Technixer

Blog von Technixer

02.05.2011 | 13:44

Soziale Gemeinschaften - Ein Kommentar zur totalen Kommunikation

Vor knapp 1,5 Jahren habe ich meinen FB, StasiVZ und MSN Zugang gelöscht. Was für ein riesen Aufwand, die ganzen Bilderverlinkungen und Fotoalben wurden sicherheitshalber einzeln von Hand gelöscht, bevor der Account 'deleted' wurde.

 

Du musst dich wieder anmelden. Warum? Na alle sind da. Wie alle? Na einfach jeder von uns.

Und Arbeitgeber? Sind natürlich auch da. So kann man bei seinem tollen Arbeitgeber gleich den 'I like button' klicken und erfährt die neuesten Firmennachrichten.Was wenn nicht? Fühlt sich dann die Arbeitskraft nicht mit der Firma verbunden? Denn Mark sein Netzwerk wird wie ein Pinboard genutzt. Firmenfeier, Geburtstag vom Chef. Wie du hast nix davon gewusst?!

Der Druck zumindest Facebook wieder beizutreten ist hoch. Neue Bekanntschaften adden dich lieber zum FB Freundeskreis, als die Telefonnummer rauszurücken. Sie wollen in den Fotoalben und im Freundeskreis stöbern, was man so macht usw.

Geht es nur mir so oder ist euch auch aufgefallen, dass die totale Kommunikation in der realen zwischenmenschlichen Interaktion eher dazu führt, dass man sich nichts mehr zu sagen hat?Mir jedenfalls ging es so. Man wusste schon alles, denn alles war gepostet. Trifft man seine Freunde und Bekannten, dann wissen alle schon alles. Wo man im Urlaub war (Fotoalbum ist ja gepostet), was man sich für neue Sneaker geholt hat, wer die Freundin ist. Sogar Negativmitteilungen mit Pseudomittleid kann man sich abholen: 'Mutti gehts nicht gut' > "Das tut mir leid, ich wünsch ihr gute Besserung".Bin ich altmodisch oder warum schätze ich persönlichen Kontakt als höherwertiger ein? Die Netzverbindung ist unverfänglicher. Ein Geburtstagsgruß via Gästebucheintrag weniger direkt als eine SMS? Ein geschriebener Brief oder gutformulierte Email, bereiten natürlich mehr Arbeit, als via copy & paste eine lahme HTML-Torte auf die Pinwand zu zaubern.

Die Gespräche vieler Jugendlicher in der Bahn drehen sich nur noch darum was, wer, wann, wie gepostet hat. Es entsteht auch viel unnötiger Streit auf Grund der fehlenden informativen Distanz, finde ich.

Ich halte dies für eine Fehlentwicklung. Die Freude eine Bekanntschaft wieder zu treffen, nur durch Zufall um mit ihr beim Bierchen oder Kaffee eine Runde zu schnacken, ist bei mir wesentlich größer, als zu registrieren dass diese Person endlich mal wieder online ist. Man freut sich auf eine schöne Zeit miteinander, anstatt sich mit oberflächem Hickhack der Farmville-Gemeinde zu zersetzen.Die wirklich echten Freunde, zu denen hat man doch Kontakt, denn die rufen an, wollen wissen was man macht, wie es einem geht und wann man mal wieder zusammen etwas unternimmt.

 
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Kommentare
Maike Hank schrieb am 02.05.2011 um 15:06
Ich blogge seit fast acht Jahren. Für mich gehört es schon dazu, dass es Menschen gibt, die manche Dinge schon von mir wissen, wenn ich zum Erzählen ansetze. Meist lachen wir dann. Zumal, wenn mein Gegenüber vielleicht selbst ein Blog hat und darum weiß, wie das eben ist.
Ich finde nicht, dass man sich aufgrund von Veröffentlichung von Dingen in Blogs, Facebook oder Twitter nichts mehr zu sagen hat. Mir ist aus diesem Grund noch nie nichts mehr eingefallen. Und so erfahre ich wenigstens auch, was bei den Freunden/Verwandten los ist, wenn ich gerade keine Zeit habe für längere Gespräche. Sie sind so viel präsenter für mich.
Auf Facebook bin ich auch mit vielen Leuten befreundet, die nicht Teil meines direkten Umfelds sind, weil sie zum Beispiel in einer anderen Stadt wohnen oder in einem anderen Land, mittlerweile völlig andere Leben führen. So verliert man sich nicht (wieder).
Technixer schrieb am 02.05.2011 um 18:21
liebe maike hank,

wie es zwischen den Zeilen des Blogs hoffentlich durchklingt, so bin ich mir meiner Position bezüglich FB unschlüssig.
"So verliert man sich nicht" dafür gibts doch Skype? Das kann man nutzen, ohne so viele Informationen wie bei FB anzugeben.
Gustlik schrieb am 02.05.2011 um 15:21
Am Anfang der Herde läuft der Esel "Online" und alle traben im nach. Dort ... "dort... dort ist Facebook", jene Fatamogana, in der Revolutionen starten. Zwar haben die Revolutionäre dort kein Wasser, kein Essen und keinen Strom, aber es handelt sich um eine ganz legendäre Generation.
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archinaut hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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