Die Abmahnungen der letzten Monate und Jahre haben immer wieder Anlass genug gegeben sich aufzuregen. Jüngst hat der Outdoor-Ausstatter Jack Wolfskin bewiesen, wie man einerseits die eigene Marke überschätzen und andererseits die neuen Entwicklungen der Sozialen Medien unterschätzen kann. Als Bürger habe ich ein moralisches Empfinden, das, wie bei vielen anderen auch, sehr stark vom "Groß-gegen-Klein-ist-im Zweifel-immer-ungerecht" geprägt ist. Und dieses Empfinden ist jenseits von juristischen Kategorien und Spitzfindigkeiten empfindlich gestört worden.
Aber je länger ich über den Jack Wolfskin-Fall nachdenke, bei dem der Markenartikler im wahrsten Sinne des Wortes ohne hinzugucken, kleine Selfmade-Leute hat abmahnen lassen, desto mehr wächst in mir die Wut über eine ganz andere implizite Botschaft. Diese unterschwellige Botschaft lautet: Du Konsument bist zu dumm, den Unterschied zwischen unserer echten Marke und einer entfernt ähnlichen aussehenden grafischen Abbildung zu erkennen.
Als Konsument habe ich neben dem genannten moralischen Kompass auch eine Käuferehre. Ich möchte ernst genommen werden. Unternehmen, die Produkte mit einem Markenversprechen verkaufen wollen, sollten die Käufer nicht für dumm verkaufen. Schließlich reden wir über angeblich wertige Ware, die auch eine entsprechende Identifikation und Geldbeutel voraussetzen. Ist es im Gegenteil nicht sogar so, dass die gesamte Markenkonstruktion zusammenbricht, wenn mir als potenziellem Käufer nicht zugetraut wird, eine selbstgestickte Katzenpfote auf einer Filztasche von einem T-Shirt mit Wolfstatzensigne als zwei Welten zu unterscheiden - zumal unter Berücksichtigung des Kontextes, in dem die Dinge angeboten werden? Ist die Verwässerung der Marke, auf die sich Jack Wolfskin unter anderem berufen hat, genau durch das Verhalten des Unternehmens nicht längst Wirklichkeit geworden?
Oder geht es am Ende gar nicht um uns Kunden? Geht es nicht darum, dass wir aus Versehen, ein angebliches Plagiat kaufen und dafür das teuere Markenprodukt liegen lassen? Sondern geht es inzwischen einfach ums Prinzip?
So oder so es bleibt nur eine Konsequenz: Nicht dumm kaufen.
Ausgabe 06/12
09.02.2012
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