Szenario 2020 – das mobile Internet
Erst vor kurzem wurde mir bewusst, wie sich das Internet in den letzten Jahren verändert hat. Ich ging im ICE mit meinem Laptop über das bundesweit flächendeckende B-WLAN-Netz ins Internet. Keine Verbindungsabbrüche, keine teuren Datenpakete, die ich von einem Netzbetreiber kaufen muss, keine Passwörter oder PINs, die ich mir merken muss. Es reicht aus, mich kurz per Fingerabdruck zu identifizieren - der Check im Bundesinternetregister passiert im Hintergrund - und schon bin ich online. Genial, auch wenn ich nach wie vor Freeware nutze, um die staatliche Protokollierung des mobilen Internets zu umgehen.
Vor zehn Jahren war das alles anders. Wie oft plagte mich das vollkommen überlastete UMTS-Netz und dessen schlechte Abdeckung. Es war wohl eine der besten Ideen, UMTS einzustellen. Auch wenn dieser Schritt angesichts der horrenden Versteigerungsgebühren eine wirtschaftliche Idiotie darstellte. In den 90er-Jahren ging ich noch über ein 14.400-Modem ins Netz, das mir einen relativ bescheidenen Internetgenuss bescherte. Wenn ich darüber nachdenke mit welchen Geschwindigkeiten wir nun, 30 Jahre später, unterwegs surfen, muss ich über die damalige Zeit schmunzeln. Einkaufszettel schrieb ich 2009 noch in mein Handy, ohne die Daten während des Einkaufs mit dem aktuellen Bestand im Kühlschrank abgleichen zu können. Auch waren die Miniprojektoren an Handys unbekannt, die Informationen und Rezensionen direkt auf die Verpackung projizieren. Aber es funktionierte trotzdem alles bestens. Mein Auto schickte nicht ungefragt eine Kurzmitteilung an meine Werkstatt, um sie über den nächsten Ölwechsel zu informieren. Meine Freundin konnte mich nicht einfach orten und am Handy anskypen. Mir blieben indirekte Vorwürfe erspart. „Wieso willst du das Video nicht anmachen? Wo steckst du denn?“, sagte sie erst neulich wieder zu mir, als ich in einer mobilfreien Zone saß. Dass in einem Amt die Ortung deaktiviert ist, wusste sie nicht. Vielleicht hab ich nur eine nostalgische Phase, aber vielleicht bräuchten wir diese ganzen Spielereien auch heute gar nicht. Wer weiss...
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