Sorte Peter

Ruhe vor dem Sturm

16.02.2009 | 08:37

Schwarze Morgenstund

`Morgenstund hat Gold im Mund`, denke ich heute Morgen nach dem Aufstehen. Trifft das für den heutigen Tag zu?Von letzter Woche ist eine Menge Arbeit liegen geblieben, wie eigentlich in jeder Woche. Das Arbeitsvolumen ist so groß, dass es nicht mehr in das Fenster meiner Arbeitszeit passt. Vergrößern kann ich das Zeitfenster nicht - bildlich gesprochen fehlt sowieso schon die ganze Hausfront. Und auch das Jammern hilft hier wenig. Es handelt sich um eine Erscheinung unserer Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. Wie mir ergeht es nicht nur Kollegen - auch Freunde, die in ganz anderen Branchen arbeiten, haben damit zu kämpfen. Hier hilft nur das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen und die Verantwortung für Entscheidungen zu übernehmen. Den Strick drehen dann ganz andere aus der Situation, wenn sie das überhaupt wollen. Und das darf zuerst nicht vorausgesetzt werden. So stehe ich hier, an meiner Küchenzeile, kurz vor sechs Uhr. Meine Morgenstund hat Gold im Mund. Schwarzes Gold, aus gerösteten, gemahlenen und überbrühten Kaffeebohnen.
 
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Kommentare
zigeunerin schrieb am 19.02.2009 um 08:21
Guten Morgen!

Wieder so ein netter Beitrag von dir, der wohl nicht nur mir, sondern vielen anderen aus der Seele spricht. Schön, dass du dir die Zeit nimmst, das so in Worte zu fassen.

Als voll berufstätiger Mensch, der noch dazu mitunter in der Woche gar nicht daheim sein kann, weil viel auf Reisen (daher auch der Nick), kann ich deine Situation sehr gut nachvollziehen. Kommt frau dann am Wochenende nachhause, kann von Erholung und Entspannung kaum die Rede sein. Der Haushalt ist meist komplett liegen geblieben, Die komplette familiäre Wochenendplanung bleibt an mir hängen. Auf die Frage, was ich denn für Mann und Kinder am Wochenende kochen soll, bekomme ich nur ein Schulterzucken oder ein "Egal!" zur Antwort. Damit bin ich dann schon zum ersten Mal überfordert, weil es für mich keinen Anhaltspunkt gibt. Aber schließlich muss ich ja irgendetwas einkaufen.

Frische Klamotten brauch ich, für die nächste Woche. Meine Jungs übrigens auch. Der Bürokram meines Mannes stapelt sich und wartet darauf, von mir erledigt zu werden. Er ist freiberuflich tätig und ich seine Sekretärin unter freiwilligem Zwang. Dann sind da noch meine Unterrichtsvorbereitungen für die kommende Woche zu machen, Unterrichtsmaterial zusammenzustellen. Jetzt bloß nix vergessen! Bevor frau dann irgendwann mal dazu kommt Luft zu holen, isses auch schon wieder Sonntagabend. Damit ist das Wochenende komplett vorbei, denn am nächsten Morgen, so gegen halb fünf, klingelt schon wieder der Wecker.

Aber ich will nicht jammern. Darum geht es mir in diesem Kommentar nicht. Ich habe für mich eine Strategie gefunden, wie ich doch noch etwas Zeit am Wochenende für mich gewinnen kann. Im Privatbereich delegiere ich jetzt einige Aufgaben wenn ich der Meinung bin, dass das nicht unbedingt an mir hängen bleiben muss. Und wenn diese Aufgaben dann nicht erledigt werden, dann bleiben sie eben liegen. Ich habe es mir abgewöhnt, immer nur perfekt sein zu wollen - das hab ich im Job. Ich bin aber auch nur ein Mensch, der das Abschalten und Erholungsphasen braucht wie jeder andere auch. Und ich rechtfertige mich gar nicht mehr dafür, wenn sich die Welt auch mal ohne mich dreht - so wie heute.

Heute habe ich frei! Ich genieße es! Ich sitze mit einer Tasse Kaffee vor dem Rechner, beobachte, wie das kleine Örtchen, in dem ich zuhause bin, so ganz allmählich erwacht unter seinem weißen Wintermäntelchen, und stöbere im Freitag. Ich will mich nicht stressen lassen. Ich muss mich um einige Kleinigkeiten kümmern, einige Telefonate führen. Aber das muss jetzt noch nicht sein. Ich bin noch im Standby-Modus. Hochfahren ist später!

Ich wünsche dir eine restliche schöne Arbeitswoche! Denk mal darüber nach, ob der meiste Stress, den wir im Alltag haben, nicht doch zum Großteil hausgemacht ist!?!
Sorte Peter
In Zukunft wird früher auch immer alles besser gewesen sein.
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