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Der Konservative möchte das Gute bewahren und sich nicht bedingungslos einem zügellosen Zeitgeist ausliefern. Ein gutes Beispiel für eine derartige Einstellung verkörpert die katholische Kirche. Sie wandelt sich gerade deshalb nur langsam, weil sie nicht jede modische Entwicklung mitmachen möchte. Daraus bezieht sie einen entscheidenden Teil ihrer Legitimation und Faszination. Während um sie herum die Menschen vom Fernsehen verblödet und von der Allgegenwart des Internets terrorisiert werden, stehen die Werte dieser Kirche wie ein Fels in der Brandung. Evolution statt Revolution.
Die CDU hingegen scheint dem Zeitgeist hinterher zu laufen. So vertrat zum Beispiel Ursula von der Leyen als Familienministerin Positionen, die man vor einigen Jahrzehnten noch eher der SPD oder den Grünen zugeordnet hätte. In einer kürzlich veröffentlichten Umfrage, könnten sich zudem viele Menschen vorstellen, daß Angela Merkel auch als Vorsitzende der SPD eine gute Figur abgeben würde. Ein wenig schmeichelhaftes Kompliment für eine Unionspolitikerin.
Obwohl die progressive Einstellung anzuerkennen ist und der Partei auch auf dem Wählermarkt zumindest kurzfristig Erfolge beschert hat, muß überlegt werden, ob ein derartiger Kurs langfristig die richtige Strategie darstellt. Gegenwärtig besteht die Auffassung, daß die CDU einen ähnlichen Niedergang wie die SPD vermieden hat, weil sie in der Lage war, sich schnell genug an den Zeitgeist anzupassen. Möglicherweise stellt diese Anpassungsstrategie aber den Anfang vom Ende dar und führt die CDU geradewegs in die Krise.
Ein Blick auf die Geschichte der Partei, zeigt die Mechanismen und Strukturen auf, welche auch heute noch auf lange Sicht über Erfolg und Mißerfolg entscheiden. Helmut Kohl war sehr stark in der Partei verwurzelt und zeigte ein klares konservatives Profil.
Nicht zuletzt aufgrund dieser Eigenschaften regierte er 16 Jahre die Republik. Den Kontrast bildet Ludwig Erhard, der zwar in der Bevölkerung sehr beliebt war, aber in der Partei nicht über den nötigen Stallgeruch verfügte und, wenn man bestimmten Aufzeichnungen Glauben schenken darf, sogar niemals CDU-Mitlied war. In der Folge konnte er sich nur drei Jahre als Bundekanzler im Amt halten.
Angelas Merkel kann so beliebt sein, wie sie will. Im bestehenden politischen System der Bundesrepublik, ist sie maßgeblich auf die Unterstützung ihrer Partei angewiesen. Bleibt diese aus, dann wird sie die längste Zeit Kanzlerin gewesen sein.
Jürgen Todenhöfer, heute bekannt für sein humanitäres Engagement in Afghanistan und im Irak, warnte Ende der 1980er Jahre den damaligen CDU-Generalsekretär Heiner Geißler ausdrücklich davor, dem Zeitgeist hinterherzulaufen.
In seinem Buch "Ich denke deutsch. Abrechnung mit dem Zeitgeist" brachte er seine Sorge zum Ausdruck, daß die Union mit einer Zeitgeistpolitk mehr Wähler verlieren als gewinnen würde, da sie auf der einen Seite ihre konservative Basis verprellt und auf der anderen Seite nur marginal neue Wähler hinzugewinnt.
Nun wäre es natürlich legitim zu sagen, daß seitdem über 20 Jahre vergangen sind und sich die Verhältnisse grundlegend verändert hätten. Das haben sie natürlich auch, auf eine bestimmte Art und Weise. Dennoch kann die CDU ohne einen starken konservativen Kern nicht erfolgreich sein.
Wenn Angela Merkel dies nicht erkennt, dann wird es noch in der laufenden Legislaturperiode einen neuen Bundeskanzler geben, der auf den Namen Roland Koch hört. Es ist das große Dilemma von Angela Merkel, daß sie in einer Koalition mit den Liberalen mit ihrem großkoalitionären Regierungsstil, welcher ihrem Charakter entspricht, keine Pluspunkte mehr sammeln kann.
Vor allem die Bildung einer Vereinigung katholischer Abgeordneter, die noch zu Helmut Kohls Zeiten undenkbar gewesen wäre, sollte bei Angela Merkel alle Alarmglocken schrillen lassen. Die CDU läßt sich nicht als liberale Lifestylepartei führen. Sie kann am Ende nur überzeugend Wahlen gewinnen, wenn sie über ein klar zu erkennendes konservatives Profil verfügt.
Koch weiß dies nur zu gut und bringt sich mit provokativen Meinungsäußerungen in die Pole Position; und auch der getreue Christian Wulff, dem laut eigener Aussage der unbedingte Wille zur Macht fehlt, wäre sicher im Falle des Falles trotz gegenteiliger Aussagen nicht abgeneigt, Bundeskanzler dieses Landes zu werden.
Die Konservativen in der CDU haben sich über lange Zeit in der Öffentlichkeit zurückgehalten, auch wenn sie unter anderem der Rückzug von Friedrich Merz, der zu ihren Lichtgestalten zählte, sehr getroffen hat.
Auf lange Sicht werden sie in der Partei jedoch nicht zu überhören sein und irgendwann wird es allen wie Schuppen von den Augen fallen, daß die Union die 40 Prozent-Marke nur dann wieder überspringen kann, wenn sie als eine eindeutig konservative Partei auftritt.
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Ich konnte in Deinem Text keinerlei Ironie erkennen. Deshalb, denke ich, meinst Du das so, wie Du über die die CDU schreibst: "Obwohl die progressive Einstellung anzuerkennen ist und der Partei auch auf dem Wählermarkt zumindest kurzfristig Erfolge beschert hat, muß überlegt werden, ob ein derartiger Kurs langfristig die richtige Strategie darstellt."
Kannst Du mal diese "progressive Einstellung", die anzuerkennen sei, erläutern. Ich weiß nicht mal, was "progressiv" ist! Wenn ich das dann weiß, kann es auch mir "wie Schuppen von den Augen fallen, daß die Union die 40 Prozent-Marke nur dann wieder überspringen kann, wenn sie als eine eindeutig konservative Partei auftritt." |
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schrieb am
01.02.2010 um 20:03
Zur Untermauerung:
"Der Konservative möchte das Gute bewahren und sich nicht bedingungslos einem zügellosen Zeitgeist ausliefern." (stephan) Das ist sachlich nicht richtig und ungenau/schlecht ("zügellosen"; also mit Zügeln/Werte schon) geschrieben. "Lax", würde Adorno sagen, und die weitere Argumentation ist ... höchst konservativ, um es gelinde auszudrücken und nicht Satz für Satz zu kritisieren. |
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Dem zügellosen Zeitgeist sollten natürlich schnell Zaumzeug angelegt werden.
Nach Rauch-, Glühbirnen-, Minarettverbot nun bitte auch die zügellosen Burkas verbieten! Und brav an der Katholischen Kirche orientieren, die "nicht jede modische Entwicklung" mitmacht und ihren Priestern weiterhin die Ehe verbietet und durch das daraus folgende Sexualleben ihrer fürsorglichen Hirten "einen entscheidenden Teil ihrer Legitimation und Faszination" bezieht. 31.300 Ergebnisse für Sexueller Missbrauch Katholische Kirche bei einer bekannten Suchmaschine. |
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@stephan1097
"Leider" muss ich mich den Kommentaren 1-3 anschließen. Was ist das für ein Text? Ein Loblied auf "konservative" (reaktionäre) Kreise in den Parteien, mit dem "C", wie christlich, im Namen. Gib es zu, Dein Blog ist eine (gut getarnte) Satire ... ;-) SexPower |
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"Die Konservativen in der CDU haben sich über lange Zeit in der Öffentlichkeit zurückgehalten, auch wenn sie unter anderem der Rückzug von Friedrich Merz, der zu ihren Lichtgestalten zählte, sehr getroffen hat.
Auf lange Sicht werden sie in der Partei jedoch nicht zu überhören sein und irgendwann wird es allen wie Schuppen von den Augen fallen, daß die Union die 40 Prozent-Marke nur dann wieder überspringen kann, wenn sie als eine eindeutig konservative Partei auftritt." Da bin ich aber gespannt. Ich denke eher, dass das Haschen nach dem Zeitgeist - die wenigstens optische "SPDisierung" der CDU - bisher den Absturz erspart hat. Ansonsten: Merkels Angela wird die Legislaturperiode sowieso nicht überstehen. Ich glaube das jedenfalls nicht. Vielleicht wird sie - wie Hindenburg - das Einfallstor für diese extreme konservative Gruppe, aber die müssen dann schnell zu Ermächtigungsgesetzen greifen, damit es den Koch an der Macht hält. Na denn: Halleluja |
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Einer der ex cathedra seine Botschaft verkündet und Kommentare ignoriert.
Aber die hochtrabende Wichtigkeit ist bei Licht nur eitle Nichtigkeit. |
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Danke für die vielen sehr interessanten Kommentare. An die eine oder andere der hier aufgeführte Interpretationen hatte ich ehrlich gesagt beim Schreiben noch gar nicht gedacht, daher sind diese Aspekte mit Sicherheit eine Bereicherung.
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Ausgabe 07/12
16.02.2012
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