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Im Rahmen der deutschlandweiten Exzellenzinitiative wurde die Freie Universität Berlin im Oktober 2007 eine Exzellenzuniversität und kam so, nach dritter Wahlrunde in den noblen Kreis der Eliteuniversitäten.Wir wähnen uns eins mit Namen wie Oxford, Yale, Harvard und Co.
Quasi über Nacht verwandelte sich der Campus in blühende Landschaften.
Doch irgendwie ging der Plan bis heute, also drei Jahre später, nicht so ganz auf. Der Etat der Universität und seiner Fachbereiche hat sich nicht sonderlich erhöht, im Gegenteil: staatlicher Jahreszuschuss 270 Millionen Euro, verausgabte Drittmittel 95 Millionen. Von den im Wintersemester 2002/2003 ca. 43.000 Studenten sind noch ganze 28.500 übrig geblieben. Das Credo von mehr universitären Abschlüssen, wurde vom Berliner Senat nicht so ganz erhört ;)
Im Vergleich dazu unsere Partneruniversität die Stanford University, mit ca. 15.000 Studenten und einem Stiftungsvermögen von 17,2 Mrd. USD.
Doch worum es mir geht ist hier nicht, die Dümmlichkeit dieser "Exzellenzinitiative" zu zeigen. Nein. Sondern darum inwieweit diese Auswirkung auf unseren Fachbereich hat.
Der Fachbereich der Institute für Biologie, wird nämlich nur noch im Rahmen der Exzellenzcluster gefördert. Was heißt das konkret. Es bedeutet, dass nur ein kleiner Teil, in unserem Fall die Pflanzenphysiologie massiv gefördert wird. Es gibt ein nagelneues Gewächshaus und eine Vollprofessur (C4) mit allem Pipapo.
Hingegen in der Neurobiologie die Stelle des emeritierten Professors Randolf Menzel, einfach so 2 Jahre lang nicht besetzt wurde bzw. ausgeschrieben. Es mussten erst unsere Fachbereichsdekane streiken und klagen, bevor seitens des geisteswissenschaftlichen FU Präsidenten eingelenkt wurde. Oder die Zoologie, wo rigoros auslaufende Stellen nicht neu besetzt werden. Die Zoologie, Tiergenetik und Mikrobiologie ist praktisch nicht mehr präsent!
Wir von der Mikrobiologie, freuen uns jedenfalls aktuell über folgende Situation:
Eine neue Pflanzenphysiologie-Vollprofessur. Dafür bekommt die Dame, ein nagelneues riesengroßes Labor. Eine Etage tiefer, dürfen wir uns daran erfreuen das zwei unserer drei Labore geschlossen wurden, um irgendwelche Kabel durch die Decke zu ziehen.
Anfang September hieß es wir sollten die Labore bis Ende September geräumt haben damit zwei Wochen in ihnen gebaut werden kann. Gesagt getan, Labor leer. Doch keine Arbeiter. Nichts tat sich. Ganze zwei Wochen lang. Auch Oktober November wurde nur sporadisch gewerkelt. Man kann sich das gar nicht vorstellen wir "arbeiten" auf drei Ebenen (Keller, Erdgeschoss und 1. Stock). Anfang November wurde überhaupt erstmal angefangen- Seitdem wird überall gebohrt, mit dem Presslufthammer wurden Bodenstücke rausgebrochen und das Ganze bei VOLLEM BETRIEB!
Zellkulturen allesamt kontaminiert, die Arbeit von Wochen zerstört. Die Studenten haben ein laufendes Semester, der Lehrbetrieb muss weitergehen. Momentan teilen sich 3 Diplomanden, 2 Master, 2 Bachelor Studenten und ein Studienkurs mit 8 Teilnehmern einen Raum von ca. 16m²
Die Labore sind jetzt bereits seit zweieinhalb Wochen gesperrt und das bis zum 6.12.
Damit noch nicht genug, ist die Versorgung mit entionisiertem Wasser zusammengebrochen. Man kann also keinerlei Medien oder Puffer ansetzen.
Solch ein Desaster bekommen scheinbar nur staatliche Institutionen. Welcher Schwachkopf die Ausschreibungen für diese Arbeit getätigt hat ist mir schleierhaft. Denn es gilt das Prinzip des billigsten Anbieters. Was passiert? Ein Unternehmen mit lauter Subunternehmen wird für den Auftrag engagiert. Das Chaos ist vorprogrammiert. Die Privatwirtschaft würde JEDEN TAG Verzögerung mit hohen Bußgeldern belegen. Die Verträge müssen infantile Beamte gefertigt haben. Anders ist diese Form des Diletantismus nicht zu erklären.
Die Elektriker arbeiten in unseren Laboren allerhöchstens vier Stunden am Tag. Während wir uns übereinander stapeln. Die Leute sind gestresst. An vernünftige Lehre gegenüber den Studenten ist da nicht zu denken.
Hurra wir sind Elite!
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Technixer, Du bist ja verdammt sauer. Ich hoffe, Dir können keine Probleme entstehen wegen des Textes, von wegen öffentlich über den Arbeitgeber nörgeln. Verstehen kann ich es.
In Aachen hat sich auch ein Wandel durchzogen. Seit wir auch Elite sind ist der NC für Medizin durch die Decke, obwohl die Fakultät nüscht damit zu hat. Die Wohnungspreise für kleine Studentenwohnungen steigen und wir lächeln alle seelig. Vielleicht wird sich das alles ja in einigen Jahren auszahlen, wenn Exzellente Studenten auf "den Markt" strömen und die Welt retten.... |
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"von wegen öffentlich über den Arbeitgeber nörgeln" ich habe keinen Arbeitsvertrag und bekomme kein Geld. Mein "Chef" erklärte mir theoretisch könnte ich ihn verklagen, weil er eingewilligt hat, mir eine Diplomarbeit zu geben. Das ich das nicht mache liegt einfach mal daran, dass a) ihn keine Schuld trifft und b) er einer der coolsten Prof's ist die ich kenne.
Der Fachbereich ist verpflichtet, mir als immatrikulierten Studenten eine Diplomarbeit zu ermöglichen. Doch genug von meinen Problemchen. Dieser Elitequark ist schlimm, denn wie du selbst merkst, es ist nur Make Up. Aber es wirkt. Ausländische Anfragen und Stipendien richten sich extra nach dem Status einer "Elite" Universität. Ist der NC für Medizin nicht deutschlandweit durch die Decke? Ich hab mal munkeln hören für Heidelberg liegt er bei 0,9 (also das gesamte Abitur mit 1+ bestanden) |
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PS: sauer ist unsere gesamte Arbeitsgruppe. Ich habe meinem Ärger einfach nur Luft gemacht.
Mein Prof. hat bisher übrigens keinen Verantwortlichen ausmachen können. Der Arbeiter tut wie ihm geheißen und verweist an den Polier oder Meister. Dieser schickt einem zum Bereichsplaner, also irgendein Inschienör. Der schickt einen zum Planungsbüro und diese wieder postwendend zum Ingenieur. Keiner wills gewesen sein. |
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Also, daß sich das auf staatliche Institutionen beschränkt, würde ich so nicht unterschreiben. Die Sparorgien in großen Firmen treiben durchaus auch öfters ähnliches hervor.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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