Technixer

Blog von Technixer

10.03.2010 | 02:00

Retter oder Verräter? Rettung der Banken Verrat an der Demokratie?

"Denk ich an Deuschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht" dieses berühmte Zitat aus Heinrich Heine's Nachtgedanken trifft wohl ziemlich gut, was in Deutschlands Schlafzimmern stattfinden dürfte, bei den vielen prekären Beschäftigungsverhältnissen, auf Grund der unsicheren Auftragslage.

Viele kennen ja mittlerweile die Gründe für diese Entwicklung. Zusammengefasst unter dem Wort des Jahrzehnts "Finanzkrise".

All die politischen Prozesse, welche im Zuge der Finanzkrise stattfanden haben eines herraus kristallisiert. WIR das Volk und die "Volksvertreter" haben keinerlei Möglichkeiten der Einflussnahme auf die völlig außer Rand und Band geratenen Finanzmärkte. Die Banken, welche dort agierten haben sich verspekuliert und sie zu verlieren würde angeblich zum Zusammenbruch des Systems führen. Ob die neoliberale Fürsprache zutrifft sei erstmal dahin gestellt. Viel interessanter ist, mit welcher Geschwindigkeit und mit welchen Auswirkungen der Rettungsfond durch das Parlament gepeitscht wurde. Der rechtliche Rahmen hat die private Rechtsanwaltskanzlei Freshfields gegossen. Eine internationale deutsche Kanzlei mit Verbandelungen zur Wallstreet ist für ein Gesetz verantwortlich, welches knapp 500 Milliarden Euro schwer ist und kaum Kontrolle und Informationspflicht durch das Parlament ermöglicht.

Dieser ganze unglaublich undemokratische Vorgang, bei dem die Eliten und deren Interessen durch CDU/CSU, FDP und auch die SPD hervorragend vertreten wurden, hält Attac für Verfassungswidrig. Daher wird eine rechtliche Aufklärung dieses Falles ins Rollen gebracht.

Um 19:15Uhr startete am 08.03.10 im Max und Moritz in der Oranienstraße 162 Berlin Kreuzberg eine Auftaktdiskussion über die Rechtmäßigkeit der Finanzmarktstabilisierungsfond (Sonderfond Finanzmarktstabilisierung SoFFin). Diskussionspartner waren Hans-Christian Ströbele (MdB für die Grünen)und Andreas Fisahn (Professor für Öffentliches Recht und Rechtstheorie der Uni Bielefeld).

Die rechtliche Untersuchung, soweit dies überhaupt möglich ist, ergab dass der Rahmen so gegossen wurde, dass dieser knapp an einer Notstandsverordnung vorbeigeschliddert ist. Parlamentarische Anfragen wofür die Steuergelder verwendet werden, werden ignoriert. Das Gremium zum Finanzmarktstabilisierungsfond tagt geheim und hat keinerlei direkte Befugnisse zur Kontrolle des Fonds. Der Leitungsaussschuss, welcher maßgeblich die Anträge der Banken bearbeitet besteht, oh Wunder aus Bankern. Dr. Hannes Rehm (zuletzt Vorstandsvorsitzender der Norddeutschen Landesbank), Dr. Christopher Pleister (Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken) und Gerhard Stratthaus. Dieser war zwar mal Finanzminister von BaWü und ist Mitglied des Bundestages, aber war auch gleichzeitig Vorsitzender des Aufsichtsrats bzw. des Verwaltungsrats mehrerer Banken.

Soll heißen man hat den Bock zum Gärtner gemacht und hat jegliche Einflussnahme verhindert.

Bei Betrachtung dieses Konstrukts kommt man zu dem Ergebnis, JA die Rettung der Banken in dieser Form ist ein Verrat an der Demokratie.

Wir haben hier eine pluralistisch oligarchische Scheindemokratie vorliegen, worin die Interessen der Eliten vertreten werden, aber nicht mehr das Volk.

"Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht" (Berthold Brecht)

 

 
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Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 10.03.2010 um 12:14
Die Sache mit dem Widerstand ist ja eher etwas für Idealisten. Da bleibt dann also höchstens die Wahl der privaten Geldlagerung unter der Matratze oder eben naivem Glauben an die Ehrlichkeit der Banker. Nun ist ja jeder intelligent, ein eigenverantwortlich handelnder Mensch sozusagen, weiß das Banken Profite machen müssen, das die Boni der "Manager" schon für deren private "Investitionen" angelegt sind, bevor sie überhaupt ausgezahlt wurden.
Darum hier nun von "pluralistisch oligarchischer Scheindemokratie" in der jeder dieses System dadurch unterstützt indem er "seine" Bank seine Finanzen "verwalten" lässt auch selbst Schuld wenn seine Ersparnisse in einem schwarzen Loch verschwinden. Würde jeder Arbeitnehmer, Freiberufler usw für nur ein Jahr sein Gehalt sofort bei "seiner" Bank in bar abheben, könnte dies durchaus dazu beitragen das sich Boni-verwöhnte Dummschwätzer einen neuen Job suchen müssten. Von den Spekulationsbankern ist schließlich keiner arbeitslos geworden sondern Systemträger, sachichma, sacht angie
Technixer schrieb am 10.03.2010 um 22:13
Den Banken ihre mickrige Eigenkapitalanlage komplett wegnehmen. Das wäre auf jeden Fall mal eine tolle Aktion zivilen Ungehorsams.
Aber, um den Ausdruck des Herrn Gibson zu nutzen, der "Deutsche Michel" bzw. das Heer der Kleinsparer, welches sich nichts sehnlicher wünscht als eine Rendite von 12-20%, wird niemals das Kapital abziehen. Zu groß ist der Egoismus und das Ziel der Selbstbereicherung.

Für das Nichtstun maximal viel Geld bekommen und wenn das nicht klappt wird geklagt. So wie es gerade die HRE Anleger tun. Einer wurde gestern bei Frontal 21 vorgestellt. Ein Renter ca. Mitte 70 hat 100.000€ "verloren". Dieser will jetzt vom Staat, seine Einlage zurück, vom Steuerzahler.
Warum verklagen die Herrschaften nicht die Banker? Diese haben ihnen doch die undurchsichtigen Papiere untergejubelt. Warum investiert man überhaupt sein Kapital in irgendwelchen Immobilien-Kredit-Versicherungsmischmasch und nicht in Biotech Firmen die in der Krebsforschung tätig sind.

Ganz einfach wegen der Gier. Solange macht der deutsche Michel und Sparstrumpf-Hanswurst genau das was er am besten kann, nämlich nichts und eine ordentliche Runde meckern.
Technixer schrieb am 10.03.2010 um 22:15
PS: und natürlich auf das Ende der Krise und ordentlich REndite hoffen.
Joachim Petrick schrieb am 31.03.2010 um 21:39
Hallo Technixer,
Du schreibst::
"Warum verklagen die Herrschaften nicht die Banker? Diese haben ihnen doch die undurchsichtigen Papiere untergejubelt. Warum investiert man überhaupt sein Kapital in irgendwelchen Immobilien-Kredit-Versicherungsmischmasch und nicht in Biotech Firmen die in der Krebsforschung tätig sind."

Das erinnert mich an die Fabel vom Rennen des Hasen und dem Igel:
"bin all wedder eher da!".
Die Anleger klagen doch gegen die Eigentümer der HRE, den Staat Deutschlandm, der es zuließ, dass die Bayrische Hypothhenkreditbank ihre Ost Immobilen Crash Risiken in die neu gegründete Hypotheken Real Estate Bank (HRE) Ende der neunziger Jahre unauffällig als Bad Bank ausgelagert und der Öffentlichkeit trotzdem die HRE als Good Bank kommunizieren durfte, ohne dass der BAFIN- HAHN krähte.
tschüss
JP
Carl Gibson schrieb am 10.03.2010 um 13:24
"Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht" (Berthold Brecht)

Brechts Erkenntnis gilt für alle totalitären Systeme und für alle Pseudo-Demokratien ebenso.

Der "deutsche Michel" hat so seine Schwierigkeiten mit dem "Widerstandsrecht", das ein Naturecht ist.

Seit der Antike (Griechenland und Rom) bzw. der Verbannung der Tyrannen aus der Polis (markantes Beipiel in Rom: Brutus und andere Senatoren stechen den allmachtgierigen Cäsar nieder, um die Demokratie der "res publica" zu retten) ist Widerstand höhere Bürgerpflicht.

Dort, wo der Staat versagt, muss der mündige Bürger Ungehorsam üben und für das die Durchsetzung des Naturrecht einschreiten.

Der "Einzelstaat" (Island, Greichenland etc.) hat in der globalen Finanzkrise versagt - aber auch die USA selbst, die über die SEC-Aufsicht zuließ, dass der Mega-Finanzbetrüger Madoff einen Schaden von ca. 60 000 000 000 (Milliarden US-Dollar) anrichten konnte.

Betroffen und enteignet auf "amrerikanisch" via Firmenkollaps waren in erster Linie die Amerikaner selbst, die heute auf ihre fast wertlosen Wertpapier-Depots blicken und ihren Betriebrenten nachtrauern, da Weltunternehmen einfach verschwunden sind, darunter Großbanken wie Merril Lynch, Lehmann Brothers etc.
Andere Riesen-Versicherungen und Investmentgesellschaften sind zahlungsunfähig, darunter zwei große US-Hypothekenbanken.
Warnungen waren da - Fehlspekulationen von Einzel-Finanzjongleuren in Milliardenhöhe.

Was meinte doch Bert Brecht - was ist das größere Verbrechen, eine Bank auszurauben oder eine zu gründen?

Die deutschen Landesbanken hatten nichts im Ausland zu suchen. Die BAFIN hat mehrfach versagt.
Und wer trägt die Konsequenzen - irgend ein Bauernopfer aus der Peripherie?

Steuermittel einsetzen, um "Bad Bank"(s) zu finanzieren, sprich um wertlosen Schrott aufzukaufen - in der Hoffnung auf bessere Zeiten, ist nichts anderes als Verschwendung von Steuern, von Geldern der Allgemeinheit, die nicht dazu da sind, um Spekulationen gieriger, nimmersatter Banker auszubaden.
Carl Gibson
Joachim Petrick schrieb am 31.03.2010 um 21:53
Hallo Carl Gibson,
ich fürchte eher,dass ganz nebenbei durch die so geannnten Rettungschirme, Rettungspakete für Banken und Versicherungen, die diese bisher mehrheitlich nicht einmal für ihre Eigenkapitalaufstockung nutzen wollen, am Haushaltskontrollrecht des Deutschen Bundestages vorbei, der Kapitalstock eines Schattenhaushaltes für die monetären Folgen und Wirkungen des NATO Krieges seit der Ausrufung des NATO Ernstfalles am 12. September 01 nach Nine Eleven, rechtlich fragil wie grundgesetzlich brisant riskant aber robust mandatiert konstruiert wurde.

tschüss
JP
Joachim Petrick schrieb am 31.03.2010 um 21:25
Hallo Technixer,
Bundeskanzler Gerhard Schröder hat am 12. September 2001 nach Beratung in einem parlamentarisch nicht legitimierten Beratungsgremium mit dem Altbundeskanzler Helmut Scjmidt, Altbundespräsident Richard von Weizsäcker, Hans Dietrich Genscher per "Basta" entschieden, die Ausrufung des Kriegsfalles durch die NATO am selben Abend vorwegzunehmen, und den USA die uneingeschränkte Soilidarität Deutschlands nach dem entsetzlichen Anschlag auf die Twin Towers Ground Zero Nine Eleven über alle verfügbaren Kanäle übertragen zu versichern. Seit dem 12. September 2001 befindet sich die NATO wie Deutschland als deren Partner im Kriegsnotstand, ohne dass die Schröder und folgende Bundesregierungen es bis hete für nötig halten, die faktischen und rechtlichen Folgen dieses Kriegsnotstandes gemäß unserer verfassungswirklichkeit der deutschen Öffentlichkeit zu erklären. Kein Wort darüber ist von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu hören, dass womöglich durch diesen Kriegszustand die Haushaltkontrollsrechte des Deutschen Bundestages außer Kraft gesetzt sind, wie mit dem Finanzmarktstabilisierungsfond (Sonderfond Finanzmarktstabilisierung SoFFin) und den dafür federführend berufenen Staatsekretären als Finanzregime- "Despoten" mit uneingeschränkter Macht über die Moneten der Proleten bereits geschehen?

Gut, dass in diesem verfassungsrechtliche Abenteuer mehrerer jBundesregierungen etzt juristisch eine Klärung angestrebt wird.
Danke!
tschüss
JP
.
Technixer schrieb am 01.04.2010 um 12:56
Uff, das ist ja ein Paukenschlag.

Daran habe ich mich gar nicht mehr erinnert, aber jetzt wo Du/Sie das anspricht (eigentlich schreibt). Da war ja was gewesen 2001, kann mich deswegen an die rechtlichen Konsequenzen erinnern, weil ich da grad beim Bund war und die Kasernen alle den Verteidigungsfall hatten. Überall Sandsäcke und MG Stellungen.

Eigentlich müssten die Öffentlich-Rechtlichen über diesen Skandal etwas bringen, aber da würde wohl der Rundfunkrat zur Wahrung der gesellschaftlichen Ruhe anmahnen.
Joachim Petrick schrieb am 01.04.2010 um 19:31
ich Uff Dich,
und hoffe für uns alle
ToiToiToi!!, dreimal schwarzer Kater übern Freitags Prater.

trotzdem und gerade:
"Frohe Ostern!"
im NATO- Kriegsjahr Zehn.

tschüss
JP
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