Ich habe gestern den Beitrag von Aaron Koenig zu direkter Demokratie und vor allem zum Minarettverbot in der Schweiz gelesen. Ich war absolut nicht seiner Meinung.
Mir kam allerdings nicht in den Sinn, ihn für einen Rechten zu halten. Ich habe seinen Blog (aaron-koenig.blogspot.com/2009/11/respekt-fur-die-schweiz.html) erst gelesen, als er den Link zu einer, wie er es nennt, "rechtskonservativen" Seite mit knapper Entschuldigung entfernt hatte, um ihn durch eine Erklärung kritischer Muslime zu ersetzen - die nicht sonderlich von Belang war, aber auch nicht faschistoid.
Nach der Lektüre in dieser Form schien es mir seltsam, wie schnell Koenig in die oft zitierte "rechte Schmuddelecke" gestellt wurde. Seine Aussagen waren kontrovers, die meisten Gedankengänge waren in meinen Augen zu kurz oder falsch, aber sind sie deshalb rechts?
Natürlich, er argumentierte mit rechten Zitaten, aber seiner Behauptung nach unwissentlich. Über die Wahrheit in dieser Behauptung sage ich hier nichts, aber wenn ich davon ausgehe, dass Herr Koenig ehrlich ist, kann ich daraus eins schließen: Herr Koenig und dann vielleicht auch andere Nicht-Rechte erkennen ein Zitat eines Rechten nicht ohne den Kontext. Ergo können sie sogar der Meinung sein, die in dem Zitat ausgedrückt wird.
Ich will sagen: Wird ein Argument oder eine Idee rechts, weil sie von einem Rechten verwendet wird? Ist es unsere Pflicht, jeden Anhänger solcher Ideen sofort als Rechten zu bezeichnen und aus der anständigen Debatte gemeinschaftlich auszuschließen? Ich bin nicht der Meinung (wie man sich denken kann).
Die Rechten denken zu wenig und falsch. Würden sie über ihren Nonsens mehr und offener nachdenken, wären sie nicht mehr rechts. Aber wenn wir als Linke und Liberale in eine Reflexhandlung verfallen und ihre Argumente unbesehen abschlagen, begeben wir uns auf ihr Niveau. Unsere Pflicht als denkende Demokraten sollte viel mehr darin bestehen, zu zeigen, dass rechte Argumente falsch sind, nicht weil sie rechts sind, sondern weil sie dumm sind.
Es gab hier in Bremen vor einiger Zeit eine Initiative von jungen Linken, die sich ungefähr "Keinen Meter den Nazis!" nannte und zum deutlicheren Protest gegen rechts aufrief. Und ich glaube, mehr als Meter auf der Straße zählen dabei Meter in der Diskussion. Also hören wir auf, den Nazis Meter zu geben.
Ausgabe 06/12
09.02.2012
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