5
]
Ich arbeite mit Microsoft Windows. Nahezu täglich. Seit fast 20 Jahren. Und ich bin kein technisch uninteressierter user, nein, ich habe mich immer für die Mechanik hinter dem Desktop interessiert: Einstellungen anpassen, customize, personalize. Schließlich auch ein bisschen schlau machen in diversen user-Foren: nichts wirklich Anspruchvolles, aber schon mal ein bisschen in die Autostart.bat gehen, sogar ein bisschen in der Registry herumfummeln - ok, das aber nur strikt nach Vorgabe und mit Schweißperlen auf der Stirn. Angefangen habe ich in den frühen 90er mit irgendeiner "grafischen Benutzeroberfläche" auf DOS-Basis: der Monitor konnte nur bernsteinfarben und schwarz. Goldig, im Nachhinein. Mit BASIC Bildschirmschoner "programmieren" - aufregend. Dann Windows 3.11, Windows 95, 98, 2000, schließlich XP. Seit vergangenem Wochenende Windows 7. Plötzlich fiel mir auf: Ich werde seit 20 Jahren von dieser Firma mit demselben Produkt abgespeist, das sie aber immer wieder als "grundlegend neu und anders" anpreist. Nicht dass ich was gegen unveränderliche Produkte hätte: Nutella, Maggi, Persil, Birkenstock-Latschen - all das gibt einem ja einen gewissen Halt im Alltag. Doch käme Nutella wohl nie auf die Idee, ihre Schokocreme upzugraden: Nutella XP, Nutella Vista. Absurd. O.k., es gibt permanent Kampagnen, Gimmicks etc. Aber das Basisprodukt bleibt invariant braun, nussig, fett, etwas klebrig, mit prägnantem Aroma. Jetzt geht mal in Windows 7 in die Systemsteuerung / Leistungsinformationen und -tools / Visuelle Effekte anpassen und wählt die Option "Für optimale Leistung anpassen". Schon habt ihr die gleiche, beruhigend sachliche, hellgraue, orthogonale Oberfläche und, im Wesentlichen, Funktionalität wie vor, sagen wir, 15 Jahren. Doch werden wir seit 20 Jahren gezwungen, uns neue, immer kostspieligere Varianten von Windows zuzulegen, nicht, weil Microsoft Geld machen will, nein, der Fortschritt in der Computertechnologie zwingt zu Anpassungen (sagt Microsoft). Aber, werden jetzt die geeks sagen, bullshit, es gibt doch wirklich Innovationen: Mausgesten, den dreidimensionalen Aero-Desktop und und ... ach, wirklich? Solange mir die Mausgesten keinen Text eingeben, kann ich auf sie verzichten. Und der Aero-Wahnsinn frisst nur Rechnerleistung und bringt funktional so viel wie der Einbau von Sportfelgen. Doch zeigt Windows 7 beispielsweise neu angeschlossene USB-Sticks weiterhin nicht automatisch als icon auf dem Desktop an. Dafür habe ich jedoch ein Hilfsprogramm im Internet gefunden. Es ist kostenlos. - Mich verblüfft, wie sehr ich mich während der Installation des Betriebssystems "Windows 7" immer noch den Mechanismen ausgeliefert fühle: sobald man ein wenig anfängt zu experimentieren, ich betone, ich bin kein Hacker, nur ein neugieriger Laie, beginnt es zu knistern, zu knacken, zu flackern, zu haken, schließlich zu drohen, zu zicken - Neustart, alles von vorne. Du böser, unartiger user! Füge dich, folge dem vorgegebenen Pfad, deine 20 Jahre Erfahrung und ein bisschen Programmierwissen geben dir noch lange nicht das Recht, hinter die Kulissen schauen zu dürfen, dich dem Mechanismus gar überlegen fühlen zu dürfen. Hier haben immer noch wir das sagen, du darfst an den profunden Innovationen von Microsoft Windows teilhaben, darfst mit ihnen arbeiten (bzw. dich an ihnen abarbeiten, hehe), aber wir geben dir nie, aber auch niemals, den Eindruck, dass die Software für dich arbeitet. Dass sie lediglich ein Werkzeug darstellt, dessen du dich bedienen kannst - oder nicht. Denn du hast keine Wahl: es gibt nur uns. - Ja, aber es gibt doch auch Apple, wird nun die andere Fraktion sagen, mit dieser tollen, und dann kommt das notorische B-Wort, Benutzerfreundlichkeit. Ist irgendwem schon einmal das unerträglich Herablassende dieser Wortschöpfung aufgefallen? Lieber user, wir könnten unfreundlich zu dir sein, aber nein, wir sind ja nicht so, wir haben uns entschlossen, freundlich zu sein, weil man zu einem freundlichen Händler lieber geht als zu einem arroganten Technokraten. Letztlich verkauft dann der freundliche Händler auch mehr Ware, setzt sich durch, brilliert, rückt vor an die Spitze des Feldes etc. Doch was bewirkt Benutzerfreundlichkeit à la Apple? Sie hilft uns dabei, zu vergessen, dass wir einen Mechanismus vor uns haben, ein Gestell im Sinne Heideggers. Das benutzerfreundliche Apple-Gestell biedert sich unseren Wahrnehmungsgewohnheiten an, es bringt sich, Stück für Stück, selbst zum Verschwinden, wir sollen es in seiner Gestellhaftigkeit nicht mehr wahrnehmen, es integriert sich mehr und mehr in unser Leben (ich wähle hier bewusst die akive Formulierung, nicht, weil ich paranoid bin, natürlich weiß ich, dass wir es sind, die die i-Gestelle aus dem Hause Jobs freiwillig in unser Leben integrieren), bis schließlich ein wirklich neuartiges Amalgam aus Mensch und Mechanismus entsteht. Irgendwann kann dann der Mensch nicht mehr ohne den Mechanismus z. B. mit anderen Menschen kommunizieren, sein Bankkonto führen, Steuern zahlen, sich orientieren etc., während der Mechanismus aber sehr wohl immer autonomer vor sich hinfunktioniert, wenn auch jenseits dessen, was für Menschen mit dem Begriff "Sinn" zu bezeichnen wäre. Und hier beginnt für mich der perverse Charme von Microsoft Windows: seine sture, plumpe, starre, fehlerbehaftete technoide Arroganz werde ich niemals mit einem Teil von "mir" verwechseln können, es wird immer etwas Fremdes, mir Entgegengesetztes bleiben. Gott sei Dank. Bzw. Mr. Gates.
|
|
Ein Artikel, der zum Schmunzeln Anlass gibt.
Zum Einen, weil er 2 Jahre nach Erscheinen von Windows 7 irgendwie verwirrt, ist doch der Nachfolger Windows 8 schon in der Pipeline und wird weltweit getestet, zum Anderen sicher, weil viele hier eigene gemachte Erkenntnisse wieder finden, deshalb erst einmal danke dafür. Andererseits sollte man die Gewichtung nicht aus dem Auge verlieren: nach neuesten Erhebungen hat Windows (alle Versionen zusammen) einen Marktanteil von über 92%, Apple (iPad sei Dank) von 7% und das vom Autoren vergessene LINUX das fehlende 1%. Von Benutzerfreundlichkeit bei Apple zu sprechen halte ich allerdings für ein Gerücht, kann doch ein langjähriger DOS-Winows-Benutzer an Apple verzweifeln, aber egal, ich möchte hier das Augenmerk einmal kurz auf Linux lenken, dem kostenlosen !! Betriebssystem mit über 60 Tausend kostenlosen !! Programmen, das weder Treiberprobleme noch Virenbefall kennt. Meine Empfehlung (besonders auch für ältere Rechner und Notebooks) wäre Ubuntu 11, das man hier kostenlos herunter laden kann, um sich eine Installations-CD zu erstellen: j.mp/pzlDnt Wer mehr über diese wirklich tolle Entwicklung wissen will, kann das hier nachlesen: j.mp/pdoZ0U Aber zurück zu den Fenstern. Mit Windows 8 wird vieles von dem, was der Autor oben schreibt, Vergangenheit sein. Die völlig neue Benutzeroberfläche von Windows 8 wird dann auch wieder Marktanteile von Apple zurück erobern, da sie auch den rasant steigenden Anteil der Tablett-PCs bedient, also Touch-Screens nicht nur halbherzig (wie Windows 7) unterstützt, sondern Apple like. j.mp/oC7WtV Wer Windows 8 testen will, kann sich eine Installations-DVD selbst erstellen, nachdem er die ISO-Datei hier herunter geladen hat (Geduld voraus gesetzt) j.mp/qxOZsM |
|
|
Lieber Blogger Namens, der Menschen einer,
Gestatten also, lieber dMe, Erst einmal vielen Dank für die Erinnerung an Linux, hatte fast vergessen. Aber leider gibt es wohl keine Linux-kompatible Videoschnittsoftware die mit AVID vergleichbar wäre. Zum Ärger über MS und seine Produkte gäbe es noch viel zu sagen. Z.B. das man Pakete kaufen muß, die beim Kauf einer Garage einem Zwang zum Erwerb eines Komplett eingerichteten Reihenhauses entspricht. Gesellschaftlich relevant ist mE noch mehr die Eingriffs- und Überwachungsmöglichkeiten. Da unterscheiden sich MS in nichts vom angebißnen Apfel - eigentlich auch ekelig. Also doch zu Linux wechseln? Wenn ich nur daran denke, um wieviel benutzerfreundlicher Outlookexpress war, als mein augenblickliches Thunderbird, dann frag ich mich? Allerbeste |
|
|
"Zum Einen, weil er 2 Jahre nach Erscheinen von Windows 7 irgendwie verwirrt, ist doch der Nachfolger Windows 8 schon in der Pipeline und wird weltweit getestet [...]"
Völlig richtig, daran sieht man, wie hoffnungslos ich meiner Zeit hinterherhinke. Und das ist genau eines jener notorischen User-Gefühle, die ich in diesem Artikel beschrieben habe. |
|
|
schrieb am
09.10.2011 um 16:09
Richtig, lieber UL :-),
eine parallele Installation von Linux und Windows wäre meine erste Empfehlung. Ein automatisch installiertes Bootmenü gewährt dann die Auswahl zwischen Ubuntu und Windows. Auch richtig: der BundesTrojaner hat neben anderer Schadsoftware bei Linux keine Chance, vielleicht eines der wichtigsten Argumente gegen Windows & Co. Und "Evolution" als eMail-Suite dürfte Dir auf Anhieb gefallen, kannst Du auch unter Windows einsetzen: j.mp/nN8nRn allerbeste..... |
|
|
schrieb am
09.10.2011 um 16:21
Wichtig: Windows muss vor Linux installiert sein denn Linux kann alle Windows-Partitionen erkennen und auch auf alle "Eigenen Dateien" zugreifen, umgekehrt ist Windows für alles "Fremde" blind oder nur zu blöde.
Sogar alle "Office-Dokumente" lassen sich im Linux-Office öffnen und bearbeiten sowie in Windows-Formaten abspeichern!!! |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen