Technixer

Blog von Technixer

02.11.2010 | 22:33

Bücherfindehilfe

Liebe FC,

wäre schön wenn ein oder zwei Leutz, welche gern und viel lesen, mir bei einem Problem mit der Literatursuche helfen könnten:

Es geht um folgendes; geht man zu Wohlthat, Thalia und Co oder nutzt das Internet, so erschließt sich dem geneigten zukünftigen Leser eine schier unendliche Masse an Freizeitliteratur.

Wie findet man es, das schöne Buch? Das gute Stück, welches einen mit Worten so verzückt, dass man es am liebsten in einer Nacht durchlesen will.

Das Problem was sich für mich stellt ist, wie erlangt man Zugang? Einfach in einen Buchladen latschen kann nicht des Rätsels Lösung sein. Da wird man ja alt und grau bei der Auswahl, wer dann noch Anfängt sich Kritiken und Rezessionen durchzulesen...

Wenn ich mir so den Freitag anschaue, dann habe ich das Gefühl ein entsetzlicher Kulturbanause zu sein. Es gibt Mitglieder, wie bspw. Mingus, die haben ganz offensichtlich bereits im dritten Lebensjahr damit begonnen die Welt der Bücher für sich zu erschließen. Es scheinen vor allem Bücher zu sein, welche keine Massenware sind, Qualitätsliteratur. Kleine Auflagen, gut geschrieben, keine Groschenromane. Quasi kein Kommerz, obwohl ja alles was sich verhökern lässt irgendwie Kommerz ist. Doch darum geht es mir nicht.

Es muss irgendwie eine Art innerer Ratgeber sein. SPON Bestseller haben mich bisher enttäuscht, hab drei Stück gelesen. Bspw. Patrick Süskind <i>Das Parfüm</i> fand ich ziemlich, ähm, naja einfältig, nichts besonderes. Sprachlich keine Offenbarung. Ich weiß nicht wie ich meine Kritik formulieren soll, aber der Pfiff hat gefehlt. Nun kraucht seit Monaten dieser schwedische Krimiautor in diesen Bestsellerlisten rum (die Montagskrimis auf ZDF sind manchmal ja ganz nett, scheinen die schwermütigen Skandinavier ja prädestiniert zu sein dafür).

Es gibt zwar hier von Maike Hank den Blog worin man reinkritzeln kann, was man selbst gut findet. Aber wie kommt man dazu? Vor allem erspar ich mir die Peinlichkeit der Lächerlichkeit, da Vieles was dort steht wirklich gute, anspruchsvolle Literatur ist.

Ein Ansatz wäre zu entscheiden, WAS will ich lesen. Ok. Belletristik. Nach Möglichkeit ein Roman und nu? Wie weiter?

Auch wenn ich ein Naserümpfen ernte, Frank Schätzing mit Der Schwarm, fand ich super. Allerdings habe ich von dem Buch erst erfahren als ihn schon alle gelesen hatten. Der Rest seiner Bücher scheint mir Fließbandarbeit zu sein.

Natürlich könnte man intellektuell werden und das Foucaultsche Pendel lesen. Haben hier sowieso schon alle gemacht. Möchte wetten bevor Umberto Eco es überhaupt geschrieben hat?

Spaß beiseite. Ein paar Tips wären super, liebe LiteratenInnen. Falls es jemand liest.

 
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Kommentare
dame.von.welt schrieb am 02.11.2010 um 23:08
Lieber Technixer,
mein Tick geht genau anders rum - wenn alle Welt gerade irgendein Buch liest, tu ich es garantiert nicht.

Der Schwarm hat mir auch gut gefallen, super für einen langen Flug und ich habe auch endlich begriffen, wie der Golfstrom funktioniert. Für weitere Tips wüßte ich gerne, was Sie sonst so interessiert: Reisen? Familiengeschichten? Krimis? Fremde Welten? Geschichte? Märchen? Politik?

Fürs erste empfehle ich Ihnen ein extrem komisches Buch, nämlich 'Die Bibel nach Biff' von Christopher Moore. Dabei geht es um Jesus besten Kumpel, der fürs notfalls Grobe, namens Biff, der nach knapp 2000 Jahren von den Toten auferweckt wird, um ein weiteres Evangelium zu schreiben. Gott findet die vorhandenen unvollständig, außerdem gibt's ja eine Lücke zwischen Jesus 12. und seinem 30 Lebensjahr. Eine Rolle dabei spielt ein Engel, der dem Wort blond eine neue Bedeutung gibt.

Biff lernt Jesus als vielleicht 8jährigen kennen und ist mächtig beeindruckt, weil Jesus kleiner Bruder eine Eidechse immer wieder mit einem Stein erschlägt und Jesus sie sich dann in den Mund steckt und sie wieder lebendig macht. Sie befreunden sich aufs Innigste, insofern ist auch klar, daß Biff Jesus auf die lange Reise zur Suche nach den heiligen drei Könige begleitet, nachdem er nicht drumherum kommt, daß er der Messias ist und sich dafür aber sehr ungenügend ausgebildet fühlt. Mary (Magdalena) spielt auch eine tragende Rolle, mehr verrate ich jetzt nicht - es ist ein tolles Buch. Und bei Licht betrachtet nicht wirklich blasphemisch, wohl aber saukomisch.
Technixer schrieb am 02.11.2010 um 23:42
Guten Abend Dame von Welt,

Sie können mich ruhig dutzen. Ist mir lieber.

Mir ging es nicht darum, dass zu lesen was Alle lesen oder hip und angesagt zu sein. Nein. Vielmehr ist meine Intention in diesem Blog zu erfahren, WIE ich eine Eigenschaft erlernen kann. Schwer in Worte zu fassen. Bücherschrott von Qualitätsliteratur zu unterscheiden ohne Literatur, Germanistik und Co studiert zu haben und auch möglichst ohne mir Rezensionen durchzulesen.

Ich hab mir jetzt erstmal was Lustiges gekauft. Hummeldumm von Tommy Jaud. Gebraucht bei Ebay. Paperback. Den Fehler mir ein Buch gebunden in Edelpappe zu kaufen begehe ich nicht mehr.

Das habe ich einmal getan und zwar für ein wirklich dümmliches Buch (wie ich finde) "Gott - eine kleine Geschichte des Größten" 20 Euronen verpulvert, nur weil der olle Gregor das sooooo schön vorgestellt hat *grummel*

Ansonsten ist die Frage nach dem "Was darfs denn sein?" durchaus grundlegend. Nur eben genau das ist das Problem.

Daher... persönliche Schilderungen wären dufte. Wie geht ihr an eine Buchsuche ran. Also Freizeitliteratur, natürlich gibt es auch Menschen die es entspannend finden sich Heiner Flassbeck oder Steven Hawking durchzulesen. Manchmal mach ich auch das. Aber solche Autoren würde ich unter Fachliteratur zusammenfassen.
dame.von.welt schrieb am 03.11.2010 um 00:13
Bitte nicht persönlich nehmen, aber im Internet bleibe ich beim 'Sie' ...;-)...

Ich fürchte, Sie kommen um viel Lesen nicht herum, um unterscheiden zu lernen, was Ihnen gefällt und was nicht. Ich bezweifle sehr, daß es DAS objektiv gute Buch gibt.

Wie wäre es mit einem Bibliotheksausweis? Ist gut und günstig. Was Ihnen nicht gefällt, fliegt nach 30 Seiten in die Ecke. Das lockert enorm.

Viel Vergnügen beim Lesen! Ach, noch ein Tip - Bücher, die selbst gelesen schlecht in mich reingehen, fand ich oft als Hörbuch großartig. Ein Beispiel dafür wäre so gut wie alles von Thomas Mann und zwar gelesen von Gert Westphal, hat ebenfalls jede halbwegs anständige Bücherei.
Cassandra schrieb am 03.11.2010 um 00:30
Genau so. Leute fragen, Freunde fragen. Dabei ist interessant, dass man damit genauso daneben liegen kann wie auch ein Schätzchen zu entdecken. 50/50 Chance.

Ich mag: Spieltrieb von Juli Zeh. Es gab ein paar vernichtende Kritiken, die der Autorin vorwarfen, sie bemühe Klischees und versuche sich mit Musil, dessen "Mann ohne Eigenschaften" sich durch das Buch zieht, gleichzusetzen. Und das sei einfach eine Nummer zu groß.

Ich habe da keine Ahnung, habe den Mann ohne Eigenschaften nicht gelesen, aber Spieltrieb schreit. Es ist kein einfaches Buch, aber oftmals ein befreiendes. Es ist voll von verzweifelter Gewalt und gleichzeitig zärtlich. Assoziationen auslösend, und zwar so stark, dass ich direkt hinein geschrieben habe, nicht nur einmal...



Manchmal trödel ich auch durch Buchhandlungen, am liebsten durch die wenigen, in denen es Tee, einen Sessel und Inhaber gibt, die sich Gedanken darum machen, was schön ist, und nicht, was sich gut verkaufen lässt, weil der Spiegel es aufführt.
Cassandra schrieb am 03.11.2010 um 00:32
Ich bezweifle sehr, daß es DAS objektiv gute Buch gibt.


Liebe Dame von Welt, das spricht mir aus der Seele, und das meinte ich mit der 50/50 Chance.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 03.11.2010 um 01:22
@Technixer. "Mir ging es nicht darum, dass zu lesen was Alle lesen oder hip und angesagt zu sein. Nein. Vielmehr ist meine Intention in diesem Blog zu erfahren, WIE ich eine Eigenschaft erlernen kann. Schwer in Worte zu fassen. Bücherschrott von Qualitätsliteratur zu unterscheiden ohne Literatur, Germanistik und Co studiert zu haben und auch möglichst ohne mir Rezensionen durchzulesen."

Ich 'übersetze' mal Deine Frage für mich: Ich kriege jedes Jahr von einem Mikrobiologen eine (Glückwunsch)Karte, besser gesagt, ein Foto von irgendeinem unter dem Mikroskop wunderhübsch aussehenden Microorganismus. Wie kriege ich es hin, die qualitativ hochwertigen, tollen Mikroorganismen von den weniger tollen zu unterscheiden, ohne mir Fachwissen auf diesem Gebiet anzueignen? ;-)))

Ich denke, ich muss mich auf die Suche machen, genau hingucken, Vergleiche anstellen, Infos einholen, eine Beziehung zu der einen oder anderen Form oder Farbe entwickeln...Aber das ist ja auch das Schöne und Spannende dabei: das Entdecken...:-)
Magda schrieb am 03.11.2010 um 09:58
Hallo Cassandra,
Spieltrieb habe ich auch gelesen. Aber ich denke, der Vorwurf geht, sie lasse "Die Verwirrung des Zöglings Törleß" wieder auferstehen. Das ist der Musil-Bezug. Denke ich.

Gruß
merdeister schrieb am 04.11.2010 um 08:28
Dem Tipp der Dame möchte ich mich unbedingt anschließen "Die Bibel nach Biff" ist ein großartiges Buch, ich hatte Bauchschmerzen vor lachen.
Dabei schafft Moore es trotzdem, die Figuren nicht lächerlich zu machen.

Anonsten, auch auf die Gefahr hin, mich lächerlich zu machen: Harry Potter!
Cassandra schrieb am 04.11.2010 um 08:41
Aber auf Englisch, bitte. Die deutsche Übersetzung ist grausam.
Cassandra schrieb am 04.11.2010 um 08:44
Magda, ich weiß nicht mehr so recht, wahrscheinlich liegst du eher richtig. Ich glaube aber, der Hauptaufreger war einfach, dass sie mit Musils Schreibstil kokettiere.
dame.von.welt schrieb am 04.11.2010 um 12:36
Hihi lieber Merdeister - ich hatte mich ja nicht getraut, Harry Potter vorzuschlagen - ich bekenne, ich hab sie alle gelesen (natürlich auf Englisch, um wenigstens einen kleinen Rest meiner Reputation zu retten) und fand sie bis auf die letzten beiden (die haben Längen) Spitze.

Ich fand den Buch-Hype darum auch nicht kritikwürdig, Kinder sollten unbedingt wenigstens einmal im Leben und mit wenigstens einem Buch die Erfahrung machen, danach süchtig zu sein, davon eingeatmet zu werden und sich mehr in der Buch- als in der realen Welt aufzuhalten. Mir ging das als Kind ja mit dem Herrn der Ringe so, das habe ich sogar auf dem Fahrrad zu lesen versucht.

Damit also der nächste Tip: 'Der kleine Hobbit' gefolgt von 'Der Herr der Ringe' von J.R.R. Tolkien. (ist bei mir auch immer die Maßeinheit des Buchsüchtig-Seins bei Büchern, auf einer Skala von 1-10 wären also 2 tolkien ein wahrscheinlich in die Ecke gefeuertes Buch)

Weinszteins Krimiempfehlungen möchte ich noch drei Autoren anfügen, nämlich Bernhard Schlink, Ulrich Ritzel und Ian Rankin.
Titta schrieb am 03.11.2010 um 00:40
Mir geht es so ähnlich mit den Bestsellerlisten oder den Tips in Literatursendungen. Meistens grauenhaft.
Was hilft: Tips von FreundInnen, Tips aus dem Freitag, und vor allem: ein unabhängiger engagierter Buchhändler (wahlweise eine Buchhändlerin), der noch selbständig den Laden führt, also keiner Kette angehört, und regelmäßig Besuch von ebenso engagierten (kleinen) VerlagsvertreterInnen erhält, die ihm noch persönlich Bücher empfehlen und der dann, in Kenntnis seiner Kundschaft, sein Sortiment entsprechend zusammenstellt. Und diesen Buchhändler muß man dann in schöner Regelmäßigkeit mit den eigenen Vorlieben behelligen, bis er abschätzen kann, was einem gefallen könnte. Das hat bei mir bisher noch in jeder Stadt geklappt, in der ich gewohnt habe.
Auf dem "platten Land" kann sich so was allerdings schwierig gestalten. Da kann einem dann oft nur noch das Internet weiterhelfen. Da einfach mal die Namen von den Verlagen eingeben, deren Bücher einem gefallen haben, und dann dort das Sortiment durchstöbern bzw. regelmäßig immer wieder mal reinschauen. Versuchen Sie es zB mal einfach mit >Nautilus<. Das ist ein feiner kleiner Verlag mit einem spannenden Sortiment, jedenfalls für mich, Ihre Präferenzen können ja ganz woanders liegen. Sie werden sicherlich nach einiger Suche das für Sie Passende finden.
Titta schrieb am 03.11.2010 um 01:03
PS.
Weil mir die ganzen "neuen" Romane (von Tellkamp bis, sorry, Schätzing) überhaupt nicht mehr gefallen, mir diese ganzen modernen "Wehleidigkeiten" ziemlich auf die Nerven gehen, bin ich auf (Wieder)Veröffentlichungen älterer Werke gekommen. Also Romane, die in ihrer Zeit ihre Leserschaft hatten, heute aber eher unbekannt sind. Die Sicht aus früheren Zeiten auf die im Grunde immer gleichen Problematiken, mit denen Menschen sich auseinandersetzen müssen, finde ich interessant. Wie damals ganz aktuell gesellschaftliche Entwicklungen beurteilt wurden.
Hier ein ganz großer, leider inzwischen so gut wie vergessener Roman: Union der festen Hand von Erik Reger. Der arbeitete von 1920-27 im Pressebüro von Krupp und hat ein Buch über das geschrieben, was er dort erlebte, und dafür 1931 den Literaturpreis dafür erhalten, sein Roman war europaweit bekannt. Das Buch wurde von den Nazis verboten, nach dem Krieg arbeitete Reger unter seinem eigentlichen Namen Dannenberger als Chefredakteur des Tagesspiegels. Gekommen bin ich auf den Roman, erschienen ist er bei der mediathek NRW für acht oder neun Euro(!), durch eine Wiederholung einer Verfilmung des Werkes auf ZDF-neo oder so. Wenn man heute die sog. Wirtschaftseliten agieren sieht und wie sie "das Volk" verarschen, im Roman kann man nachlesen, wie es früher schon genauso gemacht wurde.
Joachim Petrick schrieb am 03.11.2010 um 01:09
Hallo Titta,

Danke für den Tipp:

"Hier ein ganz großer, leider inzwischen so gut wie vergessener Roman: Union der festen Hand von Erik Reger. Der arbeitete von 1920-27 im Pressebüro von Krupp und hat ein Buch über das geschrieben, was er dort erlebte, und dafür 1931 den Literaturpreis dafür erhalten, sein Roman war europaweit bekannt. Das Buch wurde von den Nazis verboten, nach dem Krieg arbeitete Reger unter seinem eigentlichen Namen Dannenberger als Chefredakteur des Tagesspiegels. Gekommen bin ich auf den Roman, erschienen ist er bei der mediathek NRW für acht oder neun Euro(!), durch eine Wiederholung einer Verfilmung des Werkes auf ZDF-neo "

Robert Neumann finde ich als Autoren z. Zt. sehr interessant (s. u. )

tschüss
Jochen
Titta schrieb am 03.11.2010 um 02:27
Dank zurück.
de.wikipedia.org/wiki/Robert_Neumann

Vielleicht sollten wir einen Blog starten: Buch des Monats oder so. Da kann dann jeder reinschreiben, was ihm oder ihr grad so Interessantes vor die Augen gekommen ist und er oder sie für empfehlenswert hält.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 03.11.2010 um 02:50
@ Titta, oh ja, das halte ich für eine gute Idee. (Solange es nicht darum geht, nur die Bücher aus den Bestsellerlisten hier zu rezensieren).
Titta schrieb am 04.11.2010 um 02:12
kommentatort schrieb am 06.11.2010 um 01:47
"Was hilft: Tips von FreundInnen, Tips aus dem Freitag, und vor allem: ein unabhängiger engagierter Buchhändler (wahlweise eine Buchhändlerin), der noch selbständig den Laden führt, also keiner Kette angehört, und regelmäßig Besuch von ebenso engagierten (kleinen) VerlagsvertreterInnen erhält, die ihm noch persönlich Bücher empfehlen und der dann, in Kenntnis seiner Kundschaft, sein Sortiment entsprechend zusammenstellt. Und diesen Buchhändler muß man dann in schöner Regelmäßigkeit mit den eigenen Vorlieben behelligen, bis er abschätzen kann, was einem gefallen könnte. Das hat bei mir bisher noch in jeder Stadt geklappt, in der ich gewohnt habe."
Sehe ich auch so. Auf dem Land bin ich familientechnisch mit Buchhändlern und Arbeit in einem Buchlanden aufgewachsen, so dass ich den letzten Satz Tittas nicht unterstreichen mag, vielleicht untertricheln. Die Leute, die diesen Beruf ausüben, leben vom Lesen und der Liebe zum freiwilligen Lesen sowie von Menschenkenntnis. Die Kunden, die die Verkäufer meinen behelligen zu müssen, sind die übelsten.
kommentatort schrieb am 06.11.2010 um 02:05
Es sind die übelsten Kunden, die die wenigen Fachkräfte, die sich noch Mühe geben, behelligen und ihnen zum Teil sogar noch die Mittagspause stehlen und um einen pünktlichen Geschäftsschluß bringen, weil sie nicht um die Arbeit dahinter wissen wollen.
Titta schrieb am 06.11.2010 um 02:30
Interessanterweise finden sich diese Art BuchhändlerInnen auch und besonders in Städten kleinerer und mittlerer Größe. In den Großstädten teilen sich die Ketten den Markt auf, da ist es für den Einzelhändler vielleicht schwieriger, ein Marktsegment zu halten. Habe es hier gerade erlebt, wie ein größeres Geschäft von einer Kette geschluckt wurde. Und zwar genauso: der alteingesessene Buchhändler vor Ort wurde vor die Alternative gestellt: verkaufen an die Kette oder die Konkurrenz wird direkt daneben aufgemacht. Er hat verkauft.
Mein Buchhändler, noch kleiner, hatte durch sein spezielles, auf seine langjährige Kundschaft zugeschnittenes, Sortiment weniger Probleme. Jetzt hat er sogar noch Kunden hinzugewonnen durch die, die nicht bei der Kette kaufen möchten.
Die Kette verkauft dagegen zunehmend Schreibwaren, Deko und anderen Konsummüll, was offenkundig mehr Umsatz/Gewinn bringt als die Bücher, sonst würde man den Platz ja mit denen füllen. Womit deutlich wird: die Literatur liegt nicht in deren Interesse.

Im übrigen gibt es sogar so üble Kunden, die sich extra die Mittagszeiten des Buchhändlers ihrer Wahl merken, um dann genau zwei Minuten vorher zu erscheinen, um mit ihm die Mittagspause zu verbringen, weil der sich ja auch mal verbal erleichtern muß.
Joachim Petrick schrieb am 03.11.2010 um 01:01
Meine Empfehlung:

"ich lese keine Bücher. ich lese nur mich selber. Bücher helfen mir dabei.
Bücher wie folgende über Johann Friedrich Struensee:

Johann Friedrich Struensee (* 5. August 1737 in Halle; † 28. April 1772 in Kopenhagen) war ein deutscher Arzt und Minister am dänischen Hof.
Inhaltsverzeichnis
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• 1 Leben und Wirken
• 2 Fall und Hinrichtung
• 3 Veröffentlichte Dokumente
• 4 Literatur (Auswahl)
• 5 Belletristik (Auswahl)
• 6 Künstlerische Adaptionen
• 7 Verfilmungen
• 8 Einzelnachweise
• 9 Weblinks

Leben und Wirken [Bearbeiten]
Johann Friedrich Struensee wurde als Sohn des pietistischen Pastors und späteren Generalsuperintendenten von Schleswig-Holstein Adam Struensee in Halle geboren. Dort besuchte er die Latina der Franckeschen Stiftungen und begann im Alter von vierzehn Jahren mit dem Medizinstudium. 1757 wurde sein Vater Hauptpastor und er selbst Stadtphysikus und Armenarzt im damals vom dänischen König regierten Altona, wo er erfolgreich die Ausbreitung von Seuchen durch verbesserte Hygiene bekämpfte. 1764 veröffentlichte er mit der veterinärmedizinischen Abhandlung "Versuch von der Natur der Viehseuche und der Art sie zu heilen," die erste medizinische Beschreibung der Maul- und Klauenseuche.
Im Jahre 1768 begleitete Struensee den dänischen König Christian VII. als Arzt auf dessen Europareise; bereits sein Großvater Johann Samuel Carl war von 1732 bis 1742 Leibarzt des dänischen Königs Christian VI. gewesen. Sein Enkel Johann Friedrich Struensee gewann die Zuneigung des jungen Königs und wurde sein Leibarzt und Vertrauter.
Zurückgekehrt an den dänischen Hof, ernannte Christian VII. Struensee zum Geheimen Kabinettsminister und erhob ihn in den Grafenstand. Nach und nach übernahm Struensee die Staatsgeschäfte des psychisch labilen Königs und setzte in Dänemark die Ideen der Aufklärung um: Meinungs- und Pressefreiheit, Abschaffung der Folter, Reform des Schulwesens. Seine fortschrittlichen Ideen und sein schneller Aufstieg machten ihn bei Hofe rasch unbeliebt. Als eines seiner letzten Dekrete unterschrieb Struensee im November 1771 die Gründung der Herrnhuter Brüdergemeine in Christiansfeld (Herzogtum Schleswig).
Fall und Hinrichtung [Bearbeiten]

Festnahme des Grafen Struensee am 17. Januar 1772. Zeitgenössischer Holzschnitt.
Eine heute weitgehend als sicher angenommene Affäre mit Christians VII. Gattin, Königin Caroline Mathilde, später Thema zahlreicher Romane und Theaterstücke, wurde schließlich von Struensees Gegnern ausgenutzt. Nach einem Putsch machten sie ihm einen Geheimprozess. Struensees Pflichtverteidiger war Dr. Uldall, der Rechtsbeistand der Königin. Dessen Plädoyer war jedoch ohne jede Überzeugungskraft, so dass Struensee sich schließlich selbst verteidigte, indem er jeden einzelnen Punkt der Anklage zerpflückte und alle Zeugenaussagen entkräftete. Zu einem Verhältnis mit der Königin äußerte Struensee kein Wort. In der Zeit seiner Gefangenschaft führte der Kopenhagener Hofprediger Balthasar Münter fast täglich Gespräche mit ihm, die er anschließend veröffentlichte.[1]

Struensees Hinrichtung am 28. April 1772
Struensee wurde am 25. April 1772 nach viertägiger Verhandlung schuldig gesprochen und am 28. April 1772 vor den Toren Kopenhagens geköpft, gevierteilt und auf das Rad geflochten. Bei der Errichtung des Schafotts vor der Stadt gab es Verzögerungen, da vorerst kein Tischler zum Bau bereit gewesen war und kein Handwerker das Rad, auf das die Leichenteile geflochten werden sollten, hatte herstellen wollen. Die Handwerker machten sich erst unter Androhung von Folter und Kerker an die Arbeit. Die Räder wurden von einer alten Kutsche abmontiert und ungefähr 30.000 Leute strömten herbei, um der Hinrichtung beizuwohnen.[2]
An die Stelle Struensees trat Ove Høegh-Guldberg, einer seiner schärfsten Kritiker. Er machte die meisten Reformen, die Struensee veranlasst hatte, rückgängig und führte den dänischen Absolutismus alter Prägung wieder ein.
Veröffentlichte Dokumente [Bearbeiten]
• J[ohann] F[riedrich] S[truensee]: Zuverläßige Nachricht von der in Dänemark den 17. Jenner 1772 vorgefallenen großen Staatsveränderung, den Lebensumständen der merkwürdigsten Personen des kgl. dänischen Hofes wie auch der Staatsgefangenen nebst den Umständen ihrer Gefangennehmung […] in einem Schreiben eines Reisenden zu C. an seinen Freund in H.. Halle: Trampe 1772
• Schriften die in Sachen des ehemaligen Grafen Johann Friedrich Struensee bey der königl. Inquisitions-Commißion zu Copenhagen wider und für ihn übergeben sind; mit der von ihm eigenhändig entworfenen Apologie und dem über ihn gefällten Urtheile. Ohne Ort, 1772
• Versuch einer Lebensbeschreibung der beyden hingerichteten Grafen Struensee und Brandt aus zuverläßigen Nachrichten ausgezogen. Mit ihren Abbildungen. Ohne Ort, 1773
• Holger Hansen: Kabinetsstyrelsen i Danmark 1768 - 1772. Kopenhagen, drei Bände 1916-1923 (enthalten alle Erlasse von Struensee)
• Inkvisitionskommissionen af 20. Januar 1772. Paa Carlsberg-fondets Bekostnig udgivet ved Holger Hansen af Selskabet for Udgivelse af Kilder til dansk Historie. Kopenhagen, fünf Bände 1927-1941
Literatur (Auswahl) [Bearbeiten]
• Balthasar Münter: Bekehrungsgeschichte des vormaligen Grafen Johann Friderich Struensee. Buchenröder u. Ritter, Hamburg 1774.
• Rainer Schlösser: Struensee in der deutschen Literatur. In: Altonaische Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde, Band I, Altona, 1931; Sonderdruck Altona: Verlag Herm Lorenzen, 1931.
• Stefan Winkle: Johann Friedrich Struensee. Urban & Fischer, Stuttgart 1989 ISBN 3-437-11262-7
• Paul Barz: Der Leibarzt des Königs. Aufbau-Taschenbuch-Verlag, Berlin 2002 ISBN 3-7466-1825-8
• Udo Grashoff: Johann Friedrich Struensee. Arzt, Staatsmann, Geliebter der Königin. Hasenverlag Halle/Saale 2008 ISBN 978-3-939468-15-8
Belletristik (Auswahl) [Bearbeiten]
• Per Olov Enquist: Livläkarens Besök. Norstedts, Stockholm 1999. (Deutsche Ausgabe: Der Besuch des Leibarztes. Aus dem Schwedischen übersetzt von Wolfgang Butt. Hanser, München Wien 2001 ISBN 3-446-19980-2 u. Fischer, Frankfurt 2003 ISBN 3-596-15404-9.)
• Robert Neumann: Der Favorit der Königin. München, 1996 ISBN 3-423-12209-9
• Else von Hollander-Lossow: Die Gefangene von Celle. Leipzig: Seemann, 1935
Rapanui schrieb am 03.11.2010 um 01:17
Hallo Technixer,

über Ihre Frage freut sich jeder Buchhändler. Irgendwo las ich, dass Sie Molekularbiologe sind. Aus dem was Sie sonst an Titeln nennen, erkenne ich, dass Sie keine sprachlichen Experimente schätzen, aber auch keine vulgäre Sprache, sie wollen etwas erfahren, aber auch unterhalten werden.

Da kann geholfen werden. Das Rezept lautet: Diogenes-Verlag. Dem Verlag gelingt es in einzigartiger Weise Unterhaltung und Sprache zu einen. Sie können da fast alles lesen. Sie stehen gut da, wenn sie darüber erzählen - in Richtung der Kenner blamieren Sie sich nicht, in Richtung der Schmökerer können Sie Sympathien gewinnen und sind in der Qualität sicher.

Ich empfehle Ihnen zuerst Martin Suter, Die dunkle Seite des Mondes (gibt es auch als Taschenbuch). Ein Banker, ein schönes Mädchen, Halluzinogene Pilze, Persönlichkeitsveränderung Survival, moderne, gute Sprache, gut und schnell lesbar. Dann Andrej Kurkow, Pinguine auf dem Eis; skuril und unterhaltsam. Suter und Kurkow sind polyglott und kosmopolitisch, gute Typen, cool und ironisch. Die Bücher "Business Class" von Martin Suter sind der Ausdruck dieser Coolness, genial. Nach jeder der jeweils 2,5 Seiten liegt man flach vor Lachen und lernt etwas darüber, wie das Management tickt.

Wo wohnen Sie? Dann kann ich Ihnen eine gute Buchhandlung mit einem guten Buchhändler empfehlen. Da kommt kein Internet und keine Ramsche ala Wohlthat ran. Bei Thalia und Hugendubel hängt es sehr von den einzelnen Buchhändlern in den Abteilungen ab - da gibt es auch richtig gute Leute - die haben nur nicht mehr viel Zeit für die Kunden. Es gab viele Entlassungen im vergangenen Jahr.
Emma in Uniform schrieb am 03.11.2010 um 03:28
Andrej Kurkows "Pinguine auf dem Eis" ist wahrlich superbe, schöne Nennung:)
Technixer schrieb am 03.11.2010 um 19:22
Aahh sehr schän, ja erstmal vielen Dank an das Volk Rapanui ;-)

Die dunkle Seite des Mondes habe ich in der Tat bereits gelesen (aber vergessen gehabt bis zu der obigen Erwähnung). Das war zum Beispiel ein Büchlein, welches ich regelrecht verschlungen habe.

Aber Commissario Brunetti, ebenfalls Diogenes Verlag ist mir nix. Krimis sind mir meist zu einseitig, obwohl ich den skandinavischen Krimis ab und zu etwas abgewinnen kann.
Rapanui schrieb am 03.11.2010 um 22:16
@ Technixer schrieb am 03.11.2010 um 19:22

>>>Aber Commissario Brunetti, ebenfalls Diogenes Verlag ist mir nix<<<
Stimmt, den mag ich auch nicht.

>>>Krimis sind mir meist zu einseitig<<<
Auch hier stimme ich zu. Suter bedient sich hin und wieder dieses Sujets, genau genommen sind es aber doch keine Krimis.
weinsztein schrieb am 03.11.2010 um 02:03
Lieber Technixer,

dass Du die Frage nach dem guten, empfehlenswerten Roman stellst, nach dem schönen Buch, freut mich sehr. Das heißt, Du vertraust der Freitag-Community, wie ich auch.

Aber so allgemein gestellt, lässt sich Deine Frage nicht beantworten. Dame horchte bereits nach, was Dich denn sonst so interessiert, und darauf kommt's an. Ich z.B. habe Das Parfum von Patrick Süskind als atemberaubend spannend empfunden und werde es demnächst noch mal lesen.

Als Einstieg könnten es evtl. ein paar Krimis sein, Klassiker wie von Dashiell Hammett (Der dünne Mann), von Autorenduo Maj Sjöwall und Per Wahlöö (scharfe Sozial- und Systemkritik), von Raymond Chandler (Tote schlafen fest), der linke Manuel Vázquez Montalbán (Carvalho und der Mord im Zentralkomitee). Dies u.a. sind meine Lieblinge in diesem Genre. Bei Manuel Vázquez Montalbán wird auch gern mal gefuckt (i). Kann ja auch wichtig sein.

Seit Jahrzehnten wird Philip Roth der Nobelpreis vorenthalten. Von ihm empfehle ich "Portnoys Beschwerden". Es beschreibt u.a. neurotisierende Strukturen der 50er Jahre in Amerika: Alexander Portnoy sitzt im Alter von 33 Jahren bei seinem Psychiater, um ihm zu beschreiben, warum er sich einerseits immer noch als braver Sohn seiner Eltern (mit all den dazugehörigen Einschränkungen) fühlen muss und andererseits – bereits seit seiner Pubertät – genau dagegen immer wieder revoltiert. Seine Art der Revolte ist die über die Sexualität, die er zuerst in wilden Phantasien, später auch real umsetzt, um endlich „erwachsen zu werden“ und sich aus der gefühlten Umklammerung seiner Eltern zu befreien. Mit der für damalige Verhältnisse unerhört klaren, vulgären Sprache bezüglich des Themas Sex löste Roth 1969 einen Skandal aus.

Eine kleine Auswahl aus meiner Sicht, nach meinen Vorlieben.

Herzliche Grüße
weinsztein
weinsztein schrieb am 03.11.2010 um 02:03
Lieber Technixer,

dass Du die Frage nach dem guten, empfehlenswerten Roman stellst, nach dem schönen Buch, freut mich sehr. Das heißt, Du vertraust der Freitag-Community, wie ich auch.

Aber so allgemein gestellt, lässt sich Deine Frage nicht beantworten. Dame horchte bereits nach, was Dich denn sonst so interessiert, und darauf kommt's an. Ich z.B. habe Das Parfum von Patrick Süskind als atemberaubend spannend empfunden und werde es demnächst noch mal lesen.

Als Einstieg könnten es evtl. ein paar Krimis sein, Klassiker wie von Dashiell Hammett (Der dünne Mann), von Autorenduo Maj Sjöwall und Per Wahlöö (scharfe Sozial- und Systemkritik), von Raymond Chandler (Tote schlafen fest), der linke Manuel Vázquez Montalbán (Carvalho und der Mord im Zentralkomitee). Dies u.a. sind meine Lieblinge in diesem Genre. Bei Manuel Vázquez Montalbán wird auch gern mal gefuckt (i). Kann ja auch wichtig sein.

Seit Jahrzehnten wird Philip Roth der Nobelpreis vorenthalten. Von ihm empfehle ich "Portnoys Beschwerden". Es beschreibt u.a. neurotisierende Strukturen der 50er Jahre in Amerika: Alexander Portnoy sitzt im Alter von 33 Jahren bei seinem Psychiater, um ihm zu beschreiben, warum er sich einerseits immer noch als braver Sohn seiner Eltern (mit all den dazugehörigen Einschränkungen) fühlen muss und andererseits – bereits seit seiner Pubertät – genau dagegen immer wieder revoltiert. Seine Art der Revolte ist die über die Sexualität, die er zuerst in wilden Phantasien, später auch real umsetzt, um endlich „erwachsen zu werden“ und sich aus der gefühlten Umklammerung seiner Eltern zu befreien. Mit der für damalige Verhältnisse unerhört klaren, vulgären Sprache bezüglich des Themas Sex löste Roth 1969 einen Skandal aus.

Eine kleine Auswahl aus meiner Sicht, nach meinen Vorlieben.

Herzliche Grüße
weinsztein
Ehemaliger Nutzer schrieb am 03.11.2010 um 03:12
2001 löste er mit "Das sterbende Tier", in dem er die Leidenschaft eines alten Mannes für eine sehr junge Frau schonungslos ehrlich als eine "Expediton in das dunkel der Sexualität" beschreibt, dann keinen Skandal mehr aus...Ist schon sehr richtig, dass Herta Müller den Nobelpreis kriegte und nicht Roth :-)
weinsztein schrieb am 03.11.2010 um 03:23
Doch, auch das war ein Skandal, Leif Miles. Damals.
Und ist die Leidenschaft eines alten Mannes für eine sehr junge Frau nicht eine Art Expedition ins Dunkle?
Rapanui schrieb am 03.11.2010 um 22:23
@ weinsztein schrieb am 03.11.2010 um 03:23

>>>Philip Roth<<

"Sterbendes Tier" beeindruckend; ist keine Altmännerfantasie;

Politisch sehr interessant, auch von Philip Roth: "Verschwörung gegen Amerika", Lindbergh und die Faschisten in den USA;
hibou schrieb am 04.11.2010 um 08:54
The human stain (Der menschliche Makel) von Roth ist auch schön (VIEL schöner als die Verfilmung!)
Rahab schrieb am 03.11.2010 um 10:23
seit 'Portnoys Beschwerden' - ach Sophie! - lese ich immer wieder gern Philip Roth

Berlin wimmelt von büchertrödlern
der hier
www.berliner-buechertisch.de/
ist gut sortiert
in der frankfurter allee findet sich, viel buch für wenig geld,
www.townster.de/berlin/ort/cafe-tasso
und der Patrick
www.muessiggang.net/
ist einfach nur nett und sehr hilfsbereit

um nur mal drei zu erwähnen

und es ist ja immer wieder erstaunlich, was manche leute nicht mehr lesen wollen!
oxnzeam schrieb am 03.11.2010 um 13:24
Bei ca 100.000 jährlichen Neuerscheinungen auf dem deutschen Buchmarkt gehts halt nicht ohne "Vorkoster". Angesichts dieser Büchermenge beschränken sich die Groß-Feuilletons und Bücher-TV-Shows allerdings auf Mainstream-Produktionen aus etablierten Verlagen (da ist Vitamin B im Spiel) oder auf Skandalträchtiges (Hegemann lässt grüßen).
Abseits von reinen Kommerz- und Publicity-Interessen findest du eine gute, alternative Buchauswahl incl. fachlich kompetenter Rezensionen bei den unabängigen Literaturmagazinen wie etwa in dem von der Uni Marburg herausgegebenen "literaturkritik.de", den Schweizer "rezensionen.ch", dem "literaturmagazin-schnipsel.de", für Lyrikfreunde interessant der "poetenladen.de" und "fixpoetry.com" - weitere in den jeweiligen dortigen handverlesenen Links zu seriösen Kollegen-Magazinen.
A bisserl eigene Wühlarbeit musst dir natürlich schon zumuten...
________________________________

Bei der Gelegenheit möcht ich obigen konkreten Tipps auch einen hinzufügen und euch einen "Dauerbewohner" meines Nachtkasterls vorstellen: einen außergewöhnlichen, trotz Petrarca-Preis einer breiten Leserschaft kaum bekannten, dafür von Kennern schon fast als ‘Klassiker’ geschätzten Schweizer Autor.

Ludwig Hohl gehört nach wie vor zu meinen Favoriten, wenn ich ‘n Kick im Schreib- oder Lese- oder Unruhe-Kopf suche. Sein Hauptwerk “Die Notizen oder Von der unvoreiligen Versöhnung” liegt bei mir immer in Griffnähe - für den Fall kopfmäßiger Leere bei gleichzeitiger Lust auf’n Schuß Boshaftigkeit…
Hohl hat als Form für seine literarisch-philosophische Arbeit eine genre-überschreitende Mischung gewählt:
Aphorismus, Traktat, Kurzprosa, Gedicht, Zitat - Alles fügt sich zu einem offenen Schreibsystem mit dennoch inhaltlich und formal aufeinander abgestimmten Texten in verschiedenen Abschnitten zusammen (”Vom Arbeiten”, “Vom Unerreichbaren und Erreichbaren”, “Vom Schreiben”, “Vom Tod” etc.).
Seine Sprache ist so genau, daß sie wie gemeißelt wirkt und doch lebt dieses organisch gewachsene und durchdachte Gebilde von einer erfrischenden Subjektivität.
Er wollte nie als Aphoristiker bezeichnet werden, als zu komplex sah er seine Schreibe an, - und dennoch: Man kann auch Einzelnes von ihm herausgreifen und sich eben diesen Kick damit “hohlen”, von Lichtenberg, Proust, Goethe und Anderen freundlich mitgegrüßt.

Lassen wir ihn selbst ein paar Sätze aus seinen “Notizen” dazu sagen:

“Einer von den großen Unglücksfällen ist, dass die Menschen nicht Reden wollen.
Nur Schwatzen oder Schweigen.”

“Und Schweigen, sagen sie, sei Gold. Wie gewaltig muss das Minus ihres Redens sein, dass ihm gegenüber schon das Nichts gleich Gold zu setzen ist.”

“Die ganze Kunst des Schreibens besteht darin, dass man kein Wort verwendet ohne volle Verantwortung.”
Technixer schrieb am 03.11.2010 um 19:32
WOW, solch eine Resonanz hatte ich nicht erwartet, vielen vielen Dank erstmal an Euch alle:



Hat mir auf jeden Fall weitergeholfen. Insbesondere das mit dem Buchhändler meines Vertrauens :-)
Deaktivierter Nutzer schrieb am 03.11.2010 um 19:49
diesen blog hab jetzt erst gesehen, also wenn es ihnen hilft, dann ist der beste tipp der, das zu lesen wofür man sich interessiert oder was einen irgendwie, auch ohne das thema zu kennen, anspricht; mit bestseller- sachen tue ich mich schwer, ich hab mir mal von bernhard schlink "der vorleser" und "das wochenende" geholt, weil alle es kannten (auf hörbuch, ich banause) und war verärgert über den stuss, auch wenn er halbwegs gut geschrieben war; dann flattert einem ein updike ins haus, und man denkt, ja, der tickt wie ich; und gegen die klassiker, die einem die lehrer in der schule nahe bringen wollten ist eh nichts zu sagen, deswegen sind sie ja klassiker. mfg
Deaktivierter Nutzer schrieb am 03.11.2010 um 19:57
ach ja, ich stehe ganz klischeehaft auf shakespeare, erst recht, weil einige munkeln es sei eine frau gewesen, die das geschrieben hat. mfg
weinsztein schrieb am 04.11.2010 um 00:22
Oh ja, Updike! Von dem habe ich fast alles gelesen. auch den empfehle ich Dir wärmstens, technixer!
Käptn Kirk schrieb am 04.11.2010 um 18:26
Hier mein Tipp: "The Yiddish Policemen's Union" deutscher Titel: "Die Vereinigung jiddischer Polizisten" von Michael Chabon, der 2001 den Pulitzer-Preis erhielt.

books.google.ch/books?id=-reD1g77BfsC&dq=The+Yiddish+Policemen%27s+Union&source=bl&ots=ObVPOoUX6h&sig=YAd6TnjnrAEPgPokoy_DwZvSabI&hl=de&ei=q-nSTMHONY6aOpD0gdUP&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=4&ved=0CDUQ6AEwAw
Angela S. schrieb am 06.11.2010 um 14:34
Weder zu erhaben noch zu stupide, einfach gute Unterhaltungsliteratur:

John Irving, "Das Hotel New Hampshire", oder auch "Gottes Werk und Teufels Beitrag", und vor allem "Owen Meany"
Angela S. schrieb am 06.11.2010 um 14:36
Ach ja, der beste Tipp, um geeignete Bücher zu finden: einfach nur mal in die Bücherei gehen, ein bisschen stübern und sich einen Schwung voller Bücher ausleihen.

Ich hatte noch nie das Problem, nichts geeignetes zum Lesen zu finden. Eher das Gegenteil.
Technixer
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