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a. Zunächst eine generell einführende Frage: Es gibt ja einen Unterschied zwischen quantitativer und qualitativer Parapsychologie?
Ja, es gibt die „qualitative“ Parapsychologie, die sich mit den drei nicht „wiederholbaren“ Phänomenen: Telepathie, Hellsehen, Psychokinese befasst, das ist sozusagen die traditionelle Parapsychologie, und dann gibt es die neuere Richtung, die der Wissenschaftsforderung einer Nachweisbarkeit und Wiederholbarkeit nachläuft, einer sogenannten „Anerkennungsneurose“ nachgibt, und sich vor allem auf die Statistik beruft, höchst langweilig ist, und sich kaum noch mit den drei traditionellen Themen befasst.
b. Damit wären wir auch bereits beim Thema angelangt: die Parapsychologie beschäftigt sich mit übernatürlichen oder vielleicht besser gesagt: übersinnlichen Phänomenen. Hierfür suchen die Parapsychologen nach objektiven Methoden, die am Rande der Wahrnehmbarkeit auftretenden Erscheinungen zu fassen. So wie ich Sie verstehe, hängt für Sie diese Naturwissenschaft immer auch mit dem Tod zusammen. Bildet die Parapsychologie möglicherweise einen Nebenzweig der Religionswissenschaften?
„Übernatürlich“ würde ich nur in Anführung setzen; es gibt nichts Übernatürliches, es gibt nur Dinge, die „eingeordnet“ werden können von unserem Erkenntnissystem und solche, bei denen das nicht der Fall ist, die unsere heutige Erkenntnisgrenze überschreiten, und trotzdem als Fakt existiert und das, was sein „darf“ überschreitet, immer überschritten hat. Das heißt aber nicht, dass dieses nicht „natürlich“ ist, sondern nur, dass es unsere Erkenntnismöglichkeit und Erklärbarkeit überschreitet!
Freilich hängt diese Psi-„Naturwissenschaft“ auch mit dem Tod als absolute Grenze zusammen. Jedenfalls mehr als jede andere Disziplin, weil es sich wie beim Tod um ein „Grenzphänomen“ handelt. Doch durchaus nicht mit einem „Jenseits“, sondern nur mit dem Jenseits unseres Wissens, oft auch unserer gewohnten Vorstellungen. Wobei das auch eine „kulturbedingte Blickbeschränkung“ ist, wie es C. F. von Weizsäcker ausdrückte. Sie ist aber damit nicht unbedingt eine Nebendisziplin der Religion. Denn sie hängt nicht mit der Vorstellung von einem höheren Wesen und einem Jenseits des Todes zusammen. Ist allerdings eine Brücke zwischen nicht Erfassbarem durch die traditionelle Wissenschaft und dem, was oft „Wunder“ genannt wurde, Wunder freilich, die etwas bezeichnen, was nur in einem gegebenen historischen Zeitpunkt als „unglaublich“ angesehen wird. Nehmen wir etwa das Fliegen. Andererseits dürfen wir nicht vergessen, dass gerade die Wissenschaft heute, vor allem die Quantenphysik, die heute das traditionelle Weltbild, wo Zeit, Raum und Logik als Grundlagen des Weltbildes galten, auflöst. Diese gelten schon bei unseren „elektronischen Haustieren“ nicht mehr. Die die Körperwelt langsam auflösen. Und vergessen wir nicht, schon die Quantentheorie, laut Popper, zeigt, dass es ein neues Denk-Paradigma gibt, das Einsteinsche, in dem wir schon leben, das aber wohl auch von einem neuen abgelöst werden muss. Als nächstes wäre die Auflösung der wichtigsten Naturkonstante, der Lichtgeschwindigkeit zu erwarten, das aber hieße, dass sich die körperliche Welt auflöst, die bei Überlichtgeschwindigkeiten nicht mehr da ist, sondern zu Licht wird.
c. Die Parapsychologie befindet sich trotz der charismatischen Gestalt des Herrn Prof. Bender, der inzwischen verstorben ist, immer noch am Rande der gesellschaftlichen Wahrnehmung. Schon das Präfix weist darauf hin, dass es sich hier lediglich um eine "halbe Sache" handelt. Ist aus diesem Grund die Parapsychologie stets um eine öffentliche Anerkennung, d.h. wissenschaftlich solide Arbeit bemüht? Steht das Forschungsobjekt, das bei parapsychologischer Forschung im Mittelpunkt steht, nicht dieser breiten Akzeptanz entgegen?
Ja, das führte auch zur Anerkennungsneurose. Und auch zur statistischen Parapsychologie. Doch die Phänomene, die sie untersucht sind so alt wie die Menschheit. Und eigentlich durch Tradition überliefert und durch ungeheure Massen an Erfahrungsberichten „gesichert.
Das ist das Dilemma und die „Schizophrenie“ der Parapsychologie. Aber letztlich auch die unseres ausklammernden Weltbildes, das sich aufspielt, als wüsste es „alles“.. Und auf „unwissenschaftliche“ Art Dinge ausklammert, die da nicht hineinpassen ins historische Erkenntnismodell heute. Nichts darf ausgeklammert werden, alles muss untersucht werden, das wäre die Basisforderung jeder Wissenschaft, Doch enorme materielle Interessen der Pharmaindustrie, des Kapitalsystems etc, schaffen jene „ontologische Zensur“, die alles beiseiteschiebt, was dem „System“ schädlich ist. Man stelle sich nur vor, wenn es ein Überleben des Todes gäbe, wäre doch jede „Arbeitsmoral“, vor allem aber jede Raffgier und jede Konsumgier hinfällig, da wir uns weder beeilen müssten, noch Besitz haben müssen.
d. Die Biographien von medial empfänglichen Menschen lesen sich oft an vielen Stellen tragisch. Wenn ich Ihr Engagement für die Sache recht verstehe, setzen Sie sich nicht nur für eine Anerkennung der "Grenzwissenschaft", sondern auch für die betroffenen Menschen ein.
Ja, so ist es. Und das gipfelt in meiner Beschäftigung mit Psychiatrie und Kunstpsychiatrie.
Ich habe bei Rowohlt 1975 ein Buch darüber herausgegeben. Und viele Aufsätze, auch in Italien, veröffentlicht. Ich bin davon überzeugt, dass die Psychiatrie eine Art Seelenpolizei ist, die „ontologische Zensur“ überwacht, und dass viele Patienten nicht verrückt“ sind, sondern dass bei ihnen ein „Durchbruch“ in jene Zone stattgefunden hat, die die Grenzwissenschaft untersucht. Nur – sie können es nicht kontrollieren, es „überschwemmt“ sie und es schwächt ihr Abwehrsystem und verhindert ein Mitmachen im sozialen Anpassungssystem.
e. In der Kunst und Literatur wurde eine - sagen wir mal - "feinsinnliche" Sensibilität schon immer gepflegt, man denke nur an die Romantiker, aber auch Rilke. Sie führen diese Gewährspersonen auch an. Andererseits zitieren Sie in Ihrem neuesten Buch zum Thema - Zwischen Himmel und Erde. Gibt es ein Leben nach dem Tod? - parapsychologische Fachliteratur. Wo genau sehen Sie die effizienteste Methode, diesen Phänomenen epistemologisch näher zu kommen?
Nun, Künstler haben immer einen offneren Zugang zu diesen Phänomenen gehabt. Und sie für absolut natürlich gehalten. Wie viele auch vom „Volk“ zwar mit Erschauern und Gruseln, aber doch mit einem Sinn für wahre Wahrnehmung akzeptiert und für akzeptierbar, wenn auch nicht in unsere Welt gehörend, betrachtet wird. Ganz anders als das von sturen „Aufklärichten „ gesehen wird, deren Verdrängungswut eher peinlich wirkt, vor allem aber durch Angst vor diesen Dingen, die sie ablehnen, diktiert wird.
Rilke ist ein sehr gutes Beispiel für die Akzeptanz durch Künstler, aber immer beruhend auf eigenen „verrückten“ Erlebnissen. Es gibt viele andere Fälle, Novalis, aber auch Mörike, von Goethe oder Hölderlin ganz zu schweigen. Oder Kant, der „Vater der Aufklärung“, der ähnlich wie Goethe zum Wissen, den Erfahrungen des Hellsehers Swedenborg eine enge und befruchtende Beziehung hatte. Weder der „Faust“, noch die „Kritik der Urteilskraft“ wären ohne Swedenborg möglich gewesen..
Das aber sowohl die Germanistik als auch die Philosophiegeschichte total verschweigt. Darüber gibt es in meinem neuesten Buch „Zwischen Himmel und Erde. Gibt es ein Leben nach dem Tod“, das eben bei Bod erschienen ist, und auch als e-book bei allen online-Buchhandlungen abrufbar ist, viel Material. Ebenso zu all den hier von uns diskutierten Dingen Überhaupt geht die gängige Kulturgeschichte mit vielen Fälschungen und vor allem vielen Verdrängungen und Ausklammerungen um, die all „dies“ hemmungslos zensuriert und ausklammert. Meiner Meinung nach, wäre eine scheuklappenlose Kulturgeschichte längst fällig, doch niemand wagt sich daran.
f. Erlauben Sie mir zum Schluss noch eine ganz persönliche Frage: Welches paranormale Erlebnis hat Sie am meisten geprägt?
Das ist eigentlich ganz einfach. Die Kindheitserlebnisse mit unerklärlichen Erscheinungen, Angsterscheinungen, und dann die Erlebnis mit Totenstimmen auf Tonband, die nicht einfach löschbar und wegwischbar sind, sie sind sogar jederzeit abhörbar, also wiederholbar und DA. ZU Hunderttausenden in der ganzen Welt. Ebenso haben mich Nahtoderlebnisse geprägt, vor allem nach einer schweren Krebsoperation, Überlebenserfahrungen, auch den tiefsten Liebeserlebnissen meines Lebens, die damit zusammenhängen.
Der Anlass meines Interviews ist das Erscheinen meines Buches: Zwischen Himmel und Erde. Gibt es ein Leben nach dem Tod, 2. Auflage Bod Verlag, 2010
Weitere Infos auf meinem Blog: schlesak.Blogspot.com mit Leseprobe.
In meinem nächsten Blog möchte ich den wichtigsten Aufsatz bei FReitag einstellen: Kant und Swedenborg!
Bestellbar in allen Buchhandlungen. Online bestellbar:
Bei libri.de: https://www.libri.de/shop/action/productDetails/9591660/dieter_schlesak_zwischen_himmel_und_erde_3839139775.html
Hier weitere wichtige Infos zu diesem Thema, das so gerne verdrängt wird, wie auch das Thema Tod. Auf der Verdrängung dieses Themas beruht unser Denken, unsere Zivilisation und Kultur. Obwohl es außer der Liebe das wichtigste Thema des Mensch-Seins ist. www.dieterschlesak.de
Als e-book bei Gutenberg (zum halben Preis):
Bei Hugendubel: www.hugendubel.de/psychologie/charakter_image/cat/zwischen_himmel_und_erde_-_gibt_es_ein_leben_nach_dem_tod/pid_170000000001557137.aspx
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so, so, kant war der vater der aufklärung! vielleicht in preußen, nicht aber in europa, und schon gar nicht in der welt.
wer einem absolutistischen könig schmeicheln muss und ihn zum aufklärer in den himmel heben, der konnte nicht frei denken und schreiben. wenn schon die psychologie in frage gestellt wird, was die wissenschaftlichkeit betrifft, was ist dann erst von der parapsychologie zu halten? rückwärtsromantik, sonst gar nichts. |
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Ein starkes Opium – wahrscheinlich nicht empfehlenswert da einzusteigen.
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Den Theologen und den Psychologen fehle der Gegenstand ihrer Forschung, spotten Materialisten und meinen: Gott und die Seele?
Woran hat "der Aufklärer" Kant festgehalten - an den ewigen Ideen, am gestirnten Himmel über dem Haupt und an Gott im Herzen!? Und was wat mit dem gesamten Bereich der "Meta-Physik"? In der Antike ahnte man bereits, dass es hinter der uns konkret erfahrbaren Welt noch andere Welten geben könne (Horaz) ... Shakespeare hat ihn zitiert ... Weshalb sollten wir uns a priori vor etwas verschließen, was unsere Erkenntniswelt erweitern könnte? Erst erforschen, dann ablehnen! Aber nicht a priori, denn das würde vorurteilbehaftetes Denken bedeuten, eigenen Eingrenzung, ideologisch bedingte Scheuklappen. Gehen wir doch frei an eine Sache heran, mit der sich die Schulweisheit noch nicht so recht beschäftigt hat! Die Anfänge der Psychologie, Magnetismus bei Justinus Kerner (Die Seherin von Prevorst) Psycho-Physik bei Fechner etc. stellen früher Auseinandersetzungen mit parapsychologischen Phänomene dar. Der Bereich ist noch so neu und unerforscht wie etwa das menschliche Gehirn, wie die Untiefen des Ozeans oder die Unendlichkeit des Alls. Erinnert sein daran, dass spekulativ einiges erschlossen werden kann. Bei Demokrit und Epikur war es der Atomismus ... bei Einstein die Relativitätstheorie. Also erhalten wir uns die Freiheit des Denkens und Spekulierens (nicht an der Börse!), bevor wir uns verneinend der Welt verschließen. Carl Gibson |
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Die gegenständliche Welt, die Biologie und Physik, ist voller Wunder, dazu noch die wunderbare Mathematik. Dazu braucht es allerdings Anstrengung und strenge geistige Disziplin.
Spökenkieken ist einfacher und Gläubige gibt's für jeden Hokuspokus. Mich erstaunt lediglich, dass der 'Freitag' solch eine ungenierte Eigenreklame für dubiose Bücher zulässt. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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