Streifzug

Einfach, aber nicht simpel

15.09.2009 | 13:10

Schmutzkonkurrenz

Während zwei Schießbudenfiguren in einer Kasperlvorstellung Demokratie spielen wird eben diese an anderer Stelle weiter zerstört. Die beiden Parteien der Darsteller ermöglichen Zustände in Deutschland, die das gesamte Sozialgefüge sprengen.

Wenn nicht langsam auch anständige Selbstständige und Unternehmer wach werden, dann geht es ihnen an den Kragen. Nein, nicht von den Linken. Es geht ihnen von der Schmutzkonkurrenz an den Kragen. Was das ist und wie es funktioniert?

«Hier wird gerade das Gegenteil von zusätzlichen Arbeitsplätzen geschaffen», schallte es aus einem Megafon. «Bestehende Arbeitsplätze mit Mindestlohn werden vernichtet», betonte Carlo Graf, Vorsitzender des DGB-Ortsverbandes. Der Gewerkschafter kritisierte, dass Schlecker eine neue Firma gegründet habe, um Stundenlöhne gemäß Einzelhandelstarifvertrag zu umgehen. Das Unternehmen hat seine alte Filiale in der Frankfurter Straße geschlossen. «Die Mitarbeiter wurden aus betrieblichen Gründen gekündigt», so Carlo Graf. Statt der früheren Stundenlöhne von 12,98 Euro werde im XL-Markt nur noch die Hälfte bezahlt. Der restliche Bedarf müsse durch Steuermittel mit Hartz IV ergänzt werden. Aktuell gebe es vier XL-Märkte in Hessen, sagte Graf, der erwartet, dass sich der Trend ausbreitet. In Okriftel sei man unsicher, ob die dortige Filiale ebenfalls durch einen XL-Markt ersetzt werde. «Die Mitarbeiter wissen nicht, was sie erwartet», so der Ortsverbandsvorsitzende. «Es ist wie eine Drohung, die im Raum schwebt.»

Quelle: Hier demonstrieren sie gegen Niedriglöhne

So sieht die wirkliche Entwicklung aus. Unternehmer, die ihren Mitarbeitern anständigen Lohn zahlen, werden mit solchen Schmutzfinken und Staatsgeldabsauger nicht lange mithalten können. Die betroffenen Arbeitnehmer werden auf Hartz IV Niveau gedrückt und ihr Rentenanspruch sinkt auf Bedürftigenniveau.

Das ist die Realität in Deutschland und wird es nach der Wahl noch stärker sein, während in den Medien darüber geschwatzt wird, wer der Gewinner eines antidemokratischen Duells ist. Etwas wie Berufsehre oder Ethos scheint es nur sehr vereinzelt zu geben.

[Der Text ist ein persönliches Werturteil]

 
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Kommentare
ruhrrot schrieb am 15.09.2009 um 13:30
Ein tolles persönliches Werturteil, das meiner Meinung nach vollkommen richtig ist! Das tut einfach gut hier in der Community auf Leute zu treffen, die zumindest nicht auf vollkommen unterschiedlicher Wellenlänge funken. Du hast die Gefahr vor der das Land steht , vollkommend zutreffend beschrieben. Man muß dagegen demonstrieren! Deine Worte sind manchmal krass , aber angesichts der Gefahren im Land vollkommen gerechtfertigt. Danke!
Streifzug schrieb am 15.09.2009 um 16:46
Hallo poor on ruhr,

leider sind die Worte noch nicht krass genug, sie tun ja keinem weh. Ganz im Gegensatz zu den unsäglichen Maßnahmen, welche mit dem Segen bestimmter Parteien durchgezogen werden. Die Medien halten sich bedeckt und man schafft Fakten.

Wenn das Maß dann endlich voll ist und man die Empörung nicht mehr unter der Decke halten kann ist das Weitere vorprogrammiert.

Dann wird es heißen: Mindestlöhne, nein geht nicht, dann würden doch die ganzen Dogeriemarkt Mitarbeiter ihren Job verlieren.

Das Thema gab es schon bei der Dumpinglohn Debatte der Post "Konkurrenten".

Die SPD-Demonstranten sind unglaubwürdig, solange sie selber an entsprechenden Gesetzen Mitstricken die so was ermöglichen.
Titta schrieb am 15.09.2009 um 15:02
Dieses ganze Geschwafel um diese Nullnummer von Duell war ja wirklich nicht mehr auszuhalten.
Danke für deinen Beitrag. Hier wird wenigstens die wirkliche Politik in diesem Lande aufgegriffen und zum Thema gemacht.
Streifzug schrieb am 15.09.2009 um 16:51
Titta,

die Medien machen dankbar mit. Denn so Themen wie Schmutzkonkurrenz packen sie ungerne an. Viele von ihnen sind nämlich selber Schmutzfinken. Sie praktizieren Lohndumping, lagern auf Scheinselbstständige aus ...

Dann doch lieber ein paar fetzige Artikel über lächerliche Duelle, halb garen Widerstand gegen mörderische Kriege und das Ganze garniert mit billigen gedungen Schreibknechten, die in Foren für Scheinöffentlichkeit sorgen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 15.09.2009 um 17:51
Man könnte auch so antworten:
Schmutzkonkurrenz? Warum anprangern? Ist doch gut, wenn sich die Kapitalfraktionen gegenseitig zu Grunde richten. Die Billigheimer werden die letzten sein, um dann festzustellen, dass Autos keine Autos kaufen. Dann macht es Peng und wir sind sie alle los, oder?

Na ja, nicht meine Meinung. Deshalb bin ich auch für Bündnispolitik und würde Leute, die wie ich gegen den Krieg sind, nicht verunglimpfen. Was nicht heißt, sie nicht sachlich zu kritisieren.
Streifzug schrieb am 15.09.2009 um 18:22
meisterfalk,

die Besitzer der Billigheimer verdienen gut. Die Mitarbeiter werden auf niedrigstes Niveau gedrückt. Das bleiben keine Einzelfälle sondern zieht immer weitere Kreise, wodurch immer mehr Bürger von den gravierenden Auswirkungen betroffen sein werden.

Medienunternehmen stecken mit drin und sind stellenweise Vorreiter solcher schäbigen Methoden. Seit Jahren unterstützen sie genau diesen Trend und praktizieren ihn auch in ihren Häusern. Frag mal Journalisten. Die wenigen die sich überhaupt noch trauen den Mund aufzumachen werden es dir bestätigen.

Kennst du den Spiegel der letzten Woche? Ein schäbiger Angriff auf die Linke. Maximal unter der Gürtellinie. Aber das ist natürlich völlig losgelöst von hier.

Was Leute betrifft die "wie ich gegen den Krieg sind, nicht verunglimpfen."

Ich halte dich für erfahren genug, um zu wissen, dass die Forderung eines "Abzugs" in zwei Jahren, aus welchen Gründen auch immer, reine Augenwischerei ist. Sie ist sogar schädlich, weil damit von der vordringlichen Aufgabe, einen sofortigen Abzug durchzusetzen, abgelenkt wird.
Rainer Kühn schrieb am 15.09.2009 um 19:16
Ja, ein guter Hinweis, und es geht sogar um praktische Politik, nämlich: wie kann meine Firma unter den von gewählter Politik gesetzten Rahmenbedingungen ohne Rücksicht auf humane Verluste noch mehr Profit rausschlagen.
Jedenfalls stehen solche Berichte in meiner Gewerkschaftszeitung und kommen ja auch immer mal wieder im Politfernseh der ehem. öffentlich-rechtlichen, jetzt staatstragenden Medienhäuser. Doch auch so etwas hilft nicht zur Abkehr. Aber hier bin selbst ich wieder empört, über einen Sachverhalt, der aber vielfach "bei uns Linken" auch erkärt ist. Er gehörte aber eher abgeschafft, sofort!
Streifzug schrieb am 15.09.2009 um 20:30
Na das ist doch mal eine klare Ansage.
Streifzug
Möglichst einfach, aber nicht simpel. Vorsicht, bissiger Kommentator! Qui iocatur, non mentitur. Spaßguerilla, Claqueur, Chat: "Streifzug" bei Google; Chat: etherpad.com/freitagcommunity
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