Matthias Buchholz

Moment!

15.03.2011 | 18:27

Warum konservative Politik immer in Katastrophen endet

Laut Wikipedia stammt der Begriff des Konservativen vom lateinischen conservare „erhalten, bewahren".

So steht demnach, und so interpretiere ich die Haltung 'konservativer' Persönlichkeiten, der Erhalt im Vordergrund. Diese Haltung ist grundlegend menschlich, da Informationen immer mit bisher Erfahrenem und Bekannten verglichen werden müssen, um sie zu verarbeiten.

Der Prozess dieser Reflexion hängt davon ab, wie es um die kognitiven Fähigkeiten des Denkenden bestellt ist. Oder auch, wie sehr er durch den natürlichen Impuls der Neugierde getrieben ist.

Das kann immer wieder die Folge haben, dass man sich selbst und sein Handeln in Frage stellt. In einem komparativen System kann dies schnell als Schwäche interpretiert werden. Daher legt man sich Muster zurecht, auf die man zurückgreifen und an denen man seine persönliche Integrität vorweisen kann.

Je nach Komplexität der Auffassungsgabe ergeben sich daraus Muster wie das Familienmodell mit Vater, Mutter, Kind. Oder auch die Auffassung, dass christliche Werte die Maßstäbe für menschliches Zusammenleben seien.

Dabei kann man nicht infrage stellen, dass es Argumente für das traditionelle Familienbild gibt. Man kann auch argumentieren, dass christliche Werte die Möglichkeit zur Aufklärung gaben. Dabei ist aber stets zu beachten, dass nicht das einfache Muster das Argument ist. Ausschließlich die Wirksamkeit des Models misst die Sinnfälligkeit.

So liegt der Sinn einer Familie in erster Linie darin, eine Gemeinschaft zu bilden, die Vertrauen und Sicherheit sowie die Verpflichtung der Solidarität schafft. Daran ist weniger die Komposition von Mann und Frau als vielmehr das Prinzip von Gemeinschaft schuld.

Ein Festhalten am traditionellen Familienbild von Mann und Frau wird vornehmlich von konservativen Personen verteidigt. Homosexualität wurde immer abgelehnt, weil es eben dieses konkrete Muster der Familie zerstört, mit Vater und Mutter. Dass aber die Aufgaben einer Familie auch von homosexuellen Menschen bewältigt werden kann, wird allein deshalb nicht verstanden, weil eben nicht der Sinn der Familie im Vordergrund steht, sondern das Muster das es zu erhalten gilt.

So führt diese Haltung auch dazu, dass man Situationen nicht versucht in ihrer Gesamtheit zu verstehen, sondern sie so umzudeuten, dass die zu erhaltenden Muster nicht umgeworfen werden. Das führt früher oder später zur Eskalation, da die Aufwände zur Verdrängung größer werden und dadurch die Gegenwehr aggressiver wird.

Als aktuelles Beispiel kann man dafür die Integrationsdebatte anführen. Auf der einen Seite die 'Konservativen', die die Veränderungen des Gesellschaftsbildes als Bedrohung empfinden und versuchen, diese als unnatürlich oder feindlich zu beschreiben. Auf der anderen jene, die Problematiken in der Gesellschaftsbildung anerkennen, sich aber nicht auf die Darstellung einlassen.

Denn, würde man der Darstellung der Konservativen folgen müsste man sich über eine Endlösung Gedanken machen. Man müsste die 'störenden Elemente' entfernen, um der Bedrohung zu entgehen, da ein Entgegenkommen nicht zu erwarten sei.

Diese Art der Problemlösung wurde in der Historie der Menschheit schon oft vollzogen. Die Hexenverbrennungen, sämtliche Genozide, der Holocaust. Alle diese Vorgänge basierten auf der Überzeugung, dass das, was einem fremd oder neu ist, dass das was man nicht versteht, bösartig sein müsse.

Es ist nicht zu erwarten, dass der Horizont jedes Menschen dazu ausreicht zu verstehen, warum ein natürlicher Reflex stets zu hinterfragen sein sollte. Die Kapazitäten sind aus verschiedenen Gründen begrenzt. Was wir jedoch haben, sind Regeln, die Argumente bewerten und definieren, nach welchen Protokollen Entscheidungen zu treffen sind. Nämlich das Infragestellen per se.

So verweigert sich das Prinzip des Konservativen der Veränderung. Da jedoch die Veränderung der einzige Nachweis der Existenz ist, ist eben diese Verweigerung von existenzieller Bedeutung. Denn ohne Veränderung gäbe es kein Leben, keine Existenz.

 
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Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 15.03.2011 um 19:09

Denn, würde man der Darstellung der Konservativen folgen müsste man sich über eine Endlösung Gedanken machen. Man müsste die 'störenden Elemente' entfernen, um der Bedrohung zu entgehen, da ein Entgegenkommen nicht zu erwarten sei.



Ich kann sie beruhigen, nicht nur Konservative haben sich diesem Lösungsansatz bedient. Auch Linke fanden ihn ganz sinnvoll, wenn sie an der Macht waren.
de.wikipedia.org/wiki/Das_Schwarzbuch_des_Kommunismus
hadie schrieb am 15.03.2011 um 19:59
Jenseits der Buzzword-Mechanik gibt es den kleinen, aber entscheidenden Unterschied zwischen Wertkonservativen und Strukturkonservativen ...
Matthias Buchholz
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03:20
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