SiebzehnterJuni

gegen Rassisten - 24 h täglich

23.05.2010 | 08:13

F O T O - B L O G : Heimatkunde-Ost für Westdeutsche IV

Sporthalle Bad Liebenwerda

 

 

 

 

Hier eine Typenturnhalle aus Bad Liebenwerda. Im Jahre 2000 durfte ich an einer Gemeinderatssitzung teilnehmen, um Ergebnisse einer Energieberatung vorzustellen. Vor mir sprach einer von diesen westdeutschen Wunderheilern, die aus der Stadt das “bundesdeutsche Gesundheitszentrum“ machen wollten -  mit uralten abgekratzten dreckigen Folien – grauenhaft! Als der Typ seine Schaumschlägereien beendet hatte, holte ich mein Foto von der Turnhalle(2002 m2) hervor und sagte, dass man diese Sporthalle  - so wie sie ist/war – als nationales Denkmal erhalten sollte. Man könne dann Busfahrten aus dem Westen organisieren, um diese Halle zu zeigen.(Tosendes Lachen und Beifall im Ratssaal, erhalte nach der Sitzung Aufnahmeformular für die PDS) In Wahrheit wollte man im Jahr 2000 eine hundsnormale Dreifachturnhalle von der Stange bauen( 3,7 – 4,1 Mio. €), anstatt die Halle zu renovieren (1,8 – 2,1 Mio. €).

 

Man beachte die originelle Lüftungsanlage und die Heizkörper – einmalig!! In dem Augenblick der Aufnahme funktionstüchtig!!

 


 

Meine ostdeutschen Kolleginnen und Kollegen regten sich immer auf über meinen „Hang zum Zerfall“ und meinten, ich hätte nicht in der DDR 50 Jahre gelebt und könne mir darum auch nicht vorstellen, wie satt sie diese alten unsäglichen Platten hätten. Im Westen – also „bei Dir daheim“ -  sei sowieso alles besser und warum sollte es im Osten Deutschlands nicht genauso sein.

Ich zeigte in diesem Zusammenhang meine alte Turnhalle aus Dortmund-Brackel, die inzwischen nationales Denkmal geworden ist. Für mich hat dieses alte Holzgebäude etwas, gefällt mir immer noch!!

Was man als Westdeutscher oft nicht weiß, dass es in der DDR den sogenannten Breitensport mit den vielfältigsten Vereinen  nicht in gleicher Weise gab. Selbst in den kleinsten Städten war eine Sporthalle nicht für jeden zugänglich, sondern diente hauptsächlich der Auswahl und dem Training der Elite. Nach bis ins Detail ausgeklügelten Programmen rekrutierte der Staat die Besten. Ein Basketballtraining einfach so, so wie ich es hier für 60plus mache, wäre in der DDR kaum denkbar gewesen. Du kriegtest die Halle einfach nicht! (So haben es mir meine KollegInnen jedenfalls erzählt)

Inzwischen ist die Sporthalle in Bad Liebenwerda wunderbar im alten Zustand nur leicht modifiziert renoviert und rekonstruiert worden. Schön!!

Ich hätte nur das Schriftbild  "S P O R T H A L L E " - so wie es früher war - exakt am gleichen Platz und in gleicher Schriftart und Schriftgröße erhalten !

 

 

Und hier eine der damals geplanten von der Stange Dreifachturnhallen (4,1 Mio. €)!

 

Hier ein paar Kennzahlen zum Ort Bad Liebenwerda. Gelb sind die Daten, die vom Durchschnitt  in Brandenburg abweichen, also Priorität in der Agenda des Energiesparens haben sollten.

 

 

Rathaus Bad Liebenwerda

Ev.Kirche am Markt in Bad Liebenwerda

 

(Alle Schwarz/Weiß Fotos der Sporthalle alt/Rathaus/Kirche sind mit ORWO  NP20 aufgenommen und auf Orwo-Baryt-Papier  BN111 mit dem MeOpta-Opemus-6  vergrößert worden.)

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
dame.von.welt schrieb am 23.05.2010 um 08:53
Dankeschön für die Heimatkunde. Wie auch fürs Engagement gegen den Bildersturm.
SiebzehnterJuni schrieb am 23.05.2010 um 10:37
Danke!! Was macht das Töpfern in weiß??
Magda schrieb am 23.05.2010 um 18:59
"Was man als Westdeutsche oft nicht weiß, dass es in der DDR den sogenannten Breitensport mit den vielfältigsten Vereinen nicht gab."

Das stimmt doch überhaupt nicht. Es gab zahlreiche Betriebssportvereine und auch außerhalb der Betriebe konnte man sich in einem Verein anmelden.
Und es kostete fast nichts. Es gab Engpässe, weil der Bau von Sportstätten nicht voranging und sicherlich gab es auch eine vordringliche Förderung von Talenten.
SiebzehnterJuni schrieb am 23.05.2010 um 19:27
Magda "...auch außerhalb der Betriebe konnte man sich in einem Verein anmelden. ...!"
Seltsam, dass mir dass meine 22 KollegInnen anders erzählt haben.
Es ist möglich, dass es in den Bezirksstädten Potsdam, Frankfurt, Cottbus etc. anders war. Meine KollegInnen kamen auch nicht aus Berlin. In Wittstock, Pritzwalk, Bernau etc. gabe das jedenfalls nicht!!
SiebzehnterJuni schrieb am 23.05.2010 um 21:03
Breitensport - MDR

Walter Ulbricht präsentierte sich gern als Vorturner, zeigte sich beim Skilauf in Oberhof, beim Volleyballspiel oder beim Tischtennis mit Gattin Lotte. Von ihm stammt die Aufforderung, dass jedermann an jedem Ort zweimal in der Woche Sport treiben solle. Ein schöner Appell, der in der DDR aber nur schwer zu befolgen war. Es mangelte an Schwimm- und Sporthallen, an Tennis- und gut ausgestatteten Sportplätzen. Deshalb entdeckte der DTSB, der Deutsche Turn- und Sportbund, das Laufen als Massenbewegung.

"Jedermann an jedem Ort, zweimal in der Woche Sport"
Walter Ulbricht

Als sich aber tatsächlich Massen bewegten, ging dem Handel die Puste aus. Es fehlten Laufschuhe ... Dennoch hatten viele Spaß am Volkssport. Das ist vor allem Tausenden gut ausgebildeten Übungsleitern zu danken, die ihren großen und kleinen Schützlingen ihre Freizeit opferten. Auch an vielen Wochenenden im Jahr fuhren sie mit ihren Mannschaften zu Wettkämpfen und Meisterschaften, oftmals ehrenamtlich. Finanziell spielte der Breitensport aber zunehmend die zweite Geige innerhalb des DTSB. Besser dran waren lediglich die Betriebssportgemeinschaften, die ein leistungsstarkes Kombinat hinter sich hatten.

Im Nachwuchsbereich war natürlich alles möglich
"Bummisportfest" im Kindergarten, Sportfeste an den Schulen, Kinder- und Jugendspartakiaden in den Kreisen, Bezirken und auf Republiksebene - das waren mögliche Treppenstufen auf ein internationales Siegerpodest. Hier lag eines der Geheimnisse der DDR-Erfolge im Spitzensport. Das natürliche Bestreben der Kleinen, das Beste im Wettkampf zu geben, kam einer systematischen Sichtung des Nachwuchses entgegen. Sie begann schon unter den Knirpsen im Kindergarten. Regelmäßig waren Trainer und Ärzte unterwegs und vermaßen zwischen Fichtelberg und Kap Arkona die Mädchen und Jungen.

Schon frühzeitig fanden sie heraus, wer sich später zum Ruderer, Hürdenläufer oder eher zum Turner eignen könnte. Für ein entdecktes Talent führte der Weg über Trainingszentren in der Nähe des Heimatortes zur sich anschließenden Ausbildung an eine Kinder- und Jugendsportschule, die in der Regel in den Bezirksstädten bestanden. Ein Weg, den nicht alle Eltern mitgingen. Das stand ihnen frei. Viele aber waren stolz auf die Begabung ihres Kindes. Denn von Sportschulen konnte es steil bergauf in die olympische Arena gehen, wenn die Leistung stimmte und die Sportart. Denn mehr und mehr konzentrierte sich die Talentauswahl und intensive Sportförderung auf die olympischen Sportarten, die eine besondere Medaillenausbeute versprachen. Die intensive Förderung des Spitzensports ging aber in den 70er, 80er Jahren immer mehr zu Lasten des Breitensports.
Fred Thiele schrieb am 16.08.2011 um 14:22
Ich selbst war als Heranwachsender (*1977) in der DDR im Handball, Faustball, Volleyball und in der Leichtathletik unterwegs. Da gab es höchstens an Gerät und Kleidung, nicht aber an dem Enthusiasmus für den Sport. Von jungen Erwachsenen damals weiß ich, dass sie im Faustball- und Handballclubs mitspielten, oder Bodybuilding in der dafür vorgesehenen öffentlichen Einrichtung, meist turnhallennah, betrieben. Es gab dabei auch Wettkämpfe, was dann wohl gegen die Definition von "Breitensport" spricht, aber viele machten irgendeinen Sport, die meisten spielten natürlich Fußball (in unserer Region Faustball).
SiebzehnterJuni schrieb am 16.08.2011 um 15:09
danke, man lernt immer dazu!!
luggi schrieb am 23.05.2010 um 22:22
@ 17.6.

Ich habe dir schon einmal mitgeteilt, dass es mehr als unglücklich ist, wenn ein Wessi "Geschichtsunterricht" zur DDR erteilt. Den meisten fehlt das Wissen, abgesehen von der Methodik.

Fangen wir bei deinen SW-Fotos an. Die Wirkung ist beabsichtigt. DDR-Bauten in SW und danach die Fotos in Color. Diese Methodik ist alt, und dein Hinweis auf das Aufnahmematerial ORWO NP-20 entbietet nicht dein Vorhaben. Wenn du es ehrlich gemeint hättest, dann bitte die anderen Fotos auch in SW.

Was du aber nicht verstanden hast ist folgender Umstand. Die SW-Fotos von dir sind letztendlich ein Beleg für das "Herunterwirtschaften" der DDR-Struktur durch das westliche System mit seinen Funktionsträgern 3. Kategorie.

Und jetzt zu deinen Kopfgeburten:
"Es mangelte an Schwimm- und Sporthallen, an Tennis- und gut ausgestatteten Sportplätzen. Deshalb entdeckte der DTSB, der Deutsche Turn- und Sportbund, das Laufen als Massenbewegung."
Bei Tennisplätzen haste Recht; das andere ist Quatsch, denn die Schwimmhallen, Sporthallen und Sportplätze im Osten führen jetzt! ein kümmerliches Dasein, werden geschlossen, zurück gebaut usw.. Laufen entwickelte sich in der DDR als Trendsportart und damit war die DDR auch international.

"Jedermann an jedem Ort, zweimal in der Woche Sport"
Walter Ulbricht"

Wäre mal etwas für Helmut Kohl gewesen und J. Fischer war dem Ansinnen von Walter Ulbricht nicht weit entfernt.

"Es fehlten Laufschuhe"
Na das ist auch Quatsch. Es gab sie, nicht in adidas und puma, auch nicht so, wie man sie brauchte. Aber es war halt so, dass viele Sportschuhe der DDR-Produktion in den Westen geliefert wurden, damit solche Menschen wie du sich preiswert Sportschuhe kaufen konnten.

"Finanziell spielte der Breitensport aber zunehmend die zweite Geige innerhalb des DTSB. Besser dran waren lediglich die Betriebssportgemeinschaften, die ein leistungsstarkes Kombinat hinter sich hatten."
Die Betriebssportgemeinschaften (BSG) bildeten die Basis für den Breitensport. Da gab es keinen Gegensatz.

So, jetzt höre ich hier auf. Also bitte, verschone uns mit deinen Kursen zur DDR-Geschichte.

btw. bei der Stasi, bei der NVA, bei der Volkspolizei etc. gab es auch Breitensport

und noch ein btw. denk mal über technische Sportarten nach (in der DDR gab es keine Formel 1, wie grausam)

und ein letztes btw. Mitgliedsbeiträge in Sportvereinen hier DTSB bewegten sich im Pfennigbereich und in Schulsportvereinen war es kostenlos; die Finanzierungen erfolgten aus dem Staatshaushalt.
Magda schrieb am 23.05.2010 um 22:37
@ luggi - ich finde das sowas von passend, wenn ich dauernd den Osten erklärt kriege. Von einem Forschungsreisenden. Und der beruft sich dann immer auf die "Eingeborenen".

Am Anfang der 90er hat mal eine West-Wochenzeitung angeboten, dass die Ossis auch im Westen "evaluieren" sollten. Aber da kam nichts bei raus.
Gruß
SiebzehnterJuni schrieb am 24.05.2010 um 05:26
1. ehrlich ist, die Fotos so zu zeigen, wie ich sie gemacht habe ohne Photoshop, ohne alles! Ich hatte immer mehrere Filme bei mir und so sind halt einige schwarz/weiß und andere Farbig. Keine Strategie, nirgendwo!! Nicht einer in Bad Liebenwerda - in den Frakionen, in der Gemeinderatssitzung, der Bürgermeister - hat sich bis heute über die Bilder aufgeregt - nur Positives!! Einige sind sogar in der Lausitzer Rundschau erschienen!

2. Meine Kopfgeburten sind nicht von mir - wie ober drüber steht - sondern vom MDR= mitteldeutschen Rundfunk unter der Rubrik DDR-Geschichte nach 1945.

3. Ich erkläre nicht "den Osten", sondern nur Ausschnitte daraus. Und in den von mir beratenen Städten - in ihrem kommunalen Bereich - kenne ich mich in der Tat besser aus als manche andere. Und über nichts anderes schreibe ich.
SiebzehnterJuni schrieb am 24.05.2010 um 05:40
www.mdr.de/damals/lexikon/1589701.html

Hier sind meine "Kopfgeburten" zu finden. Und das ist Geschichte - so wie es dargestellt ist - vom Osten für den Osten.
SiebzehnterJuni schrieb am 24.05.2010 um 05:41
www.mdr.de/damals/lexikon/1589701.html

Hier sind meine "Kopfgeburten" zu finden. Und das ist Geschichte - so wie es dargestellt ist - vom Osten für den Osten.
luggi schrieb am 26.05.2010 um 07:51
@ 17.6.
Nach der Bearbeitung und deinen letzten Kommentaren nehme ich den Begriff "Kopfgeburt" mit dem Ausdruck großer Freude zurück. Ich ersetze ihn auch nicht durch den Ausdruck "Kopiegeburt", weil, das Thema ist ja jetzt verlinkt.

Die Sporthalle in Bad Liebenwerda war, entsprechend ihrer Größe, mehr für Spitzensport oder anderes konzipiert und erbaut und nicht so sehr für den Breitensport. Ähnliche Hallen gab es auch an anderen Orten, nach meiner Erinnerung z.B. in Potsdam für die Leistungssportler des Armeesportklubs.

und btw. das Lexikon des mdr taugt nicht viel (zum Programm äußere ich mich nicht)

Dank noch mal für deinen Beitrag.
SiebzehnterJuni
MenschenSchutz statt HeimatSchutz
Mitglied seit:
2 Jahre 26 Wochen
Zuletzt aktiv:
29.04.2012
Status:
Blogger
Aktivität:
Beiträge: 28
Kommentare: 838
Logbuch
12:12
Der König von Prussia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
12:10
Wir begrüßen antares56 als neues Community-Mitglied
12:06
blog1 hat gerade einen Kommentar geschrieben.
12:03
delloc hat gerade einen Kommentar geschrieben.
12:03
goedzak hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG