Während Botswana am Freitag seinen Nationalfeiertag begeht, hat Botswanas indigene Bevölkerung einen ganz anderen Grund zum Jubeln: die Rückkehr in ihre Heimat in der Zentralkalahari wird ihnen nach neun Jahren endlich wieder möglich gemacht. Seit einigen Wochen können die Gana und Gwi-Buschleute wieder einen Trinkwasserbrunnen in der Gemeinde Mothomelo nutzen. Wie Survival International im Januar berichtete, sicherte eine Gerichtsentscheidung in Botswana den Buschleuten das Menschenrecht auf Wasser zu und beendete damit die erniedrigende Behandlung der Indigenen durch die Regierung. Ein historischer Moment für das Überleben einer der letzten Jäger und Sammler-Gemeinschaften des südlichen Afrikas.

Die Buschleute in Botswana haben nach 9 Jahren einen Grund zum Jubeln
Was war geschehen? 2002 zwang die Regierung Botswanas die Buschleute ihre Heimat im Central Kalahari Game Reservat zu verlassen. Sie wurden in Umsiedlungslager gebracht und ihre Brunnen im Reservat verschlossen. In den Umsiedlungslagern, die manche Buschleute als „Orte des Todes“ beschrieben, drohte den Indigenen der Verlust ihrer einzigartigen Lebensweise in der Kalahari-Wüste, und viele verfielen Alkoholismus, Depressionen und Krankheiten.
Trotz einer Grundsatzentscheidung von Botswanas Oberstem Gericht 2006, die besagte, dass die Vertreibung der Buschleute illegal und verfassungswidrig gewesen war und ihnen die Rückkehr ermöglichte, versuchte die Regierung weiterhin eine Rückkehr der Indigenen in das Reservat zu verhindern. Den wenigen Hundert, die die Rückkehr doch wagten, wurde das Jagen sowie die Inbetriebnahme ihrer Brunnen untersagt. An einem der heißesten Orte der Erde waren die Indigenen jahrelang gezwungen, qualvolle Tagesmärsche von rund 400km zurückzulegen um an Wasser zu kommen. Ein Angehöriger der Buschleute beklagte: „Wie sollen wir ohne Wasser überleben? Das Gericht gab uns unser Land, aber ohne den Brunnen, ohne Wasser, ist unser Leben mühsam.“

Lange Zeit war der Brunnen verschlossen und durfte von der indigenen Bevölkerung nicht genutzt werden
Die Buschleute waren Opfer des Diamantenreichtums ihres Gebietes sowie des Rassismus der Regierung geworden. Das angestammte Land der indigenen Bevölkerung ist zudem wegen der Wildtiervielfalt eine lukrative Tourismusdestination. Mehrmals äußerte sich die Regierung rassistisch gegenüber den Buschleuten, der Präsident zum Beispiel beschreib ihre Lebensweise als „primitiv, rückständig und urzeitlich“. Weitere Demütigungen und die Verachtung ihrer Rechte folgten, als Brunnen zugunsten von Wildtieren gebohrt wurden, den Indigenen die Benutzung aber verboten war. Weiters genehmigte die Regierung eine Diamantenmine im Wert von 3 Milliarden Dollar, sowie eine Luxus-Touristenlodge inklusive Swimmingpool auf dem Land der Buschleute. Kritiken von Außerhalb zeigten wenig Wirkung: Die Afrikanische Menschenrechtskommission ACHPR rügte, dass die Regierung den Buschleuten „das Recht auf Leben nimmt“ und der UN-Sonderberichterstatter für indigenen Völker nannte ihre Situation „hart und bedrohlich“.

Die Buschleute hatten lange Zeit nichts zu lachen in Botswana, wurden sie doch Opfer von Diskriminierung durch ihre eigene Regierung
Survivals jahrelange Kampagne für die Buschleute und das Oberste Gericht Botswanas verhalfen der indigenen Bevölkerung letztendlich zur Rückkehr auf ihr Land. Die Entscheidung des Berufungsgerichtes im Januar 2011 bestätigte das Recht der Indigenen auf Wasser und ebnete den Weg zurück in die Kalahari. Mit Unterstützung der Nonprofit Organisation Vox United und dem Diamantunernehmen GemDiamonds wurde der Mothomelo Brunnen nach 9 langen Jahren wieder in Stand gesetzt und mit einer Solarpumpe ausgestattet. GemDiamonds hat versichert weitere drei Trinkwasserbrunnen zu übergeben. Langsam können die Buschleute wieder auf das Land ihrer Vorfahren zurückkehren.

Endlich gehören die anstrengenden Tagesmärsche nach Wasser der Vergangenheit an
Mehr Informationen über die Buschleute und andere indigene Völker findet ihr auf www.survivalinternational.de
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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