Sebastianus

le bohémien

01.04.2011 | 23:06

Was ist Fortschritt?

Reflexionen über das westliche Selbstverständnis


Von Sebastian Müller

Der Glaube an und in den Fortschritt ist spätestens seit der Aufklärung und dem ausgehenden 18. Jahrhundert ein wesentlicher Bestandteil des Selbstverständnisses der modernen westlichen Zivilisation. Doch was bedeutet Fortschritt eigentlich genau, was verstehen wir unter diesem Wort, das so sehr mit unserer Kultur verknüpft ist? Und welchen Kurzschluss sollte der Begriff dann für unsere gesellschaftliche Entwicklung – und konkreter – für unsere gegenwärtige Politik haben?

Der Wortgebrauch ist vor dem Hintergrund der allgemeinen Begriffsbildung des sich erst gegen Ende des 18.Jahrhunderts verbreitenden Wortes zu verstehen. Im Wiktionary kann man folgende Eintragung unter Fortschritt finden: als Bedeutung eine gesellschaftliche, positive Entwicklung, oder eine persönliche, positive Entwicklung. Als Synonyme sind Entwicklung, Weiterentwicklung, Aufstieg, Steigerung und Progression genannt. Laut Goethe-Wörterbuch liegt der Nachdruck dabei eindeutig „beim Individuellen, der geistigen und sittlichen Bildungsfähigkeit des Einzelnen, seinem (selbsttätigen) Streben zur Mündigkeit und Selbstvervollkommnung (analog zu Postulaten der Aufklärung), einem Prozeß, der sich zu seiner Verbildlichung unter anderem des Symbols der Spirale bedient (vgl. hierzu auch die wesensverwandten Begriffe ‘vorschreiten’ und ‘Vorschritt’)“.

Das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) nennt als Synonyme Weiter-, und Höherentwicklung, gegebenenfalls Rückschritt; es unterscheidet dabei zwischen sozialem, kulturellem Fortschritt, dem gesellschaftlichen Fortschritt (die gesetzmäßige, objektive Höherentwicklung der Gesellschaft), dem Fortschritt der Technik, Wissenschaft, Zivilisation und dem Fortschritt in der geistigen Entwicklung eines Menschen.

Ausgehend von diesen sich ergänzenden Definitionen sollten wir einen Moment inne halten, und uns nüchtern die Frage stellen, ob wir uns denn tatsächlich in einer Dekade des Fortschritts befinden und unserem Selbstverständnis gerecht werden? Die Frage mag ob der verschiedenen Definitionen komplex sein, und man wird nicht auf jede dieser Definitionen eingehen können. Doch die These, dass all die genannten Formen des Fortschritts und der Entwicklung in Zivilisationen langfristig untrennbar zusammenhängen, dürfte sich – wie wir an einigen Punkten noch sehen werden – nur schwer entkräften lassen.

Durchaus dreht sich das Rad technischer Innovationen und Entwicklungen immer schneller. Doch in unserer Konsumgesellschaft sind vieler dieser Innovationen von zweifelhaften Wert für eine fortschrittliche Gesellschaft. Wer braucht zum Beispiel den allerneuesten Kühlschrank mit integrierten Eiswürfelspender? Oder Autos, die zwar immer mehr Komfort und Spielereien bieten, aber immer noch mit fossilen Brennstoff angetrieben werden?

Entwicklung und Forschung richtet sich in einer von Effizienz und Profitwahn getriebenen Gesellschaft immer häufiger nach „rationalen“ Wirtschafts- und Massenkonsuminteressen. Vor allem nach diesen Kriterien werden Forschungsgelder bewilligt. Doch dort wo Effizienz, Exzellenz und Wettbewerb in unserer Marktwirtschaft zu den letzten, nicht mehr hinterfragten Werten geworden ist, und in allen privaten und öffentlichen Institutionen (wie den Universitäten) künstliche Märkte inszeniert werden, wird viel Sinnloses produziert.

Man könnte noch weiter gehen. Im Vergleich zu der diskussionswürdigen Entwicklung im technisch-wissenschaftlichen Bereich befinden wir uns auf der gesellschaftspolitischen Ebene wesentlich eindeutiger in einer Periode des Rückschritts. Besonders hier hat das Axiom der ökonomischen Rationalität und Konkurrenzfähigkeit den Raum für progressive Gesellschaftsentwürfe eingeengt. Trotz technischen Fortschritts und der Erhöhung der Produktivität, profitiert die große Mehrheit der Menschen nicht davon. Im Gegenteil, seit Anfang der 80er Jahre sind Produktivität und Wirtschaftswachstum zum Selbstzweck geworden, der vor dem Hintergrund eines angeblich verschärften globalen Konkurrenzkampfes auf den Rücken der Menschen erkauft wird.

Der Physiker Peter Kafka prägte in diesem Kontext einst den Begriff der Globalen Beschleunigungskrise. Demnach führt ein sich beschleunigender „Fortschritt“ mit sehr schnellem und global vereinheitlichtem Strukturwandel zwangsläufig in eine instabile Gesamtlage der menschlichen Zivilisation und der menschenfreundlichen Biosphäre. Im Sinne Kafkas wird die Krise aber nicht als unausweichlicher Niedergang und Untergang verstanden, sondern als ein singulärer Wendepunkt in der Geschichte des Fortschritts, an dem die „Anführer“ der Evolution – die Menschheit – wahrscheinlich zu einer zukunftstauglicheren Neuorientierung in den Leitideen ihrer Zivilisation finden.

Hier stellt sich nicht zuletzt aus moralisch-ethischer Perspektive die entscheidende Frage: Kann eine Gesellschaft, die sich immer mehr in Arm und Reich spaltet, deren politische Klasse – und dem Vorwand ökonomischer Effizienz – mit regressiven Reformen die sozialen und staatsbürgerlichen Rechte einer großen Mehrheit zunehmend beschneidet, eine fortschrittliche sein? Und ist gleichzeitig die Herausbilung einer immer reicheren und mächtigeren Oligarchie der Finanz- und Wirtschaftseliten mit Fortschritt gleichzusetzen? Tatsächlich ist diese absurde These eine unter vielen Ökonomen bis heute verbreitete Überzeugung. Wenn die Reichen noch reicher werden, sickere das nach und nach auch zu den unteren Einkommensschichten durch, so die These. Ungleichheit galt als Triebkraft einer florierenden Marktwirtschaft und sei somit nur eine Folge von hohem Wirtschaftswachstum.

Doch diese Überzeugung wird zunehmend in Frage gestellt. Spätestens seitdem die britischen Epidemiologen Richard Wilkinson und Kate Pickett 2009 ihr vielzitiertes Buch The Spirit Level vorstellten, mehren sich  die Indizien, dass eine zu große Einkommensungleichheit in einer Gesellschaft nicht nur mit erheblichen sozialen, sondern auch ökonomischen Nachteilen verbunden ist. Während Wilkinson und Pickett empirisch nachgewiesen haben, dass quasi alle sozialen und gesellschaftlichen Übel – wie zum Beispiel Kriminalität und Drogenkonsum – in einem engen Zusammenhang mit der Einkommensverteilung in einem Land stehen, entdecken Volkswirte plötzlich auch die ökonomischen Nachteile von hoher Ungleichheit. So vertreten auch einige Forscher die These, dass die ungleiche Verteilung von Vermögen eine Ursache für die Finanzkrise war.

Eine Binsenweisheit? Anscheinend nicht, wenn die Verteilungsfrage im 21. Jahrhundert vor dem Hintergrund neofeudaler Zustände erneut diskutiert werden muss – ein Indiz dafür, dass wir uns nicht in einer fortschrittlichen, sondern eher rückschrittlichen Zeit befinden. Denn wir waren schon einmal weiter.

„Fortschritt ist nur die Verwirklichung von Utopien.“ – Oscar Wilde

Noch in den Gesellschaften der Nachkriegszeit war man davon überzeugt, dass Wohlfahrtsstaatliche Reformen in Kombination mit stabiler Prosperität, zu mehr materieller Gleichheit führen und allen Menschen ein Leben in Wohlstand sichern würden. Jeder würde die Möglichkeit haben, aus seinem Leben etwas zu machen. Ökonomisches Wachstum und technologischer Fortschritt würden sich somit auch in gesellschaftlichen Fortschritt übersetzen. Gleichzeitig machten Mitte-Links-Regierungen gewissermaßen auch „die Fenster“ auf. Bildung für alle. Alte Zöpfe sollten abgeschnitten werden, Autoritäten wurden hinterfragt, hierarchische Ordnungen durchwehte ein Geist des Egalitarismus. Es herrschte ein Grundton des Optimismus vor: dass die Gesellschaften, dank progressiver Reformpolitik, bessere Gesellschaften werden würden. Nicht von heute auf morgen, aber in der Perspektive von zehn, fünfzehn, zwanzig Jahren. Dass es den Kindern besser gehen würde als den Eltern. Dass ein noch höheres Maß an Gerechtigkeit und sozialer Gleichheit realisiert würde, dass es gelingen würde, eklatanten Mangel und eklatante Chancenarmut auszumerzen und auch ein höheres Maß an demokratischer Partizipation herbeizuführen.

Der technologische Fortschritt und der „objektive“ gesellschaftliche Wandel, der, der sich hinter den Rücken der Akteure, oft ohne oder zumindest ohne klar zurechenbares willentliches Zutun vollzieht, sollte dem gesellschaftlichen Fortschritt zuarbeiten. Fortschritt, ein Wort, das unterkomplex ist und unpräzise. Unter dem man auch Innovation verstehen kann, oder wie aufgezeigt wurde, einfach Wandel oder aber Verbesserung der Lebensverhältnisse der Menschen. Nur, damals war man noch instinktiv sicher, dass eben dies synchron verlaufen würde, oder anders formuliert: dass es möglich sei, diese drei Fortschritte durch gute Politik zu synchronisieren.

Diese Überzeugung geriet in den 70er Jahren langsam aber sicher ins Wanken, die Befürworter einer egalitären Gesellschaft in die Defensive. Mit der Öl- und Wirtschaftskrise 1973 bekamen zunehmend marktfundamentale Positionen die Oberhand. Der SPD-Politiker Robert Misik bringt die Entwicklung auf den Punkt, wenn er bemerkt, dass sich bei den Politikern der Mitte-Links-Parteien und ihren Anhängern  sich das – vielleicht oft auch nur instinktive Gefühl – verdichtete,

der erreichte Grad an Wohlfahrtsstaatlichkeit sei das Beste, was zu erreichen sei; viel mehr, als es zu verteidigen, könne man im Grunde nicht tun.

Diese Grundhaltung wurde durch das Dogma der Neoliberalen – There is no Alternative – zementiert.

Alternativlosigkeit als Credo aber, also die Negierung von Handlungsoptionen, ist nichts fortschrittliches, progressives, sondern etwas zutiefst reaktionäres. Alternativlos ist das Unwort des letzten Jahrzehnts. Dieser totalitäre Begriff begleitete die Infragestellung zivilisatorischer Errungenschaften wie den Sozialstaat, freier Bildung und Gesundheitsversorgung, und damit den Angriff auf öffentliche Güter. Alternativlos ist bis heute das Synonym für „Reformen“, die der Breite der Gesellschaft nicht geben, sondern nehmen.

Der Begriff „Reform“, der im allgemeinen Verständnis identisch war mit gesellschaftlichen Veränderungen in Richtung mehr Gleichheit, mehr sozialer Sicherheit, mehr Wohlstand und mehr an Lebenschancen für alle, veränderte nach und nach seinen Inhalt. Oft wurde nun der Abbau sozialstaatlicher Regulierungen und der Abbau von Sicherheiten mit dem Begriff „Reform“ charakterisiert. Simpel gesagt: Während früher den Bürgern klar war, dass eine Reform ihre Lebensbedingungen verbessern würde, so war das nunmehr nicht mehr klar. Oft war das Gegenteil der Fall: War von einer „Reform“ die Rede, konnten die einfachen Leute meist davon ausgehen, dass ihnen irgendjemand etwas wegnehmen wollte. Mit dieser Entfremdung des Reformbegriffs ging auch die mit diesem verbundene Implikation der Fortschrittlichkeit abhanden.

Dass es morgen besser sein würde als heute, das war seit den 80er Jahren im Bewusstsein der Menschen plötzlich nicht mehr so gewiss. Dass es den Kindern besser gehen könnte als ihren Eltern wirkte keineswegs mehr selbstverständlich. Auch die Begriffe wandelten sich. Der Begriff des „Fortschritts“ verengte sich auf technologischen Fortschritt und wirtschaftliche Dynamik. Er verlor seine Bedeutung als gesellschaftspolitische Vision.

„Durch Ungehorsam entstand der Fortschritt, durch Ungehorsam und Aufsässigkeit.“

Genau hieraus muss sich aber die zentrale Fragestellung ergeben. Denn welchen Zweck haben technologischer Fortschritt und wirtschaftliche Dynamik, wenn sie nicht der Gesellschaft, also dem Menschen dienen? Was also ist Fortschritt? Eine Entwicklung, die auf eine gerechte und soziale Gesellschaft, frei von Armut und einem leben jenseits der Angst, auf ökologische Nachhaltigkeit und Möglichkeiten zur freien Entfaltung zielt? Einer Welt, in der die Menschen frei von materiellen Sorgen im Einklang mit der Natur leben können. Also Freiheit, soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit – sprich: Lebensqualität.

Das Bedürfnis nach besserer Lebensqualtität dürfte eine zentrale Motivation des Menschen in seinem Streben nach Fortschritt sein. Der Anspruch auf eine bessere Lebensqualität ist auch die Ursuppe der Revolution, die Ursache für Streiks, Aufstände und Demonstrationen – dafür, dass die Menschen auf die Strasse gehen. Jede großen Erhebung, die Geschichte geschrieben hat, war in ihrem Ursprung eine Hungerrevolte.

Alle bisher erreichten Errungenschaften, die zumindest in die Richtung des beschriebenen Idealzustandes weisen, wie unser Sozialstaat, unser Gesundheitswesen, unsere demokratischen Institutionen, sind nicht aus sich selbst heraus entstanden, sondern wurden im Laufe von mehr als 200 Jahren mühsam erkämpft. Demokratie sowie Rechts- und Sozialstaat waren das Ergebnis von Revolutionen, Aufständen und sozialen Bewegungen, die für einen Fortschritt des zivilen Lebens eingestanden sind. Diese Fortschritte und Errungenschaften bleiben jedoch nicht automatisch erhalten. Sie müssen nicht nur ständig verteidigt, sondern auch reformiert und verbessert werden, wenn sie nicht mit der Zeit verkrusten und verschwinden sollen.

Entgegen all der rein egoistischen Interessen geschuldeten Propaganda haben wir längst die technologischen Ressourcen, um auf die Fragen von Armut, Ungleichheit und der daraus resultierenden Gefahr für die Lebensqualität aller eine zufriedenstellendere Antwort zu geben, als noch vor 50 Jahren, als die europäischen Wohlfahrtsstaaten ausgebaut wurden. Es ist allein eine Frage des politischen Willens.

Dennoch gilt es paradoxerweise heute um so mehr, für all jene zivilisatorischen Errungenschaften zu kämpfen, die letztendlich nichts anderes sind als universelle Menschenrechte, und selbst in ihren Mutterländern – den westlichen Industrienationen – zunehmend bedroht und hinterfragt werden. Und das geht, wie uns die Geschichte lehrt, nur mit immer neuen Protest, Ungehorsam und Anteilnahme. Eine Zivilgesellschaft, die apathisch verharrt, schwört ihr eigenes Ende herauf. Wenn wir uns nicht Vergegenwärtigen, was Fortschritt für uns ist oder sein sollte, und dafür einstehen, werden wir nur einen Niedergang der Lebensqualität erleben.

Der Niedergang ist seit mindestens 10 Jahren real. Diese Tatsache lässt sich statistisch belegen. Abgesehen von einem stetigen Wirtschaftswachstum, der aber kein Indikator von Lebensqualität ist, nehmen – national als auch global – Ungleichheit, Armut, Umweltzerstörung und damit zwangsläufig antidemokratische Entwicklungen und Symptome zu. Ausnahmen, die – zumindest was demokratische und soziale Reformen betrifft – eine positive und progressive Entwicklung vorzuweisen haben, vor allem südamerikanische Entwicklungs- und Schwellenländer wie Brasilien, Venezuela oder Bolivien, werden vom Westen skeptisch bis feindselig beäugt. Doch das bestätigt die unheilvolle Gesamtentwicklung um so mehr.

Vor diesem Hintergrund wundert es kaum, dass die westlichen postdemokratischen Regierungen so lange autokratische Regime wie die von Mubarak in Ägypten oder Ben Alis in Tunesien gestützt haben. Denn es geht hier vor allem um eines: Um Stabilität – für die Interessen von Wirtschaftseliten und Kleptokraten – auch auf Kosten der Rechte der großen Mehrheit der Menschen. Hier besteht zwischen dem Westen und den arabischen Ländern eine zunehmende Ähnlichkeit. Nicht zuletzt deshalb sind die Amerikaner und Europäer auch so zögerlich, klare Position für die ägyptischen und tunesischen Demonstranten zu beziehen.

Dabei zeichnet sich ein Phänomen ab, dass bereits der französische Historiker und Anthropologe Emmanuel Todd prophezeite: Während der Stern der Demokratie im Abendland zu verblassen droht, steigt er im Morgenland womöglich zum ersten Mal auf. Die Revolutionen um mehr demokratische, freiheitliche und soziale Rechte – also jener Rechte, der wir im Westen allmählich wieder beschnitten werden – werden keinesfalls die tiefgreifenden Probleme und Verwerfungen in dieser Region mit einem Schlag lösen. Auch der arabische Weg zu einer Demokratie mag noch ein weiter sein. Dennoch ist diese Revolution ein Schritt in die richtige Richtung – ein Fortschritt in einer Zeit des Rückschritts.

Quelle: le bohémien

Zum Thema:

- Die Krankheit der Märkte

- Rousseau, Keynes oder der Traum von der gerechten Gesellschaft

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
Nietzsche 2011 schrieb am 02.04.2011 um 14:22
Mit Aufklärung und nachfolgender Klassik steht HEGEL als Vordenker des Fortschritts. Für ihn ist Weltgeschichte Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit, wobei Freiheit selbst als Fürsichsein des Geistes begriffen wird. „Fortschritt“ ist zu dieser Zeit eine moralisch-rationale Höherentwicklung. (Goethe war ja Hegelianer).

Diese Sichtweise von Fortschritt wurde in Deutschland mit dem Aufkommen technischer Neuerungen (also ab Mitte des 19. Jahrhunderts) immer mehr ausgehöhlt von Fortschritt als technischer Entwicklung. Die moralische Entwicklung des Individuums geriet in den gedanklichen Hintergrund. Was auch damit im Zusammenhang steht, dass Deutschland sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wieder in Kriegen tummelt (seit den Befreiungskriegen 1813/1815).
Damit ist Fortschritt keine „objektive, gesetzmäßige Höherentwicklung“ der Gesellschaft mehr, sondern eine zunehmende Technisierung der Gesellschaft.

Das eigentliche Problem – dies scheint mir auch im Beitrag zu wenig beleuchtet – ist der individuelle Beitrag zum Fortschritt. Wer ist denn heute wirklich gewillt, sich kraft seines Denkens an sittliche Maßstäbe zu halten geschweige denn weiter zu entwickeln? Die Diskussionen über Grundwerte und Normen zeigen doch eher allgemeine Hilflosigkeit auf. Und Denken wird wohl oftmals als überflüssig angesichts von High-Tech angesehen; nach dem Motto: Technik soll uns von anstrengender Arbeit befreien, also auch vom Denken.
Sebastianus
Politische Bildung kann nicht gelingen, wenn die Systemfrage ausgeklammert bleibt. - Oskar Negt
Mitglied seit:
3 Jahre 12 Wochen
Zuletzt aktiv:
13.03.2012
Status:
Blogger
Aktivität:
Beiträge: 12
Kommentare: 5
Mein Projekt:
Mein Web:
Logbuch
10:24
gerhard monsees hat gerade einen Kommentar geschrieben.
10:22
luzieh.fair hat gerade einen Kommentar geschrieben.
10:21
ideefix hat gerade einen Kommentar geschrieben.
10:20
Ismene hat gerade einen Kommentar geschrieben.
10:18
ed2murrow hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Augstein und Blome

portlet_Phoenix-12.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG