seriousguy47

Blog von seriousguy47

30.01.2012 | 15:18

Wann endlich wird die CSU verboten?

Ein Mann der CSU, in dessen Namen ich die Worte Dobermann und Rind zu erkennen meine, scheint der Ansicht zu sein, die Linke müsse verboten werden, da sie das Grundgesetz ablehne. Nun ist mir nicht bekannt, in welcher Abstimmung die Linke oder ihre Parlamentarier das Grundgesetz abgelehnt hätten. Die einzige Bundestagspartei, die, nach meiner Kenntnis und auch vielfach dokumentiert, das Grundgesetz tatsächlich abgelehnt hat ist die CSU. Wann also wird sie endlich verboten?

Zum Hintergrund: Vier Parteien lehnten im Parlamentarischen Rat das Grundgesetz ab. „Die Gegenstimmen kamen von Abgeordneten der CSU, der Deutschen Partei, der Zentrumspartei und der KPD“.

de.wikipedia.org/wiki/Grundgesetz_f%C3%BCr_die_Bundesrepublik_Deutschland

Und die CSU beließ es nicht dabei:

„Als einziger der westdeutschen Landtage lehnte das 1949 von der CSU dominierte bayerische Parlament das Grundgesetz ab. Nach 15-stündiger Debatte, die von Tumulten begleitet wurde, gab Landtagspräsident Michael Horlacher in den frühen Morgenstunden des 20. Mai unter Pfui-Rufen der Grundgesetz-Befürworter das Ergebnis bekannt. Legendär wurde Horlachers Reaktion auf die Empörung: "Man soll die Dinge nicht so tragisch nehmen, wie sie sind."

Um dennoch an den Vorteilen der Bundesrepublik partizipieren zu können und ein Verbot zu umgehen (?), schleimten sich die Bayern auf einem Umweg in die Republik, die ein eigenes Bekenntnis zur Verfassung ausdrücklich nicht einschloss: 

„...der Landtag hielt noch eine zweite Abstimmung ab, die viel entscheidender war. Mit einer ähnlich großen Mehrheit wie vorher gegen das Grundgesetz stimmten auf einmal dieselben Abgeordneten dafür, dass das Grundgesetz auch für Bayern gelten sollte, wenn zwei Drittel der Bundesländer es annehmen würden. Diese Zwei-Drittel-Mehrheit stand zum Zeitpunkt der Abstimmung aber bereits de facto fest.“

www.n-tv.de/politik/dossier/Bayerns-Nein-1949-article296260.html

Und den Originalton gibt es hier:

mdl.br-online.de/multimedia/eventbox/?60-jahre-grundgesetz

Dass die CSU von dieser ursprüngichen Ablehnung der Verfassung durchaus nicht abzurücken bereit war/ ist, zeigte sich z.B. an F.J. Strauss und seinem Verhalten in der sogenannten "SPIEGEL"-Affäre, die in Wahrheit eine Affäre Strauss war.

www.bpb.de/publikationen/01642006453512595568594735924988,2,0,Das_Ende_der_%C4ra_Adenauer.html

Weiterhin zeigte sich die verfassungsfeindliche Einstellung im berühmt-berüchtigten Ausspruch des CSU-Innenministers Höcherl anläßlich einer Abhör-Affäre (Verfassungsbruch): "Die Beamten können nicht den ganzen Tag mit dem Grundgesetz unter dem Arm herumlaufen."

de.wikiquote.org/wiki/Hermann_H%C3%B6cherl

Unter Höcherl etablierte sich auch endgültig die Tradition des Verfassunsgschutzes, die Rechten vor der Verfassung zu schützen - bzw. ihnenPosten in der Organisation zu verschaffen.

www.spiegel.de/spiegel/print/d-46174368.html

www.spiegel.de/spiegel/print/d-46172002.html

www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=in&;dig=2011/09/29/a0097&cHash=21985919a0

Insofern steht Dobrindts Haltung durchaus in einer  langen Tradition der Verfassungsfeindlichkeit.

 
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Kommentare
Alien59 schrieb am 30.01.2012 um 15:28
Danke. Ich las vorhin, was Dobrindt sich da geleistet hat, ich denke, diese Frage ist die einzig richtige Antwort darauf.
cuchulainn schrieb am 30.01.2012 um 15:42
weshalb ist es verfassungsfeindlich, die verfassung beim wort zu nehmen? da stand nämlich drin, dass sie von allen landtagen zu ratifizieren sei, um zu gelten - das heisst, dass den landtagen sehr wohl ein spielraum blieb, diese ratifizierung nicht statthaben zu lassen - und zwar WEIL es so in der verfassung stand. eine PFLICHT zur ratifizierung gab es nie, also konnte sie auch keiner verletzen, schon gar nicht in verfassungsfeindlicher absicht.

das GG wurde ja auch nicht deshalb abgelehnt, weil die csu was gegen die brd gehabt hätte, sondern weil nach ihrer auffassung von der sache der bundesrat, also die ländervertretung, zu wenig einfluss auf das gesetzgebungsverfahren hatte. deshalb konnten ja dieselben abgeordneten, die vorher dagegen gestimmt hatten, dann zustimmen, wenn eine 2/3-mehrheit er anderen landtage die ratifizierung beschlossen hatte - wer so streng föderal denkt wie die csu, dem kommt es gerade auf diese zustimmung durch die anderen bundesLÄNDER an.

und zu sagen, "die bayern" (damit sitzen sie übrigens genau der csu-propaganda auf, die schon immer behauptet hat "bayern=csu"!) hätten sich irgendwie in die republik "reingeschleimt", um ein paar vorteile (welche wären das?) abzugreifen, ist absurd.

ausserdem und nur mal ganz nebenbei: die bayerische landesverfassung ist drei jahre älter als das GG.
seriousguy47 schrieb am 30.01.2012 um 15:59
@ cuchulainn
1. Die Gründe, weshalb die CSU das GG abgelehnt hat, sind mir durchaus grob bekannt, scheinen mir aber unerheblich. Was zählt ist: das GG wurde ausdrücklich abgelehnt. Im Gegensatz dazu akzeptiert die Linke das GG, lehnt aber den Kapitalismus ab, den das GG MÖGLICH macht, aber nicht vorschreibt. Die CSU (Dobrindt) behauptet anderes - und äußert sich damit wiederum selbst verfassungsfeindlich.

2. Dass ich "CSU" durch "die Bayern" ersetzte, mag für nicht schwarze Bayern in der Tat inakzeptabel sein. Anderserseits haben die Bayern mehrheitlich halt auch all die Jahre so gewählt, dass kein parlamentarisches Korrektiv an die Macht kam. Und diese parlamentarische Mehrheit habe ich sozusagen als "vox populi" betrachtet.

3. Wie alien59 richtig bemerkt, ist der Beitrag eine Anwort auf Dobrindt. Daraus ergibt sich dann halt manches......;)
cuchulainn schrieb am 30.01.2012 um 16:09
es gibt sehr gute gründe, die csu zu verbieten - nicht umsonst forderts ja die biermösel blosen schon seit den achtzigern (oder so), sie würden damit wahrscheinlich nicht wenigen bayern sehr entgegen kommen :)

mir gehts halt nur gegen den strich, wenn, expressis verbis oder nicht, der eindruck erweckt bzw. ein sogar ziemlich altes ressentiment bedient werden soll, die bayern wären irgendwie und wohl gar "genetisch" bedingt schlechte oder gar anti-demokraten.

das mag für nicht einmal wenige csuler tatsächlich zutreffen, darüber gibts keinen zweifel. aber in diese pauschalität "die bayern" stimmts halt nicht - weder aktuell, aber auch schon gar nicht historisch (schlagen sie mal bei "sendlinger mordweihnacht" nach, wenn sie wissen wollen, wo und vor allem wann das erste deutsche parlament im modernen sinn stattfand und warum).

grüsse!
seriousguy47 schrieb am 30.01.2012 um 23:51
Habe ich Ihnen, cuchulainn, schon erzählt, dass ich in Bayern geboren bin und später ein Weilchen in München und Umgebung gewohnt habe....? Das war, als Fredl Fesl noch jung, Willy Michl noch ein Begriff war und im Kultusministerium Polizisten mit Gewehren herumstanden........Ich kann also gar nicht bayernfeindlich sein. Höchstens ein Nestbeschnutzer....;)
blog1 schrieb am 30.01.2012 um 16:10
Die Forderung von Dobrinth ist ein gigantisches Ablenkungsmanöver.

Rechts von der CSU gibt es niemand, soll Strauß einmal gesagt haben, Die CSU braucht jede Stimme, um wieder zur Alleinherrschaft in Bayern zu gelangen. Da bietet es sich an, das Sympathisantenumfeld der rechten Szene abzuschöpfen, indem man auf die Linke einprügelt.

Ein weiterer Grund für den Vorstoß, ist der Umstand, dass Friedrich als Innenminister ein völliger Versager ist. Dobrinth stellt sich formal vor Friedrich, ist aber immer noch angesäuert, weil Friedrich und nicht er Ministerrang hat. Dobrinth gehört zum so genannten Zugspitz-Kreis, zu dem auch Guttenberg gehörte. Seehofer hat bei seiner "Machtübernahme" dafür gesorgt, dass eine junge Garde nachrücken konnte. Die "Alten" wurden abserviert. Söder ist die Allzweckwaffe der CSU und ein Vertrauter Seehofers. Der kann praktisch alles. Guttenberg hätte den beiden gefährlich werden können. Und dann stolpert dieser "Hoffnungsträger" über seine Doktorarbeit. Blöd gelaufen. Die CSU-Basis hat sich von diesem Schock bis heute noch nicht erholt.

Ja und Dobrinth? Dieser versauert auf dem Posten des Generalsekretärs, weil er zwar für die Abteilung Attacke zuständig ist, aber nicht das Format hat, ganz nach oben zu kommen.

Und trotzdem liegt die CSU bei 44% in den Wählerumfragen, weil es in Bayern wirtschaftlich gut läuft und die Regierung zum wiederholten Male einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen kann.

Die Linken in Bayern demontieren sich gerade selbst. Die taz hat darüber berichtet.
seriousguy47 schrieb am 30.01.2012 um 23:55
@ blog1

Ich verstehe Sie so, dass man Dobrindt nun wirklich nicht ernst nehmen sollte. Das tue ich eigentlich auch nicht. Aber dummes Geschwätz bringt mich einfach parteiübergreifend auf die Palme....Es sei denn, es stammt von mir selbst.
blog1 schrieb am 31.01.2012 um 02:04
@ seriousguy 47

Auch Dobrinth weiß genau, dass ein Verbot der Linkspartei niemals Erfolg haben wird, also zielt seine Attacke auf etwas anderes ab. Genauso abwegig ist es, die CSU verbieten zu wollen. Die Begründung mit der Grundgesetzablehnung vor mehr als 60 Jahren bringt da nicht weiter.
GEBE schrieb am 30.01.2012 um 16:32
Schlägst du meine Freunde, schlag ich deine Freunde.

Ob Dobrindt gegen Links oder hier, als offensichtlicher Reflex darauf, gegen die CSU, plumpe Propaganda hat noch nie etwas Gescheites und Zukunftsweisendes hervorgebracht. Emotionalität ist immer ein schlechte Ratgeber!

Werter seriousguy47, was ich Ihnen hier übel nehme ist, daß Sie den Umstand, daß im Parlamentareisch Rat gegen das Grundgesetz Abgeordnete der KPD, des Zentrums, der DP und der CSU gestimmt haben, in einen Zusammenhang hineinkonstruiert haben, der offensichtlich den Ruch annehmen soll, die CSU sei verfassungswidrig von Anbeginn an.
seriousguy47 schrieb am 30.01.2012 um 23:47
GEBE, GEBE, GEBE....auch wenn's um eine GROSSE Partei aus dem Land der Bayern geht, wollen wir doch nicht bierernst, geschweige denn todernst damit umgehen! Ich habe doch diesem Wichtel nur seine Projektionen dahin zurückgeschoben, wo sie herkamen.....;) Wenn der Herr im Glashaus sitzt und trotzdem mit Steinen wirft.....Jo mei....
ProGressiv schrieb am 30.01.2012 um 19:24
dobrindt
www.fr-online.de/image/view/2012/0/30/11539754,9283063,highRes,maxh,480,maxw,480,14807C0081029C48.jpg.jpg

mccarthy
www.radfilms.com/McCarthy_Glasses_T.jpg

verblüffend diese ähnlichkeit...

schon interessant, wie unbedeutende politiker der rechten sich damals wie heute durch plattesten antikommunismus profilieren wollen... wenn nichts mehr geht, geht immer noch die kommunismus-keule.
seriousguy47 schrieb am 30.01.2012 um 23:58
@ ProGressiv

Wie war das doch gleich bei Marx: alles passiert zweimal. Einmal als Tragödie, beim zweiten Mal als Farce?
mcmac schrieb am 31.01.2012 um 10:55
Danke - mit Schmunzeln zur Kenntis genommen, jedoch auch manchen, allzu logischen Kommentar.

lg
Kopfmachen21 schrieb am 31.01.2012 um 20:58
Jo mei. Grobschlächtig (denkend) Volk braucht groben Keil.
o.s.ä.
Das ist Dobrindts (zuvor Söders) Daseinszweck.
Und was dem einen sein Mappus, ...
Kopfmachen21 schrieb am 31.01.2012 um 23:17
Und dazu paßt noch der neueste "aus der Anstalt" :
"... da wollen sie wieder mal die NPD verbieten. Was soll das bringen, solange dieser Verfassungsschutz erlaubt bleibt ..."
seriousguy47 schrieb am 01.02.2012 um 15:39
Das fiel mir auch auf....
seriousguy47
Nicht so wichtig.
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doimlinque hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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