09.04.2011 | 10:31

Lebenshilfe-Blog für junge Schwule

Vorurteil:

"Schwule … enden als einsame, alte, kranke Männer?"   Ach ja? Das wüsst’ ich aber! :-)

Mein Versuch gegen ein Klischee anzuschreiben ...

Vorwort:

Was für mich richtig und ein Erfolgsrezept war, ist selbstverständlich nicht so ohne weiteres auf andere übertragbar, weil Sozialisation, Ansprüche an das Leben und Erwartungen ganz unterschiedlich sind.

Und um hier jetzt keinen Text, im Umfang eines Romans, zu verfassen, beschränke ich das, was ich sagen will, weitgehend auf Stichworte:

1.)  Meine Eltern, als ich mich mit 16 Jahren als schwul geoutet habe: „Du wirst als einsamer, kranker, alter Mann enden!“

Ich: „Das wollen wir doch mal sehen!“

2.)  Sex, Sex, Sex … ich war ständig geil, tobte mich aus und wollte mich (noch) nicht binden. Dann verliebte ich mich unsterblich in einen Mann und er sich in mich. Nach 2 Tagen! war klar, wir bleiben zusammen.

3.)  „Wie schaffen wir es, die üblichen Fehler anderer zu vermeiden?“ In unserem unmittelbaren Umfeld gingen die Beziehungen (sowohl bei unseren Heterofreunden, als auch bei unseren Homofreunden) damals reihenweise zu Bruch. Fast immer war der Grund, dass sich eine/r oder beide belogen und hintergangen fühlten und nicht so sehr die Tatsache, dass es Sex mit anderen gab. Es war dieses Verschweigen und Belügen, das Vertrauen und Nähe zerstörte.

4.)  Intelligenz, die das Lernen aus den Fehlern anderer ermöglicht, um sie nicht zu übernehmen:  Wir waren erst ganz kurze Zeit zusammen (aber bereits zusammen gezogen), da haben wir in einer „Marathon-Diskussion“ beschlossen: Sex mit anderen ist o.k., entweder jeder für sich allein oder auch häufiger mal zu dritt oder in Gruppen. Was aber tabu ist, sind LÜGEN!!! und … wenn einer von beiden einen anderen abschleppt, ist unsere gemeinsame Wohnung verbotenes Terrain, natürlich nicht wenn wir beide es gemeinsam mit anderen machen.

5.)  „Wer eine sexuell offene Beziehung führt, bei dem stimmt in seinem Sexleben mit dem Partner irgendwas nicht.“ Quatsch! Das ist ein von Heteros kopiertes Klischee! Unser Sexleben war und ist ausgezeichnet.

6.)  Eifersucht: „Ich könnte meinen Freund nie mit anderen teilen.“  Antwort:  Eifersucht ist kein Merkmal von Liebe, sondern von Verlustängsten und der Furcht dem anderen „nicht zu genügen“, also seine Erwartungen nicht erfüllen zu können.

7.)  Gab es bei uns keine Krisen? Und ob! Wir haben uns auch beide mal in einen anderen verliebt, da gab es Tränen und Ängste, aber wir haben es überstanden, weil wir uns gegenseitig so wichtig waren.

8.)  „Schwule Zweierbeziehungen kopieren nur die bürgerliche, heteronormative Ehe“   Unsinn! Es liegt an uns selbst, was wir aus einer Beziehung machen. Wir sind 2 Männer, eine „männlich-weibliche“ Rollenverteilung gibt es bei uns nicht. Wir sind beide für alles zuständig. Klar kann einer dieses besser und der andere das, aber das heißt nichts. Ich bin kein Typ, der gern als Single lebt (mein Freund auch nicht), ich wache gern neben (unter oder auf :-) ) meinem Freund auf und schlafe so auch wahnsinnig gern ein.

9.)  Noch einmal zur „Rollenverteilung“:  Als „Flip-Flopper“ :-) hatten wir noch nie dieses. „der eine ist Bottom, der andere Top“ - wir haben das immer, je nach Lust, Laune und Kondition gewechselt.

10.)  Die Zweierbeziehung, als „Falle“ … Das kann passieren, wenn man sich z.B. als Paar aus der Szene zurückzieht und nur noch aufeinander konzentriert. Haben wir nie gemacht, wir waren immer weiterhin in Lokalen, Saunen bei Freunden (zusammen und auch allein) und …, wir haben uns im schwul-lesbischen Bereich engagiert (z.B. ca. 6 gemeinsame Jahre als ehrenamtliche Mitarbeiter in einem großen Schwulen- und Lesbenzentrum, sowie in der AIDS-Hilfe).

11.)  Jugendkult:  Wer meint, „mit 30 oder 40 gebe ich mir die Kugel, weil mich dann niemand mehr sexuell attraktiv findet“, der ist in eine Falle getappt. Diese Halbwertzeit von wenigen Jahren ist ein Klischee aus der Werbeindustrie. Mein Freund und ich werden gemeinsam älter und das ist vollkommen in Ordnung. Stinken würde es mir dagegen, wenn mein Freund ewig jung bliebe und ich älter würde :-) oder wenn ich einen viel jüngeren (oder auch viel älteren) Freund hätte, dann würde das Altern des einen über die Maßen auffällig werden.

12.)  Anfälligkeit für Krankheiten? Nicht mehr, als Heterosexuelle es auch sind. Allerdings …, das HI-Virus ist weiterhin präsent und wird sich wohl auch nie wieder ausrotten lassen, daher Kondome benutzen! Alle anderen (also nicht sexuell übertragbaren) Krankheiten müssen nicht sein, können aber sein. Hängt ab von der genetischen Disposition, der eigenen Fitness (Stichwort: Sport), der Ernährung usw.

13.)  Nachwuchs und Einsamkeit im Alter:  Wir haben uns (ich war 27 Jahre alt) bewusst FÜR Nachwuchs entschieden und ich habe (in Gegenwart meines Freundes und der Lebenspartnerin der Kindesmutter) eine Tochter gezeugt. Sie ist inzwischen erwachsen und hat selbst Nachwuchs. Wir haben also eine eigene Familie (für mich ist Familie da wo Kinder sind, alles andere würde ich als Beziehung/Partnerschaft bezeichnen).

Fazit: 

Unser Leben, als schwule Männer ist ein Erfolg! Wir sind mit unserem Leben sehr zufrieden. Wir haben uns nie brechen oder verbiegen lassen. Wir sind beide offen schwul und das hat sich ausgezahlt! Kein Versteckspielen, keine Lügen gegenüber Kollegen, Bekannten oder gar Verwandten. Das macht sich in unserem seelischen Gleichgewicht bemerkbar. Wir können jedem offen ins Gesicht sehen, weil wir ihn/sie nicht belügen. Unser starkes Selbstbewusstsein strahlt nach außen ab.

Empfehlung an junge Schwule:

Mach’ keinen Scheiß, such’ Dir einen Freund und glaube nicht, „das mache ich erst, wenn ich 40 oder so bin …“, denn dann sind die interessantesten Männer längst alle gebunden und viele von ihnen tauchen in der Szene nicht wieder auf, weil sie sich in eine Zweierbeziehung zurückgezogen haben. Außerdem bist Du selbst mit 40 für andere vielleicht nicht mehr sooo interessant, weil der potenzielle Partner denkt: „Der hat wohl keinen abgekriegt, wenn er mit 40 immer noch solo ist.“

Du wirst es übrigens merken, wenn Du DEN RICHTIGEN vor Dir hast, dann kannst Du gar nicht anders, dann willst Du ständig mit ihm zusammen sein. Ist das Gefühl nicht da, dann ist es keine Liebe und Du solltest Dich wieder von ihm trennen.

Glaubt mir: Das Leben ist so viel leichter, wenn Ihr Gutes und Schlechtes mit Eurem Partner teilen könnt. Dann lassen sich auch Probleme lösen (die es in jedem Leben gibt), an denen ein einzelner oft verzweifelt.

Jede Beziehung, ohne Liebe halte ich für „Verschwendung von Lebenszeit“ oder für eine „Notlösung“ bzw. für eine „Zweckbeziehung“ (z.B. um materiell abgesichert zu sein - so etwas wollte ich nie!).

Eine sexuell offene Beziehung ist weder ein Zeichen von mangelnder sexueller Anziehung der beiden Partner zueinander, noch ein Indiz für „Oberflächlichkeit“ …; ich glaube einfach nicht, dass (vor allem) Männer „von Natur aus“ monogam sind. Ich glaube aber auch nicht, dass "der Mensch 'geschaffen' ist, um allein zu sein."

 Und bitte denkt 'dran ... Lügen sind das tödliche Gift, das Beziehungen zerstört.

Ich wünsche mir Millionen selbstbewusste erfolgreiche und glückliche schwule Männer !!!

Es ist Euer Leben!

Ihr seid genauso viel wert, wie jede/r Heterosexuelle und wenn religiöse oder politische Fanatiker Euch als "Homoperverse" (kreuz.net), "gescheiterte Menschen" (Katholische Kirche, Kardinal Marx) bzw. "krank", "pervers" oder "kriminell" bezeichnen, dann zeigt Ihnen Selbstbewußtsein und den Stolz auf Erreichtes.

Nicht Ihr müsst Euch ändern, sondern diejenigen, die in ihrer krankhaften Angst und wahnhaften Ablehnung verkrustet sind. Homophobie (irrationale Angst, aus der verbale und körperliche Gewalt entsteht) ist, genau wie Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit u.v.a., ein deutliches Zeichen von Schwäche und Dummheit. Sie entlarvt den Homophoben, als bedauernswerten Menschen, der unfähig scheint, seine eigene vorurteilsbeladene Weltsicht zu hinterfragen und zu ändern.

Noch Fragen zum Thema Homosexualität?

bit.ly/pWjVC0

 

Warum ich so explizit über und an Schwule und kaum über und an Lesben und Transgender schreibe, habe ich wiederholt erläutert. Ich wäre aber überglücklich mehr Texte von und für z.B. lesbische Frauen zu finden und zwar nicht nur in den "einschlägigen" Internet-Foren, denn wir alle sind Teil dieser Gesellschaft. Ich wollte nie in einem "Getto" leben und tue das auch nicht, die große Mehrzahl der Mitmenschen, mit denen ich täglich beruflich und privat zu tun habe, ist heterosexuell ...

Wenn ich mit diesem Text auch nur einem jungen Schwulen Mut machen konnte, es zu versuchen und nicht zu verzweifeln, bevor er überhaupt begonnen hat richtig zu leben, hätte es sich doch schon gelohnt.

Ihr braucht Coming-Out Hilfe, moralische Unterstützung, Kontakt zu Gleichaltrigen in ähnlicher Situation, Literatur etc.?

Ansprechpartner für LGBT-Jugendliche:

anyway Jugendzentrum Köln
bit.ly/zvD6OP

schwul-lesbische Jugendgruppen / Zentren im gesamten Ruhrgebiet
bit.ly/yus5Um

diversity Dachverband LGBT-Jugendgruppen München
bit.ly/vZIUTO

Kuss41 schwul-lesbisches Jugendzentrum Frankfurt/Main (Pressebericht)
bit.ly/zofNBC

Verliebte Jungs – schwule Jugendgruppe Berlin
bit.ly/A82cPj

Café Vielfalt – schwul-lesbisches Jugendzentrum Essen
bit.ly/ArgO3b

PULS – schwul-lesbisches Jugendzentrum Düsseldorf
bit.ly/ycRzqr

Schwules Netzwerk NRW e.V. – Schwul-lesbische Jugendarbeit in NRW
bit.ly/ysF8SW

Ansonsten, der LSVD (Lesben- und Schwulenverband Deutschland) kann Euch weiterhelfen. Er kennt Adressen von nonkommerziellen Zentren, von seriösen Coming Out Gruppen (die z.B. vom jeweiligen Land, der Stadt oder der örtlichen AIDS-Hilfe unterstützt werden)  www.lsvd.de/

Hier ist das Beispiel eines Coming Out Projekts für junge Schwule, Lesben und Transgender  www.sljd.de/

www.sljd.de/index.php?id=5

www.sljd.de/index.php?id=4

www.sljd.de/index.php?id=6

www.sljd.de/index.php?id=8

 

CSD/PRIDE-Paraden finden jedes Jahr in vielen Städten der Welt statt und sie sind neben einer politischen Demonstration  bit.ly/GWR4a ; auch immer ein Fest der Lebensfreude und haben für mich schon allein dadurch jede Existenzberechtigung. Beteiligt Euch, engagiert Euch oder schaut es Euch einfach erst nur einmal an. Eine junge Lesbe sagte mir einst nach dem CSD Köln (einer der größten Europas): "Es ist einfach toll, dass ich mich einmal für kurze Zeit nicht als Minderheit fühle, sondern unter so vielen tollen Lesben und Schwulen glücklich sein kann ..."

www.thinkoutsideyourbox.net/?page_id=12661

(Dieser Text erschien zuerst auf einem schwul-lesbischen Internet-Portal und ich habe mich kurzfristig entschieden, ihn auch beim Freitag zu posten)

  

 
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Kommentare
Knüppel schrieb am 09.04.2011 um 10:38
Bitte nicht als Unhöflichkeit empfinden, wenn der Blog-Autor hier vor Montag nicht kommentiert. Ich bin jetzt sofort für den Rest des Wochenendes offline und nur das ist der Grund für meine Netz-Abstinenz ...

Genießt auch Ihr Euer Wochenende!
KalleWirsch schrieb am 10.04.2011 um 10:54
Familie ist auch da wo Hunde sind;)

Aber jetzt mal zum Thema. Den größten Teil wusste ich ja schon ;)))
Ich finde es toll, wie du dein Leben beschreibst, wie du aufzeigst, dass schwul sein nicht bedeutet Opfer zu sein. Gestern war ich bei eienm Vortrag über Heteronormitivität und da wurde der sehr schlaue Satz gesagt, dass ein Comming Out immer wieder erneuert werden muss. Das heißt für mich offen zu leben, aber auch zu thematisieren und da sehe ich im momentanen Emanzipationsprozess deutliche Defizite, weil ein Großteil der Community immer noch oder wieder glaubt, alles sei erreicht. Ich mache das im Gegenteil zu dir auch am Erscheinungsbild des CSD´s fest bzw. daran, dass es auch schwule nicht interessiert die politischen Inhalte dieser "Demo" sichtbar zu machen. Als ich das gestern monierte, war ich dann der Meckerer. Ich glaube, das eides wichtig ist. Ein glückliches Leben als schwuler Mann und das auch vorzuleben und die Verantwortung sich um die zu bemühen, die das nicht hinkriegen und den Finger darein zu legen, wo es Diskriminierung gibt. Damit mache ich mich ja nicht zum Opfer. Mich freut sehr, dass du dir mehr lesbische Inhalte wünscht. Auch und vor allem auch hier. Das vermisse ich. Ich mag das Ghettoleben ebenso wenig, weshalb ich (mittlerweile) wenig Communitykontakt habe.

An deinem Artikel mag ich besonders, dass du mit schwulen Klischees aufräumst, die sich auch gerade unter Schwulen nachhaltig behaupten. Was mir nicht gefällt, ist, dass du deine Form der Partnerschaft und des Umgangs mit Sexualität so absolut setzt. Ich finde es ehrlich gesagt genauso absurd offene Beziehungen als einzig seelig machend zu propagieren, wie sie zu verteufeln.
Ich sehe es zum Beispiel auch völlig anders, dass Mann immer den Geliebten um sich haben will, wenn es der Richtige ist. Das Geheimrezept meiner mittlerweile 11 Jahre anhaltenden Beziehung ist, dass wir uns nicht dauernd sehen und uns große Freiräume geben. Jeder Jeck is anners. Das fehlt mir hier ein bisschen.

Wünsche ein schönes Wochenende gehabt zu haben. Es winkt huldvoll der kleine König KalleWirsch.
KalleWirsch schrieb am 10.04.2011 um 11:25
PS: Habe ich übrigens erwähnt, dass es ein Affront ist, dass der Eurovision Song Contest mit Dana International in den Todesstern Düsseldorf gelegt wurde? ;)))
Knüppel schrieb am 10.04.2011 um 12:15
@KalleWirsch

Danke für den Kommentar.

Bevor Du mir jetzt wieder entwischt :-), bzw. bevor ich mich bis morgen wieder aus dem Netz zurückziehe, einige kleine Anmerkungen/Richtigstellungen:

"(...) Was mir nicht gefällt, ist, dass du deine Form der Partnerschaft und des Umgangs mit Sexualität so absolut setzt. Ich finde es ehrlich gesagt genauso absurd offene Beziehungen als einzig seelig machend zu propagieren, wie sie zu verteufeln.
Ich sehe es zum Beispiel auch völlig anders, dass Mann immer den Geliebten um sich haben will, wenn es der Richtige ist. Das Geheimrezept meiner mittlerweile 11 Jahre anhaltenden Beziehung ist, dass wir uns nicht dauernd sehen und uns große Freiräume geben. Jeder Jeck is anners. Das fehlt mir hier ein bisschen ..." schreibst Du u.a.

Wie ich in der Einführung meines Blogs u.a. schrieb "(...) ist selbstverständlich nicht so ohne weiteres auf andere übertragbar ..." das gilt auch und vielleicht ganz besonders für unsere (sehr individuell als für uns passend empfundene) sexuell-offene Beziehung.

Also, lieber Kalle, die wird von mir keineswegs als "(...) einzig seelig machend ..." propagiert !!!!!!!!!!!!!!

Das war mir wichtig richtig zu stellen.

Mein Freund und ich sind mit dieser sexuell-offenen Beziehungen (wenn wir sie denn mal thematisiert haben) von Anfang an angeeckt. Bei unseren schwulen und lesbischen Bekannten genauso, wie bei unseren heterosexuellen. Trotzdem wollte ich ganz bewußt aufzeigen, dass es möglich ist, so zu leben und über lange Jahre damit glücklich zu sein. Wie natürlich eine ganz andere Form der Beziehung für andere ebenso richtig und gut sein kann. Sind wir uns jetzt wieder einig?

"(...) Ich sehe es zum Beispiel auch völlig anders, dass Mann immer den Geliebten um sich haben will ..."

Aber selbstverständlich, Kalle !!!!!!!!

Mein Beispiel war doch ausdrücklich bezogen auf die Phase des Verliebtseins, ganz am Anfang einer Beziehung. Alles andere wäre ja der komplette Horror :-) und würde mich an "Pappa ante Portas" (Loriot) erinnern, als das bigotte Paar doziert: "Wir waren in unserer Ehe nicht einen Tag getrennt (...) usw."

Zu den CSDs vielleicht demnächst mal mehr, ich muss jetzt dringend wieder den Rechner ausschalten, sonst bekomme ich Ärger :-)

Auch Dir einen schönen Restsonntag!

Gruß
Knüppel

PS Zum Song Contest ..., wenn es etwas gibt, was mich NICHT interessiert (noch nie hat), dann DAS! Finde die Musik völlig bekloppt und die Veranstaltung ebenfalls und ... Düsseldorf, ja und? - was habe ich damit zu tun, wo die Bekloppten sich treffen? :-)

Stimmt also, was Du schreibst! Jeder Jeck ... usw.

War übrigens nicht böse gemeint, mit dem Song Contest, ich toleriere selbstverständlich wenn jemand das als "Kult" zelebriert ... :-))))))))))
KalleWirsch schrieb am 10.04.2011 um 14:15
Irgendwie ist die Einleitung nicht in meinem Hirn angekommen. Sorry, schäm. Keine Ahnung wieso. Wahrscheinlich, weil ich noch so wütend war über Herrn Feddersen gestern bei dem Kongress.

Bei mir eckst du auf jeden Fall mit sexuell offener Beziehung nicht an. Was klappt das klappt. Oder eben nicht.

Haha, Papa ante Portas habe ich erst vor zwei Wochen wieder gesehen und soooo gelacht. "Und wenn wir dann doch einmal ungewollt unterschiedlicher Meinung sind, ..." ;)))

Und ja, der Song Contest ist total absurd. Deswegen ist es ja auch so lustig. Alos mit Freunden macht das viel Spaß. Musste meinen Mann aber auch die ersten jahre dazu zwingen;)

Achso, auch wenn ich es vielleicht bereue;), kannst du mir vielleicht Linkempfehlungen zu §175 nach 1945 geben?

Wäre toll.

Und was den CSD anbetrifft, bin ich gespannt. Ich bin da ziemlich unversöhnlich.
Knüppel schrieb am 10.04.2011 um 18:37
@KalleWirsch

Hi, was hat Jan Feddersen ('taz') sich denn geleistet, dass er Dich so wütend gemacht hat?

Weißt Du, was ich - im Laufe der Jahre - erst mühsam lernen musste, ist der Fakt, dass die schwul-lesbische "Community" fast ebenso (Achtung, "witziges" Wort, in diesem Zusammenhang :-) ) "heterogen" ist, wie die heterosexuelle Mehrheitsgesellschaft es auch ist.

Und um es mit einem Freund aus dem oft von mir zitierten Schwulen- und Lesbenzentrum zu sagen: "Wir sollten uns nicht einbilden, dass WIR die BESSEREN Schwulen sind, nur weil wir politisches Bewußtsein haben, unser Handeln reflektieren und sowieso immer 'alles besser wissen' ..." :-).

Wo Lutz (Hi Lutz! :-) ) recht hat, hat er recht!

"Heterogen" soll heißen: Nur weil jemand schwul (oder lesbisch) ist, ist er/sie weder automatisch "progressiv", "politisch engagiert oder auch nur interessiert" und auch nicht automatisch "solidarisch". Und damit ist das haargenau so, wie bei unseren Freunden, den Heteros ... :-)

Zum § 175 muss ich erst suchen (wir hatten im *Café Rosa Mond, D'dorf www.cojito.de/cafe-rosa-mond.1148.htm dazu mal eine Vortragsreihe und eine Foto-Ausstellung, wenn ich mich recht erinnere) ich schau 'mal.

(*mich überkommt gerade ein bißchen Wehmut: Nach 26 Jahren !!! ging unser Zentrum pleite. Fördermittel von Stadt oder NRW haben wir nie bekommen, wir finanzierten uns jahrelang sehr solide durch Eintrittsgelder "Rosa Donnerstag", im Schnitt so 1.000 bis 1.500 Gäste jeden Donnerstag, durch Getränke-Verkauf und durch Veranstaltungen, wie "Culture Club", "Moondance" usw. usw. Unter unserem Dach (einer alte Schraubenfabrik) gab es die von einem unserer Psychologen geleitete Coming-Out Gruppe "Kuckuckseier" (Nachfolger ist "Puls Düsseldorf", habe ich schon oft verlinkt), es gab eine starke Lesbengruppe, mit eigenem Gebäude, eigenen Veranstaltungen, die aber bei den großen Events, wie "Rosa Donnerstag" (Disco und Haupteinnahmequelle, war in ganz NRW berühmt), "Culture Club" usw. zusammen mit uns Schwulen alles organisierten und durchführten.

Dann gab es irgendwann ("wie bei uns Linken leider oft") plötzlich 2 Fraktionen, deren Konzepte nicht mehr miteinander kompatibel waren. Daraufhin haben etwa die Hälfte der Mitarbeiter/innen das Café Rosa Mond verlassen (mein Freund und ich gehörten dazu) und einige Zeit später zog das Zentrum um (einige Straßen weiter) und seitdem ging es leider bergab.

Der Charme der früheren Jahre war weg, das neue Gebäude hatte nicht die Ausstrahlung des alten, riesigen verwinkelten Komplexes (mit mehreren Theken usw.) und das neue "Management" war zu kommerzorientiert (die politischen Schwulen und Lesben waren ja gegangen). 2009 war dann Schluß. Du merkst, mir kommen immer noch fast die Tränen, wenn ich davon schreibe ...

Also, mit den CSDs ..., lass uns das bitte vertagen, das schaffe ich jetzt nicht mehr, bin gerade emotional aufgewühlt, wenn ich ans Rosa denke.

Wir schreiben/lesen uns.

Gruß
Knüppel
KalleWirsch schrieb am 10.04.2011 um 18:58
Wer hat sich da heimlich an den Pc geschlichen;)

Ich muss das mit dem CSD grad auch gar nicht diskutieren. Wir vertagen das. Feddersen war das mit dem Meckerer und mich nervt diese selbstherrliche Pose. Aer geht schon wieder. ich werde ja auch ruhiger. Vor ein paar Jahren wäre das noch eskaliert;)

Was du vom Rosa erzählst kenn ich mehr vom Hausbesetzen. Aber das war Gott sei Dank eher ne kürzere Phase, die mich heute nicht mehr emotionalisiert.

Ich glaube kein Stück, dass politische Schwule, die besseren sind. Schwule sind auch nur Arschlöcher, egal ob politisch oder nicht. Mich kratzt es mehr, wenn sie so tun als seien sie politisch und das alles nur noch Fassade ist und sie sich so hübsch eingerichtet haben in ihrer Inselwelt, dass diese nur noch als einzige Realität wahr genommen wird. Alles ist schön, jetzt hört auf zu meckern, wir wollen feiern.

No, sorry.

Äh, Schluss, vertagt;)
Knüppel schrieb am 10.04.2011 um 19:37
@KalleWirsch

"(...) Ich glaube kein Stück, dass politische Schwule, die besseren sind ..."

Dann sind wir uns hier ja schon 'mal einig, siehe mein Zitat: "(...) "Wir sollten uns nicht einbilden, dass WIR die BESSEREN Schwulen sind, nur weil wir politisches Bewußtsein haben, unser Handeln reflektieren ..." usw.

"(...) Mich kratzt es mehr, wenn sie so tun als seien sie politisch und das alles nur noch Fassade ist und sie sich so hübsch eingerichtet haben in ihrer Inselwelt, dass diese nur noch als einzige Realität wahr genommen wird ..."

Bezieht sich das jetzt auf Feddersen?

Noch kurz hierzu:
"(...) Schwule sind auch nur Arschlöcher ..."

Alles andere wäre (meine ich) auch sehr blauäugig gedacht, oder? Ich habe aber nicht diese "Enttäuschung" über "DIE" Schwulen, dazu habe ich einfach schon zu viel erlebt und kennen gelernt (DOC, HAW, SVD, LSVD etc.). Und ..., wie Du "weißt" bin ich Pragmatiker, nach div. Erfahrungen in sektiererischen Politgruppen, die Null erreicht haben, weil sie sich hinter Maximalforderungen verschanzten, die sie weder "Normalbürgern" vermitteln konnten, noch in die Praxis umsetzen konnten.

Bei Wahlen kamen sie jeweils nur zu lächerlichen Prozentzahlen. Für eine "Revolution" (werden wir in Deutschland nie erleben) waren sie sowohl zu chaotisch, als auch zu "verkopft".

Ich habe für mich entschieden: "Verliere das Ziel nicht aus den Augen, aber kämpfe für jeden kleinen Fortschritt ('Dropje voor Dropje' :-) )"

Gruß
Knüppel

PS "Wer hat sich da heimlich an den Pc geschlichen;)" ???
Knüppel schrieb am 10.04.2011 um 19:40
@KalleWirsch

Das PS habe ich jetzt kapiert ..., da habe ich wohl vorher zu viel hineininterpretiert :-)
goedzak schrieb am 10.04.2011 um 12:56
Hat Spaß gemacht zu lesen. - Ich möchte sagen, mit etwas Verallgemeinerung sind das Ratschläge, die sich nicht nur junge Schwule anhören können...
Knüppel schrieb am 10.04.2011 um 18:09
@goedzak

"(...) Hat Spaß gemacht zu lesen. - Ich möchte sagen, mit etwas Verallgemeinerung sind das Ratschläge, die sich nicht nur junge Schwule anhören können..."

Freut mich, wenn es Spaß gemacht hat. Ich hatte erst ein wenig Bedenken den Text hier auch zu posten, von wegen Zielgruppe und so ... :-) Aber dann habe ich mir gedacht, wer weiß vielleicht liest das ja auch hier mal jemand, dem es helfen könnte.

Beste Grüße
Knüppel
Knüppel schrieb am 11.04.2011 um 19:47
Knüppel
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