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Shimon Peres, Staatspräsident Israels, meint die militärische Option gegen die iranische Atompolitik würde derzeit international die Oberhand gewinnen gegen diplomatische oder wirtschaftliche Optionen.
Damit hat er offen ausgesprochen was in den Medien seit Monaten vermutet wird.
Die unlängst ausgesprochene Warnung des ehemaligen Mossad-Chefs Meir Dagan, ein Angriff gegen den Iran sei eine ausgesprochen “dumme Sache” – übrigens keine Einzelmeinung im israelischen Geheimdienst und dem Militär – wird von Premierminister Benjamin Netanjahu offenbar nach wie vor ignoriert.
Das ist aus mehrfacher Sicht ein schwerer Fehler.
Israel: Vom Nullrisiko zum Höchstrisiko
Israel mag “erfolgreich” und vielleicht sogar “richtig” gehandelt haben, als sie im Juni 1981 den beinahe fertig gestellten irakischen Atomreaktor Osirak in der Nähe von Bagdad bombardiert haben.
Das Risiko war damals überschaubar:
Irak befand sich inmitten eines zermürbenden Krieges gegen seinen Nachbarn Iran. Er verfügte über keine Waffen, die Israel ernsthaft hätte gefährden können. Das Ziel des israelischen Angriffs bestand aus einem einzigen oberirdischen Gebäudekomplex, war also einfach zu identifizieren und zu zerstören.
Iran befand sich im ersten Jahr seiner islamischen Revolution, nachdem Revolutionsführer Ajathollah Ruhollah Khomeini im Jahr zuvor die Macht übernommen hatte. Es musste sich im Innern konsolidieren und sich gegen den irakischen Angriff erwehren.
Syrien hatte seine Beziehungen zum Irak mit der Machtübernahme Saddam Husseins im Jahr 1979 weitgehend auf Eis gelegt und seine Botschaft in Bagdad geschlossen.
Die PLO hatte sich zwar nach der gewaltsamen Vertreibung aus ihrer vormaligen Hochburg Jordanien* im Libanon als Staat im Staat festgesetzt, war aber dort in den Bürgerkrieg verwickelt und insofern aus Sicht Israels weitgehend gebunden.
In Ägypten regierte Anwar el-Sadat, der als erster der arabischen Staaten Frieden mit Israel geschlossen hatte (seit dem israelischen Unabhängigkeitskrieg von 1948 hatten alle arabischen Nachbarn Israels lediglich Waffenstillstandsvereinbarungen unterzeichnet). Von ägyptischer Seite war demnach wenig zu befürchten. Sadat hätte den neuen Frieden nicht wegen eines so geringfügigen Vorgangs aufs Spiel gesetzt.
Israel verfügte im Südlibanon über einen Sicherheitspuffer in Form der verbündeten “Südlibanesischen Armee” (SLA). Die von der israelischen Armee unterstützte SLA verhinderte, dass Israel im Jahr 1981 allzu viel vom andauernden libanesischen Bürgerkrieg (1975-1990) mitbekam.
Pikant: In Israel standen im Monat des Angriffs auf den irakischen Atomreaktor Parlaments-Wahlen an. Das rechte Bündnis des Likud unter Ministerpräsident Menachem Begin hatte im Jahr 1977 erstmals die jahrzehntelange Vorherrschaft der Arbeiterpartei Mapai gebrochen. Die Prognosen für die Knesset-Wahlen am 30. Juni 1981 sahen allerdings nicht rosig aus für den Likud. Die Auguren sahen den Herausforderer Shimon Peres als Sieger voraus. Insofern könnte die militärische Aktion gegen den irakischen Reaktor eine Demonstration der Stärke seitens Menachem Begins gewesen sein. Sein Likud gewann die Wahlen schließlich mit einem Sitz Vorsprung.
Israel stand damals international in hohem Ansehen, nachdem es 1979 Frieden mit Ägypten geschlossen hatte. Menachem Begin und der ägyptische Präsident Sadat hatten dafür den Friedensnobelpreis erhalten.
Fazit: Von keiner Seite drohte große Gefahr und Israel genoss – wenigstens im Westen – einen guten Ruf.
Heute stellt sich die Lage für Israel vollständig anders dar.
Iran ist eine militärisch gut gerüstete Nation. Obwohl Teheran derzeit mit größter Wahrscheinlichkeit nicht über Atomwaffen verfügt geht man davon aus, dass sich präzise Mittelstreckenraketen im Arsenal befinden, die einen Gegenschlag ermöglichen. Inwieweit Israel dabei durch die amerikanischen Patriot-Raketenabwehrsysteme und das eigene Iron-Dome-System geschützt werden kann, könnte erst der Ernstfall zeigen.
Das Ziel eines israelischen Angiffs gegen die iranischen Atomanlagen in Natanz und bestünde aus vielen einzelnen, weit verteilten Anlagen. Ein Teil davon dürfte inzwischen unter die Erde verlegt worden sein. Einen Teil der Anlagen kennt man wahrscheinlich gar nicht. Der Aufwand viele verteilte und zum Teil gut geschützte Ziele zu treffen, ist im Vergleich zu 1981 ungleich größer.
Iran pflegt enge Beziehungen zu Syrien. Zwar ist Syriens Präsident Assad derzeit vollkommen damit beschäftigt sich gegen die Freiheitsbewegung im Land zu behaupten, aber er könnte eine Aktion gegen Israel als Befreiungsschlag willkommen heissen.
Die Palästinenser in Gaza werden von Hamas geführt, die nennenswerte finanzielle und militärische Unterstützung aus dem Iran und aus Syrien bekommt. Daneben agieren im Gazastreifen kleinere Gruppierungen wie der Islamische Jihad, die sich immer wieder durch militante Aktionen gegen Israel profilieren wollen. Im Gegensatz zur PLO hat Hamas bislang keine Anerkennung Israels ausgesprochen. Ein Krieg Israel gegen den Iran hätte wahrscheinlich zur Folge dass sich Hamas auf der Seite des Irans beteiligt.
Libanon: Weitaus bedrohlicher stellt sich die Lage im Südlibanon dar. Hatte Israel schon im Jahr 2006 größte Mühe den 36-Tage-Feldzug gegen die schiitische Hisbollah-Miliz unter Wahrung des Gesichts zu Ende zu bringen, dürfte deren Waffendepot zwischenzeitlich erheblich angewachsen sein.
Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah hat mehrfach behauptet mit seinen neuen Raketen auch Tel Aviv erreichen zu können. Nicolas Blanford, ein Analyst von Jane’s Defense Weekly geht davon aus, dass Hisbollah über weitreichende Waffensysteme aus Syrien und dem Iran verfügt. Darunter sind wohl die iranischen Typen Fajr-3, ein 240mm Raketensystem mit 43 km Reichweite, die Fajr-5, ein 333mm System mit 75 km Reichweite und die Zelzal-2, ein 610mm System mit 210 km Reichweite. Ein Angriff der Hisbollah auf ein israelisches Patrouillenboot während des Krieges in 2006 legt die Vermutung nahe, dass die Miliz über C-802 Cruise Missiles chinesischer Bauart verfügt.
Der arabische Frühling hat in Ägypten Präsident Mubarak hinweggefegt. Mubarak hat den Frieden respektiert, den sein Vorgänger Sadat mit Israel geschlossen hatte, wenngleich mit weniger innerer Überzeugung. Daher blieb es immer ein kalter Friede. Es war aber ein nützlicher Friede, weil Kairo Jahr für Jahr Milliarden Dollar Militärhilfe aus Washington bekam. Seit dem Sturz Mubaraks regiert de facto der mächtige Militärrat. Doch kann niemand mit letzter Sicherheit sagen, inwieweit der Rat gewillt ist, den Frieden mit Israel um jeden Preis zu halten. Kürzlich zeigte sich bei der Stürmung der israelischen Botschaft in Kairo durch einen wütenden Mob, wie wenig sich die ägyptische Führung vor Israel stellen will, wenn die aufgebrachte Straße ihrem Unmut gegen Israel freien Lauf lässt.
Das internationale Ansehen Israels hat sich seit Beginn der 80er Jahre kontinuierlich verschlechtert. Als Ursachen dafür sind unter anderem zu nennen der Libanonfeldzug von 1982, der in das fürchterliche – von Israel unterstützte – Massaker von Sabra und Schatila in Beirut mündete; die beiden palästinensischen Intifadas; die Abriegelung des Gazastreifens; die blindwütigen Besatzungsjahre in der Westbank ab 2003 in der Ägide des “Schlächters des Libanon” Ariel Scharon; der fortgesetzte, international verurteilte Landraub im Westjordanland durch den jüdischen Siedlungsbau; der Libanonkrieg von 2006, in dessen Zuge Israel nicht nur die Hisbollah bekämpfte, sondern den halben Libanon in Schutt und Asche legte (General Dan Chalutz: “we will turn Lebanon’s clock back 20 years“); der “Weihnachtskrieg” gegen Gaza um die Jahreswende 2008-09, bei dem unverhältnismäßig viele Zivilisten getötet wurden und international geächtete Waffensysteme wie Phosporbomben oder Flechettes zum Einsatz kamen (Operation Cast Lead / Gegossenes Blei).
Die USA hatten mit ihrem Verbündeten Israel während der Zeit des Angriffs auf den Reaktor Osirak keine nennenswerten Probleme. Heute sieht das anders aus. Obama wollte einen Neuanfang mit der arabischen Welt, sehr zum Leidwesen Jerusalems. Obama hat seine Kräfte überschätzt sich sowohl gegen Israel, als auch gegen die heimischen Verbündeten Israels – bestehend aus den zahlreichen demokratischen und republikanischen israelfreundlichen Abgeordneten, den vielen Millionen christlicher Zionisten im Land und der Lobby – und hat daher seit seiner Rede in Kairo einen Rückzieher nach dem anderen machen müssen. Aktuell vereitelt Washington den Palästinensern einen eigenen Staat, den sie jüngst vor den Vereinten Nationen beantragt haben. Mit den aktuellen Überlegungen von Israels Premier Netanjahu**, Iran im Zweifel alleine anzugreifen, hat Washington erhebliche Bauchschmerzen. Mehr Kriegsherde kann und will sich Amerika derzeit nicht leisten, zumal dieser rasch die Form eines Flächenbrandes annehmen könnte. Das Pentagon hat offenbar eine Satellitenüberwachung Israels (!) beantragt, um etwaige Kriegsvorbereitungen früh erkennen zu können. Das ist, um es milde auszudrücken, unüblich unter Verbündeten.
Jeder Atomschlag gegen Israel wäre ein Atomschlag gegen die arabischen Nachbarn
Schliesslich stellt sich die Frage, ob der befürchtete (künftige) Atomschlag Irans gegen Israel plausibel ist.
Würde Teheran Israel tatsächlich atomar bombardieren, würde es automatisch Hunderttausende Araber mit bombardieren. Ein Angriff gegen Jerusalem (arabisches Ost-Jerusalem!), gegen Tel-Aviv (Jaffa!) ist nicht möglich ohne die ansässige arabische Bevölkerung mit zu treffen. Israel verweist beständig auf seine geringe geografische Größe. In diesem Kontext ist evident: Kein Atomschlag gegen Israel, der nicht auch alle angrenzenden arabischen Staaten massiv in Mitleidenschaft ziehen würde. Das gilt selbst für sogenannte taktische Atomwaffen mit kleineren Sprengköpfen.
Wie vor diesem Hintergrund das Horrorszenario eines iranischen Atomangriffs aufrecht erhalten bleibt, ist einigermaßen schleierhaft.
Der Irre Ahmadinejad
Die Annahme, bei Irans Achmadinejad handelt es sich um einen unberechenbaren Verrückten, der im Zweifelsfall auch die eigene Nation opfert, ist rational vertretbar. Doch auch diese Überlegung führt nicht recht weit. Käme es diesem “Verrückten” nur auf eine Schädigung Israels an, würde er dafür keine Atomraketen brauchen. Mit einer ausreichend grossen Summe Geld könnte Iran jederzeit eine “schmutzige Bombe” kaufen oder selbst herstellen, um sie in Israel zu platzieren.
Doch würde auch in diesem Fall dasselbe gelten wie bei einem Nuklearangriff. Das “zionistische System auslöschen“, wie Ahmadinejad schon oft gefordert hat, würde sich auch damit nicht erreichen lassen, ohne unzählige Araber mit in den Tod zu reissen. Dem Iraner liegt allerdings viel zu viel daran in der Region als starker Mann gesehen und respektiert zu werden, als dass er sich seine Ambitionen damit kaputt machen würde.
Was ein israelischer Angriff jenseits aller Spekulationen in jedem Fall mit sich bringen würde, wäre eine beachtliche ökonomische Schwächung Irans und ein Rückschlag in dessen Hochtechnologiebereich. Möglicherweise liegt nur darin das eigentliche Motiv Israels.
Ungeachtet aller geschilderten Risiken scheint sich Großbritannien vorzubereiten, an der Seite Israels mit ins Gefecht zu ziehen.
Die derzeit zu beobachtende Vorbereitung auf einen weiteren überflüssigen Krieg ist das eigentlich Irrationale. Dagegen scheint Irans Ahmadinejad nur ein aufgeblasener Hanswurst zu sein. Ein Hanswurst übrigens, der derzeit zwischen allen innenpolitischen Fronten steht und allem Anschein nach in nicht allzu ferner Zukunft demontiert wird.
Kann es sein, dass man den “Irren” Ahmadinejad seitens Israels und Großbritanniens noch nutzen will, solange es ihn noch gibt?
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Photo: Iron Dome (Israel Defense Forces, Flickr CC Lizenz)
* “Schwarzer September” 1973
** Dessen Verteidigungsminister Ehud Barak meint aktuell: “A situation could be created in the Middle East in which Israel must defend its vital interests in an independent fashion, without necessarily having to reply on other forces, regional or otherwise.”
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>>Israels Angriffspläne gegen den Iran: Wider jede Vernunft<<
Es ist auch vernunftwidrig, dass der Iran mit Präsident Ahmadinedschad an der Spitze bei jeder Gelegenheit mit der Zerstörung Israel droht! |
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Ein unaufgeregt sachlicher Beitrag, dem größere Resonanz zu wünschen wäre. Es bleibt lediglich die vage Hoffnung, dass die israelische Führung - nicht zuletzt wohl ebenfalls unter dem Druck religiöser Fundamentalisten - dennoch und schlußendlich etwas mehr Realitätssinn zeigt als der uns gern als Abschreckung immer wieder vorgeführte "Irre" aus dem Iran.
Und wenn schon "irre". Hierzulande wird das israelische Säbelrasseln vom medialen Mainstream relativ klein gehalten, das kreuzgefährliche Palästinenser-Kopftuch eines Berliner Abgeordneten der Piraten dagegen zum medialen Ereignis hochgeschrieben; ergibt dies einen willkommenen Grund mehr, diese Partei in eine entsprechende Ecke hinein zu diskreditieren. Eine Frage wäre meinerseits spontan noch offen: Wer kontrolliert eigentlich das israelische Atom(waffen)programm; aus einer neutralen Perspektive, versteht sich ? |
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@ebertus
"Wer kontrolliert eigentlich das israelische Atom(waffen)programm; aus einer neutralen Perspektive, versteht sich ?" Tja, scheiße ist's, aber es gibt eben keine neutrale Perspektive. |
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schrieb am
07.11.2011 um 19:20
ebertus schrieb am 07.11.2011 um 11:57
>>Eine Frage wäre meinerseits spontan noch offen: Wer kontrolliert eigentlich das israelische Atom(waffen)programm; aus einer neutralen Perspektive, versteht sich ?<< Das habe ich mich auch schon häufig gefragt! Wer ist denn der Schiedsrichter dafür, ob einige Staaten dazu befähigt sind Kernwaffen haben zu dürfen und andere wegen moralischer Bedenken nicht? Ich bin mir auch nicht sicher, ob ein Verbot von Kernwaffen sinnvoll wäre, weil durch den Abschreckungseffekt sicherlich viele konventionelle Kriege vermieden werden. Da ist nur die Angst, vor einer weltweiten Eskalation bei Kriegen mit Kernwaffen, bei der viel mehr Menschen als bei konventionellen Kriegen getötet würden. |
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@miauxx, @Kritiker01
Nach dem "Ende der Geschichte", nach 1989/90 und nach dem vorläufigen Ende eines Gleichgewichts des Schreckens gibt es vorerst - und absehbar - keine wirklich neutrale Instanz auf Augenhöhe. Die USA können auf kurze bis mittlere Zukunft jegliche Kanonenbootpolitik, jede neokoloniale Attitüde, jedes gewaltsame Nationbuilding zelebrieren, soweit die militärischen Fähigkeiten und die ökonomischen Möglichkeiten eben noch tragen. Letzteres scheint beinahe die einzige Haltelinie zu markieren; nicht zuletzt wegen dem ansonsten drohenden Zerfall der amerikanischen Gesellschaft. |
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@ebertus
Wieso geht es Ihnen jetzt einzig um die USA? |
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Nein @miauxx, natürlich nicht.
Aber alle, gerade auch positiven Entwicklungen bis eben 1989/90 waren auf Augenhöhe, dem ansonsten "kalten Krieg" geschuldet. Wer sollte heute und absehbar eine neutrale Position nicht nur im Konsens proklamieren sondern im Zweifelsfall (gegen Widerstände) auch durchsetzen können. Meine bescheidene Vision, aber eben erst mittel- und langfristig, wäre eine neue UN, ohne die dominierende Rolle der verbliebenen (militärischen) Supermacht. Und weil Einsicht und Zurückhaltung nicht zu erwarten ist - nirgends - folgt daraus die ebenso bescheidene Hoffnung, das Kriege und jedes damit einher gehendes hegemoniales Vormachtstreben aus ökonomischen Zwängen heraus beschränkt werden. Das Problem dabei ist wahrscheinlich weniger die technische Seite, als eben die gesellschaftliche Akzeptanz militärischer und praktisch zelebrierter Stärke bei einem gleichzeitigen Rollback aller sozialen, kulturellen und ethischen Standards der abendländischen Welt. |
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schrieb am
07.11.2011 um 21:30
ebertus schrieb am 07.11.2011 um 19:38
>>...und die ökonomischen Möglichkeiten eben noch tragen.<< Daran hapert es ! Gott sei Dank! |
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schrieb am
07.11.2011 um 22:12
>>Ich bin mir auch nicht sicher, ob ein Verbot von Kernwaffen sinnvoll wäre, weil durch den Abschreckungseffekt sicherlich viele konventionelle Kriege vermieden werden.<<
Sie meinen den grossen Weltkrieg der 3 ökonomischen Blöcke wie in Orwells „1984“? Der wird mit anderen Mitteln geführt. Und regionale Kriege, oft als „Stellvertreterkriege" gab es seit der Erfindung der Kernspaltungs- und Fusionswaffen ständig. Mir ist kein globales Friedensjahr nach dem 2. Weltkrieg bekannt. >>soweit die militärischen Fähigkeiten und die ökonomischen Möglichkeiten eben noch tragen.<< Beide tragen weit. Die Waffenindustrie saugt mit hohen Gehältern qualifizierte Menschen aus aller Welt an. Obwohl Kanonenfutter in geringeren Mengen nachgefragt wird, steigt aufgrund der schwindenden Möglichkeiten, sich in zivilen Bereichen den Lebensunterhalt zu verdienen, die Bereitschaft an, sich bei Militär oder privatwirtschaftlichen Söldnertruppen zu verdingen. Die Möglichkeiten, Völker für Wirtschafts- und /oder Schiesskriege darben zu lassen, wurden weiterentwickelt. Kriegspropaganda greift: Wie viele waren vor einem halben Jahr bitter enttäuscht, dass „unsere Jungs“ nicht in Libyen mitbomben? DAFÜR hätten sie ihre Steuern mit Freuden entrichtet, genau so gerne wie im Falle Afghanistan. Sie werden auch wieder ihren Spaß haben dürfen, keine Sorge. Vielleicht schon im Irankrieg. Und noch mal dazu: >.>>...und die ökonomischen Möglichkeiten eben noch tragen.<< Daran hapert es !<< Gab es jemals eine Verarmungsgrenze, unterhalb derer ein Krieg beendet wurde? |
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Zunächst teile ich die Auffassung, dass bisher kein Geheimdienst einen Nachweis über iranische Atomrakten erbringen konnte. (Und "Enten" sollte man seit dem Irakeinmarsch der USA nicht mehr folgen.) Und ich bezweifle, dass Russland - dessen Optionen wurden im Artikel leider ausgeklammert - seine bisher rel. wohlwollende Haltung zum Iran bei Existenz von Atomwaffen fortsetzen würde.
Wichtiger ist mir die Frage, wie sich im Falle eines Krieges Israels mit Iran Deutschland verhalten würde. Unter dem Druck der Vergangenheit und gegenwärtigen taktischen Erwägungen scheint mir eine Kriegsteilnahme Deutschlands auf Seiten Israels nicht unwahrscheinlich. |
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M.E. müsste seitens der Abgeordneten und der Regierung schon jetzt eine Haltung zu so einem möglichen Vorhaben Israels (und USA?) eingenommen werden – und dem sollte ein gesellschaftlicher Diskurs, oder eine Umfrage vorausgehen...
Mein Bürgerwunsch an die Abgeordneten und Regierung: Keine wie auch immer geartete Unterstützung eines Krieges gegen den Iran. Keine weiteren Rüstungslieferungen an Israel und Saudi-Arabien – auch keine Ersatzteile, solange die Möglichkeit eines Irankrieges besteht. Internationales Engagement, um ihn noch zu verhindern. |
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„...und dem sollte ein gesellschaftlicher Diskurs, oder eine Umfrage vorausgehen...“
Und dem sollte eine umfassende Information über Hintergründe – allerdings frei von Desinformationen der Geheimdienste aller Seiten - vorausgehen. Und es müssten alle Folgen für Iraner, Israelis und aller anderen Betroffenen, zu denen nicht nur Kriegsteilnehmer gehören, aufgelistet werden. Eine Infoquelle |
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Eine deutsche Beteiligung? Jenseits des Üblichen an Logistik etc. und nicht nur verschämt winkend aus der zweiten Reihe hinaus?
Formalrechtlich wohl jenseits jeder bestehenden Verfassung; und ob dies (wieder formal) zu änderen wäre, sich dafür notwendige Mehrheiten finden würden, das sei vorerst dahingestellt. Moralisch gibt es mit Sicherheit eine Verpflichtung aus der Geschichte. Nur seit Afghanistan, seit dem diesbezüglichen Outing von Horst Köhler haben "gute und gerechte" Kriege, auch Angriffskriege aus rein wirtschaftlichem Interesse einerseits wieder Hochkonjunktur, wird andererseits eine erneute "Koalition der Willigen" nach dem Irak-Fiasko nicht unbedingt wahrscheinlicher. |
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"Moralisch gibt es mit Sicherheit eine Verpflichtung aus der Geschichte. "
ebertus, können Sie das mal näher erläutern? |
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Da mach' ich es mir einfach, @GEBE
Die Unterstützung von Israel ist deutsche Staatsräson, also eine politische Definition, eine Absichtserklärung. Gleichwohl muss diese Staatsräson bei Umsetzung des hier in Rede stehenden Szenarios verfassungskonform gestaltet werden. Ihre Frage finde ich ansonsten etwas provozierend, gleichwohl sei Ihnen dahingehend eine weitergehende Erläuterung unbenommen. |
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schrieb am
07.11.2011 um 21:35
Nietzsche 2011 schrieb am 07.11.2011 um 15:54
>>Wichtiger ist mir die Frage, wie sich im Falle eines Krieges Israels mit Iran Deutschland verhalten würde.<< Militärisch ist Deutschland in dieser Frage völlig unwichtig, was auch gut so ist. Wichtiger für mich wären die wirtschaftlichen Auswirkungen, welche natürlich auch unseren Lebensstandard beträfen. Und da sehe ich schwarz! |
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schrieb am
07.11.2011 um 22:21
>>...und dem sollte ein gesellschaftlicher Diskurs, oder eine Umfrage vorausgehen...<<
Sollte. Vielleicht eine Volksabstimmung wie in Griechenland. Faktisch würde dem eine kurz davor angeleierte Massenmedienkampagne vorausgehen. Wir wissen ja wie es gemacht wird. Und wenn die nicht mit mit einer Massenvolkskampagne gekontert wird, dann geht das eben seinen Gang. Die Demos gegen den Afghanistankrieg waren ZU SCHWACH. Und die waren nicht schlecht, ich war in Stuttgart dabei: Der Marktplatz konnte die Menschen nicht fassen. "Occupy" ist ein Mückenfurz dagegen. |
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Dein Einwand ist berechtigt, Claudia. Der Grad der allgemeinen Desinformiertheit ist sehr hoch. Daher schrieb ich auch im anschließenden Kommentar: „Und dem sollte eine umfassende Information über Hintergründe – allerdings frei von Desinformationen der Geheimdienste aller Seiten – vorausgehen.“ Natürlich sind das angesichts einer Mini-Friedensbewegung gewagte Träumereien.... Aber in die Richtung müsste es gehen. Ein Sternmarsch auf das Regierungsviertel, wird auch schwierig, aber Anlass dafür wäre ein drohender Irankrieg allemal. Man muss das tun, was geht. Der Weg ist das Ziel.
;-) |
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@Nietzsche2011
Warum ist Dir die Frage, wie sich Deutschland im Falle eines Krieges verhalten würde, wichtiger als die Frage darum, ob es überhaupt zum Krieg kommt? @kritiker01 Ich verstehe Dich jetzt nicht richtig, wenn ich lese, dass du dich in vorderster Reihe um deinen, unseren, den hiesigen Lebensstandard angesichts eines möglichen Krieges zwischen Israel und Iran sorgst?! |
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@Kritiker01 um 21.35
Bin wahrscheinlich nicht der große Konsument; daher ist die Frage des Lebensstandards für mich sekundär. Mit meiner Frage ist der Hinweis verbunden, dass in D allmählich die Bevölkerung fürKriegseinsätze "weichgekocht" wird: aus "humanitären" Gründen in Afghanistan (event. noch in Libyen und Syrien), aus "Kriegsschuld" gegenüber den Juden etc. Dazu passt ja die Neutrukturierung einer "effektiven" Berufsarmee. |
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@miauxx um 23.06
Um Missverständnissen vorzubeugen: Im Artikel ging es ja um das Szenario eines MÖGLICHEN Krieges. Und es wurden Positionen aufgezeigt. Da mir die Haltung der Deutschen fehlte, habe ich diese Frage angestoßen. |
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schrieb am
09.11.2011 um 15:02
Nietzsche 2011 schrieb am 08.11.2011 um 11:49
>>Mit meiner Frage ist der Hinweis verbunden, dass in D allmählich die Bevölkerung fürKriegseinsätze "weichgekocht" wird: aus "humanitären" ...<< Den Eindruck habe ich auch. Für mich persönlich käme nur ein Kriegseinsatz infrage, wenn unser Land militärisch angegriffen würde. Alles andere muß vorher diplomatisch gelöst werden! |
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Schließe mich der Feststellung ebertus', "Ein unaufgeregt sachlicher Beitrag, dem größere Resonanz zu wünschen wäre., weitgehend an.
Ich glaube überdies, dass der Iran einer weitaus größeren Gefahr von Raketenangriffen ausgesetzt ist, als Israel von Seiten des Mullah-Staates. Wie real das Potenzial des Iran, mittels A-Bombe auf Israel zu zeigen, ist, wissen wir freilich nicht. Da mag viel Stimmungsmache im Spiel sein. Man braucht nur an die vermeintlichen Kernwaffen des Irak zu erinnern. Vornehmlich wird Israel an einer generellen Schwächung des Iran gelegen sein; insbesondere, wenn die Behauptung, die Mullahs finanzierten die Hizbollah und Hamas, wahr ist. Hierüber würde ich nicht, so wie schlesinger, endgültige Aussagen machen wollen. Im Falle der Hizbollah läge die Wahrscheinlichkeit wohl am nähesten - ist diese 'Partei Gottes' doch ein Kind der islamischen Revolution von 1979. Es ginge damit also zuerst um die "graue Eminenz" hinter dem aktiven Kampf gegen Israel. Ahmadinejads Äußerung von einer "Auslöschung des zionistischen Systems" sind ferner sicher nicht überzubewerten können gleichermaßen aber auch nicht als leere Verlautbarungen eines "Irren" abgetan werden. Für beide Seiten würde das Vollbringen eines Erstschlages jedoch nicht nur unvorstellbares Leid, sondern auch langfristig nur Nachteile bringen, die sich wiederum auch nicht nur auf die Region, sondern die ganze Welt erstrecken würden. Es bleibt also nur zu hoffen, wie eigentlich auch davon auszugehen, dass es sich weder mit Ahmadinejad oder Chamenei noch Netanjahu oder Barak um "unberechenbare Verrückte, die im Zweifelsfall auch die eigene Nation opfern" handelt. Denn von einem gerechten Krieg kann so oder so nicht und nie geredet werden. Weshalb mir im Übrigen auch der Unterton im Artikel schlesingers, Israel hätte alles Recht Krieg zu führen, nicht gefällt. |
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Ja, ja auf nach Persien!!!
Mosaddegh bis Ahmadinejad alles ganz böse Leute! Ehrlich! Die scheissen den SS-Kackern immer wieder in die Suppe. Den ganzen verdammten Irak haben sich diese Scheissshiiten schon eingesackt, obwohl wir doch den ganzen Krieg da im Irak auf Kredit geballert haben. Naja, ist ja nicht richtig schlimm!! Die Siedler kriegen wir schon wech. Oder? Wie auch immer: Hätte Sharon damals mal richtig die Messer gewetzt wär das alles kein Thema. Gelle! Aber ist schon lustig wie bei solch einem Thema rumgebubblert werden kann. |
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@Rosa
Äh, was willst Du jetzt sagen? |
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Bist Du jetzt begriffsstutzig oder was? "Mosaddegh bis Ahmadinejad alles ganz böse Leute!" Alles klar?
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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