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Es wäre durchaus praktisch gewesen. Ein Ratschlag oder eine Informationsveranstaltung seitens der Schule oder der Wirtschaft. Ich wäre dankbar gewesen, dass was ich jetzt weiß, bereits zur Zeit des Abiturs zu wissen. Es werden nämlich immer mehr Menschen die einen höheren Abschluss besitzen und, entgegen allem angeblichen Fachkräftemangel-Geunke, gibt es weltweit auch immer mehr Akademiker. Bevölkerungstechnische Schwergewichte wie China, Indien oder Indonesien reformierten ihr Bildungssystem und sind bei einigen Universitäten durchaus auf westlichem Standard angekommen.
Doch dieses Blog soll nur ein kleiner Ratgeber sein, was man eventuell bei seiner Wahl berücksichtigen sollte:
Zur Wahl des Studiengangs:
In unserer tollen Wirtschaft werden nicht mehr benötigt:
Naturwissenschaftler wie Chemiker (Synthesen sind automatisiert), Biologen (es gibt zu viele) und Biochemiker. Diese Studiengänge sind stark Theorielastig und finden kaum praktische Anwendung in der freien Wirtschaft. Der Umstand ist so eklatant das Nature dem weltweiten Problem eine eigene Ausgabe gewidmet hat. Freie Mitarbeiterstellen in der Forschung gibt es genügend, aber nur mit befristeten Arbeitsverträgen und mieser Bezahlung.
In Forschungsinstituten wie dem Robert-Koch-Institut oder der Max-Planck-Gesellschaft hast du zudem Arbeitszeiten von 50-60h/Woche. Hintergrund ist, dass du neben deiner Laborarbeit massenweise Literatur lesen, Vorträge vorbereiten und an Tagungen im In- und Ausland teilnehmen musst.
Medizin; einer der gesellschaftlich am geachtetesten Studiengänge. Hohe Abbrecherquote, Burn-Out und Medikamentenmissbrauch sind bis zur Übernahme von Papis Praxis an der Tagesordnung.
Germanistik, Geschichte, Judaistik und der Großteil geisteswissenschaftlicher Studiengänge wird nicht benötigt.
Soziologie, viele der ehemaligen Weltverbesserer enden in Public-Relationsabteilungen von Werbeagenturen.
Informatik; zu theorielastig, hinkt der anwendungsorientierten IT der Unternehmen um Jahre hinterher. Daher hat dieser Studiengang, zusammen mit BWL laut Statistik auch die höchsten Arbeitslosenraten unter den Akademikern.
BWL; brauch kein Mensch. Firmen wie Ernst&Young suchen VWLer. In einer immer stärker globalisierten Wirtschaft, was will man mit Betriebswirten? Die Wenigen, welche benötigt werden arbeiten ja auch mind. 30 Jahre. Allein an der FU Berlin fangen jährlich um die 500 junge Menschen diesen Studiengang an, im Vergleich dazu die Biologie mit 80. Da kannst du dir an einer Hand ausrechnen wie sehr dein Talent gefragt ist.
Journalismus, Publizistik und Kommunikationswissenschaften; bevor du damit anfängst versuch mal ein Praktikumsplatz zu bekommen ;-) und informiere dich unbedingt über die Begriffe 'Freier Mitarbeiter', 'PR-Journalismus' und 'prekäres Beschäftigungsverhältnis'.
Die Entwicklung der kapitalgesteuerten Wirtschaft verlangt einerseits eine immer höhere Spezialisierung (weshalb ein grundlegendes Prinzip der Universitäten, nämlich universelles Denken nahezu überflüssig geworden ist), bietet andererseits immer langweiligere gleiche Arbeitsabläufe. Diese Richtung senkt nunmal die Produktionskosten. Innovationen erfordern häufig langfristige Kapitalbindung und bergen das Risiko des Totalverlusts.
Jura; das erste was die Studenten dort lernen ist den Idealismus mit Begriffen wie Gerechtigkeit, Menschlichkeit und Gleichheit über Bord zu werfen. Dies führt zu hohen Abbrecherquoten. Hast du kein Vitamin B zu teuren Kanzleien ist es sowieso überflüssig. Sind deine Eltern nicht reich, kannst du die benötigten Repetitorien nicht bezahlen und bekommst vergleichsweise schlechte Noten.
Zu empfehlende Studiengänge:
Ergänzungen zum Blog oder Korrekturen sind ausdrücklich erwünscht.
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Wen tatsächlich in erster Linie wissenschaftliches Interesse zu einem Studium motiviert, der ist mit dem Tipp, zunächst eine Ausbildung zu machen, meines Erachtens oft schlecht beraten.
Es kommt natürlich auch darauf an, wie theorielastig der Ausbildungsberuf ist bzw. wie stark Apsekte der Angewandten Forschung das spätere Studium prägen. Für einen angehenden Maschinenbauer ist eine entsprechende Lehre sicher sehr hilfreich. Allerdings sehe ich eine deutliche Gefahr, dass man sich an das Leben als "normaler" Arbeitnehmer mit einem hauptsächlich durch Routine bestimmten Arbeitsalltag gewöhnt. Dann nach 3 oder gar 4 Jahren an die Uni zu wechseln, kann zu einem ganz ordentlichen Anpassungsschock führen. Auch sehe ich da finanzielle Argument nicht ganz so kritisch, wie oben dargestellt. Gerade im Osten gibt es einige Städte, wo man selbst mit sehr geringen finanziellen Ressourcen über die Runden kommen kann. Das geht natürlich nur, wenn man nicht über die ZVS (oder wie das neue System jetzt heißt) irgendwo zwangsweise hingeschickt wird. Außerdem gibt es an vielen Lehrstühlen/Instituten jede HiWi-Jobs, die das Einkommen aufbessern und wo man mit etwas Glück sogar noch etwas lernen kann. |
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"geringen finanziellen Ressourcen über die Runden kommen"
Das trifft den Nagel allerdings auf den Kopf. Noch vor 20 Jahren wäre es ein Unding gewesen, die Absolventen von Hochschulen mit solch lächerlichen Gehältern und befristeteten Arbeitsverträgen abzuspeisen wie das heute der Fall ist. Die Gründe dafür habe ich versucht zu umreißen. Es gibt relativ wenig Hochschulstudiengänge die danach einen gutbezahlten Arbeitsplatz versprechen (wie die zum Schluss genannten). Wohingegen es früher selbst einem Geschichtsstudenten gelingen konnte Bundeskanzler zu werden ;-) |
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schrieb am
31.08.2011 um 14:27
@Technixer
Der schnelle Anstieg der Stellenzahl für hochqualifizierte Arbeitnehmer (sowohl im akademischen Bereich selbst als auch in der öffentlichen Verwaltung sowie der Privatwirtschaft) war ein zeitlich begrenztes Phänomen - wohl beginnend in den 60ern und halbwegs beendet Anfang der 90er. Seitdem muss man in vielen Bereichen wieder darauf warten, dass jemand in Pension geht, bevor eine Stelle frei wird. Allerdings ist in meinem Bekanntenkreis (hauptsächlich Rhein-Main-Gebiet, alle Ende 20) kein Akademiker arbeitslos. Richtig gut zu verdienen (also jenseits der Beitragsbemessungsgrenze der Sozialversicherung) ist allerdings auch nicht unbedingt üblich. |
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Nunja, es gibt ja momentan das interessante Phänomen, dass junge Fachkräfte (sowohl Akademiker, als auch Facharbeiter) aus dem Osten nach Süddeutschland emigrieren und im Gegenzug dazu Süddeutsche nach Berlin ziehen.
Aus meinem engeren Freundeskreis sind bereits 10 Leute nach Bayern und BaWü gezogen und neue Bekannte aus Süddeutschland hinzugekommen. Also es scheint nicht unbedingt ein Problem zu sein Arbeit als solches zu bekommen. Nur war es früher so, dass man im jeweiligen Bereich, mit der Grundvorraussetzung eines Hochsschulstudiums, innerhalb der Wirtschaft aufsteigen konnte. Hingegen es heute nur diejenigen schaffen, welche die gefragten Studienabschlüsse (s.o.) besitzen. In den Life Sciences sieht es allerdings wirklich düster aus. Das hängt damit zusammen, dass Labore vom Grundprinzip her immer gleich aufgebaut sind und immer mehr Arbeiten automatisiert werden (bspw. ELISA Test). Wo früher zig Doktoren ihr Tagwerk verrichteten, kontrolliert heute EIN Biologe die Zellkulturen und wertet die Ergebnisse aus. Es ist also nicht nur der Arbeitsrhytmus von 30-40 Jahren, welcher Stellen blockiert, sondern auch das Senken von Produktionskosten und die 'Effektivisierung' von Arbeitsabläufen. Fraglich ist allerdings, wenn das so weiter läuft, ob die Menschen alle nur noch im Technikbereich arbeiten wollen (Stichwort Green New Deal). |
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@Technixer, der Stress beginnt in der Schule!!!!
Vom Elternabend Kl. 9 am Gymnasium zurückgekommen habe ich ihren ***** Beitrag gelesen. Thema waren die "Praktikumsplätze" für die Schüler in diesem Jahr. Die Akademiker in der Elternschaft rümpften nur die Nase über die bescheidene Anfrage nicht-akademischer Eltern "wo man sich denn optimal informieren könne". "Na haben sie denn keine Beziehungen, hat ihr Mann denn nicht selbst eine Praxis, arbeiten sie nicht in einem Ministerium?" Eine fürsorgliche Mutter berichtete vom Besuch in einer Agentur die "Profi-Bewerbungen" schreibt + Beratung für eine "stylisches Profil". Wir sprechen von Vierzehnjährigen und deren "Lebenslauf". Schlagartig wurde mir bewußt, dass es ein mit "ungeahnten Gefahren und Hürden" gepflasteter Weg bis zum Abi-Führerschein wird. Ein Artikel in der FAZ vom Sonntag www.faz.net/s/Rub035D49F52EC347D5A803F3F19B49A0EA/Tpl~Ezeitung~Sdrehscheibe~Apge~E37.html ("Voller Angst begleiten die Eltern die Karrieren der Kinder") bestätigt dieses Gefühl. Vorsorglich werde ich mir bereits heute einen Termin bei einem potenziellen Doktorvater geben lassen.... es fragt sich nur für welches Studienfach, vielleicht "Vor- und Frühgeschichte"? |
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schrieb am
31.08.2011 um 15:36
@lisi stein
Meine Güte, die Eltern sollen sich halt nicht so verrückt machen (lassen). Wohl leichter gesagt als getan. Aber total verunsicherte Eltern können ihren Kindern ernsthaft schaden. Wen auf diesem Planeten interessiert es, wo ein Neuntklässler, der als Gymnasiast noch 3 bis 4 Jahre allein an Schulausbildung vor sich hat, seine drei Wochen Praktikum (glaube, zu meiner Zeit waren es drei Wochen) absitzt? Ob der/die das in einer Bäckerei macht, in der Stadtverwaltung oder bei nem Rechtanwalt - drauf geschissen. Der Einfluss auf das spätere (berufliche) Leben ist Nullkommanull. (Will natürlich nicht ausschließen, dass da jemand plötzlich seine Berufung entdeckt oder sonstwie außerordentlich wertvolle Erfahrungen sammelt - aber die Regel ist das sicher nicht.) |
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Aus meiner Warte heraus kann gweberbv nur zustimmen. Alles was NACH dem Abitur kommt ist entscheidend.
Universitäten, Fachhochschulen und Arbeitgeber entscheiden immer noch anhand der Noten und dem daraus resultierenden numerus clausus. Hintergrund ist, dass die Qualität des Unterrichts der Fächer stark variiert und in den ersten Semestern sich eh die Spreu vom Weizen trennt, bzw. im Lehrberuf durch die Übernahme in den Betrieb. In Österreich ist der Zugang an den Unis NC frei, die regeln das über Vorbereitungssemester mit Abschlussklausur. Also mach dir da nicht so eine Platte darüber Lisi oder möchtest du, dass deine Kinder mit 30 Burnout haben? Es gibt nämlich schon Fälle von 14-16 jährigen Gymnasiasten, welche wegen der vielen "tollen" Förderung zusammenklappen... Ich will mit dem Beitrag eine kritische Orientierungshilfe für Abiturienten leisten. Mir hat das nämlich damals keiner erklärt. Studieren war das A und O egal was, es sollte quasi garantieren das Leben in gesicherten Verhältnissen zu verbringen. Aber denkste! Pustekuchen! Im berufsvorbereitenden Seminar im 5. Semester brabbelten die Betriebe noch davon, dass ein akademischer Abschluss vollkommen ausreiche, egal welcher. Das ist alles gequirlter Mist. Die BASF bietet momentan offiziell fünf freie Vollzeitstellen an für Berufseinsteiger. Keine einzige ist für Naturwissenschaftler und das beim weltgrößten Chemiekonzern ;-) |
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schrieb am
31.08.2011 um 20:21
@Technixer
Schau lieber nochmal nach: https://jobs.europe.basf.com/sap/bc/webdynpro/sap/hrrcf_a_unreg_job_search?sap-client=002&sap-language=de Suchkriterien für Stellenangebote Einsatzgebiet: Forschung und Entwicklung Bewerbergruppe: Berufsanfänger Suchergebnis: 57 Treffer War da vor ein paar Jahren selbst mal für ein Praktikum nach dem Vordiplom. Da müsste sich schon sehr, sehr viel verändert haben, wenn die nun keine Wissenschaftler mehr rekrutiert würden. |
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schrieb am
31.08.2011 um 21:14
@Technixer
Der Begriff "Abi-Führerschein" war bewusst gewählt. Von der hinteren Schulbank aus, beobachte ich gerne diese Vorstellungen wo Eltern sich gegenseitig mobben.... diese Verhaltensform selbstverständlich als "setz Dich durch" an ihre Kinder weitergeben. Meine Erfahrung an der Uni war, egal was man studiert, wenn man davon überzeugt ist, kommt man durch und findet seinen Weg. Das scheint mir die Grundvoraussetzung zu sein. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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