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Wo staatliche Sicherungssysteme fehlen, schlägt die Wirtschaftskrise gnadenlos durch - in den USA, einst der Inbegriff für Wohlstand und Reichtum, sind Lebensmittelmarken und Zeltstädte in den Alltag vieler Menschen zurückgekehrt. Jeder 6. US-Amerikaner ist auf staatliche Lebensmittelausgaben angewiesen.
Annähernd fünfzig Millionen Menschen in den USA müssen mit fehlender Ernährungssicherheit leben, wie das US-Landwirtschaftsministerium in einer Studie von 2010 festhält. Siebzehn Millionen davon sind Kinder. Ungenügende Ernährung beeinträchtigt deren geistige und körperliche Entwicklung, wie die nichtstaatliche Organisation Feeding America in einer kürzlich veröffentlichten Studie schreibt.
Arbeitslosigkeit ist gemäss Feeding America ein zentraler Grund für die fehlende Ernährungssicherheit. Die offizielle Arbeitslosenrate hat im vergangenen Monat bei unverändert hohen 9,1 Prozent stagniert, trotz eines leichten Wirtschaftswachstums. Die Zahl der tatsächlich Arbeitslosen ist jedoch weit höher, da in der Statistik lediglich diejenigen erfasst werden, die Arbeitslosenunterstützung beziehen. Nur 58,2 Prozent aller US-EinwohnerInnen im arbeitsfähigen Alter gehen derzeit einer Lohnarbeit nach. Das ist der tiefste Stand seit 1983.
Hungern im Yuppie-Mekka - WOZ
Die "versteckte Arbeitslosigkeit", die aufgrund geänderter Berechnungsmethoden herausfällt, liegt deutlich über den - sowieso schon hohen - offiziellen Arbeitslosigkeitsstatistiken:
With 14.6 million people officially jobless, and 5.9 million who have stopped looking but say they want a job, and 8.5 million who are working part time but would like to work full time, you end up with nearly 30 million Americans who cannot find the work they want and desperately need.
The Horror Show - NYTimes
Diese Zahlen werden von dem Internetportal "Shadow Goverment Statistics" bestätigt, das ebenfalls von einer real doppelt so hohen Arbeitslosigkeit von über 20% ausgeht.
Die Folge: Immer mehr Menschen sind auf private oder staatliche Lebensmittellieferungen angewiesen. Die Zahl derer, die das Food Stamp Programm in Anspruch nehmen, ist seit 2007 in die Höhe geschossen und liegt nach Angaben des Supplemental Nutrition Assistance Program bei 45 Millionen Personen für den Juni 2011:
Altogether, there are now almost 46 million people in the United States on food stamps, roughly 15 percent of the population. That's an increase of 74 percent since 2007, just before the financial crisis and a deep recession led to mass job losses.
USA becomes Food Stamp Nation - Reuters
Dabei gibt es starke regionale Unterschiede: In Alabama etwa verdoppelte sich im Mai die Anzahl der BezieherInnen auf rund 36% der Bevölkerung (siehe WSJ-Grafik mit Daten vom Februar 2011). Und diese Zahlen beziehen sich nur auf das staatliche Programm, das als Voraussetzung die Eintragung in die Arbeitslosenlisten vorsieht und teilweise nur 3 Monate/3 Jahren in Anspruch genommen werden kann:
Die Dunkelziffer der Bedürftigen könnte noch weitaus höher liegen. Denn um in den “Genuss” der Kreditkarten für Lebensmittelausgaben zu kommen, müssen arbeitsfähige Erwachsene zwischen 16 und 60 Jahren den Nachweis erbringen, dass sie Arbeit suchen und bereit sind bestimmte Arbeiten zu akzeptieren. Die Millionen entmutigten Arbeitnehmer, die aufgegeben haben einen Job zu suchen, fallen wie in der Arbeitslosenstatistik (U-3 komplett und bei der breiter gefassten Arbeitslosenrate U-6 nach einem Monat) auch bei SNAP durchs Netz. Erwachsene zwischen 18 und 50 Jahren ohne Kinder können generell nur maximal 3 Monate SNAP, innerhalb eines 36 Monatszeitraumes beziehen.
45,753 Millionen Food Stamp Bezieher - Querschüsse
In einem Land wie den USA, in dem der private Konsum 70% der Wirtschaftsausgaben ausmacht, wiegen diese Zahlen umso schwerer und verdeutlichen die wirtschaftliche Schieflage der größten Volkswirtschaft der Welt.
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Danke für die Details einer Situation, die eine Schande ist für dieses Land.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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