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Die Europäische Union bleibt oft ein Buch mit sieben Siegeln, und Brüssel wird häufig als Synonym für Bürgerferne und Lobbyismus benutzt. Ich möchte mit diesem Blog eine Reihe starten, in der ich Menschen vorstelle, die rund um die EU arbeiten. Was passiert in Brüssel? Wer arbeitet da? Wieso erfahren wir so wenig aus Europa? Wie sind die Abläufe? Wie viel Einfluss haben die Lobbyisten wirklich? Und was macht Brüssel eigentlich aus?
Diese und weitere Aspekte möchte ich mit unterschiedlichen Gesprächspartnerinnen und -partnern erläutern. Dabei geht es mir darum, dem anonymen EU-Betrieb menschlich fassbare Konturen zu verleihen. Wer dazu Anregungen hat oder bestimmte Fragen erörtert haben möchte, kann mir gern eine PN schicken.
Meine erste Interviewpartnerin: Teresa, 33, Journalistin aus Schweden
Ich habe mich mit Teresa im Stoemelings verabredet, einer kleinen, typisch belgischen Kneipe am Place de Londres. Fünf Minuten entfernt vom Europäischen Parlament und am Rande des afrikanisch geprägten Viertels Matonge gelegen, trifft sich hier ein gemischtes Publikum aus Belgiern, EU-Menschen und anderen Zugewanderten. Ich setze mich an einen einfachen Holztisch, bestelle einen Lait Russe - die belgische Variante des Milchkaffees. Pam, die Kneipenbesitzerin, diskutiert am Nebentisch die Zubereitung tibetanischer Speisen mit zwei Asiatinnen, während ihr einziger Mitarbeiter mir den Kaffee zubereitet. Pams Familie stammt aus Tibet, sie selbst ist in Belgien aufgewachsen. Auch ihr Mitarbeiter kommt aus einer asiatischen Einwandererfamilie. Ich rede hier immer Französisch - man kommt sich doch etwas komisch vor, wenn auch mit Belgiern immer englisch oder deutsch gesprochen wird.
Das Wetter ist grau, und durch die dunkle Holzverkleidung ist es in der Kneipe noch dunkler, nur die Spiegel an der Rückwand reflektieren das Licht. Teresa kommt pünktlich, wirkt aber gestresst. „Seit dem Beginn der Griechenlandkrise hat mich unsere Finanz- und Wirtschaftsredaktion für sich gebucht“ erklärt sie leicht außer Atem. Sie arbeitet seit Januar für eine der beiden großen schwedischen Tageszeitungen als Korrespondentin, war vorher als eine der typischen Bauchladenjournalistinnen für verschiedene Publikationen in Brüssel als freelancer tätig. Insgesamt ist sie bereits seit fünf Jahren in Brüssel. Ich lasse sie etwas zur Ruhe kommen, bevor ich ihr meine Fragen stelle. Sie bestellt sich einen Rotwein, legt das Handy auf den Tisch. Die Familie wolle noch aus Schweden anrufen. Für mich ist das natürlich kein Problem.
Ich erkläre ihr, was ich genau vorhabe und auf welcher Plattform ich den Blog schreibe. Sie tippt etwas ins Handy, bevor wir anfangen. Ob es schon immer ihr Wunsch gewesen sei, in Brüssel zu arbeiten? „Ich bin eine typische Europäerin“ antwortet sie. „Meine Mutter ist Spanierin, mein Vater halb deutsch, halb dänisch - und ich bin in Schweden aufgewachsen. Ich ging später in Frankreich zur Schule, war dann in Spanien. Ich wußte daher schon früh, dass ich meine Sprachkenntnisse nutzen wollte. Als ich dann vor der Wahl stand, habe ich mich gegen ein Studium als Übersetzerin entschieden und für den Journalismus.“ Ihr sei es wichtig gewesen, selbst etwas aussagen zu können, und nicht nur Meinungen anderer wiederzugeben. Den Schwerpunkt EU-Journalismus habe sie dann gewählt, weil Europa schon damals als wenig attraktiv galt unter Journalisten. Dies schien ihr die richtige Nische zu sein, um trotz des Konkurrenzdrucks in der Medienwelt einen interessanten Job bekommen zu können. So sei sie dann auch für ein Praktikum nach Brüssel gekommen und ist gleich geblieben.
„Die EU sehe ich sehr pragmatisch.“
„Was bedeutet die Europäische Union dann für Dich?“ stelle ich die nächste Frage. Europa sehe sie eher pragmatisch, antwortet sie. Da Schweden ja sehr spät der EU beigetreten sei, hätte auch sie nicht diese emotionale Verbundenheit wie viele Deutsche oder Franzosen. „Das Friedensprojekt Europa hat sicherlich große historische Bedeutung, aber die Menschen halten Frieden mittlerweile für etwas Selbstverständliches. Die Zeit schreitet voran, und die Menschen müssen vom Sinn der Europäischen Union mit anderen Argumenten überzeugt werden. Ganz pragmatisch, auch kritisch. Mit sentimentalem Pathos kommen wir nicht weiter.“ Sie stelle Leuten immer die praktischen Vorteile der Europäischen Union dar, beim Umweltschutz, der Bekämpfung der organisierten Kriminalität oder bei Krankheitsepidemien. Dies seien alles Probleme, die nationale Grenzen ignorierten. Da sei die europäische Harmonisierung in vielen Fällen sehr hilfreich. Aber man dürfe auch die Probleme nicht verleugnen. So sei heute niemandem mehr zu vermitteln, warum das Europäische Parlament einmal im Monat in Strassburg tagen müsse.
Welche Themen sie denn schwerpunktmäßig bearbeite? „Nun, als Korrespondentin muss ich alle politischen Bereiche abdecken, im Moment ist es halt sehr viel Finanz- und Wirtschaftspolitik. Vorher habe ich mich schwerpunktmäßig mit der Innen- und Rechtspolitik sowie der Außen- und Verteidigungspolitik beschäftigt. Aber grundsätzlich versuche ich den Leuten bei allem zu erklären, warum Entscheidungen auf europäische Ebene getroffen werden und welche technischen wie rechtlichen Probleme es bei deren Umsetzung gibt.“ So benötige das eine Land die Zustimmung des Parlaments, ein anderes müsse in einigen Fällen ein Referendum abhalten - und Deutschland habe ständig Probleme mit dem Verfassungsgericht, das es in Schweden z.B. nicht gebe. Ein Europäischer Konsens brauche daher Zeit, er müsse zwischen den Europäischen Institutionen und den Mitgliedstaaten ausgehandelt werden. Das müsse erstmal dargelegt werden.
„Es ist ein ständiger Kampf, Europäische Themen in die Zeitung zu bekommen.“
An dieser Stelle des Gesprächs meldet sich ihr Telefon. Während sie das Gespräch führt, bestelle ich mir einen weiteren Kaffee und schaue mich um. Das Publikum hat gewechselt, es sitzen einige spanische Abgeordnetenmitarbeiter am Fenster, am Tisch daneben feiern einige junge Belgier. Die beiden Frauen neben uns geniessen mittlerweile so etwas wie tibetanische Ravioli. Schließlich beendet Teresa das Telefonat lächelnd, aber etwas erregt: „Das war meine Redaktion. Sie wollen, dass ich am Sonntag die Titelstory schreibe. Der Sondergipfel zur Griechenlandkrise.“
Ich schließe meine Frage an, wie denn generell die EU in Schweden wahrgenommen werde? „Kaum. Sonst ist es sehr schwierig, überhaupt Artikel über Brüsseler Politik in die Zeitungen zu bekommen. Ehrlich gesagt bin ich eigentlich etwas frustriert darüber, immer dafür kämpfen zu müssen, dass meine Artikel gedruckt werden.“ Schweden hätte der Beitritt zur Europäischen Union nun mal nicht besonders verändert, daher sei das Interesse gering. Folglich gebe es in Brüssel auch mehr maltesische Journalisten als schwedische. Was dazu führe, dass sie als einzige Korrespondentin der großen schwedischen Tageszeitungen für die schwedischen Politiker auf europäischer Ebene von enormer Bedeutung sei - als freelancer sei sie nicht so beachtet worden.
Ohnehin nutze die schwedische Politik die EU vorwiegend als Ausrede. „Wenn sie etwas unpopuläres durchsetzen, dann liegt es an Europa - und wenn sie eine andere Entscheidung nicht treffen wollen, dann geht es nicht, weil Europäische Gesetze es verbieten. Dabei will ich doch von der schwedischen Politik, dass sie schwedische Interessen in Brüssel vertritt und annehmbare Kompromisse aushandelt.“ Mittlerweile hätte sich allerdings gezeigt, dass auch kleinere Länder ihre Interessen durchsetzen könnten, wenn sie eine Vermittlerrolle einnehmen. Einem schwedischen Vorschlag könne mitunter eher zugestimmt werden als einem deutschen, französischen oder englischen, selbst wenn er inhaltsgleich sei.
„Ich liebe Brüssel!“
Ich frage sie, ob ihr Brüssel eigentlich gefällt. „Ich liebe es!“ antwortet sie enthusiastisch. „Brüssel ist voll Leben, Musik, Kunst, Kultur, es ist ständig etwas los. Eigentlich lebe ich ja im Euroland, habe täglich mindestens 30 unterschiedliche Nationalitäten um mich. Und Brüssel ist ja ohnehin multikulturell geprägt, Flamen und Wallonen organisieren viele Festivals. Außerdem sind die Opernhäuser toll, und ich liebe Oper.“ Belgien habe zwar einen chaotischen Ruf, aber eigentlich sei es sehr liebenswert. Letztlich hätten die Belgier die Fähigkeit, in den aussichtslosesten Situationen noch irgendwie einen Kompromiss zu finden. Einzig der Wohnstandard würde sie ab und an stören, das sei mit Deutschland oder den skandinavischen Ländern wirklich nicht zu vergleichen.
Ich lächle, jeder Expat kennt die Probleme mit Warmwasserboilern, Heizungen und undichten Fenstern. Wir lassen das Gespräch bei einem Glas Rotwein ausklingen und machen uns anschließend auf den Weg zum Place Lux - eigentlich Place Luxembourg, einer stark frequentierten Ansammlung von Bars direkt vor dem Europäischen Parlament. Teresa will noch eine dänische Freundin treffen, für mich liegt es auf dem Heimweg. Die Freundin arbeite als freelancer, wie sie selbst zuvor. Als wir ihr vor einer weniger überlaufenen Kneipe des Platzes begegnen, führen wir die Unterhaltung kurz auf dänisch fort und Teresa berichtet vom Interview. Die Kollegin erzählt, dass sie demnächst auch Beiträge für ein Radioprogramm produzieren soll und dafür noch witzige Anekdoten suche. Ich schlage die berühmten Haikus des belgischen EU-Ratspräsidenten van Rompuy vor, als sich Teresas Handy mit einer SMS meldet. Ein Freund hat ihr geschrieben, die Freitag Community sei absolut lesenswert und sie hätte mit dem Interview nichts falsch gemacht. Ich rate ihr, den Blogbeitrag abzuwarten, verabschiede mich und unterquere das Europäische Parlament - die Arbeit wartet.
Das Gespräch wurde auf englisch, in kleinen Teilen auf dänisch geführt. Den Inhalt habe ich sinngemäß übersetzt.
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Nett gedacht und geschrieben und ich freu mich drauf, mehr über Brüssel, bzw.die EU zu erfahren, die tatsächlich bisher auch für mich bisher so etwas geblieben ist, wie ein Buch mit 7 Siegeln. Ob die Blogs der Community nun wirklich alle so toll sind, habe ich gerade bezweifelt, nachdem ich den Burka-Blog unter Qualen durchgelesen hatte. Aber ich bin sowieso ganz neu im Internet, benutzte Computer nur wegen meiner Schreibleidenschaft. Aber mit dem Bloggen ist jedenfalls eine mediale Gegenströmung von unten eröffnet worden, d.h.soz. unendlich viele kleine "Geysire", oder wie man diese Dinger nennt.springen da von unten aus dem Boden. Und das, denke ich, hat begonnen die Art totalitärer Machtmöglichkeit von oben von unten her zu duchbrechen, die in der Geschichte der Menschheit bisher so unanfechtbar war. Hoffe ich jedenfalls. Ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten, Starker Kaffee, aber ich denke, Sie sind ein Idealist und Menschenfreund, sonst hätten Sie sich nicht mit jedem einzelnen Burka-
Kommentar so demütig und gewissenhaft auseinander gesetzt. Da kann die Community, finde ich, froh und dankbar sein, über so einen, wie Sie ! Anonym ist natürlich auch immer ein bisschen Burka, aber vielleicht ist ja ein bisschen Burkanismus, da, wo er hinpasst auch ganz angebracht. Nur so,wie er jetzt in säkularisierten Gemeinschaften sich Bahn brechen will, finde ich ihn primitiv und gewalttätig. Und das Schlimmste daran finde ich, dass man sich das kaum traut, in der Öffentlichkeit zu sagen, weil man dann schon überlegen muß, ob man damit schon mörderische Wut ausgelöst haben könnte. Aber je mehr Menschen sich vom Gewaltdenken den Mund verbieten lassen, desto mehr gewinnt das Gewaltdenken dann wieder an Boden ! Ich finde sowieso, die Menschheit sollte endlichmal ihr gesamtes Existenzproblem auf das Problem der Gewalt hin fokussieren und überlegen, ob Gewalt überhaupt etwas spezifisch Menschliches ist, oder vielleicht nur ein Symptom einer schon lange währenden Degeneration ! |
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Danke, schön zu wissen, dass diese Form des Blogs auf Interesse stößt.
Zur Burka will ich hier nichts sagen, die Diskussion wurde und wird ja an anderer Stelle geführt. Ich will Ihnen aber recht geben, dass die Anonymität des Internets es ja im Positiven ermöglichen sollte, sachlich über Themen zu diskutieren und Argumente auszutauschen, welche man vielleicht am Arbeitsplatz so nicht diskutieren würde. Es ist schade, dass einige Nutzer diese Plattform nutzen, um statt der Argumente oder der Meinungen die Person zu kritisieren. Das ist dann die negative Seite dieser Form der Anonymität. Aber Gewalt, auch in verbaler Form, sollte man möglichst nicht mit Gegengewalt beantworten, das führt nur zur Eskalation und zur eigenen Radikalisierung. Daher ruhig und sachlich bleiben, und die Dinge einfach mal stehen lassen. Der eigene Standpunkt bleibt ja bestehen, er steht allen zur Lektüre offen. Das ist der Fortschritt der Community: Jede Stimme kann gehört werden, unabhängig von der sozialen Stellung des Einzelnen. Eigentlich die Grundlage für wahre Demokratie, oder? |
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Ja, die Blogs bieten auch für mich eine gute neue Möglichkeit, mich selbst kritisch unter die Lupe zu nehmen und das mit der verbalen Gewalt und Gegengewalt ist ein guter Rat. Das Problem mit dem Stehen lassen ist nur:Jeder möchte was anderes einfach nur so stehen lassen.
Nicht hier, aber woanders lassen z.B. Menschen etwas "einfach so stehen", was ich unbedingt erwähnenswert, ja klärungsnotwendig empfinde.Und da vermisse ich manchmal bei anderen die Sensibilität, die Redlichkeit, die Aufrichtigkeit und den Mut. Diese Problematik stellt sich aber in den Blogs hier ja nicht so stark, weil die Leute ja anonym sind. Daran habe ich mich ert einmal zu gewöhnen. |
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Das ist richtig. Ich denke, es sollte auch nicht alles hingenommen werden. Aber wenn Standpunkte klar gemacht wurden, und man zu keinem Konsens kommt, dann können die Meinungen ja weiter nebeneinander stehen bleiben. Dinge anders zu sehen oder anders zu bewerten ist ja ein normaler demokratischer Vorgang. Man braucht sie dann nicht ständig zu wiederholen, das führt dann in der Tat nur zu persönlichen Angriffen.
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Ich finde den Blog sehr interessant und unterhaltsam zu lesen.
„Das Friedensprojekt Europa hat sicherlich große historische Bedeutung, aber die Menschen halten Frieden mittlerweile für etwas Selbstverständliches. Die Zeit schreitet voran, und die Menschen müssen vom Sinn der Europäischen Union mit anderen Argumenten überzeugt werden. Ganz pragmatisch, auch kritisch. Mit sentimentalem Pathos kommen wir nicht weiter.“ Das ist sicherlich wahr, aber mit reinem Pragmatismus sind die Menschen auch nicht zu begeistern. |
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Danke - die Frage, wie man für Europa begeistern kann, wird von anderen Interviewpartnern sicherlich anders beantwortet werden.
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Ich denke "Pragmatismus" und "sentimentales Pathos" sollten sich nicht als Gegensätze verstehen, sondern als zwei Seiten einer Medaille. Was ich immer wieder schmerzlich und frustriert erfahre, ist einerseits das Abhandensein gesunder Emotionen und andererseits dasjenige klarer ,
tiefgründiger und allumfassender Einsichten. Ich sehe schon lange, dass wir, besonders hier in der westlichen Welt, seit der Geometrie der Griechen, die ja ansich ein geistiger Fortschritt war, in Europa einen einseitigen, ungesunden Pragmatismus entwickelt haben, der dann in der Philosophie von Descartes und noch schlimmer des Francis Bacon eskalierte und von dem die Psyche des Mehrheitsmenschen bis heute wie ich meine, negativ beeinflußt wird. Einmal ganz platt gesprochen: Gefühlvoll sei dumm und klug sei, wenn Gefühl keine Rolle mehr spielt. Aber mit dem "Mehrheitsmenschen" meine ich eben nicht abfällig den "Pöbel", sondern ganz im Gegenteil z.B. die immer noch allseits bewunderte orthodoxe Wissenschaft, die umso mehr bewundert wird, als sie Menschlichkeit , Emotionalität im guten Sinne wie Empathie, Mitgefühl, Intuition, die besten menschlichen Eigenschaften also, ausschließt ! Und da wünsche ich mir eine Europäische Politik, Europapolitiker, die menschlicher sind, meinetwegen emotionsgeladen, im Gegensatz zu den kühlen Pragmatikern, die immer nur das kleinste Übel versuchen anzusteuern, die nächste Seite des gleichen Buches aufzuschlagen, anstatt selbst mit Intuition und heißem Herzen und dem entsprechenden Mut etwas ganz Neues zu wagen. Ein bisschen Hoffnung hat mir da z.B. die Ernennung von Carme Chacon zur ersten Verteidigungsministerin Spaniens Hoffnung gemacht, die sich selbst als Pazifistin bezeichnet und erst einmal die Widerstandskäpfer aus der Franco-Ära ehren ließ, zu denen auch ihr Großvater gehörte. |
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Ich sehe das auch so, und ich denke, Teresa meinte mit pragmatisch auch nicht, dass es keine emotionale Überzeugungsarbeit geben sollte. Denn Vorurteile, Bilder von der EU werden ja durch Emotionen gebildet - weniger durch Argumente, was auch daran liegt, das emotional festverankerte Einstellungen zur Ablehnung widersprechender Argumente führen. Insofern ist die Begegnung mit Menschen, die Erfahrung der europäischen Integration fast wichtiger. Vor allem für Journalisten, die ja den Stil und die Sprache wählen, mit der sie über die EU berichten - und die ist meistens eher negativ.
Was emotionale Politiker angeht, so geben ihnen die Regeln der medialen Öffentlichkeit Verhaltensmuster vor, die dort, wo sie emotional wirken sollen, meist aufgesetzt wirken. Wahre Emotionen zu zeigen könnte in der Öffentlichkeit angreifbar machen, macht aber den einzelnen authentisch. |
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Ich weiß jetzt ehrlich gesagt nicht, was Sie da "auch so" sehen und zum ersten mal verstehe ich wirklich nicht, was genau Sie eigentlich sagen wollten. Was meinen Sie mit "emotionaler Überzeugungsareit ?" Ich kann mir darunter nur so etwas vorstellen,wie diese Bratpfannen-oder Putzmittelverkäufer in den Fußgänerzonen, die mit selbiger die letzteren an die Hausfrau bringen müssen. So etwas habe ich aber nicht gemeint.
Ich könnte jetzt alle folgenden Sätze auf ähnliche Weise durchgehen, aber das macht dann keinen Spaß mehr. Ich kann aber sagen, dass ich vermute, dass Sie da etwas gesehen haben müssen, was ich garnicht gemeint habe. Es ist eben doch nicht so einfach, sich über so einen blog zu verständigen. Dieser Abendländische Sachlichkeitsanspruch ist aus meiner Sicht schon deshalb eine Wahnidee, weil wir ganz einfach Menschen sind und keine Sachen. So kann dann im Extremfall die Pharmainustrie Tiere auch als "schmerzfähige Materie" bezeichnen. Jetzt war ich aber natürlich in Ihrem Sinne wieder furchtbar unsachlich und hab mich nicht an das Thema EU gehalten. Aber bei der EU fällt mir eben auch mal sowas ein. Ja, by the way, da sieht man mal, dass etwas Positives einem da garnicht erst in den Kopf kommt ! Wer weiß, wie bitter notwendig es vielleicht ist, dass Sie jetzt mal versuchen, über die Menschen zu berichten, die das Theater da aus nächster Nähe miterleben ! |
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Ok, versuche mal, meinen verwirrenden Beitrag zu entwirren.
"Ich sehe das auch so": Wollte damit ausdrücken, dass mir das rein sachliche, rationale zu wenig ist. Menschen nur rational überzeugen zu wollen, reicht nicht aus. Daher meinte ich auch mit "emotionaler Überzeugungsarbeit", dass es Erlebnissen, Empfindungen, Erfahrungen bedarf, um Menschen wirklich nachhaltig vom Sinn Europas zu überzeugen. Ein Beispiel: Es ist eine Sache, über die theoretische Fördermöglichkeit eines grenzübergreifenden Sozialprojektes informiert zu sein - etwas völlig anderes, mit anderen Menschen an so einem Projekt teilzunehmen, es zu erleben, zu organisieren. Ich hoffe, das klärt ein wenig auf, ich habe mir vorhin wohl nicht genug Zeit gelassen. In der Tat will ich mit dieser Blog-Reihe der EU ein menschliches Gesicht geben, ich hoffe, das wird mir gelingen. |
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Ja, so sind wir wieder auf einem Nenner. Überdies: Carme Chacon lässt bei den Trauerfeiern anlässlich gefallener spanischer Soldaten ungeniert die Tränen fließen, steht aber nach der Beliebtheitsskala der Politiker im Macho-Land Spanien gleich an zweiter Stelle und wird als wichtiger "young global player" gelistet.
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ja, so sind wir wieder auf einem Nenner. Überdies: Carme Chacon, die bei Trauerfeiern für gefallene spanische Soldaten ungeniert die Tränen fließen lässt, steht auf der Beliebtheitsskala der Politiker im Macholand Spanien gleich an zweiter Stelle und wird als wichtiger "Young Global Player" gelistet.
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Gerne mehr.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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