siegstyle

Blog von siegstyle

09.11.2011 | 17:00

Wie mir Ken Jebsen meine Satire verbieten ließ.

Zugegeben: Bis vor einigen Tagen kannte ich Ken Jebsen nicht. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich a) Dudelsender wie Radio Fritz kaum höre und b) keinen Hang zu Verschwörungstheoretikern habe, die mir die Welt noch mal neu erklären. Vor allem dann, wenn ich die Welt wie sie ist nicht verstehe. Noch mal zugegeben: Ich weiss nicht, ob Jebsen Antisemit ist oder nicht. Und es ist mir im Grunde auch egal. denn wie gesagt a) höre ich die besten Hits der 80er, 90er und von heute nicht so gerne und b) haben Verschwörungstheoretiker immer so einen Hang zur Rechthaberei und das reicht mir schon bei mir selbst. Letztlich ist es für mich so, dass in jedem von uns ein Freund der Juden steckt oder eben ein Antisemit. Es kommt immer nur auf das Thema an. Aber vor allem, wie man sich ausdrückt. Das haben schon viele Menschen in diesem Land erleben dürfen.

Selbstverständlich kann man den Stil von Henryk M. Broder kritisieren. Ätzende Analytik gepaart mit intensiver Intelligenz im Schutzmantel seiner Religion, die sich bei bedarf auf den Satire-Gipfel zurückzieht und von dort oben die tobende Masse belächelt. Geschützt und unangreifbar. Eine hervorragende Strategie, für die ich Broder immer weider bewundere. Auch wenn er mir - wie wahrscheinlich vielen - auch mal auf den Geist geht. Andererseits ist er eine der wenigen geistreichen Stimmen unseres Landes. Da darf diese Stimme auch mal quietschen und für Dissonanzen sorgen.

Noch noch mal zugegeben: Ich habe die so genannte "Antwort von Ken Jebsen auf Broder" nicht als Satire auf jetzt.de gekennzeichnet. Da ich aber den Stil und den Inhalt dermaßen überzeichnete, glaubte ich darauf verzichten zu können. Für mich war der Text klar als satirisch zu erkennen. Auch wenn es um die wichtigsten Themen Deutschlands ging: Holocaust, Umgang mit Juden und wer wird Nachfolger von Thomas Gottschalk bei Wetten dass...? Da ist jeder Deutsche extrem dünnhäutig und es gibt kein richtig oder falsch sondern nur Antisemit oder Antiantisemit. Anstrengend. Aber ist so. Trotzdem: Man kann mir das vorhalten, aber es ist und bleibt eine Satire. So etwas ist nicht immer einfach auszuhalten. (Mir wird auch oft gesagt, dass meine satirischen Texte extrem schlecht sind). 

Aber gerade von einem Ken Jebsen hätte ich mehr erwartet, als mir seine Anwältin auf den Hals zu schicken. Alles was ich von Ken Jebsen erfahren habe war, dass er jemand ist, der kein Blatt vor den Mund nimmt und fröhlich nach allen Seiten austeilt. Wofür ich zunächst Respekt habe. Da fliegen schon mal CIA-Agenten die World Trade Center gegen Flugzeuge, Gaddafi war eine Art Nordafrika-Obama und die 20% auf Tiernahrung bei Praktiker war eine Versuch der USA Tiere gegen Menschen aufzuhetzen. Liebe Anwältin von Ken Jebsen: Dieser letzte Satz war übrigens satirisch gemeint. Nicht, dass sie gleich wieder für 250 Euro zum Hörer greifen (obwohl es sich für sie lohnen würde). So jemand wie Ken Jebsen, der sich wahrscheinlich in seiner Sendung stark macht gegen Zensur und Verbote gegen die Meinungsfreiheit, so einem selbsternannten Freiheitskämpfer des Äthers fällt nichts anderes ein, als zu verbieten. Jetzt verstehe ich auch ein wenig die Sympathie für Gaddafi.

Was sagt das? Ken Jebsen ist vielleicht kein Antisemit. Vielleicht ist er auch kein Antiantisemit. Ganz sicher aber ist er jemand, der gerne austeilt aber wenig einsteckt. Ein typischer Wasser-Prediger der Wein in Unmengen trinkt (falls dieser Satz missverständlich ist: er war dann satirisch gemeint). Aufgrund meiner langjährigen Verbundenheit zur Redaktion von jetzt.de habe ich den Text "freiwillig" gelöscht. Wer meine Satire trotzdem noch lesen will kann das hier tun:

www.freitag.de/community/blogs/siegstyle/ken-jebsen-antwortet-broder

Ach ja: Kann sein, dass ich am Sonntag mal reinhöre bei Kenfm. Ken: Wir hören uns!

 

 

 
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Kommentare
koslowski schrieb am 09.11.2011 um 17:30
Die Eitelkeit der Selbstdarstellung hat schon beachtliches Niveau. Ansonsten sollten Sie noch üben, wenn Sie Ihr Vorbild erreichen wollen. Am besten dort, wo Sie sonst veröffentlichen.
gelegentlich schrieb am 09.11.2011 um 19:19
@koslowski
Neoliberaler Vorstadtschnösel halt, FDP-Jugend, irgendetwas in der Art. Was will man von solchen Leistungsträgern auch schon erwarten? Einen Term wie ,,jewrassic parc" würde ein anständiger Mensch (aber mein Gott, der ist halt noch sooo jung!) nicht aus seinem Kontext rausreißen und zitieren. Schon aus Prinzip nicht, in diesem unserem Lande.
Mit der Gnade der späten Geburt ist halt manchmal auch Säuglingsgeschrei verbunden.
ich schrieb am 09.11.2011 um 19:58
Eigentlich fehlt jetzt nur noch ein Kommentar von Guido Knopp.
gelegentlich schrieb am 09.11.2011 um 21:15
Ginge der überhaupt ohne melodramatische Musik dazu? Diskutiert der mit Poppern?
Teerpaul schrieb am 10.11.2011 um 15:23
Hallo siegstyle,

eine wunderbare Satyre, die aber durch die Wirklichkeit noch getoppt wird. Bisher habe ich nicht geahnt, dass es sowas wie den Ken überhaupt geben kann und der auch noch durch meinen Bebührenzwangsbeitrag üppig alimentiert wird.

Habe die Satire auf Achse des Guten gelesen und Herrn Broder ganz spontan eine Mail geschickt, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.

Und das ist keine Satire, sondern meine Meinung:

Lieber Herr Broder,

da ich Radio "Fritz" nicht höre, hatte ich bis Gestern keine Ahnung von diesem unsäglichen Schwachkopf.
Habe mir einige Sendeausschnitte, die Sie wohl eingestellt hatten, angesehen und angehört. Nicht alles, weil für mich derartiges wirklich nicht erträglich ist.
Es ist eine Schande, dass wir solchen Menschen mit unseren Zwangsgebühren ein üppiges Leben ermöglichen und ihnen auch noch erlauben diesen unerträglichen "politischen Dünnschiss" (das ist ein Zitat von Kardinal Bengsch, der in anderem Zusammenhang von "theologischem Dünnschiss gesprochen hat) zu verbreiten.

Aber was will man vom RBB, dem Staatssender der Brandenburg-DDR, anderes erwarten?

Nachdem was ich von diesem Schwachmatiker gehört und in einer E-Mail auch gelesen habe, wäre ich mir nicht so sicher, dass dieser offene Brief an Sie Satiere ist.

Der Tickt wirklich so!!

Ihre Beiträge finden meine Zustimmung und auch Ihre Reportage im Fernsehen mit Ihrem Muslimfreund war für mich ein Genuss.

Weiter so! Nicht nachlassen!

Sie dürfen der Dummheit und Ignoranz, sowie der Lüge und dem Judenhass, nicht das Feld überlassen!

Mit freundlichen Grüßen

siegstyle, wenn Sie den Ken wirklich hören wollen, besorgen Sie sich schon mal vorsorglich einen Termin beim Ohrenarzt. Seine Ergüsse können wirklich Schäden verursachen.

Übrigens Ihre Satire ist so gekonnt, dass ich zunächst glaubte, der Ken habe das wirklich geschrieben und es auf Anraten seiner Anwältin dann selbst löschen lassen. *grins*
Aber ich war vorbelastet, weil ich seine E-Mail an einen Hörer vorher gelesen hatte. Oder war das auch eine Satire von Ihnen?
Dann gebe ich zu ich bin darauf reingefallen.
doc-rofl schrieb am 13.11.2011 um 12:28
Sage mir wer dich lobt und ich sage dir, was du falsch gemacht hast. In diesem Zusammenhang ein sehr aufschlussreicher Beitrag.
Emma in Uniform schrieb am 15.11.2011 um 23:12
Das ist also "zugespitzte Satire"? ..."aber".

Von u.a. wo aus verlinkt der Autor Siegstyle hierher?
Von hier:
jetzt.sueddeutsche.de/jetztpages/synthie_und_roma

Und was soll man jetzt dazu sagen?

Vieleicht das hier:

Zugegeben: Bis heute kannte ich Siegstyle nicht. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Siegstyle a) ein brandneues Mitglied bei Freitag.de ist und sich nur angemeldet hat, um einen Blog mit diesem antisemitischen Beitrag vollmachen zu können, weil nämlich b) eben jener selbe Blogbeitrag bei jetzt.de durch Intervention eines gewissen Ken Jebsen gelöscht wurde.

Noch mal zugegeben: Ich weiss , dass Siegstyle sich am liebsten Siegheil nennen würde. Aber das ist im Grunde auch egal. Denn der Neonazi und Rassist nennt sich a) auf jetzt.de "synthie und roma" und b) suhlt er sich ganz unverholen in seinen Verschwörungstheorien: Siegstyle: "Letztlich ist es für mich so, dass in jedem von uns ein Freund der Juden steckt oder eben ein Antisemit." Es kommt immer nur auf das Thema an. Aber vor allem, wie man sich ausdrückt. Das haben schon viele Menschen in diesem Land erleben dürfen."

Selbstverständlich kann man den Stil von Siegstyle kritisieren,
ist es doch offensichtlich gestörte Eigenwahrnehmung gepaart mit intensiver Beschäftigung mit dem eigenen Geschlechtsteil im Schutzmantel der halluzinierten Berufung zum Blogautor; garniert mit dem dümmlichen Versuch seine debile Schreibe als Satire zu verkaufen fühlt er sich nun bei Freitag.de geschützt und unangreifbar. Eine hervorragende Strategie, für eine ähnliche wird z.B. auch Sarrazin bewundert. Auch wenn er - zehn Kilometer gegen den Wind infernalisch aus dem Geist stinkt. Andererseits gehört er zu den vielen Stimmen in unserem Land, die stark nach Verwesung stinken. Da darf diese Stimme auch mal quietschfidel das Freitag.de-Forum beduften .

Und Siegstyle hat ja auch zugegeben: "Ich habe die so genannte "Antwort von Ken Jebsen auf Broder" nicht als Satire auf jetzt.de gekennzeichnet." Wozu auch - die Verquickung der "wichtigsten Themen Deutschlands: Holocaust, Umgang mit Juden und wer wird Nachfolger von Thomas Gottschalk bei Wetten dass.." Denn Siegstyle weiss:.. "jeder Deutsche" ist "extrem dünnhäutig und es gibt kein richtig oder falsch sondern nur Antisemit oder Antiantisemit. Das findet Siegstyle anstrengend. Aber ist so. Trotzdem: Er kann krampfhaft versuchen, "Jewrassic Parc und Dinojudenfreund" als Satire zu verkaufen, aber es ist und bleibt:
Zähnefletschender Neonazi-"Humor". So etwas ist nicht immer einfach auszuhalten. Besonders aber hier:

In einem Forum das nur noch irgendwie dings ist.
ed2murrow schrieb am 15.11.2011 um 23:34
Wenn Sie sich noch ein wenig anstrengen, schaffen Sie es, Autorin bei Bluthilde zu werden (bluthilde.wordpress.com/). Ich glaube, Sie haben endlich Ihre wahre künstlerische Berufung gefunden. Zeit wurde es ja.
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