schwarzbart

Schwarzbarts BordLog

02.12.2009 | 12:21

Wer hat's erfunden?

Haben wir uns in D denn das richtige Volk gewählt, um es mit Direkter Demokratie zu beglücken? Die Schweizer, so viel steht seit dieser Woche fest, die Schweizer habens zwar erfunden, aber das richtige Volk dafür sind sie augenscheinlich nicht.
Die Schweizer sind wie so ziemlich alle Europäer nicht wirklich glücklich mit der Tatsache, dass sie eine Menge muslimischer Einwanderer im Lande haben. Gibt es aber irgendwo eine begründete Bürgerpflicht, jeden Einwanderer toll zu finden & lieb zu haben? Ist uns da etwas entgangen?
Würde ich mich entscheiden, auszuwandern, würde ich mich, egal wo's mich hinzöge, dort von meiner besten Seite zeigen, versuchen Kontakte zu den dort Hiesigen zu knüpfen und alles in allem meine Energie da hineinlegen, ein guter und willkommener Nachbar zu sein. Was tun die Muslime, die hier her ziehen in diese Richtung? Und darf ich von jemand anderem erwarten, dass er/sie derlei tut, beliebt sein will, dort wo er hingezogen ist? Steht eine Verhaltensstrategie, die aus einer Kultur des persönlich-sichtbar-Seins stammt, denen zur Verfügung, die klug daran taten, dort, wo sie herkamen, unsichtbar zu sein?

Mein Freund Emin ist Deutscher. Sein Grossvater war Türke, Emin ist Deutscher, und seine Freunde sind Deutsche, einige haben, wie er, einen türkischen Grossvater, aber alle sind Deutsche. Und Türken, sagt Emin, kennt er nicht. Mit denen könne er nix anfangen, die seien so ungebildet. Und weil er einen türkischen Grossvater hat, wird er vom antifaschistischen Lynchmob trotz dieser Aussage verschont.

Manchmal, wenn das Leben gut zu uns ist und der Jazz grossartig, wird es spät am Wochenende, sehr spät, spät genug , die Nacht mit einem Frühstück zu beenden. Und dann sagt Emin: Lasst uns türkisch frühstücken. da sitzen wir dann, Emin und ich,  - einer mit nichtdeutschem Grossvater - ein Portugiese, zwei Serbinen, die uns in einem Jazzclub "zugelaufen" sind, unser Kumpel Wei, sein Grossvater kam aus Shanghai nach Dortmund, und essen Fladenbrot, Wildhonig Ziegenkäse, und eine Rindfleischsalami. Emin würde nie Schinken essen, denn er ist Moslem.

Der Grabenkrieg um die Emigration nimmt verdunsche Ausmaße an, und er wird auch in vergleichbarer Weise sinnlos. Im Besonderen sehen wir nur noch bedingte Reflexe, wo reflektiertes Denken von Nöten wäre. Die Schweizer haben nicht gegen den Islam gestimmt, sie haben nicht gegen den Bau von Moscheen gestimmt, sie haben gegen ein architektonisches Detail gestimmt. Ob das besonders reflektiert war oder nicht, das zu beurteilen,  steht uns nicht-Schweizern nicht zu. Jedenfalls haben sie die Muslime nicht ins Gesicht geschlagen oder vors Schienbein getreten, sondern "nur" ein bisschen geschubst. Ob das wirklich klug war? Das müssen Sie sich schon selbst beantworten.

Wer Religionsfreiheit sagt, muss vorher Menschenrechte sagen, die Freiheit, die hier in Rede steht, hat keine christliche Tradition. Es ist die Freiheit im Geiste Kants, Voltaires, Diderots, Rousseaus. Das konstituert erst die Freiheit des Individuums, sein Recht auf selbstbestimmtes Leben, ungeachtet von Geschlechtszugehörigkeit und sexueller Orientierung und selbstverständlich einschliesslich der Freiheit, sich Ehepartner oder Lebensgefährten selbst und frei wählen zu können.

Dem hat sich alles andere unterzuordnen. Auch die Religionsfreiheit.

 
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schwarzbart
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