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Schlesingers Blog

25.01.2012 | 13:32

Netanjahu droht Israel

Endlich wagt es eine große Zeitung einen längst bekannten Sachverhalt offen auszusprechen.

Die Süddeutsche meldet heute:

Netanjahu droht Iran

Dass Israels Premierminister Netanjahu eine Bedrohung für sein Land darstellt ist nichts Neues.

Immerhin war es der damalige Oppositionsführer “Bibi” Netanjahu, der den radikalen Widerstand gegen Ministerpräsident Yitzhak Rabin anführte, welcher die Vereinbarungen von Oslo unterzeichnete.

Nach der Ermordung Rabins verweigerte seine Witwe Leah dem kondolierenden Netanjahu den Handschlag. Auch später hat sie ihm nicht verziehen, wie er in größt möglicher Radikalität gegen ihren Mann aufgewiegelt hat.

Als Netanjahu in der Nachfolge von Schimon Peres zum Ministerpräsidenten gewählt wurde, begann er umgehend den Friedensprozess einzufrieren. Das war für niemanden eine Überraschung, denn schließlich hat es Netanjahu in seinem Buch “A place among the nations” im Detail dargelegt, dass Frieden mit den Arabern unmöglich sei und Israel sich ausschließlich auf das Schwert verlassen könne.

Netanjahu kann nur “Sicherheitspolitik”

Armer Bibi. Er kommt aus seinem geistigen Gefängnis nicht heraus. Er ist der Sohn von Benzion Netanjahu, der glühender Anhänger und Sekretär von Vladimir Jabotinsky war - dem Begründer des sogenannten revisionistischen Zionismus mit der Idee eines Großisrael und der Forderung nach militärischer Dominanz über die Araber.* Netanjau junior hat beider politisch-ideologische Ansichten in zum Teil radikalerer Form übernommen. Dabei sieht sich Bibi einer homogen feindseligen arabischen Umgebung gegenüber, kennt nur Schwarz und Weiß, nicht unähnlich dem manichäischen Weltbild des George W. Bush.

Aus taktischen Gründen gibt er sich bisweilen den Anstrich Frieden zu suchen. Den Frieden aber, den Netanjahu sich vorstellt kann es und wird es nicht geben. Es ist ein Friede, der die völlige Unterwerfung des anderen voraussetzt.

Was für eine absurde Idee im 21. Jahrhundert und in Zeiten des arabischen Frühlings.

Den reellen Forderungen seiner eigenen Bürger, wie sie von der Bewegung J14 im vergangenen Jahr landesweit und unüberhörbar zum Ausdruck gebracht wurden, kann und will er sich nicht stellen. Er kann und will nur “Sicherheitspolitik”. Davon ist er besessen.

Netanjahu ist ein übrig gebliebener Kalter Krieger.

Er ist für Israel kein “Gottesgeschenk”, obwohl das die Bedeutung seines Namens ist. Er ist eine Bedrohung.

---

* Vgl. den Artikel “The Iron Wall” von Vladimir Jabotinsky

Bild: Auszugsweise Kopie des SZ-Artikels v. 25.01.2012

 
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Kommentare
cuchulainn schrieb am 25.01.2012 um 13:39
"Als Sohn von Benzion Netanjahu, der glühender Anhänger von Vladimir Jabotinsky war ... kennt Bibi nur Schwarz und Weiß."

... ähem?
schlesinger schrieb am 25.01.2012 um 14:07
Danke für den Hinweis! Habe den tatsächlich sehr komprimierten Satz ergänzt. Nun verständlicher?
cuchulainn schrieb am 25.01.2012 um 14:51
bedingt, schlesinger. jetzt ist zumindest klar, was sie damit sagen wollten. jetzt bin ich dran und muss meinen einwand präzisieren. (sorry übrigens, dass ich so kurzatmig-patzig geschrieben habe).

was mich hier stört ist nicht der INHALT - manichäismus, das stimmt ja und ist mal so gesagt die zugespitzte version der frage, vor der früher oder später jeder nationalismus steht, logischerweise auch der israelische - sondern die FORM des arguments:

"als sohn von ... kennt er nur ..."

das steht wohlgemerkt nicht: als "geistiger sohn" bzw. schüler/anhänger von ..., sondern hier ist schon die biologische abstammung gemeint. benzion netanjahu war anhänger jabotinskys und bibi kennt ALS der sohn von benzion nur denselben manichäismus, WEIL er der sohn von benzion ist. - so, als sei das politische programm des revisionistischen zionismus gewissermassen "genetisch" in den sohn eingebaut.

das ist indiskutabel, denn genau so argumentiertja zb sarrazin und argumentierten vor ihm alle anderen rassisten - und darauf bezieht sich mein einwand, schlesinger.
schlesinger schrieb am 25.01.2012 um 15:29
@cuchulainn Sie nehmen's genau, das ist in Ordnung! Da ich es mit Sarrazin & Co. nicht so habe, füge ich eine weitere Ergänzung ein "als Sohn... der die politisch-ideologischen Ansichten seines Vaters weitgehend übernommen hat",... work in progress...
cuchulainn schrieb am 25.01.2012 um 16:02
jetzt geb ich ruhe, schlesinger. :)
Alien59 schrieb am 25.01.2012 um 13:44
Danke. Fürs Finden dieses Lapsus' der SZ ebenso wie die passende Meldung zur falschen Überschrift. ;-)
@dllxllb schrieb am 25.01.2012 um 16:12
Dass die SZ so titelt, ist bemerkenswert. Die Linie welche die Regierung unter Bibi fährt finde ich sowieso in einigen Punkten mehr als eigenartig.

Abgesehen davon halte ich Ahmadinedschad zwar für gefährlich, kann aber nicht erkennen warum Angriffs-Drohungen in seine Richtung die Lage entschärfen sollten. So aus dem Bauch heraus, wird wohl jemand der sich bedroht sieht, sich eher mehr Gedanken um sein Waffenarsenal machen als weniger.

Eine andere Sache... Würden die Machthaber im Iran eine A-Bombe auf Israel schmeißen? M. E. würde das allein aufgrund der geografischen Beschaffenheit des Landes bedeuten, dass Palästinenser betroffen wären. Abgesehen von den umliegenden Ländern... Zugegeben, skrupellos mögen sie sein, die Herrschenden. Und mit simpler Logik mag man da an Grenzen stoßen. Aber so ein Angriff wäre doch sicher das Ende der Herrschenden im Iran...
schlesinger schrieb am 25.01.2012 um 16:57
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