Simon Pschorr

Simons junge Linke

30.09.2009 | 22:16

Die "neue" Generation

Was macht einen Jugendlichen politisch? Ein weit verbreitetes Klischee macht unsere noch junge Generation zum weithin desinteressierten Partymenschen. Leider liegen derartige Vorurteile nicht so weit fern, wie es sich Politiker und engagierte Bürger unseres (noch) demokratischen Staates oft wünschen. Was aber macht so viele meiner Zeitgenossen so verdrossen oder lässt sie gar das ganze System ablehnen?

Wenn man die Frage stellt, was einen Menschen zum Politik-Ablehner macht ist es doch von wirklichem Interesse, was jemanden zu einem politisch interessierten Mitglied unserer Gesellschaft macht, oder nicht? Ich kann nur von meinem Beispiel ausgehen, ich bin noch jung und so fehlen mir leider noch einige andere Vergleichsebenen:

Zu Allererst bin ich durch Frust politisch geworden.  Frust? Nennen wir es Ablehnung gegenüber einer Maschinerie, die Menschen ausbeutet wie Vieh, wie ein sogenanntes Produktionsmittel: Humankapital. Dieser Begriff ist im höchsten Maße abstoßend. Seit wann sind wir denkende Lebewesen gleichbedeutend mit Werkzeug?

Einen weiteren Hintergrund in meiner Politisierung sehe ich in meinen Freizeittätigkeiten: Ich habe meine Erfahrungen in verschiedensten gemeinnützigen und sozialen Engagements gesammelt, die verschiedensten Entwicklungsphasen politischer Meinungsbildung durchlaufen und stehe nun heute als soziale Seele vor euch.

Einen letzten Grund liefert die Blindheit vieler Altersgenossen: Mit Schrecken sehe ich meine Mitschüler, die, schicksalsergeben und frustriert wie sie sind, jede Spur Mitgefühl verloren haben. Das soll die neue Generation werden? In einer Gesellschaft, in der die Brutalität der Sachzwänge, der sich schon die Elterngeneration größtenteils ergeben hat (man betrachte die Wahlen), ist es kein Wunder, wenn die auf Leistung gedrillten Kinder nicht anders handeln, gar noch abgebrühter handeln, als es die Eltern tun.

Verwunderlicherweise scheinen viele meiner Altersgenossen solche Prozesse nicht vollzogen zu haben. Sie begnügen sich mit dem Schleier der Unwissenheit und der allgemeinen Verdummung, bestellt und gezahlt durch die großen Konzerne, geliefert von Schwarz-Gelb. Einigen Wenigen spreche ich sogar den guten Glauben zu, dass sie diese Position tatsächlich vertreten, aber auch hier stellt sich die Frage: Wo ist dann ihr soziales Gewissen? Ist meine Generation so herzlos geworden?

Und abschließend: Was kann man dagegen tun?

 

MFG

Simon Pschorr

 
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Kommentare
Deaktivierter Nutzer schrieb am 30.09.2009 um 22:48
Gute Frage, Simon.
Und echt guter Beitrag, sowas hätte ich mit 17 niemals zustande gebracht, und mit 12 las ich in der Bravo.

Ich fand immer, dass man als Jugendlicher das "Recht" hat, Spaß zu haben und sich bei allem Weltschmerz auch ein bißchen zu amüsieren.
Wenn deine Altersgenossen sich also nicht sonderlich für Politik und globale Problematik interessieren, kann ich das gut verstehen und möchte es auch nicht per se als Zeichen einer gewissenlosen Degeneration werten.
Jungen Leute haben einfach andere Prioritäten, andere Sachen sind da wichtiger, zum Beispiel gefühlsmäßige Irrungen und Wirrungen und nicht zuletzt geschlechtliche Begegnungen und Erfahrungen.

Der Schleier der Unwissenheit wird sich noch früh genug lüften, nehme ich an.

Bei aller Sympathie und allem Respekt, den ich beim Lesen habe, möchte ich dir Mut machen.
Vielleicht siehst du gerade einiges zu schwarz (räusper, oder sollte ich sagen: schwarz-gelb ?) und deinen Mitschüler nicht jegliches Mitgefühl absprechen.
Ihr "cooles" und egoistisches Verhalten kann auch Selbstschutz sein - und durch mangelnde Vorbilder auf den Weg gebracht.

Denn was machen die Alten anders? Außer viel reden...

Liebe Grüße nach Regensburg
Feli
Simon Pschorr schrieb am 30.09.2009 um 23:50
Liebe Feli,
danke, das ist zu viel der Ehre.

Die Vorbildfunktion der Eltern ist (zumindest so meine Erfahrung) weitestgehend verloren gegangen. Was muss es auch für ein Vorbild sein, wenn die Eltern den ganzen Tag über die Politik hadern? Etwa ein Positives? Ja eher nicht...

Unter Jugendliche verstehe ich nicht etwa 10-15 - Jährige, sondern zukünftige Wahlberechtigte zwischen 16 und 18! Meiner Meinung nach ist hier kein Spielraum mehr für: Lass sie mal spielen. Dieser "Spieltrieb" äußert sich dann auf einer Spielwiese mit dem Namen Bundestag, auf der momentan Frau Merkel und Herr Westerwelle ihre Picknickdecke auszubreiten gedenken...

MFG Simon Pschorr
Jakob Augstein schrieb am 30.09.2009 um 22:49
Lieber Simon Pschorr,

Danke für diesen Beitrag!
Ich will morgen mal, wenn ich dazu komme, eine Übersichtsseite mit allen Beiträgen zur (un)politischen Jugend erstellen. Das ist ganz interessant, weil wir da in den vergangenen Wochen einiges hatten und auch spannende Debatten. Es lohnt sich, das noch mal im Überblick anzusehen. (Und das wenigstens kann unser CMS auch leisten ...)

Sind Sie denn organisiert? In irgendwelchen parteilichen Jugendorganisationen? Oder in kirchlichen Einrichtungen?

Viele Grüße,
Ihr JA
Simon Pschorr schrieb am 30.09.2009 um 23:46
Um auf ihre Frage zu antworten: ich bin (noch) nicht Mitglied einer parteilichen Organisation, jedoch im kirchlichen Bereich engagiere ich mich bei den Pfadfindern und beteilige mich dort an der Leitung des Jugendvereins (wie banal es auch sein mag).

MFG Simon Pschorr
Cassandra schrieb am 30.09.2009 um 23:14
So langsam wird mir das unheimlich.

Frage an dich:
Teilst du dieses negative Bild von der Gesellschaft (siehe Becci, die meint, die selbige sei nicht in der Lage zwischen RTL-Bild und Wirklichkeit zu unterscheiden) oder nur der eigenen "Generation", die angeblich "unpolitisch" ist, abgesehen von wenigen Ausnahmen? Was empfindest du als politisch?

Wie definierst du Unwissenheit in deinem Umfeld? Wie Desinteresse? Ich glaube, man muss da sehr viel stärker differenzieren. Du kannst nicht erwarten, dass jedeR sich so interessiert wie du oder ich. Sobald man einen anderen Maßstab anlegt, sich mit den Personen intensiver unterhält, sieht das schon wieder anders aus (nach meinen persönlichen Erfahrungen).

Noch ein Weiteres: Was bitte ist denn eine "Generation"? Wie willst du eine riesige Menschenmasse definieren? - Ich wöllte das nicht wagen, kann ich doch immer nur auf meine eigene, beschränkte Wahrnehmung bzw. Umfeld zurückgreifen.
Simon Pschorr schrieb am 30.09.2009 um 23:45
Zu deiner ersten Frage: Ich verfolge die Wahlen jetzt schon eine ganze Zeit lang und mit jeder Auszählung, mit jeder Verkündung der "Zukunft", mit den wechselnden Namen der Partei sah ich bisher keine grundlegende Veränderung und das schockierte mich doch grundlegend. Leider musste ich (gerade [b]bei[/b] Unterhaltungen mit verschiedensten Menschen) feststellen, dass das Bild, das die Medienpropaganda zeichnet, in vielen Köpfen fest verankert ist. Trotzdem hege (und pflege) ich noch den winzigen Funken Hoffnung, dass Deutschland einmal aus dieser Totenstarre aufwacht.

Was ist für mich politisch? Politisch sein bedeutet sich zu engagieren, damit die Welt besser wird. Dies kann man auf viele Arten und Weisen tun, nicht nur bei Parteien oder in der Politik, doch leider scheint auch das Feld "soziales Engagement" einzuschlafen.

Unwissenheit und Desinteresse sind Beides Ausprägungen radikaler Indoktrination von Seite der Medien und fehlerhafter Bildungspolitik. Wenn man tiefer zu bohren beginnt, dann fehlt der Mehrheit der Gymnasiasten (!!!) die nötige Grundlage, ihre Wahl zu treffen - und das, obwohl sie mit 18 wahlberechtigt sind. Dies lässt sich natürlich nicht pauschal über alle Schüler sagen, solch eine Aussage würde ich mich gar nicht treffen trauen, doch ist die Tendenz hin zur Ignoranz gegenüber der Politik klar erkennbar und nicht von der Hand zu weisen, egal wie optimistisch man ist.

Generation: Der Begriff Generation definiert für mich einen gewissen Jahrgang, bei dem man gewisse Tendenzen in Sachen Vorlieben, Abneigungen, Gruppenbildung, Voraussetzungen, etc. bei der Mehrheit der Menschen wiederfindet. Dies ist natürlich eine wage Aussage, doch wie du schon selbst erwähntest, wem steht es zu, etwas Genaueres zu definieren?

Ich hoffe, ich schocke dich nicht zu sehr und ich konnte deine Fragen wenigstens einigermaßen klären.

MFG Simon Pschorr
Cassandra schrieb am 01.10.2009 um 18:09
Vielen Dank für die ausführliche Antwort!

Um Redundanzen zu vermeiden, schließe ich mich einfach einmal dem Idealisten an. Politisch zu sein hat mE nichts mit dem Alter, sondern dem Charakter (was immer dies ist) zu tun.

Und nein, keine Sorge, ich bin nicht schockiert, ich kenne mich in dem Umfeld auch ganz gut aus. Ich bin jedoch ein wenig anderer Ansicht als du. Grundsätzlich kann ich mich mit deinen Strömungsgedanken anfreunden, jedoch nicht mit deiner Ausrichtung.

Meinen Empfindungen zu Folge sind Jugendliche nicht unpolitisch. Sie mögen zu einem Großteil auf einem anderen Wissensstandard weilen als du, der sich bereits lange, intensiv und vor allem allumfassend, so unterstelle ich, damit auseinander setzt. Aber sie haben sehr wohl ihre eigene Meinung, und nicht zuletzt meist ein politisches Fachgebiet, dass einem der Mund offen stehen bleibt. (Ist das nicht auch politisch?)

Das kommt meist erst heraus, wenn man sich etwas länger und vor allem nicht über Politik unterhalten hat, sondern über diese Person und ihre persönlichen Probleme.

Selbige äußern sich öfter einmal, hier sehe ich etwas Vergleichbares, wenn auch nicht Identisches zu deiner Strömung, keinesfalls in Desinteresse, sondern schlicht zuweilen in Überforderung. Was zu viel wird, wird eben kurzfristig abgeschaltet. Diese Scheuklappen können zu einem eingeschränkten Blickwinkel führen, sie können aber auch helfen, ersteinmal dezidiert mit den eigenen Problemen fertig zu werden. Gar nicht so ungeschickt, oder? Alles andere kann ja noch werden.

Übrigens finde ich es traurig, dass du aus Frust politisch geworden bist. Wieso nicht aus Neugier, Freude, mit zu denken, seinen eigenen Horizont zu erweitern? Etwas Positives bewirken zu wollen?
Simon Pschorr schrieb am 01.10.2009 um 20:42
Akzeptanz ist für mich oberstes Gebot. Hin und wieder fällt es mir zwar schwer, andere (kapital falsche) Meinungen anzuerkennen, jedoch übe ich mich immer wieder darin. Du kannst dir also auf jeden Fall sicher sein, dass wir nicht aneinander geraten.

Politik war für mich zu Beginn tatsächlich eines der vielen Interessensfelder, aus Neugier eignete ich mir eine Fülle an Informationen an und stellte bald fest, dass etwas nicht stimmte, dass etwas faul war. Je mehr ich mit der Themenrubrik befasste, desdo klarer wurde mir die Pestbeule in ihrem Inneren. Ich bin nun einmal kein Freund der Lügen...

Wenn du das persönliches Interesse in gewissen Bereichen betrachtest, magst du völlig Recht haben. In spezifischen Interessensfeldern wird sehr schnell eine Meinung gebildet und auch deutlich vertreten. Dies IST eindeutig politisch, da kann ich nur zustimmen.
Doch woran ich immer wieder verzweifle, ist das Faktum, dass dieses selektive Interesse doch, bewegt man sich in gerade theoretische Themengruppen, schnell wieder verflüchtigt. Daraus resultiert auch die Bildung der Piraten-Partei. Man interessiert sich für einen Themenbereich (in diesem Beispiel Freiheit im Netz) und unterstützt diesen, doch dabei bleiben viele andere Dinge auf der Strecke. Wer kümmert sich dann darum?

Scheuklappen schön und gut, zeitweise abschalten schön und gut, wenn es dann jedoch auf so etwas Bedeutendes wie die Bundestagswahlen zuläuft, dann fällt es schwer, diese Scheuklappen abzulegen. Aber wem fällt das schon leicht? Mir sicherlich genauso wenig und vielleicht trage ich selbst welche, nur Scheuklappen anderer Art und Farbe.

Leider begreifen viele meiner Altersgenossen doch nicht so ganz, was das bedeutet: "Einmal in 4 Jahren kriegt man einen Zettel in die Hand"

MFG Simon Pschorr :)
Cassandra schrieb am 06.10.2009 um 01:13
Sei nicht so streng zu anderen und dir selbst. Nimm das Leben mit Humor und nicht alles bitter ernst. Dann wirst du merken, dass hinter so manchem scheinbaren Nonsense oder Ahnungslosigkeit eine ganze Menge Lebensweisheit der anderen Art steckt.

Nein, ich bin auch keine Freundin der Lügen, wie du es nennst.

Jedoch: Nichts ist schwarz-weiß.

Liebe Grüße und die besten Wünsche.
I.D.A. Liszt schrieb am 30.09.2009 um 23:47
Lieber Simon Pschorr,

"Was macht einen Jugendlichen politisch?" ist, glaube ich, nicht die Frage, sondern: "Was macht einen Menschen politisch?"

Es ist doch nicht 'die Jugend', die per se unpolitisch ist - wie man an Dir sieht. Unpolitische Leute findest Du in jeder Generation. Und viele Leute werden im Laufe der Jahre unpolitisch (weil sie zu viele andere Dinge um die Ohren habe, weil sie resignieren, weil sie mit Krankheiten zu kämpfen haben, weil dan Wetter so schlecht ist - es gibt viele mögliche Gründe, die auch nicht unbedingt unverständlich oder verachtenswert sind). Und andere waren unpolitische Jugendliche, die nur an Parties usw. dachten, die aber plötzlich oder allmählich zu politisch denkenden Leuten mutieren.

Ich finde es sowieso eine beachtenswerte Leistung, daß es Leute gibt, die nach fast drei Jahrzehnten der schleichenden Entpolitisierung (Kohl -> Schröder -> Merkel) überhaupt die Kurv kriegen, sich für Politik zu interessieren oder sich sogar pollitisch zu engagieren.

Ja, was kann man gegen fehlendes Mitgefühl und/oder allgemeine Verdummung tun? - Politische Aufklärung!
Dabei kannst Du im Kleinen, im privaten Bereich bestimmt durch Gespräche schon viel bewirken, wenn Du Leute zum Nachdenken bringst.

Also laß den Kopf nicht hängen! Es ist immer nur eine Minderheit, die so denkt wie Du, in jeder Generation, in jedem Alter.

Herzlich,
I.D.A. Liszt
nil schrieb am 08.07.2011 um 20:26
Ich habe mich sehr gefreut solch wahrhaftige Zeilen zu lesen. Ich bin eine leidenschaftliche Vertreterin der Integralen Theorie von allem Ken Wilbers de.wikipedia.org/wiki/Ken_Wilber, dem großen amerikanischen Philosophen und Gründer des Integralen Instituts. In Deutschland gibt es das integrale Forum if.integralesforum.org/. In diesem Zusammenhang könnte dich das vielleicht genauso bereichern, wie viele viele Tausend andere.
Die Violetten, für eine spirituelle Politik die-violetten.de/ Ich dachte das würde dich vielleicht interessieren:)
Ich wünsche dir alles Beste für deine Zukunft.
LG
Simon Pschorr
Mein Name ist Simon Pschorr, ich bin 19 Jahre alt, wohne in Regensburg Stadt (Bayern) und bin politisch interessiert und aktiv seit mittlerweile 8 Jahren.
Ort:
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Mitglied seit:
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