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Kultur : Die dreifache Drohung: Finanzkrise, Umweltzerstörung und Hunger

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Inzwischen ist längst klar, dass die Spekulation auf den internationalen Finanzmärken maßgeblich dazu beträgt, Umweltschutz und Energiewende zu blockieren. Außerdem treibt sie den Hunger auf der Welt an.

Man kann es einfach nicht besser formulieren als Michael Baumüller (Süddeutsche Zeitung, 5./6. November 2011): Die grassierende Finanz- und Euro-Krise lässt vergessen, dass Umwelt- und Energie-Politik gänzlich aus dem Focus geraten. Ja mehr noch: Die viel gepriesene Wende in Richtung einer nachhaltigen Wirtschaft wird durch diejenigen, die die Krise verursacht haben und die jetzt infolge drohender Belastungen immer weniger Kredite ausreichen, auch noch ausgebremst. Folglich löst die immer heftiger brandende Spekulation auf den internationalen Finanzmärkten (natürlich auch auf den Niedergang von Staaten und auf steigende Nahrungsmittelpreise) nicht nur Angst vor einer verheerenden Inflation, ja vor einer Auflösung der Europäischen Union aus, sie befördert auch den Hunger auf der Welt und trägt maßgeblich dazu bei, dass das Haupt-Klima-Ziel (max. Erhöhung der weltweiten Durchschnittstemperatur um weniger als +2 Grad bis 2100) signifikant verfehlt wird. So jagt eine Krise nicht nur die andere, sie überlagert sie auch. Wenn Politiker dann, getrieben vom purem Egoismus der jeweiligen Eliten, weder in der Lage sind, der Eurokrise Herr zu werden, noch Maßnahmen ergreifen, um den Kurs in Richtung Nachhaltigkeit stabil zu halten, werden wir alle von einer dritten, ebenso heftigen politischen Krise geschüttelt. Wobei sich weiter überlagernde falsche Handlungsweisen/Rezepte zu noch stärkeren Negativwirkungen führen.

Die weltweiten CO2-Emissionen haben 2010 ein Rekordniveau erreicht (fast 38 Milliarden Tonnen). Sie wuchsen im Vergleich zum letzten Vorkrisenjahr 2008 um weitere 4,5 %, wobei vor allem die USA, China und Indien zur nochmaligen Verschlechterung der Situation beitrugen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon schätzt ein, dass jährlich ca. 100 Milliarden US-Dollar aufgebracht werden müssen, um dem Treibhauseffekt wenigstens einigermaßen beizukommen. Sollte der Trend zu weiterer Umweltverschmutzung andauern, könnte das Klimaziel für 2100 extrem verfehlt werden – so die internationale Energieagentur, die in ihrem jüngsten Bericht sogar max. +6 Grad ins Auge fasst („Süddeutsche Zeitung“, 5./6.November 2011). Eine solch hohe durchschnittliche Erwärmung würde nach Einschätzung fast aller Klimaexperten verheerenden Auswirkungen auf das Weltklima haben. Gut möglich, dass das Leben auf großen Teilen unseres Planeten dann nicht mehr möglich wäre.

Inzwischen ist auch das Mittelmeer von eklatanter Verschmutzunhg betroffen. Die Ursachen dafür sind vor allem bei der Exploration von Erdöl und Erdgas, aber auch in der hemmungslosen Verklappung von Erdölresten bei der Tank-Reinigung auf offener See zu suchen. Nach Angaben der Weltbank fließen jährlich bis zu 650.000 Tonnen Öl ins Mittelmeer. Hinzu kommen Unmengen von Plastik, die im Wasser praktisch nicht abgebaut werden, wohl aber in die Nahrungskette der Fische gelangen. Letztere sterben oft qualvoll. In Zukunft dürfte das Mittelmeer - für das es kaum einen Wasseraustausch und damit auch keinerlei Verdünnungseffekte gibt - noch weit stärker kontaminiert werden. Dann nämlich, wenn es darum geht, die z.T. untermeerischen Gas- und Ölreserven, z. B. im levantischen Becken oder in Libyen (Sidra), zu erschließen. Im ersten Fall müssen bei 1.500 Meter tiefem Wasser Bohrungen bis in 7.000 Meter in die Erde getrieben werden ("Süddeutsche Zeitung", 12./13. November 2011).

Unabhängig von diesen „Horrorszenarien“ routiert der Fan-Club. Bis Donnerstag wird wieder Schnee rangekarrt – für den Ski-Weltcup, der – wie jedes Jahr - ins warme Düsseldorf verlegt wird. Die Stadt kann sich erneut zum NRW-Missachtungs-Sieg in Sachen Nachhaltigkeit gratulieren. Zum blödsinnigen Umbau des Jan-Wellem-Platzes (Luxus-Unsinn Kö-Bogen), der vermutlich den Abriss des Tausendfüßlers einschließt, gesellt sich eine arrangierte Volksbelustigung, die an Dummheit und Rücksichtslosigkeit schwer zu übertreffen ist. Wie immer regiert das Geld.

Dr. Ulrich Scharfenorth, Ratingen

www.stoerfall-zukunft.de

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