schwarzbart

Schwarzbarts BordLog

14.07.2011 | 15:44

So würde der Finanzkapitalismus in der wirklichen Welt funktionieren:

Ich will ein Auto bauen und leih mir dafür von dir eine Tonne Stahl, die du auch nicht hast. Du versicherst dich gegen diese Tatsache mit einer von dir erfundenen Versicherung, die du sofort weiter verkaufst.

Dein Nachbar kauft die Versicherung, beleiht sie bei einer Bank und verkauft dir dafür ein Garantiepapier, dass er Stahl liefern kann. Das glaubst du ihm - er hat ja eine Stahl-Lieferversicherung.

Dann wird dein Nachbar zahlungsunfähig und liefert die von dir erfundene Versicherung bei der Bank ab. Die teilt sie in viele kleine Chargen und kalkuliert ein paar Zuschläge - man muss ja leben - und verkauft das Papier international weiter.

Mittlerweile existieren Stahl-Lieferzusicherungen für 2,5 Gigatonnen. Nur: Ich hab nicht eine davon + also immer noch kein Auto gebaut.

Die Stahl-Derivate im Umlauf haben den Wert vom 2500fachen meiner Anfrage. Die Folge: Da es offensichtlich eine so massive Nachfrage gibt, ist der Preis senkrecht in die Höhe geschossen und ich kann mir keinen Stahl mehr leisten.

Ich hab mit nem Kumpel geredet: Wir bauen das Auto aus Aluminium. Da hat er noch ne Tonne im Keller.

Ergebnis: Der internationale Stahlmarkt kollabiert, weil die Nachfrage nach 2,5 Gigatonnen Stahl sich als Blase herausgestellt hat, der Steuerzahler kauft alle Policen, die Banken schreiben eine letzte Gebührenrechnung und alle wenden sich ab und verkaufen als nächstes: Weizen.

Und wer jetzt denkt: Nette Satire vom schwarzbart, der liegt mal wieder fett daneben.

Als 2000/2001 rauskam, dass der online-Verkauf von Hundefutter nicht zwingend ein Multi-Milliarden-Markt ist und einige weniger gute Ideen noch schlechter abschnitten - kurz: die Dotcom-Blase platzte - haben die üblichen Verdächtigen sich abgewandt, und: ihr ratet es, angefangen z.B. mit Weizen und Reis zu handeln.

Resultat: Im zweitgrössten Reisanbaugebiet der Welt, dem Mekong-Delta hat sich der Preis für ein Kilo Reis von 1000 Dong in 2001 auf 18-25000 Dong im Jahr 2011 erhöht.

Alter GI-Schnack sagt: Wenn Soldaten Fehler machen, sterben Menschen. Schwarzbart sagt: Wenn die Finanzmafia Profite macht, sterben Menschen.

An Hunger vorzugsweise. Das spritzt nicht und macht kaum Geräusche.

 
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Kommentare
glaubdir schrieb am 15.07.2011 um 00:07
@schwarzbart, ja, dein beitrag ist leider keine satire. und auch dein schluß "Wenn die Finanzmafia Profite macht, sterben Menschen" trifft es auf den punkt - leider. ;-)
Joachim Petrick schrieb am 15.07.2011 um 01:20
@schwarzbart

seit ich Näheres von der Mefo- Wechsel Praxis der Deutschen Reichsbank unter deren Reichsbankpräsidenten Hjalmar Schacht in den Jahren 1933- 38 weiss, der mit fingierten Finanzoperationen den Interantionalen Finanzmarkt über die wirklichen Schulden des Reiches jahrelang mit vielen Mitwissern in der reichsdeutschen Wirtschaft täuschte, um die Aufrüstung des III: Reiches im Rahmen des transatlantischen New Deals Marke Roosevelt vorantrieb, weiss ich, dass Finanzkriege nicht taugen, Kriege zu vermeiden, sondern als globalen Flächenbrand zu befeuern.

Das Modell hast Du hier annähernd pointiert beschrieben.
schwarzbart
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