Bine

Insight Südafrika

18.03.2010 | 07:41

Fahrt ihr zur WM nach Südafrika? Dann achtet auf eure Garderobe!

FIFAs Bestimmungen sind streng, wer schon einmal während einer WM im Stadion war, wird sich auskennen. Ich war es noch nicht, dieses Mal wird das erste Mal sein. Wenn man sich nicht gut informiert vorher kann man leicht in einen der vielen Steine stolpern, die FIFA einem vor die Füße legt.

 

Zeitung lesen während man in der Schlange steht und sehnsüchtig darauf wartet, endlich seinen Platz einnehmen zu können? Vergesst es. Das neue Lieblings-T-Shirt mit dem großen Puma-Zeichen vorne drauf anziehen, die stolz geschwellte Brust mit dem Logo in die Kamera halten wenn das favorisierte Team ins Stadion läuft? Weit gefehlt. Um sich mit allen von FIFAs Regeln vertraut zu machen, sollte man Zeit investieren, wenn man es gründlich tun möchte. Es gibt viel zu lesen auf der Homepage des Verbundes.

Einige der Regeln sind irgendwo nachvollziehbar. Dass der Hauptsponsor bzw. FIFA-Partner Adidas es nicht begrüßen wird, wenn alle Stadionbesucher riesengroße Puma-Logos auf ihrer Kleidung tragen, erscheint logisch. Dass allerdings im Umkreis von 800 Metern rund um die Stadien keine Zeitungen verkauft werden (und somit, nehme ich an, auch keine mitgebrachten gelesen werden dürfen) ist doch ein wenig seltsam. FIFA will eben jeglicher für sich unbequemen Meinungsbildung vorbeugen und direkt vor dem Einlass nicht noch durch einen querulantigen Journalisten ins falsche Licht gerückt werden. Auch verständlich? Angenommen ja, ist das noch lange keine Rechtfertigung dafür, mir vorzuschreiben wo ich meine Zeitung ausbreiten darf und wo nicht.

Ich hatte sogar mal überlegt, mich als Helfer für die Frauen-WM 2011 in Deutschland zu bewerben. Wenn ich mir nun aber vorstelle, ich werde dazu eingesetzt, den Wartenden das Zeitunglesen in der Schlange zu verbieten, dann überlege ich mir das mit meiner Bewerbung doch lieber nochmal.

Auch was den Ticketverkauf für Südafrikaner angeht ist die Stimmung merklich am sinken. In der Uni-Zeitung „Varsity“ der University of Cape Town brachte ein Student in der letzten Ausgabe auf den Punkt, was wohl nicht nur ihm bitter aufstieß. Wie viele andere Fußballbegeisterte auch kümmerte er sich und bewarb sich schon vor einiger Zeit um Tickets. Hätte er es doch bloß nicht so eilig gehabt. Da auch der Verkauf innerhalb des Gastlandes nicht den Vorstellungen der Veranstalter entspricht, musste er zähneknirschend feststellen, dass in der dritten Verkaufsphase Tickets der Kategorien zwei und drei mal eben als Kategorie vier-Tickets verkauft wurden. Ein Discount von bis zu über 80%. Und auch wenn ein Student höchstwahrscheinlich immer noch besser situiert ist als jemand, der aus einem Township kommt, macht es doch einen Unterschied, ob man 84 € für ein Fußballticket ausgibt oder 14. Und warum sollten die Faulen belohnt und die Fleißigen bestraft werden?

Es scheint, als würden viele Südafrikaner der WM noch skeptischer gegenüberstehen als der Rest der Welt, der noch sehr zögerlich Tickets erwirbt. Man kann es ihnen nicht verübeln, auch hier in Südafrika selbst fällt die Berichterstattung im Vorfeld des Mega-Events nicht besonders positiv aus. Mehr und mehr Regeln und Bestimmungen schießen wie die Pilze aus dem Boden. Sicher sind diese Regeln alle nicht neu, es ist ja nicht die erste Fußball-WM. Aber sie werden nur nach und nach öffentlich gemacht. Und so langsam aber sicher scheint das Gedulds-Fass etlicher Fußballfans überzulaufen.

Rund um den Kapstädter Hauptbahnhof sind plötzlich all die kleinen Läden, Friseure, Callshops und was sich dort noch so befand verschwunden. Mirnichtsdirnichts mussten plötzlich alle dicht machen. Nun wird das Areal noch schnell verschönert und mit modernsten Kreationen verziert. Die Menschen, die dort einst ihren Lebensunterhalt verdienten müssen leider sehen wo sie bleiben. Ersatz für die Läden gibt es nicht.

Im Ausland ist es die leidige Sicherheitsfrage, die die Gemüter beschäftigt. Hier weht ein ganz anderer Wind. Bleibt nur zu hoffen dass, wenn es denn so weit ist im Juni, alle Bedenken weggewischt werden können und sowohl Südafrikaner als auch der Rest der Welt die erste WM auf afrikanischem Boden in allerbester Erinnerung behalten können. Egal worüber man sich vorher schwarz geärgert hat.

 

 

 
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Bine
Südafrika hat mehr zu bieten als eine hohe Kriminalitäts- und Aidsrate. Auch ist das Land mehr als nur der Ausrichter einer WM. Einblicke einer Studentin in das Kapstädter alltägliche Leben.
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