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Vorgestern hatte ich es bei telepolis noch geunkt: Die Tatsache, dass da im fränkischen Ansbach wieder ein Amoklauf passiert ist, wird erste Mutmaßungen über eventuell vorhandene "Killerspiele" beim Täter schnell nach sich ziehen. Und dass solche mittlerweile zuerst von dejnenigen kommen, die diese befürchten: das könnte direkt in eine selffulfilling prophecy führen:
1. Etwas passiert.
2. Jemand befürchtet, dass das mit "Killerspielen" in Zusammenhang gebracht wird und veröffentlicht diese Befürchtung im Internet.
3. Jemand sucht im Internet nach der Tat und dem Begriff "Killerspiele" und findet die Befürchtung aus Nr. 2.
Und schon besteht ein Zusammenhang, der dann geglaubt und verbreitet wird. Klingt alles zu unwahrscheinlich und zu konstruiert? Von wegen!

(Quelle: Bild-Blog)
Spannend ist nun, dass bei dieser self-fulfilling prophecy das Schräubchen sogar noch ein Stück weiter gedreht wurde, indem die Befürchtung aus Nr. 2 gleich in Form einer Persiflage auf die Behauptung Nr. 3 aufgetaucht ist.
Man darf gespannt sein, wie es weitergehen wird. Die Simulation frisst ihre Kinder ...
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Jaja, die Killerspiele sind an allem schuld. Übrigens standen in den siebiger Jahren (des letzten Jahrhunderts) Märchen im Verdacht, Kinder gewalttätig zu machen.
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Dieser Mechanismus, also die Angst vor der bösen Wirkung eines jeweils neuen Mediums, lässt sich weit in die Kulturgeschichte zurückverfolgen. Denken Sie einmal an den so genannten "Werther-Effekt" ( de.wikipedia.org/wiki/Werther-Effekt ), die Diskussionen um "Schund-Literatur" ( de.wikipedia.org/wiki/Schundliteratur ), die Kampagne gegen den Film ("Kinoreformbewegung"), das Misstrauen gegen die Rockmusik, die regelrechten Kreuzzüge gegen Comics, die Angst vor den Horror-Videos, ...
Und heute haben wir uns an all diese einstmals Bösen Medien gewöhnt und werden - mehr noch - sogar ganz melancholisch, wenn wir die Entwicklung mit den "Killerspielen" sehen: "Was ist nur aus der Jugend geworden. Früher habe ich unter einem Baum gesessen und einen Roman gelesen", hat mir mal eine Diskutandin einmal gesagt. Mit "früher" hat sie wahrscheinlich nicht die Zeit vor dem 18. Jahrhundert gemeint, in dem sie als bekennende Roman-Leserin mit Problemen hätte rechnen müssen. Es ist also damit zu rechnen, dass beim nächsten Medium, das nach dem Videospiel kommt, dieses in den Kanon der "unschädlichen Medien" eingereiht werden wird, um es in Feld gegen das neue, böse Medium zu führen. Dass dieser Prozess medienhistorisch interessant zu beobachten ist, macht ihn nicht weniger ärgerlich für zeitgenössische Mediennuter. |
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Solch einen Beitrag meinte ich übrigens oben im Text:
www.game7.de/pc/3499-killerspiele/news/n099lg4502--wurden-nicht-beim-amoklaeufer.php |
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Gestern Abend in den Nachrichten: Der Amokläufer von Ansbach sei aus dem Koma erwacht etc. Am Ende des Beitrags ein abschließender Satz: "Bei der Durchsuchung des Computers des Täters sind bisher übrigens (!) keine Gewaltvideos oder Killerspiele gefunden worden."
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Sie kennen den alten Empiriker-Witz mit der Erklärung von Phänomenen mittels Korrelation?
Man kann nur für das Bäckerei-Handwerk hoffen, dass beim Täter kein Brot gefunden wird. Es heißt nämlich, die anderen Amokläufer hätten auch alle Brot gegessen ... ;-) |
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Aua! Mit genügend Brot kann man auch Menschen lebensgefährlich verletzen oder sogar umbringen. Ich fordere ein sofortiges Brotverbot!
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@ Thyara:
Wenn keine Gewaltvideos und/oder "Killerspiele" bei dem Amokläufer gefunden wurden, so ist das womöglich noch viel gefährlicher. Schließlich haben andere Schüler der betreffenden und betroffenen Schule umso mehr Killervideos und/oder Gewaltspiele konsumiert und den jungen Mann daduch beeinflußt. Ich fordere daher ein sofortiges Verbot aller Schüler! |
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Treiben wir die Dialektik noch ein bisschen weiter:
www.gameswelt.de/news/40398-Amoklauf_ins_Ansbach_-_Keine_Action-Spiele_gefunden.html Vielleicht gibt es ja also doch noch "Schützenhilfe" für verbotswillige Politiker: Wenn sich der Ansbacher am Erfurter orientiert hat und dieser sich wiederum an "Killerspielen", dann hat sich indiret doch auch der Ansbacher ... (Satz bitte selbst vollenden, damit die agitatorische Eigenleistung nicht geschmälert wird.) |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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