Guten Morgen, meine Damen und Herren.
Wer glaubt, der liegt jetzt richtig. Jedenfalls meint dies so die erste Frau des Staates, die ja ich bin..., und nun endgültig entschieden habe. Der oder die, der dies oder das auch glaubt, liegt auf jeden Fall nicht falsch.
Aufgrund der Tatsache, dass ich versuche, mich mit dieser Tatsache wirklich anzufreunden, habe ich entschlossen, meinen Weg ins Amt zu bahnen. Ja, richtig. In dieses Kanzlerinnenamt.
Nicht, das ich nicht wüßte, wovon ich spreche. Ich brauche Brötchen am Morgen und muss dann und wann mal den Teekessel aufsetzen. Ansonsten soll das Volk Kuchen essen, bis es platzt. Mir, mit Nachdruck, wird es zu kalt innerhalb dieser Langeweile erregenden Normgesellschaft. Zwischen Mattscheibe und Punkt.de, was soll da großartig noch an passieren? Dumm durch Konsum und Gewalt in diesem oder jenen Land. Mich interessiert das nicht.
Vom Verfassungsschutz hätte ich dann gerne neue Auslegeware. Kleine Paragraphen im Tieffloor, unsachlich ausgerollt. Ein Sideboard mit Pflichtlektüre, etwa dem Grundgesetz der Republik über die ich dann gelaunt bin zu regieren. Nein, herrschen wollen wir hier nicht mehr. Das ist obszön.
Die Stores in der dritten und vierten Etage lasse ich einmal in der Woche bei Müllers Großwäscherei und Mangel auf Kosten der Bundeswehr reinigen. Die sind besonders pflegeleicht und kommen auf der Ostseite gut zur Geltung, wenn ich mal keine wirkliche Laune oder gar keinen Bock auf Geschichte habe. Das wäre dann auch Aufgabe der anderen. Geschichte und Kultur sollen zu meiner persönlichen Belustigung dienen. Ich werde mir einen Rikschafahrer anlachen, der sein Zirkuszelt im Vorgarten am Paul-Löbe-Haus aufschlagen kann. Jenseits des eisernen Vorratsdatenzauns.
Nein, ich meine es nicht ernst. Vielleicht vierzig Jahre zur Miete. Der ein oder andere Umbau wäre wohl notwendig, das gestehe ich zu. Integrationswillige Parteimitglieder aus dem Parlament schräg gegenüber könnten zu meinen unterkühlten Grillpartys kommen. So wie ich's mag. Uranstäbchen auf Kohkel-Fritten. Alles eine Sauce und die schön oben drauf. Zünftig soll's hier zu gehen, so wie in der fernen Heimat, da wo die Kraftwerke laufen und Endlager vor sich hingammeln.
Nur müde werde ich nicht mehr, ohne die beruhigenden Worte der Scharfrichter, die ihre Guillotine irgendwo zwischen der Villa Sarrazzin und dem einen oder anderen Unterschichtghetto aufgestellt haben und gegen mich wetzen. Dafür habe ich ja Parteifreunde. Eine nach dem anderen. Von Springer bis Bertelsmann. Ich krieg sie alle. Wenn nicht ins Bett, dann doch zur Weißglut.
Und irgendwann denke ich auch mal darüber nach, was Träume sind. Nicht die der anderen, sondern meine ganz alleine eigenen. Irgendwann, wenn ich genug vom arbeiten, regieren und durchhalten habe. Ach ja, die Politik. Wer braucht da noch Wahrheit oder warme Orte? Wer regiert hat's warm genug.
Bis dann mal wieder, auf Seiten jenseits jeden Grundgesetzes. Und Grüße in die Industriepolitik.
Einen schönen Tag, Auf Wiedersehen.
* Korrektur: Es müsste in Zeile 35 oder der dritten Zeile des siebenten Absatz anstatt "Unterschicht" natürlich, politisch korrekt, "Prekariat" heissen.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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