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Bis 2003 habe ich mir die Pädagogikdebatte von außen betrachtet: brav die ZEIT gelesen, Bücher gelsesen, Binnendifferenzierung nie kapiert und die Odenwaldschule via Bücher als traumhafte Schule empfunden.
Dann Praxisschock: als Seiteneinsteiger in die Odenwaldschule. Von Heute auf Morgen: Binnendifferenzierung = in meinem Fall 7., 9., 1o. Klasse in 3 Niveaus in Mathe und Physik unterrichten = Hauptschul-, Realschul- und Gymnasialniveau.
Oh Mann, Schiss ohne Ende. Ich frage KollegInnen, ob ich mich bei ihnen 'reinsetzen darf. - Wie bitte? Die glotzten mich an, als hätte ich eine Schusswaffe auf sie gerichtet. Nein, ich durfte nicht zuschauen (in der Schweiz selbstverständlich!!).
Viele KollegInnen hatten Ordner ohne Ende aus zig Jahren Unterricht im Schrank. Meine Frage: "Du, kann ich mir da mal was kopieren?" - Schweigen, ja mal sehen, müsste ich mal drüber nachdenken. Da könnten wir mal eine Konferenz machen.
In der Schweiz ist die Weitergabe von Unterrichtsmaterialien Pflicht!!
Dann studiere ich die Pisa-Aufgaben der Schweiz in Mathe, Physik und Chemie.
Ich lasse eine Schweizer Pisa-Arbeit aus der 10.Klasse in Chemie schreiben - Hauptmerkmal ist der Alltagsbezug und kein Abfragen von auswendig Gelernten Sachen.
Ein Tag später 23h ruft mich ein Vater und Jurist an:" das haben Sie nicht gemacht, das sind ganz neue Aufgaben, unmöglich." Ich lese ihm die Pisaaufgaben der Schweiz vor und gebe ihm den LINK, der zeigt, dass die dortigen Klassen den gleichen Lehrplan haben. "Guten Abend, aber in Ordnung ist das nicht!!"
Nächsten Abend der gleiche Jurist. Er hat den Lehrplan im internet studiert. "Feinstaub kommt im Lehrplan nicht vor! Sie sind wohl ein Alt 68er, Sie sollen keinen ideologischen Unterricht halten" - Ich:" Lesen Sie den letzten Satz des Lehrplans: 30% der Zeit ist zur freien Verfügung des Lehrers/ der Lehrerin!"
"Guten Abend, ja stimmt, habe ich überlesen!" Ich:" Ich schlage vor, Sie kommen einfach in meinen Unterricht, Platz ist genug! Und dann schauen Sie sich das alles einfach mal an, Sie können auch mehrmals kommen. Wir können auch eine WEB-Cam installieren, damit Sie sehen, was wirklich hier passiert, damit Sie nicht nur durch Ihre Kinder erfahren, was hier los ist!"
Was passiert? Kein Mensch kommt in meinen Unterricht, WEB-Cam-Angebot wird abgelehnt. Übrigens lehnen auch die SchülerInnen die Web-Cam ab - durch "Volksabstimmung" festgestellt.
Was soll das alles?
Ich meine, die Eltern wissen überhaupt nicht, was in der Schule wirklich abgeht, sie wollen es nicht wissen - aber sie wissen es schon seit Ewigkeiten.
Es sind die Konservativen, die in den 68er Zeiten dauernd von Genetik und Vererbung schwafelten, die Eibl-Eibelsfeld-Traktate einem unter die Nase hielten.
Das sind die Typen, die damals von 'Einfluss der Umgebung, der Familie, der Gesellschaft, von Motivation, Methodik nichts, absolut nichts wissen wollten.
Diese Typen schwören heute auf Methodik, kleine Klassen, indiviuelle Betreuung, Motivation, die Bedeutung des Lehrers. Diese Typen sind alle 68er geworden, obwohl sie 68er hassen.
Was diese BürgerInnen verweigern, ist das Akzeptieren von wissenschaftlicher Forschung auf dem Gebiet der Pädagogik.
Sie hauen auf Missbrauch und Odenwaldschule und meinen Binnendifferenzierung und Gesamtschule.
Sie schwatzen von Pisa, haben aber keine Ahnung, dass viele dieser Ergebnisse wissenschaftlich unpräzise, nicht vergleichbar sind.
Was wir brauchen:
einen Film über die moderne Pädagogik im Stile des Films "Die Kinder des Monsieur Mathieu".
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Link zu Teil eins, die weiteren Teile über die angezeigten Links.
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Ein schöner Einblick. Deprimierend letztlich.
Aber notwendig aufzuschreiben. |
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"Die Kinder des Monsieur Mathieu".
Ein wunderbarer Film. Manchmal habe ich den Eindruck, Kinder kommen in den Diskussionen um Bildung und Förderung einfach nikcht mehr vor. Gestern war ein Bericht im TV, der mich irgendwie sprachlos gemacht hat. nur das Beste für mein Kind |
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Theater in der Grundschule, in der ich eine Forscherwerksatt betreue:
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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