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Schlesingers Blog

01.12.2011 | 13:27

Obama: Kein Verbündeter der USA wichtiger als Israel

Der US Wahlkampf kommt in Schwung. Damit ist auch der Wahlkämpfer Obama in leicht veränderter Tonlage unterwegs.

Hatte er während seiner ersten Amtszeit den Anschein erzeugt, er wolle sich stärker den arabischen beziehungsweise muslimischen Nationen zuwenden, tritt er aktuell als felsenfester Partner an der Seite Israels auf.

Auf einer Spenden-Gala sagte er:

Obviously, no ally is more important than the state of Israel.

This administration – I try not to pat myself too much on the back – but this administration has done more in terms of the security of the state of Israel than any previous administration.

Whether it’s making sure that our intelligence cooperation is effective, to making sure that we’re able to construct something like an iron dome so that we don’t have missiles raining down on Tel Aviv, we have been consistent in insisting that we don’t compromise when it comes to Israel’s security.

Offenkundig gibt es keinen wichtigeren Verbündeten Amerikas als Israel?

Dazu ist zweierlei anzumerken.

Zum einen ist es eine schamlose Übertreibung, die an den Rand der Peinlichkeit gerät. Hatte nicht Obama kürzlich auf Nicolas Sarkozys Kommentar, Netanjahu sei ein Lügner, erwidert, dass er, Obama, im Grunde schlimmer dran sei, da er es immerhin täglich mit Netanjahu zu tun habe?

So sieht die Beziehung zum “wichtigsten Verbündeten” aus. Klingt eher nach einem Rosenkrieg.

Zum anderen stellt sich die Frage nach den Kriterien, was Israel zum so wichtigen Partner machen könnte.

Spielt Israel eine tragende Rolle in den Wirtschaftsbeziehungen der USA?

Kann Israel zur Energiesicherung Amerikas wesentlich beitragen?

Erleichtert Israel Washingtons Beziehungen in der muslimischen Welt, was Obama als ein wesentliches Ziel seiner Präsidentschaft angekündigt hat?

Steht Israel als militärische Partner bereit, wenn Amerika in den Krieg zieht (so wie es die Briten traditionell tun)?

Kann Israel den Vereinigten Staaten in den Vereinten Nationen helfen?*

Über solche Fragen entscheidet sich für gewöhnlich die Antwort, wie wichtig ein Verbündeter ist.

An Obamas Feststellung ist daher leider nichts richtig.

Richtig ist nur, dass die amerikanisch-jüdischen Stimmen und Gelder im US-Wahlkampf zwar keine entscheidende, aber beachtliche Größe darstellen.

Da kann man Fünfe auch mal gerade sein lassen, oder?

Merkwürdig: Obama, der ein so großes Gespür für Kommunikation und die neuen Medien hat, scheint plötzlich vergessen zu haben, dass seine Worte zur Bedeutung Israels in Windeseile von Millionen und Abermillionen gelesen wird, die Israel als Bedrohung wahrnehmen.

Ein bisschen weniger hätte genügen können: Israel ein wichtiger Verbündeter. Israel kann sich auf Amerika verlassen. Das übliche halt. Müssen es Superlative sein?

Damit hat Obama seinem Land geschadet.

-----

* Nein, da die wichtigen Fragen im Sicherheitsrat beschlossen werden.

 
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Kommentare
Rahab schrieb am 01.12.2011 um 16:35
paßt doch hervorragend in die allgemeine kriegsbesoffenheit.
nachdem der krieg in Afghanistan "gescheitert" ist, muß ein neuer her.
und während ich noch am überlegen bin, ob ich vor den persil-gewaschenen deutschen und ihrem ganz alltäglichen rassismus nicht vielleicht doch besser nach Jerusalem abhaue, wird mir klar: da käme ich vom regen in die traufe.
Richard der Hayek schrieb am 01.12.2011 um 16:50
Nein, das täuscht.
Der Obama wird sich das nie trauen, und Jerusalem ist ein so schöner Ort !
Also, wenn ich arabisch könnte, würde ich sofort da hinziehen.
Als Anwältin kannst du die Frauen dann kurz vor der Steinigung ein bischen verteidigen, auch nciht schlecht.
Und keine so gräßlichen Vorurteile gegen den Islam wie in Deutschland: paradiesisch !!!
goedzak schrieb am 02.12.2011 um 05:11
Sag mal, Richard der Hayek, und mal im Ernst: Geht Dir einer ab, bei dieser Art von 'Ironie' oder was Du dafür hältst? Bisschen pubertär, wa?
Alien59 schrieb am 01.12.2011 um 18:04
Es macht den Kohl auch nicht mehr fett, Schlesinger. Ich wüsste niemanden in der arabischen Welt, der noch etwas auf Obama gibt. Das, was er jetzt sagt, weiß man hier schon lange. Nur die Verachtung für einen Präsidenten, der sich derart verkauft, wächst noch ein bisschen.

Zu diesem Zeitpunkt jedoch frage ich mich, ob das nun der Freibrief für einen Angriff auf den Iran ist, nachdem ja nun die Botschaften teilweise schon geschlossen sind. Inklusive des angeblichen Attentats auf die saudische Botschaft (ich hatte das Gefühl, die Saudis glaubten keine Silbe) sieht das alles eher durchsichtig arrangiert aus.
Was den Angriff auf die UK-Botschaft angeht: schon komisch, es gab seinerzeit einen Angriff auf die iranische Botschaft in London, mit zwei Toten - der Iran machte keineswegs ein solches Bohei darum. Insofern scheint diese Attacke einigen Leuten gerade bestens in den Plan gepasst zu haben.

BTW, @RdH: in Jerusalem sitzen die Israelis. Gute Anwälte sind dort aber durchaus vonnöten, weil die ständig Leute ohne Grund einsperren, auch Kinder. Vorurteile gegen den Islam haben die da aber en masse.
Rahab schrieb am 01.12.2011 um 19:31
ich finde das auch nicht so wahnsinnig überraschend. jedenfalls nicht nach dem, was sich seit wochen an der propaganda-front abspielt. und wogegen sich einige in ha'aretz und anderen blättern immer noch die finger wundschreiben.

aber manche sind jetzt wohl so richtig im kriegs-dschumm. freuen sich ein bein aus, wenn in Iran irgendwas in die luft fliegt. und erwägen auch schon mal den einsatz atomarer sprengsätze gegen Irans nuclear power plants ....

BTW: dass RdH keine ahnung über die masei u'matan in Jerusalem hat, finde ich nicht weiter verwunderlich. letztlich scheint dem der ganze vordere orient eins zu sein - vernichtenswert. ein schelm, wer da die fortsetzung einer tradition vermutet?
schlesinger schrieb am 01.12.2011 um 20:58
@alien59 "Es macht den Kohl auch nicht mehr fett..." etc.pp.
Leuchtet spontan ein, und ist doch nur ein Teil des Bildes. Stimmt nur hinsichtlich "der Straße". Doch hinter den Kulisssen sind US Dollars und Miltärhilfe so begehrt wie eh und je. Einem Diktator wie Mubarak konnte weitgehend egal sein wie die Straße über Bush, Obama oder wen auch immer denkt. Doch in Zeiten des arabischen Frühlings müsste es für Washington im Gegensatz zu früher umso mehr darauf ankommen, die Straße nicht zu verprellen, weil sie einen relativ größeren Einfluß auf die Politik hat. Insofern macht es einen enormen Unterschied ob Obama sich heute so leichtfertig äußert wie er es getan hat, oder ob das im Jahr 1 seiner Präsidentschaft getan hätte. Leider hat er die falsche Reihenfolge gewählt.
goedzak schrieb am 02.12.2011 um 05:16
Die Idealisierung der arabischen Akteure ist genauso illusionär wie die der Figur Obama es war.
Rahab schrieb am 02.12.2011 um 09:15
eine etwas andere lesart wäre: Israel soll sich gefälligst irgendwelcher alleingänge wie -schläge enthalten.
immerhin traut mann in USA den hitzköpfen in Israel einiges zu. weshalb, wenn ich mich richtig erinnere, mann Israel überwacht, um ggf. allein-schläge rechtzeitig erkennen und verhindern zu können. so ungefähr läßt sich einiges, was kurz vor dem IAEA-bericht in ha'aretz zu lesen stand, nämlich auch zusammenfassen. (ich muß mal gucken, ob ich das entsprechende noch wiederfinde)
Rahab schrieb am 02.12.2011 um 10:43
diesen artikel
www.haaretz.com/news/diplomacy-defense/u-s-military-official-we-are-concerned-israel-will-not-warn-us-before-iran-attack-1.393834
hatte ich noch im gedächtnis.
ansonsten kann ja jede der mag in ha'aretz blättern, um sich über die inner-israelische debatte schlau zu machen.
schlesinger schrieb am 02.12.2011 um 12:16
@Rahab: Im Gegensatz zur weit verbreiteten Annahme Washington ist seit jeher der Erfüllungsgehilfe Jerusalems darf man sich wehmütig an die Zeiten erinnern, als Isser Harel - damals Mossad-Chef - sich an US Außenminister John Foster Dulles wandte mit dem Ansinnen, gegen Syrien in einer gemeinsamen Operation vorzugehen. Die Antwort Dulles': Nein. Und er wollte daraufhin eine garantie von Ben-Gurion, dass Israel nicht gegen Syrien vorgeht. Autsch. Das war übrigens nicht lange nach der völlig verunglückten Sinai-Kampgane, in der der Intrigenverbund Israel-Frankreich-England von den Amerikanern und Russen schwer zurück gepfiffen wurde.
Rahab schrieb am 02.12.2011 um 13:32
tja, immer diese annahmen!
es hat mich ja auch sehr gewundert, wie hierzulande das, was ja auch in der presseschau im transatlantikblog gelesen werden kann, in aller regel ignoriert wird. wie eben auch dieser ha'aretz-artikel, auf den ich verlinkt habe.
womit ich wieder bei der kriegsbesoffenheit wäre...
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