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Ich muss die Einzelheiten zur Situation in Haiti nicht erläutern. Die Medien haben das in aller Breite getan. Derzeit spricht man von totaler Verwüstung der Infrastruktur, 150.000 erfassten Toten (diese Zahl könnte sich auf 200.000 erhöhen), 194.000 Verletzten („Rheinische Post“, 25. Januar 2010) und bis zu 1 Million Obdachlosen – und das in einem Land, das mit 9,7 Millionen Einwohnern und einem Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt von nur 690 (im Vergleich dazu Deutschland: 30.270) US-$ zu den ärmsten der Welt gehört. Wer die Geschichte des Landes kennt, weiß, dass Haiti zu keiner Zeit über ein taugliches Staatswesen, dafür aber über ein großes Gewaltpotential und viele korrupte Politiker (Duvalier-Dynastie) verfügte. Hinzu kam eine verhängnisvolle Abhängigkeit vom brutalen Gläubiger Frankreich, dass sich den Verlust von Macht und materiellen Gütern aus seiner Unterdrücker- Periode von 1825 bis 1947 mit 90 Millionen Francs (nach heutigem Geld: 22 Milliarden US-$) bezahlen ließ. Haiti erlangte dadurch seine Unabhängigkeit, blieb aber – von den Lasten erdrückt – ein Territorium, auf dem die einfachen Menschen in Armut und Elend dahinvegetierten.
Jetzt ist vor Ort so gut wie alles zerstört, und man erwägt den Bau neuer Siedlungen abseits der Schutthalden. Zahlen dazu, was der Wiederaufbau kostet, gibt es derzeit nicht. Sie dürften im zweistelligen Milliardenbereich liegen. Dagegen nimmt sich die derzeitige Hilfe – so uneigennützig und kraftvoll sie auch daher kommt – wie ein Tropfen auf den heißen Stein aus. Dennoch: Die internationalen Anstrengungen sind – was institutionelles und privaten Engagement angeht – mehr als beachtlich. Zwar erreichen sie derzeit nicht einmal die Hälfte dessen, was zur Schadensbegrenzung nach der Tsunami-Katastrophe auf den Tisch kam. Aber die Hilfeleistungen laufen ja noch. Doch selbst, wenn der Spendensack prall wird, ist klar, dass die bereitgestellten Mittel allenfalls ausreichen, um das „gröbste Unglück“ zu beseitigen. Hier wird vor allem im Rahmen der Entwicklungshilfe straff nachgelegt werden müssen. Schon vor dem Gau wurden ca. 80% der staatlichen Investitionen und rund die Hälfte des Gesamtbudgets mit internationalen Krediten und Hilfsgeldern finanziert. So etwas wie Leben war dennoch nur möglich, weil Haitianer aus der Diaspora jährlich rund 1 Milliarde US-$ auf die Insel überwiesen („taz“, 21. Januar 2010). Die neuen zusätzlichen Hilfen dürften sich jetzt – auch angesichts der Finanzkrise – zu einem Problem aufstocken, das kaum zu schultern ist.
Die USA haben nach Monaten und Jahren zum ersten Mal bewiesen, dass sie auch wirklich helfen können. Ohne ihr beherztes Eingreifen wäre die internationale Hilfe nur Stückwerk geblieben - und die Zahl der Opfer erheblich höher. Wenn man den Amerikanern jetzt vorwirft, dass sie durch Art und Vorgehensweise eigene Leistungen (Sicherheitskräfte, Hilfsgüter) zu Lasten anderer in den Vordergrund gerückt hätten, ist das m. E. ehrenrührig. Auch die Ansage von Hugo Chaves, der von einer Okkupation Haitis durch die USA spricht, ist hier alles andere als angebracht. Fundamentale Interessen dürften Obama und Co. auf der Insel kaum haben. Wenn dem so wäre, dann hätte es vor der Katastrophe auf Haiti sicher anders ausgesehen. Allenfalls die Nähe zu den USA – also gewisse strategische Betrachtungen – und die Tatsache, dass Obama dringend einer nationalen Aufwertung bedarf, könnten hier in Feld geführt werden. Doch beides dürfte angesichts der Gesamtsituation billigend hingenommen werden können.
Jetzt kommt es darauf an, die finanzielle und materielle Unterstützung des Inselstaates fortzuführen. Bitte folgen Sie mir und spenden Sie, wenn Sie das bisher noch nicht getan haben!
Spendenkonto der Haiti Kinder Hilfe: Sparda Bank München e.G.; Konto 1 022 180; BLZ 700 905 00; IBAN DE 62 7009 0500 0001 0221 80; BIC GENO DE F1S0 4 … oder
Spendenkonto Miserior: Konto 10 10 10; Pax-Bank: BLZ 370 601 93; Stichwort: Haiti; IBAN: DE75 3706 0193 0000 1010 10; SWIFT-BIC: GENODED1PAX
Dr. Ulrich Scharfenorth, Ratingen
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Danke für den Artikel. Ich teile Ihre Einschätzung, daß ohne die USA dort vieles noch schlimmer wäre. Und werde spenden.
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Hab immer noch in Erinnerung wie CNN, BBC und andere Main-Stream-Medien Teams von bis zu 25 Mitarbeiter einflogen und die Reporter aus Haiti von Stampeden und Plünderungen berichteten, als wäre die Haitianer eine Herde schwarzer Schafe und Plünderer.
So viele Such-Teams und so wenige wurden gerettet, das erinnert mich eher an den Wirbelsturm "Katharina". |
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Danke für die Kommentare!
Die Lage vor Ort ist von hier aus schwer einzuschätzen. Es wäre sicher vermessen, den Helfern Unfähigkeit anzulasten. Im Chaos kann die Hilfe nur stückweise und allmählich erfolgen. Internationale Hilfe müsste aber grundsätzlich schneller möglich werden. Da gilt es, bürokratische Hürden abzubauen. Spenden sind aber in jedem Fall richtig und ... wichtig! |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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