tacheles

Blog von tacheles

14.03.2009 | 22:44

Muss man künftige LehrerInnen das Fürchten lehren?

Die Ausbildung von
Lehrinnen und Lehrern ist in den Bundesländern unterschiedlich
gestaltet und doch kann dies über das Bestehen ähnlicher Probleme nicht hinwegtäuschen. Die Störung im Theorie-Praxis-Verhältnis ist eines von diesen. Was sich derzeit
in verschiedenen Bundesländern an Neuerungen ergibt – das
Auftauchen von Praxis-Schock-Rollenspielen zum Beispiel an der
Uni-Kassel und die Einführung von Eignungstests als Voraussetzung für die Aufnahme eines Lehramtsstudiums in
Baden-Württemberg – mag diesen Missstand zur Ursache haben.

Mit den in
Baden-Württemberg eingeführten Eignungstests wiederum wird
das Problem nun nicht angegangen, sondern eher noch unter den Teppich
gekehrt. Indem Kompetenzen, die das Studium vermittelt, oder zumindest
vermitteln sollte, vor diesem getestet werden, wird einer Veränderung
bestehender Studienstrukturen die Absage erteilt. Der Eignungsbegriff, eben dies ist seine ideologische Funktion, verlagert dabei
bestehende Problemkonstellationen und Konflikte in die Person selbst
hinein. Er dementiert damit das Potential menschlicher
Lernmöglichkeit geradewegs.

Das
rollenherbeigespielte Praxis-Schockmoment ist indessen auch nicht
mehr als schmückendes Beiwerk, tauglich allenfalls als bewegungseinschränkender Aufprallschutz. Denn schon das Rollenspiel als solches ist starr: Ohne
deren Zustandekommen offen zu legen ist es auf das Spiel von und
Zurechtfinden in Rollen aus, eine Veränderung derselben macht es weder möglich, noch lässt es sie als wahrscheinlich erscheinen. Um Praxis
jedoch zu verändern, müsste sie erst einmal als
veränderliche begriffen werden.
 
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tacheles
studiert in Heidelberg und ist in verschiedenen hochschulpolitischen Kontexten aktiv
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