Technixer

Blog von Technixer

12.01.2011 | 23:11

Selbsternannte Tierschützer nerven

Ein Appell an die Vernunft.

 

Liebe Mitmenschen,

Bitte hören Sie auf Enten zu füttern! Bitte lassen sie Willy nicht frei! (Mitgebrachte Tiere aus dem Ausland einfach in die Natur auszusetzen) Und bitte bitte bilden Sie sich nicht ein, dass befreien von Nerzen aus Tierfarmen ein sonderlich heroischer, der Umwelt dienlicher Akt ist.

......

Frühjahr bis Herbst jedes Jahr das gleiche Schauspiel, nicht nur Rentner, nein, ganze Heerscharen von Familien mit kleinen Kindern dackeln zu den örtlichen Gewässern und schmeißen vertrocknete Getreideprodukte dem lieben Federvieh vor die Schnäbel. Zugrunde liegt dem Handeln die sogenannte Tierliebe und die Nähe zu Mutter Natur.

Also wird auf Deibel komm raus Alles ins Gewässer gekübelt. Die Schilder welche am Rand der Gewässer stehen werden getrost missachtet, denn die bösen Behörden haben ja keine Ahnung! Nun lassen Sie sich von einem echten Biologen gesagt sein, dass der Grund nicht in ministerieller Garstigkeit liegt, sondern in der Gefahr der Eutrophierung des Gewässers. Wie kann es dazu kommen? Da die Tiere mehr fressen, scheiden sie auch deutlich mehr Fäkalien aus. Hinzu kommen deutlich höhere Geburtenraten, bzw. erhöhte Überlebenschancen der Nachkommen.

Nun könnte der Laie denken "Toll! Dufte! Ist in den Medien nicht immer vom Artensterben die Rede?"  Ja, in der Tat, aber den menschlichen Abfall fressen nur bestimmte Arten von Tieren. Insbesondere Allesfresser wie Ratten, Wildschweine et al. In Sachen 'Brot-fürs-Gewässer!' tun sich an Eurem Mampf vor allem Ratten gütlich. Die Folge selbst kranke Tiere überleben (häufig gerade so) und können Nachkommen zeugen.

Gut sichtbar wird die gestörte Entwicklung von Wildtieren an Tauben, welche vor allem auf Bahnhöfen übermäßig viel Futter finden. Die Tiere haben oftmals verkrüpelte Füße, schlecht gepflegtes Gefieder, verformte Schnäbel oder nur ein Auge.

Das gleiche Schauspiel grenzenloser Kuscheltiersucht muss ich nun allen Ernstes bei Wildschweinen beobachten. Es gibt genügend Gehirnamputierte, welche den Tieren ganze Einkaufstüten von Lebensmitteln hinschütten.

Die Folgen sind verheerend. Die Bachen werden nun zwei Mal pro Jahr trächtig.  Teilweise ist eine Verfettung der Allesfresser zu beobachten. Weiterhin verhalten sich die Tiere nicht mehr scheu sondern lassen sich sogar streicheln.

In Berlin wird man der Borstenviecher nicht mehr Herr, sie streifen durch die Wohngebiete. Dort können die Jäger logischerweise nicht schießen.

Wir haben hier keine Wölfe oder Bären welche limitierend auf diese Tiere wirken können. Die Folgen solcher regelrechten Monokulturen lassen sich an unseren Wäldern ablesen.

Und zu guter Letzt soll noch auf die selbsternannten Tierliebhaber aka Befreier eingegangen werden. In Tierfarmen werden keine aus Ökosystemen entnommenen Tiere gehalten (i. d. R.). Dies hat auch ökonomische Gründe. Die Felle von Zuchttieren sind einfach "besser" und die Fertilität ist künstlich erhöht.

Nerze meine Lieben, sind üble Nesträuber und die erhöhte Geburtenrate der Zuchttiere führen zu schweren Schäden in Singvogelpopulationen.

Auch ist mir aufgefallen, dass ihr immer nur die knuffigen Kuschelsäugetiere "schützt". Eure nervtötende Blödheit über einfachste ökologische Zusammenhänge, treibt seltsame Blüten. In UK ist das amerikanische Grauhörnchen mittlerweile so verbreitet, dass das Eichhörnchen in bestimmten Landesteilen völlig verschwunden ist. Das Grauhörnchen blüht unter den neuen Bedingungen förmlich auf. Höhere Fertilität, größerer Hunger, schnellere Generationszyklen führen zu einem verschwinden ganzer Singvogelpopulationen, das ökologische Gleichgewicht ist in Gefahr. Doch als die staatlichen Behörden das Squirrel zum Abschuss freigeben (in Ermangelung natürlicher Feinde) der Eklat. Radikale Möchtegern Tierschützer gehen auf die Straße und die Parks, hindern die Behörden an der Arbeit. Ich habe dafür keinerlei Verständnis, eigentlich auch keine Biologen. Die arbeiten lieber bei Greenpeace und dem WWF, fragt euch doch mal warum ;-)

Wer unbedingt etwas für unsere Natur tun möchte hier ein paar Tips:

  • kein Auto fahren
  • Strom und Wasser sparen (nicht nur aus monetären Gründen)
  • Biobaumwoll Kleidung tragen
  • keinen Müll rumschmeißen
  • keinen Pelzmantel oder Pelzbesetzte Kleidung kaufen
  • und so weiter und so fort

PS: das Füttern unserer Singvögel im Garten ist etwas anderes, dies hängt schlicht und ergreifend mit der Menge zusammen. Auch kann handelt es sich bei dem Vogelfutter um Samen, welche im Gegensatz zum in Wasser geschmissenes Brot einfach auskeimen.

 
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Kommentare
philoron schrieb am 12.01.2011 um 23:29
Hilfe naht- ganz natürlich und ohne anfüttern! Der Wolf ist auf dem Vormarsch. Schon 60 freilebende Tiere in unserem Land......
Technixer schrieb am 13.01.2011 um 16:33
Na man hat ja an dem Bären in Österreich gesehen, was passiert wenn Mutter Natur den Huminiden zu Nahe auf die Pelle rückt.
merdeister schrieb am 12.01.2011 um 23:51
Georg Kreissler - "Tauben vergiften im Park"

Und ich geh morgen Enten erwürgen am See. Versprochen.
GeroSteiner schrieb am 13.01.2011 um 00:23
Das Problem mit den Enten wird in Indien ganz anders gelöst. Da müssen die Enten Steppenbrände austreten, weil sie so große Füße haben. Glücklicherweise haben die indischen Elefanten noch größere Füße als die Enten, die können dann nämlich die brennenden Enten austreten.
Technixer schrieb am 13.01.2011 um 16:36
Ihr beide blödelt hier nur rum :-P

@ Merde: Warum willste denn Erpel killen? Hast du so ein geübtes Auge die genetisch "Guten" ... na du weist schon.
Frag lieber mal beim Tilo nach, der weiß wer die guten Gene hat.
h.yuren schrieb am 13.01.2011 um 22:16
lieber technixer, was pöbelst du hier herum!
die verkrüppelten taubenfüße kommen von den vogelschützern mit den zinken an simsen und dächern.
die wildschweine werden mehr von jägern als von spaziergängern gemästet.
und nun die biologen, genauer: zoologen. immerhin hat jetzt eine kleine forschergruppe den beweis erbracht (in: Nature 469), dass die ach so verständigen zoologen vor lauter forscherdrang den tieren übel mitspielen, hier am beispiel der pinguine gezeigt, denen metallbänder an die flügel geklemmt werden, damit man sie rund um die uhr verfolgen kann.
wissenschaftler können genauso dämlich, das heißt, moralisch verblödet sein, wie müßiggänger und renitente rentner.
Technixer schrieb am 14.01.2011 um 01:46
Lieber Herder,

in Bezug auf Schmalspurwissenschaftler hast du meine volle Zustimmung. Doch sollten wir bei der Mehrzahl selbiger (Biologen) von relativ Vernunftbegabten ausgehen.

Warum du hier die Pinguine bzw. den Stressfaktor durch Untersuchungen (Verhaltensbiologie/Ökologie) einführst ist mir nicht ganz klar. Die Intention des Aufrufs sollte klar sein! Das die wissenschaftlichen Arbeiten im höchsten Maße den Stress der Wildtiere erhöht ist mir sehr wohl klar.

Dies ist aber nicht die Schuld der Wissenschaft, sondern der Wirtschaft. Dieser muss schließlich haarklein gezeigt werden, warum dies und jenes Gebiet oder diese und jene Art nicht gefährdet sein darf (gutes Bsp. Haiarten). Die Industrie stellt dümmliche Behauptungen auf und die "Gegner" müssen fundierte Nachweise erstellen, warum nicht alles augeschlachtet werden darf.

Natürlich ist die Frage nach dem 'Wie funktioniert Alles?' + Impactfaktor und Co eine treibende Kraft , aber meiner Ansicht nach, nicht so sehr wie der Kampf gegen die wirtschaftlichen Windmühlen.

Warum ich so pöble? Weil die Leute scheinbar den 'Warum'-Fragen eher unaufgeschlossen sind, sondern lieber die schnatternden Enten, grunzende Wildschweine streichelnd ihren Kindern zeigen wollen. Welches im Übrigen einen völlig falschen Eindruck über Tiere an den Nachwuchs vermittelt. Verbote werden ignoriert, das Fehlverhalten der eigenen Handlungsweise kleingeredet.
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