schlesak

Die Zwischenschaft

26.02.2010 | 18:51

ES GIBT SIE: DIE NAHTODERLEBNISSE

OBE UND  NAHTODERFAHRUNGEN

Alles nur Humbug? In den siebziger Jahren dachten viele so über diese Erlebnisse. Heute hat sich das gewandelt, diese Themen sind sehr aktuell geworden auch in den „seriösen“  Medien wie „Die Zeit“, „Der Spiegel“ und den großen Verlagen.

         Im  Buch von Bernhard Jakoby, einem Verehrer und Schüler von Elisabeth Kübler-Ross, „Auch du lebst ewig. Ergebnisse der modernen Sterbeforschung“, bei Rowohlt, 3. Auflage 2004,  wird über Nahtoderfahrung und dann über Reinkarnation berichtet. Kein Tabu mehr also. An der Uni Koblenz wurde eine Untersuchung von Prof. Hubert Knoblauch zum Thema durchgeführt; allein in Deutschland sind es etwa 3,5 Millionen Menschen, die Nahtoderfahrungen gemacht haben.

Jedenfalls verändert diese Erfahrungen den Menschen grundlegend, eine Persönlichkeitsveränderung, die positiv ist.

Das, was ich mir etwa durch Literatur zu erarbeiten versuche, mir die Angst und die Fadheit angesichts der Banalität und des Todes zu nehmen, erhalten die Menschen mit Nahtoderlebnissen sozusagen „geschenkt“. Auch sie erkennen die enorme Schöpferkraft der Gedanken. Das Leben ist davon bestimmt, wir merken es aber nicht, meinen es sei „Schicksal“ etc. Im OBE aber sind wir frei, dann kommt es direkt auf uns zu, Gedanken werden unmittelbar wirklich


 

SO VERSCHIEDEN KANN DER TOD IN UNS SEIN

 

Wichtig erscheint mir auch die Erfahrung des Berner Biologielehrers und Privatforschers Werner Zufluth, er stand im Briefwechsel und Erfahrungsaustausch mit Michael Ende und hat im Internet viele seiner Forschungen veröffentlicht. Zu OBE hat er etwa entdeckt, dass nämlich die Märchen eine Reihe von OBE-Erfahrungen beschreiben. Es lohnt sich, seine Charakterisierung zu lesen. Sie trifft auch auf meine Erfahrungen zu:

„Außerkörperlichkeit Charakterisierung

         Außerkörperlichkeit meint einen Seinszustand, in dem das Ich das durch nichts zu erschütternde Gefühl und die Gewissheit hat, außerhalb des eigenen physischen Leibes zu sein. Dabei fühlt es sich in bezug auf seine Identität genau gleich wie innerhalb des physischen Körpers. –

Außerkörperlichkeit – Fähigkeiten

Im außerkörperlichen Zustand verfügt das Ich über Fähigkeiten, von denen vor allem die Märchen zu berichten wissen. In "Die sechs Diener" (einem Grimmschen Märchen) ist eine ganze Sammlung solcher Eigenschaften zusammengestellt, zu denen z.B. noch die Unsichtbarkeit mittels Tarnmantel und -kappe oder mit Hilfe eines Wunschringes zu zählen wäre. Ferner kennen die Märchen verschiedene Arten der hüpfenden und fliegenden Fortbewegung z.B. mittels Siebenmeilenstiefeln, Teppichen und Tieren - und sogar den blitzartigen Orts- und Ebenenwechsel. Märchen sind also eine Fundgrube für alle Belange, die mit der Außerkörperlichkeit in Verbindung stehen, und ganz besonders dafür geeignet, dem Ich Verhaltensweisen aufzuzeigen, die in der außerkörperlichen Seinswirklichkeit von ausschlaggebender Bedeutung sind.“[1] 

Gibt es aber  wissenschaftliche Erklärungen für dieses seltsame Phänomen der OBE, die ja in der Nah-Todesforschung (NTE) wiederkehrt?

Dazu gibt es ein älteres, aber sehr informatives Buch von Van Eersel: „Sterben. Der Weg in ein neues Leben“, 1986 bei Grasset  in Paris erschienen.

Van Eersel beginnt mit einem alten Spiegelartikel von 1986 zur Todesforschung, Titel: „Mit einem Fuß im Jenseits“, wo Liz Taylor, Charles Aznavour und Ronald Siegel, ein amerikanischer Forscher zu Wort kommen. Natürlich brachte „Der Spiegel“ diese Geschichte nur, um die Todesforschung zu widerlegen, denn endlich hatte Siegel, eine Erklärung für OBE gefunden. Um die Seriosität zu wahren, wurden im „Spiegel“ Beispiele auch von anderen Op- oder Unfallopfern gebracht, so von Professor Blanchot (Toulon), der aus dem Körper „schlüpfte“ „wie aus einem Overall.“ Und schlimm war da die Rückkehr, weil der Körperoverall schwer, schmerzhaft und einige Nummern zu klein gewesen war. Zu klein, wofür, für die Seele? Siegel also, übrigens Drogenexperte, erklärte OBE und auch deren Grundvoraussetzungen auf diese simple Weise: Das Gehirn habe einige hundert Milliarden Neuronen, die durch tausend Stege miteinander verbunden sind, dass der elektrische Fluss in den Zellen  durch chemische Boten (Elektrizität übersetzt ins Chemische) hergestellt werde, das geschehe  aber nicht über eine Brücke, sondern durch Spalten, einen Abgrund also, winzig, diese Synapsen genannten Spalten, die Boten aber werden Neurotransmitter genannt. Chemische Boten, die unsere Erinnerung, unseren Zustand, Lust, Lachen, Trauer etc. erzeugen. Ganz  schön einfach also. Rauschdrogen wirken auf die gleiche Weise, das „Gehirn“ sei also „der größte Dealer aller Zeiten“( S.9). Wichtigste dieser Drogen (es sind enorm viele) sei das Serotonin, wehe ein millionstel Gramm zu viel oder zu wenig und Wut anstatt Freude entsteht. So lässt sich die OBE, die gute Schamanenreise, ja, die Liebe, das Glücksgefühl beim Tod wunderbar erklären; es seien Endorphine, die das vermögen. Die Natur sei gnädig, vor allem am Ende unserer Tage!

Van Eersel war begeistert, der Tod also begleitet von schönen Täuschungen? Er fuhr im Auftrag der Zeitschrift, wo er arbeitete nach Los Angeles zu Dr. Siegel.

Doch  die Begegnung war äußerst enttäuschend. Siegel bot nichts als  Theorien und Vermutungen. Siegel hatte einen einzigen klinisch Toten befragt, keine Daten, keine Diagramme,  Statistiken, nur Analogien. Enttäuscht wandte sich Van Eersel von diesem Professor und „Drogenexperten“ ab. Und auch der Artikel fiel ins Wasser, Van Eersel konnte Siegels „Entdeckung“ mit nichts belegen. Und erkennte, dass der Professor nichts als ein Eiferer auf einem Kreuzzug gegen Mystizismus, LSD, Obskurantismus und Nahtoderlebnis war. Und nur ein Weltbild verteidigte, ein Ideologe, kein Wissenschaftler war. Und Van Eeersel fand auch heraus, dass die Pharmaindustrien aus Geschäftsinteresse kräftig die Hypothese mit den Neurotransmittern und den Endorphinen unterstützten, alles nichts als Chemie! Siegel war womöglich von ihnen gekauft. Der aber nannte Van Eersel  einige der  gefährlichen Kontrahenten und „Pseudowissenschaftler“, deren „schädlicher Unsinn“ zu bekämpfen sei!

Van Eersel besuchte diese gefährlichen Leute. Als erste Elisabeth Kübler-Ross, Psychiatrin und Sterbehilfeexpertin, die eine große Gemeinde hatte, viele Vorträge und Seminarien abhielt. Das Interesse war ungeheuer. Ihre  Workshops hießen  „Leben, Tod und Übergang“. Doch ein Treffen kam nicht gleich zustande.  So fand er zuerst zu Kenneth Ring, auch er Psychologieprofessor  in Neuengland. Van Eersel besucht ihn und die Organisation IANDS. Ring sprach gleich von Karlis Osis und Erlendur Haraldson, die die ersten wissenschaftlichen. Daten zu OBE gesammelt hatten, es waren Erkenntnisse aus Indien sowie Krankenhausberichte.

    

Ich hatte diese thanatologischen Erlebnisse schon von Anfang an verfolgt, mir die Bücher des amerikanischen Arztes Raymond Moody gekauft, auch die von Elisabeth Kübler-Ross, und dann  Karlis Osis und Erlendur Haraldson in New York besucht. Sie erinnerten mich daran, dass schon 1926 der Klassiker von Barrett, „Deathbed Visions“ erschienen war. 1977 veröffentlichten Osis und Haraldsson „At the Hour of Death,“ eine Studie von etwa tausend Sterbevisionen, die in den USA und in Indien gesammelt worden waren. In diesem Buch sind auch zwei Kapitel enthalten, die sich mit den Berichten von Patienten, die reanimiert worden waren, befassen. Und zu diesen frühen Erforschern von NTE  (Nahtoderlebnissen) gehört auch Eckart Wiesenhütter:

     

Auch Rings Organisation untersuchte keine chemischen Formeln, sondern Augenzeugenberichte.

Ring sagte Van Eersel, dass 99% der Leute mit Nahtod­erfahrungen  aus Angst, für verrückt gehalten zu werden, geschwiegen hätten. Jetzt nimmt man sie ernst, also erzählen sie.

Zweitens: Die Reanimationstechniken waren noch nie so gut, so gibt es enorm viele Nahtod-Überlebende.  Und es sollen etwa die Hälfte von ihnen über Nahtoderlebnisse berichten können. In Deutschland sollen es etwa acht Millionen sein.

Ring spricht von fünf Stadien der Nahtoderlebnisse:  In einem fremden Raum schweben, schönster Augenblick ihres Lebens. Das zweite Stadium erfahren nur 37%. Sie nehmen ihren Körper aus der Ferne wahr, und sehen sich Ärzte und Krankenschwestern an, die mit dem „Leichnam“ des Unfallopfers beschäftigt sind. Drittes Stadium: Tunnelerfahrungen: Angezogen von einer Leere. Intensive Dunkelheit. Extreme Geschwindigkeit: 23%. Viertes Stadium, 16%: Ungeheuer warmes Licht, weiß, golden. Aber unbeschreiblich hell und weich. Strahlen der Liebe.

Auch der Psychiater und NTE-Forscher R. Noyes war anfangs ein Skeptiker, er meinte, es entgingen angeblich die Betroffenen dem Todes-Schmerz, indem sie aus ihrem Körper flüchten. Und er griff die OBE-Forscher an. Dann wurde er durch Erzählungen der Opfer bekehrt. Zuerst nennt er NTE „postakzidentelles Delirium“. Und weiter „Depersonalisierung“ oder Verdoppelung. Aber schließlich untersucht er mit seinen Studenten 200 Fälle. Und beschreibt sie in drei „Hauptfaktoren“ und 26 „Variablen“. Das alles wissenschaftlich genau in Prozenten und mit Statistiken:

      

„Und plötzlich habe ich das Gefühl, diese Momente, wie auch Momente der Wiedergeburt, Erinnerung an ein anderes Leben gehabt zu haben. Habe in jüngeren Jahren und als Kind  diese Berührungen,.  doch die Erinnerungen sind fahl, eher gar nicht da:“

Und der Psychiater Noyes entdeckt, dass eine ganze Reihe von  Psychiatern mit dem Thema beschäftigt sind. Und dass schon eine ganze Literatur bis ins 19. Jahrhundert dazu vorhanden ist.[2] 

Der junge deutsche Forscher Lothar Ahrendes behauptet (mit vielen berühmten Kollegen, von Heisenberg, Planck bis Weizsäcker) zu Recht, dass das klassische Weltbild, an das noch fast alle Naturwissenschaftler klammheimlich und mit aller Maßgabe der Wiederholbarkeit und eines Beobachtbarkeitzwanges  heute  noch glauben, gefallen sei, eine andere, neue Physik die Welt bestimme, und doch sei noch lange nicht klar und bestimmbar, was Bewusstsein, was vitale Prozesse, was das rätselhafte Gehirn in Wirklichkeit seien. Wobei so getan würde, als wüssten wir es, und so ein Überleben des Todes auszuschließen sei… Vor allem geht er davon aus, dass bis zur Aufklärung eigentlich generell an ein Leben nach dem Tode geglaubt wurde. Dann kamen die als „Wissenschaftler“ verkleideten Materialisten und behaupteten, dass dies unmöglich und „unwissenschaftlich“ sei.  Was heute einer Dummheit gleichkommt. Arendes: „In der heutigen Naturwissenschaft gibt es weder eine befriedigende Theorie der biologischen Dynamik (anders formuliert, keine Theorie des Lebens) noch eine Bewusstseinstheorie, und trotzdem sind die meisten Naturwissenschaftler der festen Überzeugung, dass der Mensch mit dem körperlichen Tod vollständig aufhöre zu existieren.“

 

(Aus Dieter Schlesak, Zwischen Himmel und Erde. Gibt es ein Leben nach dem Tod. Bod Verlag, 2010. Bestellbar in jeder Buchhandlung. Mehr Infos: schlesak.blogspot.com und www.schlesak.de)

 

 

 

 


                      [1] www.oobe.ch/Index.htm


[2]  R. Noyes (1972): The experience of dying. Psychiatry 35: 174-184. Noyes, R., Hoenk, P. R, Kuperman, S., Slymen, D. J.  (1977): Depersonalization in accident victims and psychiatric patients. In: of Nervous and Mental Disease: 164: 401-407.

 
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Eine Preisrede. Dieter Schlesak ist ein ungeheuer vielseitiger Poet und Schriftsteller, ein poeta doctus. Er schreibt, wie von Furien getrieben, das Leben, den Tod, die Liebe, die Welt im Grossen und im Kleinen zu erfassen. Er ist neugierig, skeptisch, voller Zweifel und voller Enthusiasmus.
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