Ich bin ein Vertriebener. Jedenfalls nach dem Verständnis der Vertriebenenverbände. Ich bin in Münster geboren und in Bremen aufgewachsen - genauso, wie meine Mutter in Bremen aufgewachsen ist. Meine Vater stammt wie der Rest seiner Familie aus einem wunderschönen Nest zwischen Karlsruhe und Pforzheim. Trotzdem könnte ich mich als Vertriebenen betrachten. Aber warum sollte ich?
Auch wenn den Vertriebenen aus Schlesien und anderen ehemaligen Ostgebieten oft großes persönliches Unrecht angetan wurde, kann man nicht nur die provokante Politik von Frau Steinbach, sondern auch die Existenz der Vertriebenenverbände an sich als deplaziert bezeichnen. Das Gros der heutigen "Vertriebenen" besteht aus Menschen wie oben beschrieben. Menschen, die keinen Bezug zu dem Land haben, dass sie zurück fordern, und keine Erinnerung an das Unrecht, das angeblich ihnen angetan wurde.
Als de facto Angehöriger dieser selbsternannten Volksgruppe kann ich - und das mag der einzige Vorteil dieses ganzen Getues sein - einmal ganz klar meine Gedanken loswerden.
1.) Mitglied eines Vertriebenenverbandes ist man heutzutage nicht, weil man aus Polen vertrieben wurde, sondern
a) aus politischer Geltungssucht in Kombination mit einem Mangel an politischem Verstand, der den Erfolg in einer Partei unmöglich macht,
oder
b) aus rechtsnationalistischen Überzeugungen heraus - z. B. bezüglich der Grenzen Deutschlands - die selbst der kaisertreuen Jugend zu rückwärtsgewandt sind,
oder
c) wegen einer Kombination aus a) und b).
2.) Die Nachkommen der Vertriebenen aus den Ostgebieten sollten dankbar sein, dass sich die Reste der Bevölkerung Polens und die Sowjetrussen als bessere Menschen erwiesen, als statistisch gesehen der Großteil der Vertriebenen, und besagte Vertriebene einfach nur aus ihrem Gebiet entfernten, anstatt sie zu behandeln wie die Vertriebenen die Polen behandelt hatten. Die dazu notwendigen Gaskammern wären meist noch betriebsbereit gewesen.
Ausgabe 06/12
09.02.2012
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