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Frieden – Wie geht das?

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160 Seiten

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Meine Frau weint

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Drama

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Politik : S21: Ordnung und Müll

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Stuttgart pisst bei Breuninger. Dort verrichtet es sich nämlich angenehm, unbeschwert und kostenfrei.“ Mit dieser polemischen Anspielung auf das persönliche Grundwassermanagement des „gehobenen“ Stuttgart wollte ich diesen Beitrag ursprünglich beginnen und die Sache als Einstiegs-Metapher für jene Verdrängung nutzen, die es vermag, nicht nur Exkremente und ihre Begleiterscheinungen hinter Glitzerfassaden dezent verschwinden zu lassen, sondern mit ihnen auch jede Erinnerung an das Personal, das die Hinterlassenschaften des unbeobachteten Bürgerarsches still und unsichtbar zu entfernen hat. Von da aus wollte ich zum „Hotel Silber“ kommen, der ehemaligen Gestapozentrale von Württemberg, die Stadt, Land und die Firma Breuninger mit vereinter Absicht platt machen wollten zugunsten eines Büro-, Gastronomie- und Konsumtempels, der nicht zuletzt das edle Traditionshaus fit machen sollte für die drohende Konkurrenz mit dem ECE-Shopping-Monster, das, neben dem bereits verbrochenen „Bücherknast“, auf ehemaligem Bahngelände am Hauptbahnhof entstehen soll – und vermutlich einer er Hauptgründe ist, weshalb Bahnchef Grube bei S21 nicht einlenken will. Denn die ebenfalls dort geplanten Luxusunterkünfte dürften kaum mehr profitabel verkäuflich sein, wenn sie plötzlich in Nachbarschaft zu einem K21 liegen würden. Zwar teilt im Hintergrund Herr Oettinger immer noch via „Lebendige Stadt“ sozusagen Tisch und Bett mit ECE - während seine Ex quasi Porsche in die CDU-Familie einbrachte - , aber die sind ja nun beide weg. Und so hängt jetzt alles an Grube. Und das verpflichtet......

bit.ly/igngGe

bit.ly/92bl6t

bit.ly/lShVYb

bit.ly/lgD8YO

Das pikante am Breuninger-Projekt:

Alfred Breuninger, der Sohn es Firmengründers, war einer, der begeistert die Nazi - Diktatur begrüßte, „gleich freiwillig in die Partei eintrat, NSDAP-Ratsherr wurde und massiv für die NSDAP spendete.“ Damals „wurden die Voraussetzungen für den Aufstieg Breuningers zum ersten Haus am Platze und seine heutige Bedeutung …. geschaffen. Breuninger hat in der NS-Diktatur eine explosionsartige Steigerung seines Umsatzes erlebt, als Lieferant für die Wehrmacht und als Einkleider von Tausenden von ZwangsarbeiterInnen und durch die Ausschaltung seiner jüdischen Konkurrenten. Und er hat sich im Zuge der Arisierung noch sein heutiges Filetstück am Marktplatz angeeignet. So entsteht vor dem geistigen Auge folgendes Bild: der Herr Alfred sitzt in Parteiuniform (in der er sich gerne fotografieren ließ) an seinem luxuriösen Schreibtisch am Marktplatz und studiert seine hervorragenden Umsatzzahlen, keine 100 Meter entfernt wird im Keller der Gestapozentrale Hotel Silber ein polnischer Zwangsarbeiter verhört und geschlagen, der von Breuninger eingekleidet wurde. Der Schläger trägt eine Uniform, die auch von Breuninger stammen könnte. Und dieses Hotel Silber, in dem sich diese Szene abgespielt haben könnte, will Breuninger für sein da-Vinci Projekt nun abreissen lassen....“

www.die-anstifter.de/?p=3281

Auch wenn es sehr viel wahrscheinlicher sein dürfte, dass die Uniform des besagten Schlägers von einem anderen Edel-Unternehmen hierzulande stammte, von der Firma Boss nämlich, so wurde doch auch im Falle Breuninger/ Hotel Silber wieder jene Glitzerfassade sichtbar, hinter der man verbergen kann, was man tunlichst nicht sehen oder zeigen möchte. Im Abriss dieser ehemaligen Gestapozentrale hätte sich endlich materialisiert, was sich gerade jene konservative Politik im Lande schon so lange ersehnt, die einen Herrn Filbinger immer noch oder jetzt erst recht für einen tapferen Widerstandskämpfer hält.

de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Boss

www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,476847,00.html

Nun aber ist all dies buchstäblich Schnee von gestern. Denn, anders als die Deutsche Bahn, wird die Firma Breuninger von einem offenbar fähigen Manager geführt, der überdies, als gebürtiger Holländer, eher nicht im Verdacht steht, ein tumb-teutscher Durchhalte-Neandertaler zu sein. Im Gegenteil, schaut man sich im Stammhaus um, das vormals das nach Harrods zweitgrößte Kaufhaus in Familienbesitz war, dann kann man schon den Eindruck haben, dass da gehobene Ansprüche herrschen. Und die Tatsache, dass Breuninger bereits 1959 als erstes deutsches Handelsunternehmen eine Kundenkarte mit Kreditkartenfunktion im eigenen Unternehmen einführte, die funktioniert, zeigt, dass man – anders als die Sommer- und Winter-unfähige Bahn – auch geschäftlich durchaus zur innovationsfähigen Avantgarde gehört.

bit.ly/lnHMFp

de.wikipedia.org/wiki/Breuninger

Solche ökonomische und zivilisatorische Kompetenz scheinen bei dem betreffenden Management zu einer Dialogfähigkeit und Flexibilität zu führen, die es nun möglich machte, dass im Zuge der S21-Proteste und des daraus resultierenden Machtwechsels im Lande Willem G. van Agtmael – ganz anders als Bahnchef Grube - einlenkte und bereit ist, das Hotel Silber zu erhalten und die Baupläne entsprechend anzupassen, obwohl die Abrissarbeiten an den anderen Gebäuden bereits im Gange sind, und obwohl auch van Agtmael bislang ein Umsteuern beim Hotel Silber ebenso als unmöglich bezeichnete wie dies Grube mit S21 tut („Es ist eine historische Chance für das Quartier“). Und es ist auch nicht das erste Mal, dass Breuninger bereit ist, Rücksicht auf die Stadt und ihre Bürger zu nehmen. Bereits beim Bau der sogenannten Karlspassage sorgte man für eine Ästhetik, die bei Konsumtempeln durchaus nicht Standard ist. Es geht also manches, wenn keine Grubes, sondern Könner am Werke sind, deren Horizont über „Käsch in se Täsch is se Neim of se Geim“ hinausreicht.

www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.karlsplatz-hotel-silber-bleibt-jetzt-wird-umgeplant.08db5d9d-8d34-4052-94bb-74410748ba83.html.

content.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2652586_0_6993_--quot-es-ist-eine-historische-chance-fuer-das-quartier-quot-.html

www.faz.net/-00mkle

21einundzwanzig.de/1094/cash-in-the-taesch

Aber auch hier war erst massiver bürgerlicher Widerstand und ein politischer Machtwechsel nötig, um möglich zu machen, was selbstverständlich sein sollte. Diesmal war es kein Baudenkmal, das erhalten werden sollte, sondern ein historisches Mahnmal. Und der Zusammenhang mit der Nazi-Vergangenheit war es wohl, der in diesem Fall dafür sorgte, dass es auch im politischen Bereich hinreichend Opposition gab und nicht bloß abgenickt wurde, was das Kapital sich wünschte.

Beim Bonatzbau und beim Schlossgarten ist dies leider immer noch nicht der Fall. Hier wären Bildung, historische und städtebauliche Sensibilität und Verantwortungsgefühl gegenüber dem Bürger und Steuerzahler vonnöten, um beflissene Oberflächlichkeit und Vorurteile durch Vernunft zu ersetzen. Stattdessen erschrecken bereits die Begriffe, die mehr oder weniger prominente Befürworter von S21 für das Bestehende verwenden: „Hüttenkruscht“ (Günter Oettinger, CDU), „absolut hässliche[r] 2 bis 3 km lange[r] "Pfropf" mitten in der Stadt“(Rainer Kußmaul, SPD) oder Schrotthaufen (!) hinterm Bahnhof“ (Andreas Reißig, SPD).

www.leben-in-stuttgart.de/divers/Reissig-Hopfenzitz.htm

Solches „Niveau“ dürfte aber noch nicht alles sein, was in Befürworterkreisen zu Hauptbahnhof und angrenzendem Schlossgarten assoziiert wird. Bahnhof und Park waren lange Zeit Treffpunkt heimwehkranker Gastarbeiter. Und vor allem zu Zeiten, als das Recht auf sexuelle Selbstverwirklichung bei Homosexuellen in der Gesellschaft noch nicht so gern gesehen wurde, traf sich im Schlossgarten, was gleichgeschlechtliche One-Night-Stands oder auch dauerhaftere Liebe suchte. Und selbst als man die Schwulen durch Schließen der öffentlichen Toiletten, Lichten des Unterholzes und Einrichtung eines Biergartens abgedrängt hatte, blieb immer noch ein buntes Völkchen aus Punks und anarchistischen Hunden, das sich im Bereich zwischen Bahnhof und Park häuslich einrichtete.

Nimmt man dazu noch die orientalischen Reminiszenzen, die Bonatz seiner Bahnhofsarchitektur einfügte, dann erhält man eine kräftige Mixtur all dessen, was stramme Konservative zu spontanen „Let's putz“-Schreien animieren kann. Wie schön muss da die Idee erscheinen, all dieses alte, verschattete Baumholz nebst dem düsteren, multikulturell verseuchten Bahnhofs- Glomp durch das strahlend helle, porentief arisch reine Ingenhovensche Trugbild zu ersetzen! Umso mehr, als all die ungewaschenen, chaotischen Anarchisten von Auswärts, die jetzt im Schlossgarten campen und dabei von allzu naiven Bürgern zusätzlich zu den Tauben durchgefüttert werden, doch unübersehbar demonstrieren, aus was für einem verderbten Höllenpfuhl der Protest aufsteigt.

Weg muss er, dieser ganze Müll. Ein für allemal. All dieses nach Knoblauch Riechende, Unrasierte, Fremde, Anale. Ordnung muss her, Ruhe, Sauberkeit, Beton. Dann sind sie sicher. Vor allem. Nur nicht vor den Katastrophen der Bahn. Aber Bahn, das ist so ziemlich das Einzige, was sie nun wirklich nicht interessiert. Um Ordnung geht es, um Sauberkeit, um Geld. Und Grube soll der neue Führer sein, der den Endsieg erkämpft im totalen Krieg der Großprojekte gegen das Volk, das ohnehin nur Pöbel ist. Merkel höchstselbst hat die Schicksalsfrage verkündet. Und das grüne Gesocks wird gleich mit erledigt, wenn es nach Ramsauer geht. Und echte Kerle müssen her, wie die Ingenieure des Herrn Herrenknecht, die mit ihren technischen Riesenphalli als technokratische Soldateska das letzte Stück innerstädtischer Natur vergewaltigen. Und am Ende wird der geschändete Park das Monument sein, das die Zeitenwende markiert, an dem das Kapital endlich die ihm zustehende Herrschaft übernimmt, die der tumbe Adolf ihm einstmals noch vermasselt hat. Schluss mit der Abstimmerei und Quasselei. Dann wird wieder geführt und diktiert. Und alles glitzert und glänzt. Und was denkt oder sonstwie stört, wird weggespritzt. Und dann wird endlich durchregiert. S21 sei Dank. Jenem Versuch, scheinbewältigte Vergangenheit wenigstens ein bisschen wiederzubeleben, ein Relikt wiedervereinigten Größenwahns endlich zum Abschluss zu bringen und „neoliberal“ getarnten Herrschaftsanspruch doch noch durchzusetzen. Wobei „neoliberal“ mit echtem Liberalismus so viel zu tun hat wie der Teufel mit dem Weihwasser. Was durchaus doppeldeutig verstanden werden darf.

Solches also vermute ich – unabhängig von der Profitgier - in manchem Befürwortergehirn. Und es würde mich sehr wundern, wenn ich falsch läge. Denn Ordnung muss sein und Müll muss weg. Beziehungsweise das, was man jeweils dafür hält.

Weiterführende Links;

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www.brezel.me/2010/10/25/tu-ihn-unten-rein/

bit.ly/kJIW3q

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bit.ly/eg6Cgt

www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,755790,00.html

bit.ly/huFtXu

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www.bei-abriss-aufstand.de/2011/06/17/es-tut-sich-was-am-gwm/

Teil 1: Mir gäbbat nix

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