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Ganze sieben Minuten widmet die Tagesschau im Ersten Deutschen Fernsehen in ihrer Abendausgabe um 20.00 Uhr dem überraschenden Rücktritt von Margot Käßmann. In ein Blitzlichtgewitter getaucht, mit fester und bestimmter Stimme gibt die evangelische Ratsvorsitzende ihren Entschluß bekannt, von allen Ämtern in der EKD zurückzutreten. Es geht ihr um ihre Authentizität. Und damit ist auch schon alles gesagt.
Interessant und entscheidend ist die mediale Präsenz, die sie damit auslöst. Wie zum Anlaß eines plötzlichen Todes, berichtet die Tagesschau mit einem Rückblick auf ihre mit bestimmter Kontinuität wahrnehmbare Karriere als erste Frau an der Spitze einer Kirche in Deutschland. Ganz so, als würde sie von nun an nie mehr diese Rolle einnehmen können. Als würde kein weiterer Bericht über sie jemals gesendet werden können.
Das stimmt dann doch nachdenklich. Es ist das Verständnis einer auf mediale Präsenz ausgelegten Öffentlichkeit, das allerseiten nur zu oft bedient wird. Dabei waren es, am Beispiel ihrer Neujahrpredigt, klare Positionen und vermittelte Inhalte, die sie in ihrem Auftreten kennzeichneten und mit denen ihr es erfreulicherweise gelang einen ersten Atemzug einer spürbaren, gesellschaftlich begründeten Opposition zu schaffen, der anderenorts, in der Politik, fehlt.
Sicherlich, in diesem Punkt wird sie schwer ersetzbar sein. Aber das soll sie auch gar nicht, denn Margot Käßmann steht für einen selten gewordenen Typus Mensch: Jemanden, der uneigenützig und sachlich argumentiert und das nach Außen im Stande ist zu vertreten, was ihr oftmals im Anschluss vorgeworfen wurde: Ihre eigene Meinung.
In dieser Hinsicht ist sie denjenigen Protagonisten, die auf der einen Seite polemisch und aufrührerisch sich in den Medien produzieren, auf der anderen Seite beschwichtigend und ruhig haltend ihre Vorgehensweise über dieselben zu inszenieren wissen, um Längen vorraus. Nicht die Instrumentalisierung der Medien zu eigenen, höchst verfehlenden Zielen, sondern die Aufmerksamkeit erregend durch eigene Standpunkte. Dies fehlt den sich als politisch gebärdenden Protagonisten des Parlamentarismus in Gänze.
Wünschenswert, wenn sich mehr Menschen, egal welcher Philosophie sich selber zuzählend, an Margot Käßmann ein Beispiel nehmen würden. Letztlich an ihrer Konsequenz das zu tun, was man selbst für das Richtige hält. Ihr Rücktritt sollte denen Beispiel sein, die für ihr Handeln nicht einmal bereit sind, die Konsequenz zu denken.
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Frau Dr. Seltsam, oder, wie ich lernte meinen Rücktritt zu lieben?
Margot Käßmann, betont, wie Willy Brandt bei seinem Rücktrtt vom Bundeskanzleramt 1974, im Amt nicht erpressbar zu sein, um dann "erpresst" von Amt und Würden zurückzutreten. Seltsam, selten seltsam..... tschüss JP |
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Stimmt. Das ist die andere Seite der Medaille.
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Was ich mich frage (auch im Anschluß an den Kommentar von Alice Schwarzer im Spiegel): nur weil viele Männer in Rang und Würden die Impertinenz besäßen, nicht zurückzutreten, im Falle eines solchen Fehlverhaltens, bedeutet das, dass auch Frau Käßmann hätte ruhig bleiben können? Ich finde nicht und empfinde höchsten Respekt vor Frau Käßmanns Entscheidung.
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ich gehöre keiner kirche an aber...
aus sicht des patriarchats und des offensichtlich großen internen drucks verwundert einen frau käsmanns entscheidung nicht im geringsten. ein verkehrsdelikt hat für mich in diesem punkt keinerlei bedeutung in sachen glaubwürdigkeit und schon gar nicht politischer konsequenz, da der zwischenfall "ausserberuflichen dynamischen abfolgen unterlag". hier geht es um eine passende gelegenheit eine wirklich offen redende, kritische person ruhig zu stellen, geradezu abzuschieben. sie machte einen fehler, begann ein vergehen, das alltäglich vielen menschen passiert, der alkoholgenuss ist eine grenzenlose tatsache. frau merkel trinkt regelmässig wein, insbesondere, wenn sie im stress ist und die frau ist jeden tag im stress, das erklärt vielleicht einige ihrer fragwürdigen entscheidungen, aber im ernst: die dame hat mindestens einen chauffeur. der ex-bundeskanzler schröder hatte wohl jeden tag eine flasche wein neben seinem schreibtisch stehn... für mich gibt es viele gründe, warum politiker bzw. menschen des öffentlichen lebens zurücktreten sollten, weil sie offenkundig lügen verbreiten, korrupt agieren, sich geradezu selbsterdrosselnd winden, etc.., doch die meisten von ihnen sind ab einer gewissen position geradezu unantastbar, unberührbar, es sei denn, ihren nachfolgern und neidern gelingt es sich mit allen mitteln durchzusetzen. allein frau käßmanns kritische äusserungen bzgl. der militärischen afghanistaneinsätze verdienen respekt, insbesondere hier war sie jüngst bereits vielen ein dorn im auge. man sollte mal unangekündigte drogen- u. alkoholtests in berlin, strassbourg und brüssel durchführen...und schon hätten wir ein gigantisches und mannigfaltiges austauschprogramm mit massenrücktritts-live-übertragungen aktiviert, was ja nicht schaden könnte. |
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Ja, war interessant zu verfolgen, wie Frau Käßmann die Tagesschau durcheinanderbrachte.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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