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Frieden – Wie geht das?

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Drama

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Politik : Stadtkewitz hat doch gewonnen

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Würde es einen Preis für den schlechtesten Wahlkampf geben, nein: nicht Renate Künast und die Grünen hätten ihn verdient. Die schrulligen Renate-Plakate: Geschenkt. Und auch das grimmige Konterfei Harald Wolfs über der Zeile "Berlin boomt" lässt zwar fragen, ob die Linke damit wirklich Stimmen gewinnen oder sich um besagten Preis bewerben wollte. Letzteres Ansinnen wäre aber ob unschlagbarer Konkurrenz definitiv gescheitert.

Der Sieger heißt: "Die Freiheit". Bei ihr Ziel verfehlenden Plakaten hätte die Anti-Islam-Partei um Gründer René Stadtkewitz eh nicht mithalten können: Sie hatte kaum ein Plakat aufgehängt. Wer aber am Tag vor dem Urnengang seinen Wahlkampfstand vor dem Brandenburger Tor aufbaut, der hätte es verdient, zum Wahlkampf-Looser Nr. 1 gekürt zu werden: Welche_r wahlberechtigte Berliner_in hält sich an einem Samstagmittag bitteschön am Brandenburger Tor auf? Dort findet man zu der Zeit: Als Sowjetsoldaten verkleidete Schausteller mit Migrationshintergrund - denen wird das Wahlrecht bisher versagt. Touristen von überall her - "Oh yeah, great, can my friend take a picture of you and me?". Und christliche Fundamentalisten, die mit weißen Kreuzen einen Marsch gegen Abtreibung unternehmen - die könnte man sich als Freiheit-Wähler_innen durchaus vorstellen. Nur leider hatten die bundesweit mobilisiert; aus Berlin kamen die wenigsten zur Demo vom Bundeskanzleramt zum Bebelplatz.

Vielleicht zeugt es einfach von begrenzter Denkweite, sich die "Freiheit" im Lichte ihrer Präsenz im Berliner Wahlkampf anzusehen. Vielleicht hat diese Partei einfach nur überregionale Ambitionen. Vielleicht haben die überregionalen Medien sie dazu verleitet.

Denn, wann immer ein überregionales Medium beschloss, der Frage nach dem hiesigen Potential der Anti-Islam-Bewegung nachzugehen, schaute sie bei René Stadtkewitz vorbei, am besten, wenn der ehemalige CDU-Mandatsträger im Abgeordnetenhaus mal wieder Gert Wilders eingeladen hatte. Wer dem Chef der Konkurrenzpartei Pro Deutschland, Manfred Rouhs, mal bei einem Auftritt zugehört hat, der weiß, warum: Es geht noch schlimmer als Stadtkewitz.

Der hat es zu Ende des Berliner Wahlkampfs nochmal auf die große Bühne geschafft: Die Süddeutsche Zeitung widmete ihm einen spöttischen Artikel auf der Titelseite. Denn Stadtkewitz hatte seiner Kampagne eine Woche vor der Wahl einen Trip nach New York gegönnt. Mit Partei-Kollegen war er dorthin gereist, um den Opfern des 11. Septembers 2001 zu gedenken ("als erster und einziger deutscher Politiker am Ground Zero"), die "Null-Toleranz-Strategie" der New Yorker Polizei kennenzulernen und Kontakte zur US-amerikanischen Sektion der Islamophoben zu knüpfen. Um Berliner Wähler_innen hätte er auch gleich vor dem Brandenburger Tor werben können, das wäre zumindest billiger gewesen.

Übrigens, mit 1,2 Prozent lag Pro Deutschland bei den Wahlen 0,2 Punkte vor der "Freiheit". Trotz Rouhs. Aber der hatte zumindest Plakate aufhängen lassen.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.