Sebastian Dalkowski

Blog von Sebastian Dalkowski

26.09.2009 | 07:01

Merkel und Steinmeier – die Telefonaffäre (6)

In dieser Woche lasse ich Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier jeden Abend miteinander telefonieren. In der sechsten Folge hat der Außenminister plötzlich Barack Obama am Telefon.

Angela Merkels Handy klingelt.

Barack Obama: Ja.
Frank-Walter Steinmeier: Hier ist Frank-Walter Steinmeier. Mit wem spreche ich?
Obama: Hier spricht Barack Obama am Apparat von Angela Merkel. Sie kennen mich vielleicht aus den Nachrichten und Doku-Filmen über Gott.
Steinmeier: Oh, Herr Obama. Guten Tag. Ich wusste nicht, dass Sie Deutsch sprechen. Mit einem kleinen Akzent zwar, aber das tut Frau Merkel ja auch.
Merkel: Ich habe Sie gehört, Herr Steinmeier. Geben Sie mir mal das Telefon, Herr ähem Obama. So, Herr Steinmeier.
Steinmeier: Hallo, Frau Merkel.
Merkel: Hallo, Herr Steinmeier. Ich sitze gerade mit dem US-Präsidenten beim Essen in Pittsburgh.
Steinmeier: Ich wollte Sie auch nicht lange stören, doch nachdem wir gestern keine Zeit hatten, weil der blöde Steinbrück dauernd gestört hat, wollte ich kurz mit Ihnen darüber sprechen, dass der Weltsicherheitsrat eine Resolution für eine atomwaffenfreie Welt verabschiedet hat.
Merkel: Großartig, oder?
Steinmeier: (seufzt)
Merkel: Herr Steinmeier?
Steinmeier: Na ja.
Merkel: Na ja was? Herr Steinmeier, müssen Sie schon wieder den Bedenkenträger spielen?
Steinmeier: Mmm.
Merkel: Manchmal habe ich das Gefühl, das sind gar nicht Sie, der das alles sagt.
Steinmeier: Sondern?
Merkel: Na ja, eine andere Person.
Steinmeier: Wer sollte das sein?
Merkel: Der, der das schreibt, was Sie sagen und der so idealistisch ist, wie Sie es wohl gerne wären.
Steinmeier: Ich verstehe nicht.
Merkel: Ist ja auch egal. Welche Bedenken haben Sie denn? Warten Sie, lassen Sie mich raten – Sie vermuten, dass nicht mehr dahinter steckt als eine Absichtserklärung und dass die USA und Russland niemals all ihre Atomwaffen vernichten werden.
Steinmeier: So in etwa.
Merkel: Ihr ewiger Pessimismus und ihre latenten Bedenken gegenüber dem Westen.
Steinmeier: Ja aber wir können den Iran doch nicht wegen Atomwaffen kritisieren, die er vielleicht in zehn Jahren hat, wenn wir selbst die Keller voll haben. Ich meine, wenn ich der Iran wäre, würde ich mir auch schnell eine Atombombe zulegen. Denn ein Land mit Atombombe haben die Amerikaner noch nie angegriffen. Deshalb konnten Sie ja in den Irak einmarschieren wegen der angeblichen Massenvernichtungswaffen. Wenn die wirklich welche gehabt hätten, wären die USA niemals eingefallen.
Merkel: Gelegentlich zweifle ich an Ihrem Verstand. Herr Obama schüttelt auch den Kopf.
Obama: Herr Steinmeier, ich hatte Sie ja für einen vernünftigen Menschen gehalten.
Steinmeier: Aber ich bin vernünftig.
Merkel: Dann erzählen Sie Herrn Obama doch noch, was Sie über den internationalen Terrorismus denken.
Steinmeier: Frau Merkel…
Merkel: Los, sagen Sie es ihm.
Steinmeier: Das ist nicht fair.
Merkel: Herr Steinmeier!
Steinmeier: Na ja, ich habe mal gesagt, dass die islamischen Länder unser Verhalten genauso als Terrorismus empfinden wie wir das ihrer Terroristen.
Merkel: Da hören Sie es, Herr Obama. Nicht zu vergessen die Sache mit Afghanistan. Da sagen Sie, die USA seien damals dort eingefallen, weil die Taliban Osama bin Laden Unterschlupf gewährten. Und als sie ihn dann nicht fanden, fiel ihnen ein, dass sie doch wegen der Demokratie da waren.
Steinmeier: Frau Merkel, müssen Sie mich so lächerlich machen?
Merkel: Das machen Sie selbst.
Steinmeier: Ich habe das gar nicht so gesagt.
Merkel: Doch das haben Sie, ich habe es aufgezeichnet.
Obama: Vielleicht ist es ganz gut, dass ich bald mit Herrn Westerwelle spreche.
Merkel: Aber Herr Obama, so war das doch gar nicht gemeint. Sie haben doch auch eine Annäherung an die islamischen Länder gefordert.
Obama: Natürlich, aber das heißt noch lange nicht, dass wir unsere Vormachtstellung aufgeben.
Merkel: Da hören Sie es, Herr Steinmeier. Sie mal wieder. Nennt man das eigentlich schon Paranoia?
Steinmeier: Aber Frau Merkel.
Merkel: Nun ja, denken Sie da mal drüber nach. Wir essen… Peer, du kitzelst mich ja schon wieder?
Steinmeier: Haben Sie gerade gesagt, dass Peer Steinbrück Sie wieder kitzelt?
Merkel: Wie kommen Sie denn… Peer, hör auf, du weißt doch, wie schnell ich davon lachen muss.
Steinmeier: Jetzt verstehe ich. Ich habe eben gar nicht mit Obama gesprochen, sondern mit Herrn Steinbrück. Er hat seine Stimme verstellt. Sie haben sich über mich lustig gemacht. Sie beide. Das ist eine Unverschämtheit.
Merkel: Ähm… ich muss jetzt auflegen, das Essen kommt.

Steinmeier legt ebenfalls auf. Nach zehn Sekunden wählt er erneut Angela Merkels Nummer.

Merkel: Ja, Merkel.
Steinmeier: Hallo, hier spricht Barack Obama. Ich wollte Ihnen nur sagen, dass Sie eine doofe Arschkuh sind und wir Ihr Bundeskanzleramt in die Luft sprengen, wenn nicht die SPD die Wahl gewinnt. Auf Wiederhören.

Dieser Text ist Teil meiner Kolumne "About a Boy", die bei RP Online erscheint. Mehr Folgen gibt es hier.

 
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Kommentare
achim schrieb am 26.09.2009 um 13:27
Selten blöde! So etwas wird wirklich in einer Tageszeitung veröffentlicht? Gute Nacht, allerseits.
Sebastian Dalkowski schrieb am 26.09.2009 um 14:58
Nein, es wird in keiner Tageszeitung veröffentlicht. Dafür gibt es ja zum Glück das Internet.
Sebastian Dalkowski
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goedzak hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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