P.H.X Robinson

Blog von P.H.X Robinson

21.05.2010 | 00:23

Gedanken aus der Unterschicht

 

 

 

 

"Du bist der Sohn deiner Klasse darauf kommt es. Ein Teil der Masse, die etwas ändern kann."

 

Viele werden jetzt die Frage stellen, wie kann man stolz darauf sein aus der Unterschicht zu kommen. Wie stolz darauf sein ein Arbeiterkind zu sein? Schlägt man die Zeitungen auf, blickt man ins Fernsehen wird ein eindeutiges Bild von der Unterschicht gezeichnet. Arbeitsscheu, faul, ungebildet, dem Staat auf der Tasche liegend. Ich leugne nicht, dass es solche Beispiele gibt, ich leugne auch nicht, dass es solche Beispiele in der Masse gibt, doch was befähigt Angehörige höherer "Klassen" abfällig über meine Herkunft zu sprechen.

 

Was berechtigt sie dazu, mich auf Grund meines Wohnortes und der dort vorherrschenden sozialen Schicht zu verurteilen? Mich ich eine Schublade zustecken ohne ihre eigenen Aussagen über das Individuum zu verifizieren. Nach Kant würden sie ihre Aussage "A priori" treffen. Ihre Aussage entsteht direkt am Anfang ohne empirische Verifikation. Es werden Einzelfälle herausgepickt aus denen man dann scheinbar eine allgemeingültige Maxime ableitet. So determiniert ein Wohnort und die dort vorherrschende Schicht dann also das Gesamtbild eines Menschen. Nach dieser Schlussfolgerung wäre also praktisch für eine Person aus einem gutbetuchten Stadtteil gar nicht erst möglich so genannte Attribute wie Asozialität oder Unehrlichkeit in sich zu vereinen.

 

Meiner Ansicht nach eine interessante These, die ich an dieser Stelle gerne überprüfen würde. Demnach wäre es mir als Person aus einem so genannten und von der Presse eindeutig überzogen dargestellten "sozialen Brennpunkt" nicht möglich mir Bildung anzueignen bzw. zu differenzieren was moralisch und gesetzlich richtig an ist.

 

Ich bin mit der These aufgezogen worden, wer etwas erreichen möchte, kann dieses auch schaffen. Persönlich lebe ich eindeutig nach Mentalität "From Rags to riches", aber scheinbar bin ich ohne, dass es mir bewusst von vorne rein zum Scheitern verurteilt, da ich nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren wurde.

 

Demnach bin ich also auch, weil ich weiß wie andere Teile meiner sozialen Schicht ihr Geld verdienen, ob ich die Weise für gut oder schlecht sei dahin gestellt, asozial. Denn ich verfüge über das Wissen auf andere Weise mein Geld machen zu können, auch wenn ich diese nicht anwende, bin ich von vorne rein asozial.

 

Ich hätte jetzt gerne die Meinung meines Sacharbeiters beim Sozialamt, mit dem ich natürlich auf Grund meiner zahlreichen Besuche per Du, wenn ich morgen bei ihm Kindergeld für meinen nicht vorhanden Sohn beantrage, aber da ich ja über die biologischen Werkzeuge und das Wissen verfüge, wie ich ein Kind zeugen könnte, bin ich doch sicherlich auch berechtigt Kindergeld für dieses zu erhalten.

 

Natürlich war der komplette von mir verfasste Text die reine Wahrheit und bedient sich keinerlei zynischen Kommentare.

 

Da ich ja der Unterschicht gehöre, werde ich jetzt mein natürlich nicht bestandenes Abitur, mit einem von Hartz 4 bezahlten Dosenbier genießen.

 

In dieser Hinsicht: Prost

 

Der Utopist, der heute viel mehr Dystopist ist.

 

 

 
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Kommentare
Wolfram Heinrich schrieb am 21.05.2010 um 08:28
Viele werden jetzt die Frage stellen, wie kann man stolz darauf sein aus der Unterschicht zu kommen. Wie stolz darauf sein ein Arbeiterkind zu sein? Schlägt man die Zeitungen auf, blickt man ins Fernsehen wird ein eindeutiges Bild von der Unterschicht gezeichnet. Arbeitsscheu, faul, ungebildet, dem Staat auf der Tasche liegend.

Du mußt dir den Proleten als eine Art Nigger vorstellen. Man macht ihm den Weg zu einer guten Bildung schwer und mäkelt dann, er sei ungebildet und dumm, was wiederum rückwirkend die Entscheidung, ihm den Weg zu einer guten Bildung verwehrt zu haben, als richtig erscheinen läßt. Man hat keine Jobs für ihn, er wird arbeitslos. Da hockt er nun und hat den ganzen lieben langen Tag nichts zu tun. Arbeitet er? Nein, tut er nicht, woraus sich messerscharf schließen läßt, er sei arbeitsscheu und faul. Hat er selbst erarbeitetes Einkommen? Nein, wie auch, da er arbeitslos ist. Also läßt sich mit Fug sagen, er liege dem Staat auf der Tasche.

Ciao
Wolfram
Ehemaliger Nutzer schrieb am 21.05.2010 um 10:24
Sie werden stillgelegt. Sie sind die "strukturell Überflüssigen". Sie sind austauschbar geworden auf dem Weltarbeitsmarkt. Ihren Arbeitsplatz nimmt der global player mit auf die Reise und verhökert ihn an andere Menschen in anderen Ländern zu einem anderen Lohn. Und lässt sie gegeneinander antreten. Hauptsächlich über den sinkenden Lohnanteil bei den Produktionskosten. Dem Unternehmer geht es blendend, ist er doch, laut immanentem Marktgesetz gezwungen, bei dem üppigen Angebot von
Billiglöhnen beidhändig zuzugreifen. Bevor es andere tun. Das leuchtet ein. Das mit ... "there is no alternative". Die Logik des 'sich selbst regulierenden Marktes' wird kaum in Frage gestellt. Der Konsument vergleicht bei seiner Kaufentscheidung auch lediglich den Kaufpreis, nicht auch die Sozialleistungen, die im Preis eines Produktes innewohnen. Der Schulterschluss ist also komplett. Der Arbeiter hat sein Feindbild und sein Klassenbewusstsein verloren, seine Kultur und wird zunehmend vom Rand der Gesellschaft ins Abseits geschoben.
eykiway schrieb am 21.05.2010 um 14:28
Die Wahren Assozialen sind die Leistungsträger der Gesselschaft
DIE KEINE STEUERN ZAHLEN. Nicht der Kleine Mann.
Die Leute sind nicht Arbeitsscheu sondern Clever.
Warum sollen sie für 6,50 euro die Stunde Arbeiten + 1Euro anwesendheits Prämie wenn sie nicht wesentlich mehr haben als H4.
Das Problem ist der Niedriglohn Sektor.
Früher Konnte mann sich noch Hoch Arbeiten da Hatte mann 3Monate
Probezeit danach gabs ein Festvertrag.
So Hab ich Angefangen mit 1900 Brutto DM im Monat Heute Bin Schichtmeisster.
Heute haben wir im Betrieb 3 Fremdfirmen mit Werksdienst Vertrag
und 1 Leiharbeitsfirma.
Ich Hab schon SOOOOOOO Viele Kommen gehen gesehen das ich Denke ich hab Alzheimer lerne Täglich neue Menschen kennen.
Ich bin ein Kind der Strasse.
Doch Heute Kommen die Jugendlichen
aus dem Gamel der Schule und sollen Leistung Bringen für Laues Geld.
Praktikum hier Praktikum dort.
Ja und wenn sie dann Sehen das die Freundin mit 17 ein Kind Kriegt
und sie die eigene Bude Bezahlt bekommt Erziehungs Geld,Kindergeld
+ H4 und UnterhaltsVorschuss vom Jugendamt ist die Summe Höher
als wenn sie Malochen würde das Prägt eine ganze Generation
Technixer schrieb am 21.05.2010 um 15:53
rotstift schrieb am 29.05.2010 um 03:50
Naja, ein bischen viel Philosophie drin, aber die Dinge werden schon erkannt. ABER: zu lamoriant. Auch der Prolet wird irgendwann wieder erkennen dass ihm ein Recht auf gleiche Lebensanteile zusteht, entsprechend Klassenhass entwickeln und sich organisieren - ob er nun Arbeit (für 700 brutto) hat oder nicht. Heute sieht das noch nicht so aus ich weiß - die träumen alle noch vom Einzelzimmer aufm Traumschiff. Wird sich aber bald wieder zuspitzen - einen Geschmack von der Schnelligkeit der BEWUSSTSEINSBILDUNG die dann einsetzen kann, haben die Anti-HArtzIV-Demos 2004 gegeben. Dann wird zählen, wieweit sich einige in der kritischen Intelligenz, zum Beispiel Freitag-Leser ihre geistigen Ansprüche bewahrt haben, und mitkämpfen. Hoffe mal ich erlebe das noch...
P.H.X Robinson
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