8
]
Wir denken im Alltags-Ressort gerade an einer Geschichte über "bewusste Late Adopter" herum - also über Menschen, die sich dafür entscheiden, bei technischen Neuerungen erst einmal abzuwarten. Nicht aus technikfeindlichkeit, sondern weil sie damit gewisse Vorteile verbinden:
- Sie kaufen nur Dinge, die sie wirklich brauchen.
- Sie bekommen diese Dinge für weniger Geld als First Adopter, weil der Preis nach der Markteinführung normalerweise innerhalb eines Jahrs rapide fällt.
- Sie erhalten nur problemlos funktionierende Produkte, weil diese anders als ersteingeführte Produkte ausgereift sind.
etc...
Nun frage ich mich:
1. Bei welchen konkreten Produkten/Dienstleistungen lohnt es sich, in diesem Sinne zu warten?
2. Kennt jemand Menschen, die sich die Philosophie des bewussten Nachzüglers zu eigen gemacht haben und danach leben?
Bin auf Anregungen gespannt.
|
|
Lieber Steffen Kraft:
Zu Ihrer ersten Frage: Das Warten lohnt sich bei bei allen Produkten/Dienstleistungen, die der Mensch nicht braucht. Denn solange er unter den Ersten ist, kann er sie nur wenig oder gar nicht anwenden, da sie meist direkt oder indirekt der Kommunikation dienen. Erst wenn die Pioniere die Brücke gebaut haben, folgen, lange vor den Späteinsteigern, die Etwasspätereinsteiger. Die Trendsetter mit Neugier und/oder Technikfaibel. Wenn diese Menge ausreichend groß ist, glaubt der Mensch, die neuen Produkte/Dienstleistungen zu brauchen und beginnt, sich zunächst gedanklich (Enkel fragen) damit anzufreunden. Irgendwann kommt dann der 50, 60, 70, oder 80. Geburtstag, und das Warten hat ein Ende. Zur zweiten Frage: Ich kenne viele, die nach der Philosophie des bewussten Nachzüglers leben. Man erkennt sie an den Sätzen: Darf ich mal Dein Handy benutzen? Kannst Du mir diesen Film auf VHS umschneiden? Fax mir mal die Kopie. Hat mal jemand ne Briefmarke? Kannst Du mir die Mail irgendwie ausdrucken? Haben Sie die neue Kassette von Amy Winehouse? Der Fahrkartenschalter hatte geschlossen. Herzlich kk |
|
|
Das ist ja herrlich! Vielen Dank.
|
|
|
Diese Frage sollte unbedingt auch unter Genderaspekten betrachtet werden. Meine subjektive Erfahrung: Männer stürzen sich schneller auf technische Neuerungen. Warum? Aus Vorteilsgründen vermutlich. Aber welche sind die? Die Beherrschung (deutsche Sprache, ich liebe dich) der neuen Technik?
Ich selbst bin übrigens auch aus Faulheitsgründen ein notorischer technischer Nachzügler. Auch weil ich weiß, in den wichtigen, den nicht technischen Dingen, bin ich meistens schneller bzw. schnell genug. ;-) |
|
|
PS.
"bewusste Late Adopter" - hach, auch son Jungsprech. Angst, nicht mehr trendig genug zu sein? Oder einfach nur jugendliche Unschuld/Dummheit? (Deutsch zu reden ist nicht spießig!!) |
|
|
Liebe Titta:
So habe ich das auch beobachtet. Die Ersten, die mit handtaschengroßen Mobiltelefonen auf freier Wildbahn ein Netz suchten, waren Männer. So wie sie stundenlang ihr Armaturenbrett streicheln können (dabei zärtlich das Wort Cockpit murmelnd) oder versuchen, mit kräftigem Fingerschlag die Minitastatur der Netbooks zu treffen - das hat schon etwas Rührendes. Vielleicht liegt es an der Zeitökonomie, Frauen steigen erst ein, wenn die Kinderkrankheiten (in diesem Fall der Technik) erkannt und gehelt sind, wenn es genügend Kenner gibt, die den Kram erklären, installieren, reparieren können. Kurz: wenn Technik wirklich nützt. So sind die Aufgaben doch mal wieder trefflich verteilt. Herzlich kk |
|
|
Danke für den Hinweis. Der Gender-Aspekt ist wohl wirklich wichtiger als manche Marketing-Menschen glauben.
Und: Gegen Deutsch habe ich gar nichts. Da aber einige wohl schon mal was von First Adoptern gehört haben, ist der Late Adopter eher eine rhetorischer Kniff, um schnell klar zu machen, was gemeint ist. :-) |
|
|
Inzwischen kaufe ich technische Geräte nach Kürze der Gebrauchsanweisung.
|
|
|
PS.
Was nicht unerwähnt bleiben sollte. Der Spagat/die Angst meinerseits zwischen spätem Nutzen und so alt zu sein, daß man nicht mehr wirklich mithalten kann mit den neueren technischen Entwicklungen. Der Wettrennen-Charakter des Ganzen ist nicht zu leugnen. Und damit verbunden selbstverständlich die Angst, abgehängt zu werden. Aber wer gibt schon gerne seine Ängste zu?! |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen