nachspielzeit mal zweieinhalb, mal vier Minuten, aber eine Sekunde? Wer selten Eishockey schaut, dem müssen die folgenden Bilder wie ein schlechter Traum vorkommen.
Ordner laufen auf die Eisfläche und rollen den Teppich wieder zusammen. Die Ersatzspieler rutschen wieder auf die Ersatzbank. Der Jubel auf den Rängen ist zu einem ungläubigen Gemurmel zusammengesackt. Schiedsrichter achten darauf, dass die richtigen zwölf Spieler der beiden Mannschaften auf dem Eis zurück bleiben.
Die Entscheidung, da Spielunterbrechung eine Sekunde vor Schluss, lautet auf Bully. Da das Spiel in der Zone der Deutschen unterbrochen wurde, wird der Bully dort ausgeführt werden. Vor dem deutschen Tor. Eine Sekunde reicht. Ein Schuss reicht. Ein Tor reicht. Es würde in die Verlängerung gehen.
Der deutsche und der schweizer Spieler gleiten übers Eis zum Schiedsrichter an den Bullypunkt. Der Torwart der Deutschen drückt sich in die kurze Ecke des Tors. Vor ihm stehen die restlichen vier Spieler in einer Mauer. Der Auftrag: Schuss verhindern. Um jeden Preis. Das letzte Gemurmel verstummt, die Pausenmusik wird abgeschaltet. Der Blick aller Spieler, der Schiedsrichter und der 12.500 Fans ist auf den Puck gerichtet. Er fällt. Der deutsche Spieler bekommt den Schläger zuerst dazwischen und die Scheibe an die Bande.
Ende. Aus. Deutschland zieht ins Halbfinale ein. Zum zweiten Mal an diesem Abend. Zum ersten Mal seit 57 Jahren.
60 Minuten pures Adrenalin und am Ende fünf Minuten Drama. Allein aus dem Spiel heraus, ohne Knöchel- und Sportgericht-Diskussionen. Ohne inhaltsleere Vorberichterstattung. Ohne „spezial“ und „Brennpunkt“. Aber so wie es aussieht auch weiterhin ohne Übertragung in den öffentlich-rechtlichen Sendern; selbst das Halbfinale (Samstag 22. Mai – 18 Uhr) „unserer Jungs“ nicht.
Frauenfußball
„Die Mädels“ (?) von Turbine Potsdam waren gestern wenigstens dem ZDF die Primetime wert. Das Championsleague-Finale der Frauen wurde live übertragen. Turbine Potsdam gewann in einem dramatischen Elfmeterschießen gegen Olympic Lyons.
Deutschland ist übrigens nächstes Jahr Austragungsort der Fußballweltmeisterschaft der Frauen. Man darf gespannt sein, wie viel mediale Aufmerksamkeit dann etwa der Knöchel von Birgitt Prinz zugesprochen bekommt. Birgitt Prinz? Das ist die Frau, die mit Michael Ballack Werbung für die Fanbahncard macht – nur falls Sie nicht wußten von wem ich da rede.
Heute jedenfalls wurden die Potsdamerinnen und die EishockeyWMler auf den weniger wichtigen Innenseiten des Sportteils der Stuttgarter Zeitung verbannt. Dorthin wo während des Ligabetriebs, Zweit- und Drittliga-Trainer ihre Interviews finden oder über die Erfolgschancen der Stuttgarter Kickers (Regional-Liga Süd) berichtet wird. Die Hauptseite widmete sich – wen hätte es gewundert – der deutschen Nationalmannschaft im Trainingslager. Zusammenfassung: Trainingslager auf Sizilien war toll. Trainingslager in Tirol wird besser.
Na dann, Hyper! Hyper!
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Das Elfmeterschießen habe ich noch geguckt und meine Bewunderung für die Leistung stieg besonders, als der Kommentator erwähnte, dass die Torhüterin Sarholz erst 17 ist.
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Der Schnitt ist 20,1 Jahre und das ist sehr jung, wollte man das mit Männerfußbal vergleichen. Beispiel Lehmann: Mit 40 ausgestiegen und dennoch ein Comeback in der Nationalmannschaft nach Adlers Verletzung nicht ausschließen wollen.
Ich hab noch nie an so Fußballguru-Beschwörungen wie "Internationale Erfahrung" oder "Erfahrung in der Nationalmannschaft" geglaubt. Entweder man kann spielen oder nicht und mir sind 20jährige lieber, die nach 100 Minuten immer noch versuchen schnörkellosen Fußball zu spielen, als Ü30iger die sich schon nach der 60 Minute mal für ne viertel Stunde verstecken müssen, weil ihnen sonst die Puste ausginge. |
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Eigentlich braucht niemand lahmen Männerfußball, aber die Medienkonzerne und die Werbeindustrie haben ihn zum nonplusultra erhoben, also wird man sinnfrei in Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen und Werbung zugeschüttet, weil irgendein Wichtigtuer Werbeeffekte errechnet hat. Ich hoffe inständig das Problem löst sich wie Allmacht der Finanzgurus eines Tages in ein Nichts auf.
Da wo nicht das Geld regiert Eishockey und Frauenfußball kann man noch ehrliche Leistung sehen und ehrliche Freude. Jeder einzelne Fußballer der an dem Urlaubstrip nach Südafrika teilnimmt, erhält dafür mehr Geld als der gesamte Potsdamer Verein für den Sieg in der Champions Leage. Ja und um das zusammen zu bekommen muß man uns eben rund um die Uhr zuschütten. |
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Gespannt sehen wir nunmehr dem Superfinale Champions League Gewinner der lahmen Bayern oder Mailand gegen unsere Champions League Champions von Turbine Potsdam entgegen.
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Frauenfussball, schöner Versuch. Hat das schon mal jemand gesehen? Ja? Also, dann tun wir nicht so als gäbe es da irgendetwas spannendes zu erzählen. Warum muss da eine Kamera dabei sein wen die miteinander spielen? Hosen und Trikots sind auch viel zu labberig.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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